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Estrithe Erzieherin und Verkörperung des Privaten in Johann Elias Schlegels -Canut-

Title: Estrithe Erzieherin und Verkörperung des Privaten in Johann  Elias Schlegels -Canut-

Term Paper (Advanced seminar) , 2002 , 19 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Daniel Brüggemann (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

Einleitung

Im Sommer des Jahres 1746 vollendete Johann Elias Schlegel „Canut“, sein letztes Trauerspiel, bevor er 1749 in Sorø starb. Das Stück handelt von der Zeitenwende von der „Barbarei“ zum Zeitalter der Aufklärung. Schlegel stellt in der Hauptperson des Canut seine Idealvorstellung eines aufgeklärten Monarchen vor. Canut, der nicht mit Gewalt regiert, sondern das Herrschen als die hohe Verpflichtung gegenüber den Untertanen versteht1, war von Schlegel als Vorbildfigur für den realen König von Dänemark, Friedrich V. konzipiert2, und verkörperte seine Vorstellung vom aufgeklärten Absolutismus.

Ihm gegenüber steht Ulfo als Außenseiter der neuen Gesellschaft, der mit dem neuen Verständnis von Gemeinschaft nichts anzufangen weiß3.

In der allgemeinen Forschung wurde viel über den Gegensatz dieser Welten geschrieben und über die Bedeutung und Funktion Ulfos im Stück. Bereits die zeitgenössischen Kritiker wie Lessing und Nicolai konzentrierten sich vollends auf die Gestalt des Ulfo und ihre Wirkung auf die Zuschauer. Nicolai geht sogar so weit, das Stück ändern zu wollen und Ulfo den Canut ermorden zu lassen, welcher ihm sterbend vergeben und so seine Güte besser zum Ausdruck bringen sollte4. Die neuere Forschung und die zeitgenössische Kritik haben diese einseitige Fokussierung auf die Personen Canut und Ulfo gemeinsam, nur selten wird auf die Gestalt der Estrithe, Canuts Schwester und Ulfos Ehefrau, dezidierter eingegangen. Ihre Rolle wird meist auf den Konflikt zwischen ehelichen und verwandtschaftlichen Pflichten reduziert. Eine rühmliche Ausnahme bildet hierbei Sybille Plassmann mit ihrem im Jahr 2000 erschienenen Buch „Die humane Gesellschaft und ihre Gegner in den Dramen von J.E. Schlegel“. Sie geht darin vor allem auf die Entwicklung der Figur ein.

Diese Arbeit soll nun neben dem Aspekt der Entwicklung Estrithes auch ihre Funktion bei dem Versuch der Erziehung Ulfos zu einem den neuen gesellschaftlichen Normen angepassten Menschen eingehen, und zeigen, in wie fern Estrithe als Verkörperung des Privaten und als Vorläuferin der Heldin des bürgerlichen Trauerspiels gesehen werden kann.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Entwicklung Estrithes

3. Estrithe als Erzieherin

4. Der Innere Konflikt und der Aspekt des Privaten

5. Estrithe als Vorläuferin der Heldin des bürgerlichen Trauerspiels

6. Fazit

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Diese Arbeit untersucht die Figur der Estrithe in Johann Elias Schlegels Trauerspiel „Canut“ und analysiert dabei insbesondere ihre persönliche Entwicklung, ihre Rolle als Erzieherin sowie ihre Funktion als Verkörperung des Privaten im Kontext der aufklärerischen Dramatik.

  • Die Charakterentwicklung der Estrithe im Verlauf der Handlung.
  • Estrithes Funktion als Erzieherin und ihr gescheiterter Versuch der Reintegration von Ulfo.
  • Die Analyse des inneren Konflikts zwischen privater Zuneigung und öffentlicher Pflicht.
  • Die Einordnung der Figur als Vorläuferin der Heldin des bürgerlichen Trauerspiels.
  • Der gesellschaftliche und moralische Kontext im Hinblick auf das aufklärerische Menschenbild.

Auszug aus dem Buch

3. Estrithe als Erzieherin

Neben der Entwicklung, die Estrithe durchmacht, hat sie noch eine wesentliche Funktion für einen weiteren wichtigen Aspekt des Trauerspiels „Canut“. Sybille Plassmann nennt „Canut“ ein „Lehrstück über Erziehung“. An dieser Erziehung, die sich vor allem auf Ulfo richtet, sind alle Personen beteiligt, sie bemühen sich, den Außenseiter Ulfo in das Normgefüge zurückzuführen. Dabei gehen sie vom Menschenbild der Aufklärung aus, das jedem Individuum den Funken des Guten in seinem Inneren zubilligt. Nach dem Leitsatz „es irrt der Mensch solang er strebt“, wie Goethe ihn später formulierte, wurde es jedem Menschen zugestanden, den falschen Weg einzuschlagen, unter der gleichzeitigen Annahme, ihn noch retten zu können.

Diese Errettung nun versuchen die Hauptpersonen des Stücks für Ulfo zu erlangen, und zwar auf unterschiedlichste Weise. Während Canut es mit Güte, Nachsichtigkeit und seinem Guten Beispiel versucht, wird Godewin erst später zu Ulfos Fürsprecher, versucht ihn hierdurch zu retten.

Die wichtigste und differenzierteste Rolle bei dem Versuch der Erziehung Ulfos aber spielt Estrithe. Das bereits erwähnte Bitten und Flehen ist dabei zunächst ihre Methode, auch wenn sie von Anfang an erfolglos bleibt. „Du schlägst mir ab, was ich zu deinem Wohlsein bat“ muss sie bei ihrer Ankunft in Kopenhagen erkennen. Auch vom Duell mit Godewin versucht sie ihn durch vielfaches Flehen abzuhalten. Mit der Bitte „So häufe doch nicht stets durch Frevel meine Qual“ soll Ulfo zuletzt durch den Hinweis auf Estrithes Leid umgestimmt werden, doch auch dies gelingt nicht einmal im Ansatz. Ihrem Bruder Canut gegenüber zeigt sie sich der Tatsache bewusst, das Ulfo ihr Bitten nicht erhört.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Werk „Canut“ ein, stellt die Hauptfiguren vor und skizziert die Forschungslücke bezüglich der Rolle der Estrithe.

2. Die Entwicklung Estrithes: Dieses Kapitel analysiert Estrithes Wandel von einer passiven, bittenden Ehefrau hin zu einer selbstbewussten Person, die Tugend und Verstand über ihre einstige Hörigkeit stellt.

3. Estrithe als Erzieherin: Der Abschnitt beleuchtet Estrithes vergebliches Bemühen, ihren Mann Ulfo im Sinne aufklärerischer Ideale zu erziehen und in die neue Gesellschaft zu integrieren.

4. Der Innere Konflikt und der Aspekt des Privaten: Hier wird Estrithes Zerrissenheit zwischen der ehelichen Treue zu Ulfo und der moralischen Verpflichtung gegenüber ihrem Bruder und dem Staat analysiert.

5. Estrithe als Vorläuferin der Heldin des bürgerlichen Trauerspiels: Das Kapitel vergleicht Estrithe mit anderen bekannten Frauenfiguren des 18. Jahrhunderts und verortet sie in der Tradition des bürgerlichen Trauerspiels.

6. Fazit: Das Fazit fasst die Bedeutung von Estrithe als zentrale Identifikationsfigur des Stücks zusammen und überträgt ihre Relevanz auf gesellschaftliche Diskussionen des 21. Jahrhunderts.

Schlüsselwörter

Johann Elias Schlegel, Canut, Estrithe, Aufklärung, Erziehung, bürgerliches Trauerspiel, innerer Konflikt, moralische Pflicht, Tugend, Identifikationsfigur, Ulfo, Literaturwissenschaft, Drama des 18. Jahrhunderts.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die Figur der Estrithe in Johann Elias Schlegels Trauerspiel „Canut“ und untersucht deren Rolle als Verbindungspunkt zwischen den Welten von Canut und Ulfo.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Im Fokus stehen die Charakterentwicklung der Estrithe, ihre erzieherischen Bemühungen gegenüber ihrem Ehemann sowie ihre Rolle als Verkörperung privater Konflikte im staatlichen Machtgefüge.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, Estrithe nicht nur als bloße Ehefrau, sondern als komplexe Identifikationsfigur zu begreifen und ihre Funktion als Vorläuferin der Heldin des bürgerlichen Trauerspiels herauszuarbeiten.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Der Autor stützt sich auf eine tiefgehende literaturwissenschaftliche Analyse des Primärtextes unter Einbeziehung relevanter Sekundärliteratur zu J.E. Schlegels Dramen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Estrithes Entwicklungsprozess, ihre erzieherischen Versuche, den inneren moralischen Konflikt zwischen Pflicht und Liebe sowie ihre literaturgeschichtliche Verortung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?

Zentrale Begriffe sind Aufklärung, Erziehung, Identifikationsfigur, Tugend, innerer Konflikt und bürgerliches Trauerspiel.

Wie unterscheidet sich Estrithe von anderen Figuren bei Schlegel?

Laut der Arbeit zeichnet sich Estrithe im Gegensatz zur typisierten Darstellung anderer Figuren durch eine psychologische Tiefe aus, die den Vergleich mit Lessings Charakterdarstellungen ermöglicht.

Welche Relevanz sieht der Autor im Fazit für die heutige Zeit?

Der Autor zieht Parallelen zu aktuellen gesellschaftlichen Problemen und betont, dass Estrithes unermüdliches Streben, Außenseiter nicht aufzugeben, auch heute als Beispiel für einen verantwortungsvollen Umgang mit Randgruppen dienen sollte.

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Details

Title
Estrithe Erzieherin und Verkörperung des Privaten in Johann Elias Schlegels -Canut-
College
University of Augsburg  (Lehrstuhl für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft)
Course
Seminar: Geschichte des Dramas im 18. Jahrhundert
Grade
1,7
Author
Daniel Brüggemann (Author)
Publication Year
2002
Pages
19
Catalog Number
V12973
ISBN (eBook)
9783638187404
Language
German
Tags
Canut Schlegel Drama des 18. Jhd. Aufklärung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Daniel Brüggemann (Author), 2002, Estrithe Erzieherin und Verkörperung des Privaten in Johann Elias Schlegels -Canut-, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/12973
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