Koordination und Konvention - Die Theorie von David Lewis


Hausarbeit, 2008
19 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vorüberlegungen
2.1 SprachlichesHandeln
2.2 Sprechakttheorie

3. Sprechakte und Intentionen bei John Searle

4. Koordination und Konvention bei David Lewis
4.1 BeispielefürKoordinationsprobleme
4.2 Analyse von Koordinationsproblemen
4.3 Konventionen
4.3.1 Koordinatives Gleichgewicht und Präzedenzfall
4.3.2 Definition Konvention
4.3.3 Beispiele für Konventionen

5. Zusammenfassung

6. Literaturverzeichnis

Koordination und Konvention

Die Theorie von David Lewis

1. Einleitung

Unter einer Konvention versteht man im Allgemeinen eine nicht formal festge­schriebene Regel, die von einer bestimmten Gruppe von Menschen aufgrund ei­ner Übereinkunft eingehalten wird. Diese kann stillschweigend zustande gekom­men oder vereinbart worden sein. David Lewis hat sich mit genau dieser Thematik ausführlich auseinandergesetzt und die 'Sprachkonvention', als zentralen Begriff der philosophischen Bedeutungstheorie, in einer neuen Art und Weise definiert. Mit diesem Aspekt möchte ich mich in meinem Beleg genauer auseinandersetzen. Der Schwerpunkt meiner Arbeit liegt dabei aufder Beschreibung sprachlicher Kon­ventionen als Folge von Koordinationsproblemen, die durch Erreichen eines koor­dinativen Gleichgewichts gelöst wurden. Als Quelle dient mir dabei vor allem das Buch „Konventionen. Eine sprachphilosophische Abhandlung“ von David Lewis aus dem Jahre 1975.

Im ersten Teil der Arbeit stelle ich zunächst einige Vorüberlegungen zum sprachli­chen Handeln und zur Sprechakttheorie im Allgemeinen an. Sie bilden die Grund­lage für die beiden folgenden Kapitel. Daraufhin stelle ich die Sprechakttheorie von John Searle kurz und knapp vor. Dieser setzte sich ausführlich mit Sprechak­ten auseinander und betonte, dass neben Intentionen vor allem Konventionen auf sprachliche Handlungen direkt einwirken und damit über deren Erfolg entscheiden. In Anknüpfung daran, beschäftige ich mich im zweiten Teil der Arbeit umfassend mit David Lewis Überlegungen zu Koordination und Konvention. Anhand von Bei­spielen erläutere ich dabei zunächst, was unter einem Koordinationsproblem zu verstehen ist und wie ein koordinatives Gleichgewicht erzielt werden kann. An­schließend zeige ich - erneut anhand von Beispielen - auf, wie daraus Konventio­nen entstehen können und was genau unter diesem Begriff zu verstehen ist. Den Abschluss bildet eine kurze Zusammenfassung.

2. Vorüberlegungen

2.1 Sprachliches Handeln

Sprachliches Handeln kann als situationsangemessene und auf einen bestimmten Zweck gerichtete Sprachverwendung definiert werden. Voraussetzung dafür ist die auf einer Situationsanalyse beruhende und auf Situationslenkung abzielende In­tention. Zudem setzt sprachliches Handeln Planung voraus und schließt den situa­tionsangemessenen Einsatz sprachlicher Mittel ein.[1]

Weil sprachliches Handeln auch soziales Handeln ist, sind die Auswirkungen nicht ausschließlich von den Intentionen der Sprecher, sondern auch von den Intentio­nen, Erwartungen und Erfahrungen der Handlungspartner abhängig. Das Gelingen hängt also vom Bemühen beider Handlungsteilnehmer ab. Wesentliche Merkmale sprachlichen Handelns sind demnach

- Intentionalität (die Eigenschaft des Bewusstseins bzw. aller seelischen Akte, auf etwas „gerichtet“ zu sein) und
- Konventionalität (Charakterisierung eines durch Gewohnheit entwickelten, sich am allgemein Üblichen orientierenden sozialen Verhaltens, auf wel­ches gegebenenfalls durch Vereinbarung von Regeln Einfluss genommen wurde).[2]

2.2 Sprechakttheorie

Im Rahmen der Sprechakttheorie als Teildisziplin der Sprachphilosophie werden die eben beschriebenen sprachlichen Handlungen untersucht. Die Sprechakttheo­rie basiert aufder Tatsache, dass mit sprachlichen Äußerungen nicht nur Sachver­halte beschrieben werden, sondern darüber hinaus Handlungen bzw. Akte vollzo­gen werden. Dazu zählt beispielsweise die Vergabe eines Namens (Taufe), ein Versprechen (Verpflichtung zu einer Handlung) oder ein Hinweis auf eine Gefahr (Warnung). Zu den wichtigsten Vertretern der Sprechakttheorie gehören John L. Austin und John Searle.[3]

Auf der Grundlage der Philosophie der Alltagssprache begründete Austin die Sprechakttheorie. Er machte darauf aufmerksam, dass man durch Äußerungen unterschiedliche sprachliche Handlungen ausführt, durch die gewollte Wirkungen erzielt werden und bei denen Konventionen beachtet werden müssen. Konventio­nen können hierbei als soziale Normen definiert werden. Sie geben mögliche Ver­haltensweisen und -regelmäßigkeiten in einer sozialen Situation an. Konventionen sind kulturell bedingt und können sich mit der gesellschaftlichen Entwicklung wan­deln.[4]

3. Sprechakte und Intentionen bei John Searle

Searle entwickelte die Sprechakttheorie seines Lehrers Austin weiter. Er unter­schied drei Aspekte eines Sprechaktes:

- den Äußerungsakt,
- den propositionalen Akt und
- den illokutionären Akt.[5]

Alle drei sind zeitgleiche Elemente einer Sprachhandlung, wobei die Bedeutung ei­nes Sprechaktes in seinem propositionalen Gehalt enthalten ist. Dieser kann je nach Kontext und Situation verschiedene illokutionäre Rollen einnehmen, indem er beispielsweise als Frage, Feststellung oder Aufforderung gemeint ist. „Sam raucht gewohnheitsmäßig.“ und „Raucht Sam gewohnheitsmäßig?“ sind Sätze, die dem­nach den gleichen propositionalen Gehalt haben, aber eine durch ihre abweichen­de Intention unterschiedliche illokutionäre Rollen einnehmen. Das heißt, wenn zwei illokutionäre Akte die gleiche Referenz und die gleiche Prädikation haben, liegt eine Proposition vor. Der propositionale Akt setzt sich dabei zusammen aus Prädikation (grammatisches Prädikat), Referenz (Eigenname, Subjekt) und syn­taktischer Struktur.[6]

Searles Bedeutungstheorie gründet sich auf dem Begriff der Regel. Regeln stellen bei Searle das Gelingen eines Sprechaktes sicher. Er unterscheidet dabei:

- konstitutive Regeln und
- regulative Regeln.[7]

Konstitutive Regeln sollen Sachverhalte regeln - die unabhängig von ihnen - be­reits bestehen (z.B. formale Regeln eines Spiels). Regulative Regeln hingegen sind die Bedingung für den Sachverhalt, den sie regeln. Sie bestimmen die Art und Weise des Sprachgebrauchs (z.B. Formen der Höflichkeit, Grußformen).[8] Was die Intentionalität betrifft, bezieht sich Searle auf Paul Grice und stellt fest, dass das Erkennen der Bedeutung bzw. der Ab sicht eines Sprechers sich auf der Kenntnis von Regeln und Konventionen durch den Sprecher gründet. Sie sind grundlegend, um den Zugang des Hörers zum propositionalen Gehalt und zur illo- kutionären Rolle einer Äußerung zu gewährleisten.[9]

Searle betont, dass neben Intentionen besonders Konventionen auf sprachliche Handlungen direkt einwirken und über den Erfolg von Sprechakten entscheiden - „Illokutionäre Akte vollziehen heißt, eine regelgeleitete Form von Verhalten ausfüh­ren“.[10]

4. Koordination und Konvention bei David Lewis

David Lewis bezieht sich auf das im vorhergehenden Punkt angesprochene Ver­hältnis von Konventionen und Intentionalität. Er sieht Sprache dabei als Funktion zwischen den Bedeutungen und den Lautzeichen. Durch ihren Einsatz und Ge­brauch hat Sprache außerdem einen sozialen Aspekt, denn sie vermittelt zwischen den Ansichten des Sprechers und dem Verstehen des Hörers (bzw. den Hand­lungsteilnehmern). Diesbezüglich führen Konventionen zu festen Regelmäßigkei­ten im Verhalten der Beteiligten.[11]

Sprachliche Bedeutung ist - da Kommunikation durch Interessen bestimmt wird - in jedem Fall durch einen intentionalen Aspekt gekennzeichnet. Konventionen füh­ren nun dazu, dass zwischen den Beteiligten Koordinationsversuche stattfinden, welche oftmals durch angestrebte und aufeinander abgestimmte Zielvorstellungen charakterisiert sind. Die Kommunikations- bzw. Handlungsteilnehmer forcieren in der Regel ein koordinatives Gleichgewicht, welches durch übereinstimmende Er­wartungen erreicht wird. Die Koordination entsteht durch gegenseitige Einigkeit über Regularitäten, die damit zu Konventionen innerhalb einer Gemeinschaft wer­den.[12] Im Folgenden wird dies durch Beispiele und tiefgründigere Ausführungen untermauert.

4.1 Beispiele für Koordinationsprobleme

Nach Lewis vollzieht sich die Verwendung der Sprache, wie bereits angedeutet, in Situationen. Diese haben alle eine auffällige Gemeinsamkeit - sie stellen Koordi­nationsprobleme.[13]

Beispiel 1: Zwei Personen telefonieren miteinander. Unerwartet wird nach drei Mi­nuten die Leitung unterbrochen. Beide wollen, dass die Verbindung umgehend wiederhergestellt wird. Dies geschieht nur dann, wenn eine Person zurückruft, während die andere wartet. Für beide ist es unwichtig, wer zurückruft. Sie müssen beide entscheiden, ob sie zurückrufen und zwar jeder von ihnen entsprechend sei­ner Erwartung bezüglich der Entscheidung des anderen.

Beispiel 2: Zwei Personen rudern gemeinsam ein Boot. Wenn sie im gleichen Rhythmus rudern, bewegt sich das Boot geradlinig fort. Wenn nicht, kommt es nur langsam und ziellos voran und - sie verschwenden Kraft und laufen Gefahr ir­ gendwo anzustoßen. Sie müssen demnach wählen, ob sie schneller oder langsa­mer rudern. Jeder ist also bemüht, seinen Rhythmus dem anzugleichen, den er vom anderen erwartet.

Beispiel 3: Mehrere Personen fahren auf derselben kurvenreichen zweibahnigen Straße. Für jeden Einzelnen ist es nicht von Bedeutung, ob er auf der rechten oder

[...]


[1] Intemetquelle Schoenke: Stichwort 'Sprachliches Handeln'

[2] Ebenda, Stichwort 'Konventionalität'; 'Intentionalität'

[3] Schweikle 1990: Stichwort'Sprechakttheorie'

[4] Intemetquelle Schoenke: Stichwort 'Sprechakttheorie'

[5] Searle 1971:S.40

[6] Ebenda, S. 40-42

[7] Searle 1971: S. 54

[8] Ebenda, S. 54-55

[9] Searle 2003, S. S. 83-88

[10] Internetquelle Schoenke: Stichwort 'Konventionen'

[11] Meixner 2006: S. 105-108

[12] Meixner 2006: S. 105-108

[13] Vgl. Lewis 1971: S. 5-6 (Beispiele)

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Koordination und Konvention - Die Theorie von David Lewis
Hochschule
Universität Leipzig  (Institut für Germanistik)
Veranstaltung
HS Sprechchöre
Note
1,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
19
Katalognummer
V129731
ISBN (eBook)
9783640359769
ISBN (Buch)
9783640359417
Dateigröße
523 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Koordination, Konvention, Theorie, David, Lewis
Arbeit zitieren
Sophie Männel (Autor), 2008, Koordination und Konvention - Die Theorie von David Lewis , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/129731

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