Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, Erkenntnisse über die Auswirkungen der Corona-Lockdown-Maßnahmen auf die Kinder- und Jugendhilfearbeit in Deutschland mithilfe der Methode der systematischen Literaturanalyse zu erlangen. Die Grundlage für die Analysen in dieser Arbeit ist eine systematische Auswertung der Literatur mithilfe eines Literature Review nach Cooper (1998). Danach werden die relevanten Datenbanken systematisch durchsucht und die relevanten Studien ausgewertet. Die Ergebnisse der Auswertung geben einen aktuellen Forschungsüberblick, machen die Forschungslücke deutlich und konkretisieren die Forschungsfrage. Für die weitergehende Untersuchung wird mittels einer Inhaltsanalyse nach Mayring (2015) die Literatur ausgewertet. Erwartet werden ausführliche Ergebnisse zu den bisherigen Auswirkungen der Lockdown-Maßnahmen auf die Kinder- und Jugendhilfearbeit in Deutschland.
Nach der Einleitung werden im Kapitel zwei die theoretischen Grundlagen erläutert. Dazu wird zunächst näher auf das Coronavirus und die Entwicklung der Coronakrise eingegangen sowie auf die Coronapandemie in Deutschland. Welche Auswirkungen brachten die Lockdown-Maßnahmen mit sich. In Bezug auf das Grundgesetz als auch die allgemeinen Folgen für Deutschland werden beschrieben. Danach wird in Kapitel drei auf die öffentliche Kinder- und Jugendhilfe eingegangen und die Aufgaben des Allgemeinen Sozialen Dienstes, insbesondere die hoheitlichen Aufgaben, wozu auch der Kinderschutz zählt. Anschließend wird der aktuelle Forschungsstand im Kapitel vier zu den Auswirkungen der Lockdown-Maßnahmen auf die Kinder- und Jugendhilfe durch die Darstellung relevanter Studien erörtert. Anhand der Studien wird auch die Forschungslücke identifiziert. Im Kapitel fünf wird das Forschungsdesign beschrieben: Zuerst wird die Forschungsfrage in Detailfragen und Hypothesen untergliedert. Anschließend wird die Auswahl des Forschungsparadigmas erörtert. Die Methode der systematischen Literaturrecherche, die Inhaltsanalyse nach Mayring, sowie die Methode der Triangulation werden beschrieben. Im Kapitel sechs werden die Ergebnisse der Analysen dargestellt und interpretiert. Anschließend werden die verwendeten Methoden diskutiert, Empfehlungen für die Kinder- und Jugendhilfearbeit abgeleitet sowie auf den Forschungsbedarf eingegangen. Im letzten Kapitel sieben erfolgt eine Schlussbetrachtung mit einem Ausblick.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Coronapandemie
2.1 Coronavirus
2.2 Entwicklung der Coronakrise
2.3 Coronapandemie in Deutschland
2.3.1 Auswirkungen der Pandemie in Deutschland
2.3.2 Auswirkung der Lockdown-Maßnahmen auf das Grundgesetz
3 Öffentliche Kinder- und Jugendhilfe
3.1 Aufgaben im Allgemeinen Sozialen Dienst
3.1.1 Hoheitliche Aufgaben – Kinderschutz
3.2 Qualität im Jugendamt
4 Aktueller Forschungsstand
4.1 Zum Vorgehen der Auswahl und Auswertung der Studien
4.2 Wesentliche Ergebnisse der Studienauswertung und Schlussfolgerungen
4.2.1 Studien zur Situation der Kinder- und Jugendhilfe während und nach dem Lockdown
4.2.2 Studien im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt und Missbrauch
4.2.3 Studien zum Themenbereich „Gesundheit“ und „Familiensituation“
4.2.4 Kritische Betrachtung der Ergebnisse der Studien zum Gesundheitszustand und der Situation der Familien
4.2.5 Schlussfolgerungen aus den Ergebnissen der Studien zum Gesundheitszustand und der Situation in den Familien
4.3 Forschungslücken
5 Forschungsdesign für die systematische Literaturanalyse und die Inhaltsanalyse
5.1 Forschungsfrage
5.2 Detailfragen und Hypothesen
5.3 Auswahl und Begründung des Forschungsparadigmas
5.3.1 Zur Methode der systematischen Literaturanalyse
5.3.2 Zur Methode der Inhaltsanalyse nach Mayring
5.3.3 Methode der Triangulation
5.4 Auswahl und Beschreibung der Datenbasis
5.5 Auswahl und Beschreibung der verwendeten Hilfsmittel
5.5.1 Vorgehen bei der systematischen Literaturrecherche
5.5.2 Vorgehen bei der Inhaltsanalyse
6 Ergebnisse der Literaturanalyse
6.1 Detaillierte Ergebnisse
6.1.1 Zur Situation in den Familien seit den Coronamaßnahmen
6.1.2 Betroffene Adressaten im Berufsfeld der Sozialen Arbeit
6.1.3 Risikofaktoren für Kindeswohlgefährdungen
6.1.4 Auswirkungen auf die Arbeit in der Kinder- und Jugendhilfearbeit
6.1.5 Schutzauftrag der Jugendämter
6.1.6 Verbesserungsbedarf, Entwicklungsmöglichkeiten und Erwartungen der Mitarbeitenden an die Politik
6.2 Interpretation der Ergebnisse
6.3 Diskussion der Ergebnisse
6.4 Praktische Implikationen
6.5 Methodenkritik
6.6 Empfehlungen für die Kinder- und Jugendhilfe
6.7 Forschungsbedarf
7 Schlussbetrachtung und Ausblick
8 Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, Erkenntnisse über die Auswirkungen der Corona-Lockdown-Maßnahmen auf die Arbeit in der öffentlichen Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland durch eine systematische Literaturanalyse zu gewinnen, um notwendige Anpassungen für die Zukunft und zur Sicherstellung des Schutzauftrags zu identifizieren.
- Situation von Kindern und Familien während der Pandemie
- Herausforderungen für die Soziale Arbeit und Kinder- und Jugendhilfe
- Entwicklung von Forschungsstand und Methoden in der Krisenbewältigung
- Analyse von Risikofaktoren und Belastungsaspekten für Familien und Fachkräfte
- Erwartungen der Mitarbeitenden an Politik und Praxis
Auszug aus dem Buch
2 Coronapandemie
Eine Pandemie ist „eine neu, aber zeitlich begrenzt in Erscheinung tretende, weltweite starke Ausbreitung einer Infektionskrankheit mit hohen Erkrankungszahlen und i. d. R. auch mit schweren Krankheitsverläufen“ (Robert Koch-Institut 2015, S. 99). Die WHO kann bereits beim ersten Auftreten eines unbekannten Erregers auf die Gefahr aufmerksam machen, indem sie eine „Gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite“ (GNIT) feststellt und bei einer anhaltenden Übertragung von Mensch zu Mensch eine Pandemie deklariert (Robert Koch-Institut 2015, S. 99).
Im 20. Jahrhundert sind vier Influenzapandemien aufgetreten. In den Jahren 1918 und 1919 verursachte die sogenannte „Spanische Grippe“ weltweit geschätzte 20 bis 50 Millionen pandemiebedingte Todesfälle. Von 1957 bis 1958 sowie von 1968 bis 1970 gab es geschätzte 1- bis 4 Millionen pandemiebedingt Todesfälle weltweit. Die letzte Pandemie, die „Schweinegrippe“, herrschte von 2009 bis 2010 und hatte weltweit geschätzt 200 000 Todesfälle, in Deutschland aber lediglich ca. 350 Todesfälle (vgl. RKI 2016).
Erfahrungswerte zu Maßnahmen wie Schulschließungen und das Absagen von Massenveranstaltungen stammen fast ausschließlich aus der Zeit der Spanischen Grippe. Ziel war es, die Dynamik der Pandemie abzuschwächen. Aus diesen Daten geht hervor, dass frühzeitige Schulschließungen die Ausbreitung der Pandemie verlangsamten. Der nationale Pandemieplan geht auf die Abwägung der Maßnahme der Schulschließungen ein, weil damit auch Eltern bei der Arbeit ausfallen und diese womöglich im Gesundheitssektor beschäftigt sind. Während der Schweinegrippe im Jahr 2009 wurden Schulen reaktiv geschlossen, also bei Erkrankungen von Lehrern oder von vielen Schülern, und nicht proaktiv, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen (vgl. RKI 2016).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Auswirkungen der Coronapandemie auf die Kinder- und Jugendhilfe ein und formuliert das Ziel der systematischen Literaturanalyse.
2 Coronapandemie: Das Kapitel bietet eine theoretische Einordnung von Pandemien sowie einen Überblick über die Entwicklung der Coronakrise und deren Auswirkungen auf Wirtschaft, Gesellschaft und das Grundgesetz.
3 Öffentliche Kinder- und Jugendhilfe: Es werden die Aufgaben, Strukturen und fachlichen Theorien der öffentlichen Kinder- und Jugendhilfe erläutert, insbesondere in Bezug auf das Spannungsfeld zwischen Hilfe und Kontrolle.
4 Aktueller Forschungsstand: Hier werden 17 relevante Studien systematisch ausgewertet, um einen Überblick über die Auswirkungen der Pandemie auf verschiedene Zielgruppen und Diskurse zu gewähren.
5 Forschungsdesign für die systematische Literaturanalyse und die Inhaltsanalyse: Das Kapitel erläutert das methodische Vorgehen, die Forschungsfragen, Hypothesen sowie die Literaturrecherche und die Inhaltsanalyse nach Mayring.
6 Ergebnisse der Literaturanalyse: Die erhobenen Daten werden detailliert dargestellt, interpretiert und kritisch diskutiert, um Implikationen und Empfehlungen für die praktische Kinder- und Jugendhilfearbeit abzuleiten.
7 Schlussbetrachtung und Ausblick: Das Kapitel fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und gibt einen Ausblick auf den weiteren Forschungsbedarf sowie die zukünftige Entwicklung des Arbeitsfeldes.
Schlüsselwörter
Coronapandemie, Lockdown, Kinder- und Jugendhilfe, Soziale Arbeit, Kinderschutz, Kindeswohlgefährdung, Familie, Jugendamt, Systemrelevanz, Literaturanalyse, Inhaltsanalyse, Arbeitsbelastung, homeschooling, Krisenintervention, Digitalisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterthesis grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen der durch die Coronapandemie bedingten Lockdown-Maßnahmen auf die praktische Arbeit und die Rahmenbedingungen der öffentlichen Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Situation von Familien, die Arbeitsbelastung und Fachlichkeit von Mitarbeitenden in Jugendämtern, der Kinderschutz sowie die gesellschaftliche Bedeutung von Bildungs- und Betreuungseinrichtungen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie sich die Arbeitsweise der Kinder- und Jugendhilfe verändert hat und welche notwendigen Anpassungen erforderlich sind, um den Schutzauftrag unter Pandemiebedingungen zu erfüllen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt die Methode der systematischen Literaturanalyse (Systematic Literature Review) in Kombination mit einer qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring zur Auswertung der gesichteten Studien.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst die theoretischen Grundlagen der Pandemie und der Kinder- und Jugendhilfe, eine detaillierte Zusammenfassung des Forschungsstandes sowie eine umfassende Auswertung und Interpretation der Studienergebnisse.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Kernthemen spiegeln sich in Begriffen wie Kindeswohlgefährdung, Arbeitsbelastung, Systemrelevanz der sozialen Arbeit und digitale Transformation der Jugendämter wider.
Was sind die wichtigsten Erkenntnisse zum Kinderschutz während des Lockdowns?
Die Arbeit stellt fest, dass trotz anfänglicher Sorgen keine flächendeckende Zunahme der gemeldeten Kindeswohlgefährdungen zu verzeichnen war, was jedoch teilweise auf den Wegfall von Meldeinstanzen durch Schul- und Kitaschließungen („Dunkelfeld“) zurückgeführt wird.
Welche Empfehlungen gibt die Autorin für die Zukunft?
Zu den Empfehlungen zählen die Einstufung der Kinder- und Jugendhilfe als systemrelevant, der Ausbau technischer Infrastrukturen für mobiles Arbeiten sowie eine stärkere Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an politischen Entscheidungsprozessen.
- Arbeit zitieren
- Alexandra Ehwald (Autor:in), 2022, Auswirkungen der Corona-Lockdown-Maßnahmen auf die öffentliche Kinder- und Jugendhilfearbeit in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1297783