In welche Kategorien kann man sprachliche Zeichen einteilen? Welche „Voraussetzungen“ muss ein sprachliches Zeichen erfüllen, um einer bestimmten Klassifizierung anzugehören? Und sind diese Zuordnungen statisch, bleibt ein Zeichen also immer ein- und dasselbe Zeichen? Wie entstehen Symbole?
Diese Fragen sollen in der vorliegenden Hausarbeit erörtert werden. Schon der Titel „Bedeutungsmetamorphosen“ lässt darauf schließen, dass es bei der Zuordnung der Zeichen zu einem bestimmten Zeichentypus nicht nur Schwierigkeiten, sondern auch Veränderungen gibt. Mit genau diesen Veränderungen – dem Zeichenwandel – wird sich der zweite Teil der Arbeit beschäftigen: Wie wird aus einem Index ein Ikon oder ein Symbol? Wie wird aus einem Ikon ein Symbol?
Um diesen Fragen nachzugehen, wird zunächst die Einteilung der Zeichenarten nach Charles Sanders Peirce erläutert sowie darauf aufbauend das Verständnis der Zeichentypen von Rudi Keller. Kellers Theorie ist von entscheidender Bedeutung, da er sich mit der Bedeutungsmetamorphose sprachlicher Zeichen auseinandergesetzt hat und seine Theorie für diesen Abschnitt der Arbeit maßgebend sein wird.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die sprachlichen Zeichen
2.1 Symptom / Index
2.2 Ikon
2.3 Symbol
3 Bedeutungsmetamorphosen
3.1 Ikonifizierung von Symptomen
3.2 Symbolifizierung von Symptomen
3.3 Symbolifizierung von Ikonen
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Klassifizierung sprachlicher Zeichen nach Charles Sanders Peirce und erforscht auf Basis der Theorie von Rudi Keller die Dynamik von Zeichenwandlungsprozessen, auch bekannt als Bedeutungsmetamorphosen.
- Grundlagen der semiotischen Zeichentypen nach Peirce
- Differenzierung zwischen Symptom, Index, Ikon und Symbol
- Prozess der Ikonifizierung von Symptomen
- Prozess der Symbolifizierung von Symptomen und Ikonen
- Rolle von Intentionalität und Konvention bei der Zeichenwerdung
Auszug aus dem Buch
3.2 Symbolifizierung von Symptomen
Man kann Symptome jedoch nicht nur imitieren und damit zu Ikonen machen, sondern sie auch bewusst inszenieren.
Als Beispiel betrachten wir ein bestimmtes Auto, z.B. einen Ferrari, das als Statussymbol dient. „Resultierend aus dem hohen Preis liegt nur eine kleine Käuferschicht vor und der Wagen erhält eine hohe Exklusivität“20, der Besitz eines solchen Autos gilt als Symptom eines gewissen Wohlstands, da das Geld nicht für lebensnotwendige Güter gebraucht wird. Schon der Kauf eines Ferraris ist oftmals bewusst inszeniert, der Käufer möchte ganz bewusst seinen Reichtum sichtbar machen. Es liegt also die Inszenierung eines Symptoms vor.
Die Symbolifizierung eines Symptoms geschieht demnach in mehreren Schritten. Zunächst handelt es sich um einen kausalen Prozess: Wer einen Ferrari besitzt, hat viel Geld. Dies könnte man auch mit der Regel21 „Wer x hat, hat auch y“ überschreiben, dabei kommt x die Rolle eines Symptoms für y zu.
Im nächsten Schritt folgt die Inszenierung des Symptoms: „Wer zeigt, dass er x hat, will zu erkennen geben, dass er y hat“. Man unterstellt dem Käufer oder Besitzer eines Ferraris also die bewusste Inszenierung, d.h. dass er durch den Besitz dieses Autos zu erkennen geben will, dass er vermögend ist.
Wenn diese Interpretation allgemein akzeptiert wird und alle denken, dass der Besitzer eines Ferraris zeigen will, wie vermögend er ist, wird schließlich der Ferrari selbst zum Symbol. „X dient der Gruppe G dazu, erkennen zu geben, dass y“: Das Interpretationsmuster wird zum kollektiven Wissen innerhalb einer Gruppe, „x“ (der Ferrari) hat nun einen geregelten Gebrauch und eine kommunikative Funktion.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die semiotischen Fragestellungen und Vorstellung des triadischen Zeichenmodells nach Peirce.
2 Die sprachlichen Zeichen: Erläuterung der verschiedenen Zeichentypen Symptom/Index, Ikon und Symbol unter Einbeziehung der Theorie von Rudi Keller.
3 Bedeutungsmetamorphosen: Analyse der dynamischen Prozesse, in denen Zeichen ihre Klasse wechseln, unterteilt in Ikonifizierung und Symbolifizierung.
4 Fazit: Zusammenfassende Bewertung der nicht-statischen Natur von Zeichen und Ausblick auf die Tendenz der Zeichentwicklung hin zur Symbolhaftigkeit.
Schlüsselwörter
Semiotik, Zeichenmetamorphose, Charles Sanders Peirce, Rudi Keller, Ikonifizierung, Symbolifizierung, Symptom, Index, Ikon, Symbol, Zeichenwandel, Intentionalität, Konvention, Kommunikation, Bedeutung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit behandelt die Kategorisierung sprachlicher Zeichen und insbesondere die Frage, wie sich Zeichen durch Wandlungsprozesse von einer Kategorie in eine andere entwickeln können.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die zentralen Felder sind die semiotischen Grundlagen nach Peirce, die Unterscheidung von Zeichentypen sowie die Mechanismen der Zeichenmetamorphose.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu erörtern, wie aus Indizes Ikonen oder Symbole werden und wie eine Symbolifizierung von Ikonen zustande kommt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf der semiotischen Zeichentheorie von Charles Sanders Peirce und dem Modell der Zeichenmetamorphose von Rudi Keller basiert und diese anhand von Beispielen analysiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?
Der Hauptteil analysiert die drei spezifischen Metamorphose-Prozesse: die Ikonifizierung von Symptomen sowie die Symbolifizierung von Symptomen und von Ikonen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?
Die wichtigsten Begriffe sind Zeichenmetamorphose, Ikonifizierung, Symbolifizierung und die semiotischen Grundbegriffe nach Peirce.
Wie definiert die Autorin den Unterschied zwischen einem Symptom und einem Ikon im Kontext der Simulation?
Ein Symptom ist eine unbewusste Begleiterscheinung, während ein Ikon intentional hervorgebracht wird, um durch Imitation eine spezifische Interpretation beim Adressaten zu stimulieren.
Welche Rolle spielt die "Demotivierung" bei der Symbolifizierung von Ikonen?
Die Demotivierung beschreibt den Prozess, bei dem die ursprüngliche Ähnlichkeit (Motiviertheit) eines Ikons an Bedeutung verliert und die Regelhaftigkeit des Gebrauchs zur primären Bestimmung des Symbols wird.
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- Bachelor of Arts Britta Wehen (Author), 2006, Bedeutungsmetamorphose sprachlicher Zeichen: Ikonifizierung und Symbolifizierung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/129778