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Identität märchenhafter Figurentypen im Werk E.T.A. Hoffmanns. Bedeutung und Auswirkung des Wunderbaren

Titel: Identität märchenhafter Figurentypen im Werk E.T.A. Hoffmanns. Bedeutung und Auswirkung des Wunderbaren

Masterarbeit , 2021 , 78 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Florian Langenbach (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

In der Arbeit werden die Auswirkungen der Verflechtung der wunderbaren mit der alltäglichen Welt in den Märchen E.T.A. Hoffmanns herausgearbeitet. Dazu wird anhand der konstruierten Identität der Helden, die im Zentrum der Analyse stehen, aber auch anderer typischer Märchenfiguren, untersucht , wie Hoffmann die wunderbaren Elemente seiner Erzählungen nutzt, um die romantischen und aufklärerischen Anschauungen zwischen natürlichen und übernatürlichen Weltbildern zu reflektieren und zu kritisieren.

In einem einführenden Kapitel werden zunächst die Einflüsse E.T.A. Hoffmanns skizziert, wobei insbesondere die romantische Ironie Friedrich Schlegels sowie das triadische Geschichtsmodell Gotthilf Heinrich Schuberts im Fokus stehen. Nachdem darüber hinaus einige Hintergrundinformationen zu den einzelnen Märchen dargelegt werden, die ein besseres Einordnen der Texte ermöglichen, werden in den theoretischen Grundlagen der Märchenbegriff nach Neuhaus erläutert und Forschungsbeiträge zur Identität in der Romantik beleuchtet, wobei Reckwitz‘ Ausführungen zum Subjekt der Moderne als Grundlage dienen. Abschließend wird die historische Entwicklung realer und literarischer Heldenfiguren skizziert.

Im Anschluss an die Analyse werden die Erkenntnisse unter anderem auf die Verwendung ironischer Distanz bezogen, wobei die Entwicklung von "Der goldne Topf" bis zu "Meister Floh" reflektiert wird. In diesem Zusammenhang werden auch die Unterschiede in der Darstellung von Bürgern und Künstlern interpretiert, die sich (vereinfacht gesagt) daraus ergeben, dass Künstler empfänglich für das Wunderbare sind, während Bürger dieses ablehnen. Auch welche Wirkung dadurch erzeugt wird, dass Hoffmann Figuren des Märchens nutzt, wird dabei thematisiert.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

1.1 Einflüsse E.T.A. Hoffmanns

1.2 Hintergrundinformationen zu den Märchen

2 Theoretische Grundlagen

2.1 Definition des Märchenbegriffs

2.2 Identität in der Moderne

2.3 Helden in der Literatur

3 Der goldene Topf

3.1 Anselmus

3.2 Archivarius Lindhorst und das Äpfelweib

3.3 Veronika und Serpentina

4 Klein Zaches genannt Zinnober

4.1 Balthasar

4.2 Prosper Alpanus und Klein Zaches

4.3 Candida

5 Prinzessin Brambilla

5.1 Giglio Fava

5.2 Celionati

5.3 Giacinta

6 Meister Floh

6.1 Peregrinus Tyß

6.2 Leuwenhöck, Swammerdamm und Meister Floh

6.3 Prinzessin Gamaheh und Röschen

7 Zusammenfassung

7.1 Entwicklung der ironischen Distanz

7.2 Künstler versus Bürger

7.3 Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Konstruktion der Identität märchenhafter Figuren im Werk von E.T.A. Hoffmann. Dabei steht primär die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie Hoffmann die Identitäten von Helden, schönen Frauen und Zauberern gestaltet und wie er diese Figuren nutzt, um das Verhältnis zwischen der alltäglichen Wirklichkeit und dem Wunderbaren sowie die künstlerische Identität in der Moderne zu reflektieren.

  • Analyse der Identitätskonstruktion von Hoffmanns literarischen Heldenfiguren.
  • Untersuchung der Funktion des Wunderbaren im Kontext von Romantik und Aufklärung.
  • Interpretation der Spannungsfelder zwischen Künstlertum und bürgerlicher Gesellschaft.
  • Beleuchtung der Bedeutung von ironischer Distanz in den Märchen.
  • Diskussion der Bedeutung von Geschlechterrollen und Stereotypen in den Erzählungen.

Auszug aus dem Buch

3.1 Anselmus

Der Name des Märchenhelden Anselmus ist vermutlich deswegen gewählt worden, weil er im katholischen Kalender der Heilige des 18. März ist, dem Geburtstag von Julia Mark, einer ehemaligen Gesangsschülerin Hoffmanns, in die er sich 1810 trotz des Umstands, dass sie erst 14 Jahre alt war, verliebte. Darüber hinaus bedeutet der Name der „von Gott beschützte“, was bereits die Entwicklung vorausdeutet, die er im Handlungsverlauf durchlebt. Zu Beginn wirkt er durch seine Tollpatschigkeit, die sich darin zeigt, dass er im Lauf versehentlich den Apfelkorb einer alten Frau (der Rauerin) umwirft, eher ungeschützt und auch die Nähe zu Gott, beziehungsweise einem höheren Sein im Sinne des triadischen Geschichtsmodells, wird kontrapunktiert, indem Anselmus von ebendieser Frau als „Satanskind“ bezeichnet wird und auch nur „dem Satan zum Trotz Student geworden“ ist. Insgesamt ist die Erscheinung des Protagonisten unstimmig. Sein kräftiger Wuchs und sein wohlgebildetes Gesicht stehen seinem Ungeschick gegenüber. Seine Kleidung besitzt „einen gewissen magistermäßigen Styl“ und lässt Andeutungen eines modernen Schnitts erkennen, ohne ihm jedoch zu entsprechen, wodurch er außerhalb aller Mode liegt.

Gemeinsam mit der Tatsache, dass Anselmus vom Pech verfolgt ist, was Hoffmann humoristisch damit ausführt, dass sein Butterbrot immer auf die fettige Seite fällt und er stets Flecken auf neuer Kleidung hinterlässt, ergibt sich das Gesamtbild, dass er sich in die alltägliche Welt nicht einfügen kann, was in zweierlei Hinsicht zu präzisieren ist. Zum einen ist zu betonen, dass das Anpassen tatsächlich am Können und nicht am Wollen scheitert, was daran festzumachen ist, dass er wegen der genannten Reibungspunkte unzufrieden ist. Zum anderen dürfen die Differenzen nicht so verstanden werden, dass sie das völlige Entfernen vom Bürgertum bedeuten. Im Gegenteil, Anselmus sucht die Nähe und Freundschaft der bürgerlichen Figuren Heerbrand und Paulmann, welche verschiedene Abstufungen der Wirklichkeitsebenen symbolisieren.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Dieses Kapitel verortet das Werk E.T.A. Hoffmanns innerhalb der Literaturgeschichte und stellt die zentrale Forschungsfrage nach der Identitätskonstruktion von Märchenfiguren sowie der Verflechtung von Wunderbarem und Alltag.

2 Theoretische Grundlagen: Hier werden der Märchenbegriff sowie theoretische Konzepte zu Identität und Heldenfiguren in der Moderne diskutiert, um eine Basis für die anschließende Analyse zu schaffen.

3 Der goldene Topf: Dieses Kapitel analysiert die Identitätsentwicklung von Anselmus sowie die Funktionen von Archivarius Lindhorst, dem Äpfelweib, Veronika und Serpentina innerhalb von Hoffmanns erstem Kunstmärchen.

4 Klein Zaches genannt Zinnober: Hier stehen die Charakterisierung von Balthasar, die Rolle von Prosper Alpanus und Klein Zaches sowie die Bedeutung von Candida zur Debatte, wobei der Fokus auf dem satirischen Potenzial der Erzählung liegt.

5 Prinzessin Brambilla: Kapitel 5 untersucht die Identitätsproblematik von Giglio Fava, die Funktion von Celionati als Mentor und die Entwicklung von Giacinta innerhalb dieses sogenannten „Capriccios“.

6 Meister Floh: Der letzte Abschnitt analysiert die Entwicklung von Peregrinus Tyß, das Wirken von Leuwenhöck und Swammerdamm sowie das Auftreten von Prinzessin Gamaheh und Röschen im Kontext der rationalen und magischen Welten.

7 Zusammenfassung: Dieses Kapitel synthetisiert die Ergebnisse, indem es die Entwicklung der ironischen Distanz über die verschiedenen Werke hinweg nachzeichnet und das Verhältnis von Künstler zu Bürger abschließend interpretiert.

Schlüsselwörter

E.T.A. Hoffmann, Identitätskonstruktion, Kunstmärchen, Wunderbares, Romantik, Aufklärung, Wirklichkeitsmärchen, Heldenfiguren, Ironische Distanz, Subjekt, Poetisches Gemüt, Literaturwissenschaft, Identitätsdiskurs, Künstlertum, Bürgerwelt.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie E.T.A. Hoffmann in seinen Kunstmärchen Identität gestaltet und dabei das Spannungsfeld zwischen der alltäglichen bürgerlichen Welt und dem Wunderbaren ästhetisch verhandelt.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Im Fokus stehen die Identitätskonstruktion durch Auseinandersetzung mit dem Wunderbaren, die Rolle der Helden, die kritische Darstellung des Bürgertums und der Einsatz von ironischer Distanz.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die Arbeit fragt danach, wie Hoffmann die Identität wiederkehrender Märchenfiguren (Held, schöne Frau, Zauberer) konstruiert und welche gesellschaftskritischen Potentiale sich daraus für das bürgerliche und künstlerische Selbstverständnis ableiten lassen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die verschiedene Primärtexte Hoffmanns textimmanent untersucht und in den theoretischen Kontext von romantischem Identitätsdiskurs und Subjektanalyse (u.a. nach Reckwitz) stellt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der vier Märchen „Der goldene Topf“, „Klein Zaches“, „Prinzessin Brambilla“ und „Meister Floh“, wobei jede Erzählung hinsichtlich ihrer Protagonisten, Mentoren und weiblichen Identitäten interpretiert wird.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

Zentrale Begriffe sind Identitätskonstruktion, Wirklichkeitsmärchen, Ironie, Künstlertum, Subjektivität und das Wunderbare als literarisches und philosophisches Element.

Warum spielt die Unterscheidung zwischen „Künstler“ und „Bürger“ eine solch zentrale Rolle bei Hoffmann?

Hoffmann nutzt diese Dichotomie, um die Spannung zwischen einem rational-nutzenorientierten bürgerlichen Leben und einem idealistisch-poetischen Künstlertum zu beleuchten, wobei er beide Weltmodelle ironisch hinterfragt.

Welche Besonderheit weisen Hoffmanns „Zauberer-Figuren“ auf?

Bei Hoffmann fungieren Zauberer oft als Mentoren, die dem Helden den Weg zum Wunderbaren ebnen. Sie besitzen dabei oft keine eigene tiefgehende Identität, sondern dienen dazu, den Helden auf seinem Weg der Identitätsfindung aktiv zu konstruieren.

Ende der Leseprobe aus 78 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Identität märchenhafter Figurentypen im Werk E.T.A. Hoffmanns. Bedeutung und Auswirkung des Wunderbaren
Hochschule
Universität Koblenz-Landau
Note
1,0
Autor
Florian Langenbach (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2021
Seiten
78
Katalognummer
V1297540
ISBN (PDF)
9783346768681
ISBN (Buch)
9783346768698
Sprache
Deutsch
Schlagworte
identität figurentypen werk hoffmanns bedeutung auswirkung wunderbaren
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Florian Langenbach (Autor:in), 2021, Identität märchenhafter Figurentypen im Werk E.T.A. Hoffmanns. Bedeutung und Auswirkung des Wunderbaren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1297540
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Leseprobe aus  78  Seiten
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