Ich möchte in dieser Hausarbeit einen allgemeinen Einblick über die Heiratpräferenzen bei nicht- Brahmanen und Brahmanen in Tamil Nadu geben. Dabei beziehe ich mich hauptsächlich auf die Ausführungen von Karin Kapadia. 1993. „Marrying Money: Changing Preference and Practice in Tamil Marriage.“ Wie sind die Heiratspräferenzen der drawidischen Gesellschaft, in der seit der Entstehung des Kastensystems vor allem Endogamie herrscht?
Im zweiten Teil gehe ich auf die Durchführung einer traditionellen Brahmanenhochzeit in Tamil Nadu ein. Ich möchte dies anhand eines Beispiels meiner Informanten in Madras darlegen. Ich habe mir dabei die Frage gestellt, ob sich die Hochzeit von Brahmanen aus Madras in der heutigen Zeit verändert hat, wenn man sie der ´traditionellen` Durchführung gegenüberstellt.
Inhaltsverzeichnis
Einführung
1. Heiratspräferenzen in der Verwandtschaft
1.1. Kreuzcousin/ - cousinen Hochzeit (KcH) und MB – Hochzeit in Tamil Nadu
1.2. Matrilaterale und patrilaterale Präferenz
1.3. Traditioneller Kontext von nicht – Brahmanen und Brahmanen Hochzeit in Kapadias Aruloor
1.4. Vorteile der Nahverwandtschaftsheirat bei nicht – Brahmanenfrauen im Vergleich mit Brahmanenfrauen in Aruloor
1.5. Zusammenfassung
2. Planung und Durchführung einer Hindu - Brahmanenhochzeit am Beispiel des Ehepaares Ganesh und Sripriya
2.1. Die Hochzeitsriten bei Ganesha und Sripriya im traditionellen Vergleich
2.2. Schlussfolgerung
3. Literatur
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Heiratspräferenzen innerhalb der tamilischen Gesellschaft, mit einem besonderen Fokus auf die Unterschiede zwischen nicht-brahmanischen und brahmanischen Gruppen. Das primäre Ziel ist es, den traditionellen Kontext dieser Heiratsentscheidungen zu beleuchten und am Fallbeispiel von Ganesh und Sripriya aufzuzeigen, wie sich brahmanische Hochzeitsriten in der heutigen Zeit gestalten und inwiefern sie von überlieferten Mustern abweichen.
- Analyse der Kreuzcousin-Heirat und ihrer regionalen Präferenzen in Tamil Nadu.
- Gegenüberstellung des Status von Frauen bei nicht-brahmanischen und brahmanischen Eheschließungen.
- Detaillierte Dokumentation des Ablaufs einer traditionellen hinduistischen Brahmanenhochzeit.
- Untersuchung der Hierarchieverhältnisse zwischen Braut- und Bräutigamfamilie.
Auszug aus dem Buch
1. 4. Vorteile der Nahverwandtschaftsheirat bei nicht – Brahmanenfrauen im Vergleich mit Brahmanenfrauen in Aruloor
Die traditionelle Nahverwandtschaftsheirat wird von vielen nicht – Brahmanenfrauen bevorzugt, da die Frau einen hohen Status und einen wichtigen Grad der Unabhängigkeit behält. Es besteht eine gleichwertige Beziehung zwischen den Eltern der Braut und des Bräutigams. Außerdem ist die Braut in der Familie aufgewachsen und somit mit allen Familienmitgliedern vertraut. Sie kann jederzeit zu ihren Eltern gehen und kann von diesen jederzeit Unterstützung bekommen. Ein Nachteil ist, dass, wenn das Ehepaar Streit bekommt, sich die Eltern der Braut einmischen können und ein großer Familienstreit entstehen kann. Trotzdem steht die Braut in einer sicheren Position in ihrer Gesellschaft. Falls die Braut von ihrem Ehemann schlecht behandelt wird, kann sie jederzeit zu ihren Eltern oder zu ihrem Bruder zurückkehren. Dies wird akzeptiert, da sie das Recht hat zurückzukommen.
Diese Tatsache spiegelt den Kontrast zwischen nicht – Brahmanen Tamil Heirat und Brahmanen Heirat deutlich wieder. Die Brahmanenfrau hat nicht das Recht zu ihren Eltern zurückzukehren. Wenn eine Brahmanenfrau von ihrem Ehemann verlassen wird, muss sie ohne Unterstützung alleine zurechtkommen. Um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren, muss sie arbeiten gehen. Sie zählt ohne Ehemann und mit Beruf als sozial anormal und wird von anderen Brahmanen gemieden.
Zusammenfassung der Kapitel
Einführung: Die Autorin legt den Grundstein für die Untersuchung der Heiratspräferenzen in Tamil Nadu und stellt die Forschungsfrage nach der Veränderung brahmanischer Hochzeitsriten.
1. Heiratspräferenzen in der Verwandtschaft: Dieses Kapitel analysiert endogame Heiratsmuster und den Einfluss des Kastensystems auf die Wahl der Ehepartner.
1.1. Kreuzcousin/ - cousinen Hochzeit (KcH) und MB – Hochzeit in Tamil Nadu: Hier werden die spezifischen Verwandtschaftsregeln und die Bevorzugung der Heirat zwischen den Kindern der Geschwister der Eltern erläutert.
1.2. Matrilaterale und patrilaterale Präferenz: Das Kapitel differenziert zwischen der Bedeutung der mütterlichen und väterlichen Seite bei der Identitätsbestimmung des Gatten.
1.3. Traditioneller Kontext von nicht – Brahmanen und Brahmanen Hochzeit in Kapadias Aruloor: Es wird der sozio-kulturelle Rahmen der Hochzeitsvorbereitungen in der untersuchten Region dargestellt.
1.4. Vorteile der Nahverwandtschaftsheirat bei nicht – Brahmanenfrauen im Vergleich mit Brahmanenfrauen in Aruloor: Hier werden die sozialen Sicherungsmechanismen der Frau durch Nahverwandtschaftsheiraten gegen die brahmanische Praxis abgewogen.
1.5. Zusammenfassung: Dieses Kapitel bündelt die Erkenntnisse über die Varianten des drawidischen Heiratssystems und weist die Existenz eines einzelnen „Prototyps“ zurück.
2. Planung und Durchführung einer Hindu - Brahmanenhochzeit am Beispiel des Ehepaares Ganesh und Sripriya: Ein konkretes Fallbeispiel illustriert die praktische Anwendung ritueller Heiratsvorschriften in der Moderne.
2.1. Die Hochzeitsriten bei Ganesha und Sripriya im traditionellen Vergleich: Ein detaillierter Abgleich der bei Ganesh und Sripriya durchgeführten Riten mit den traditionell gelehrten Modellen.
2.2. Schlussfolgerung: Die Autorin reflektiert die Transformation ritueller Praktiken und betont die fortbestehende sozio-hierarchische Asymmetrie in modernen brahmanischen Ehen.
3. Literatur: Auflistung der für die Untersuchung herangezogenen wissenschaftlichen Werke.
Schlüsselwörter
Heiratspräferenzen, Tamil Nadu, Brahmanen, Kreuzcousin-Heirat, Kastensystem, Endogamie, Hochzeitsriten, hinduistische Hochzeit, Verwandtschaftssystem, Matrilateralität, Patrilateralität, Kanyadana, Dravidische Kultur, Ehe-Traditionen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht Heiratspräferenzen und rituell-traditionelle Eheschließungen in der südindischen Region Tamil Nadu, wobei insbesondere die Unterschiede zwischen brahmanischen und nicht-brahmanischen Kasten betrachtet werden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf Verwandtschaftsstrukturen (insbesondere der Kreuzcousin-Heirat), der soziologischen Stellung der Frau innerhalb verschiedener Gruppen und der detaillierten Beschreibung hinduistischer Hochzeitsrituale.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu verstehen, wie sich traditionelle brahmanische Hochzeitsriten in der heutigen Zeit, dargestellt am Beispiel eines Paares aus Madras, gegenüber überlieferten Modellen verändert haben.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine Kombination aus literaturwissenschaftlicher Analyse bestehender ethnologischer Studien (z.B. Karin Kapadia) und einer empirischen Fallstudie basierend auf Informanteninterviews.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen der drawidischen Verwandtschaftssysteme erläutert, gefolgt von einer detaillierten prozessualen Beschreibung der Hochzeitsriten bei Ganesh und Sripriya.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Heiratspräferenzen, Brahmanen, Endogamie, Verwandtschaftssysteme, Kanyadana und hinduistische Riten charakterisieren.
Warum ist die Unterscheidung zwischen matrilateraler und patrilateraler Präferenz so wichtig?
Diese Unterscheidung ist zentral für das Verständnis des sozialen Status der Frau: Während die matrilaterale Präferenz oft mit einer höheren Unabhängigkeit der Frau korreliert, festigt die patrilaterale Präferenz bei Brahmanen die Bedeutung der männlichen Ahnenlinie.
Was bedeutet der „kanyadana“-Ethos in diesem Kontext?
Der kanyadana-Ethos beschreibt die Übergabe der Braut an die Familie des Bräutigams, wodurch die Tochter rechtlich und sozial in die Familie ihres Mannes eingegliedert wird und ihre Bindung zum Elternhaus stark abnimmt.
Wird die traditionelle Methode heute noch strikt eingehalten?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass die moderne Brahmanenhochzeit zwar weiterhin den tradierten Riten folgt, jedoch in vereinfachter Form stattfindet und einige Riten bei modernen Paaren teilweise modifiziert oder weggelassen werden.
- Quote paper
- Marion Zimmermann (Author), 2001, Heiratspräferenzen in Tamil Nadu und die brahmanische Hochzeit am Beispiel von Ganesh und Sripriya aus Madras, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/12976