Lässt sich wirklich das heutige, moderne Geldsystem auf die Marx´sche Waren- und Wertanalyse zurückführen? Dafür soll zunächst eine genaue Untersuchung von eben diesem anhand des „Kapitals“ erfolgen. Verschiedene Wertformen und ihre Beziehungen untereinander führen für Marx letztlich zur Geldware. Dabei wird ein kleinerer Ausflug in die Arbeitswertlehre unternommen. Diese Entwicklung soll nachvollzogen und dargestellt werden.
Am Ende werden die gewonnenen Erkenntnisse systematisch auf das heutige Geldsystem übertragen.
Versetzt man sich in das düstere, europäische Mittelalter so findet sich dort ein völlig anderes und fremdes Wirtschaftssystem. Da wird getauscht und geklaut, gefeilscht und verhandelt. Waren gibt es nicht im Überfluss, über Wirtschaftszusammenhänge und gerechte Verteilung hat sich noch niemand Gedanken gemacht. Es herrscht noch das alte Sklavenverhältnis und Handarbeit. Dinge, die sich heute kaum mehr in das Waren- und Gesellschaftssystem von Mitteleuropa etablieren lassen. Das moderne Geldsystem hat kaum noch etwas mit den mittelalterlichen Märkten und dem früheren Tauschhandel zu tun. Supermarkt, Online-Shopping, Plastikgeld, alles Erfindungen der Neuzeit, die unweigerlich das Kauf- und Produzentenverhalten beeinflussen und unnachgiebig Einzug in immer mehr Wirtschaftssysteme finden. Das Warensystem wird dabei unwiderruflich verändert und modernisiert. Lässt sich trotzdem eine Verbindung ziehen oder gar, das eine aus dem anderen entwickeln? Kann man eine strikte Entwicklungslinie finden? Karl Marx startet, wenn auch nicht als Hauptintention, in seinem Werk „Das Kapital“ diesen Versuch. Zunächst bei der Ware als elementarste Einheit beginnend, über den einfachen und entarteten Tauschhandel, entwickelt er logisch ein Wertsystem, in dem er schlussendlich bei der Geldware endet. Aber geht das so einfach? Ist unser Geldsystem eine Weiterentwicklung des mittelalterlichen Tauschens? Nach Marx scheint es zunächst so, oder ist dies vielleicht ebenfalls, wie er selbst sagt, eine „historische Schranke der Gesellschaft, worin er lebte“?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Gebrauch- und Tauschwert
3. Von der Wert- zur Geldform
3.1 Die einfache Wertform
3.1.1 Die relative Wertform
3.1.2 Die Äquivalentform
3.2 Die totale Wertform
3.3 Allgemeine Wertform und die Geldform
4. Das moderne Geldsystem
5. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwieweit das moderne Geldsystem auf die Waren- und Wertanalyse von Karl Marx zurückgeführt werden kann und ob sich die heutige Form des Kreditgeldes mit dem Marxschen Verständnis einer Geldware in Einklang bringen lässt.
- Analyse der Marxschen Wertformen (Gebrauchswert, Tauschwert, relative Wertform, Äquivalentform)
- Untersuchung der Entstehung der Geldform aus Warenverhältnissen
- Gegenüberstellung von klassischer Geldware und modernem Kreditgeld
- Kritische Würdigung der Marxschen Theorie angesichts heutiger Finanzsysteme
- Diskussion von Lösungsansätzen zur theoretischen Überbrückung der Unterschiede
Auszug aus dem Buch
3.1 Die einfache Wertform
Das einfachste Tauschverhältnis stellt sich zunächst als ein Tausch von genau zwei Waren dar. Es sei an dieser Stelle Marx Beispiel der Einfachheit halber übernommen. Es tauschen sich demnach 20 Ellen Leinwand mit gerade einem Rock oder 20 Ellen Leinwand sind gerade einen Rock wert. Jede der betrachteten Waren erfüllt in dieser Gleichung eine eigene Aufgabe, die niemals dieselbe sein kann wie die, die die andere Ware gerade innehat. Es gilt also, die beiden Aufgaben der Waren zu identifizieren und zu definieren. Beide Aufgaben finden sich, wie schon der oben erwähnte Tauschwert, nur im Tauschverhältnis, also in oben formulierten Gleichungen wieder. Sie sind somit untrennbar mit einander verbunden und bedingen sich gegenseitig. Soll eine Ware die eine Aufgabe erfüllen, muss zunächst eine zweite gefunden werden, die die gegenteilige Aufgabe übernimmt.
Offensichtlich wird in der Gleichung nur der Tauschwert einer Ware angegeben, nämlich der der Leinwand. Der Rock dient lediglich als Wertträger, sein Wert gilt nur als Vergleich um den Wert der Leinwand festzulegen. „Der Wert der ersten Ware [der Leinwand] ist als relativer Wert dargestellt, oder sie befindet sich in relativer Wertform. Die zweite Ware [der Rock] funktioniert als Äquivalent oder befindet sich in Äquivalentform.“ Marx führt an dieser Stelle zwei weitere Wertformen, neben dem Gebrauchswert und dem Tauschwert, ein. Langsam wird die Sache etwas unübersichtlich. Auch Marx hat nun einige Mühe, seine neuen Wertformen angemessen einzuführen. Es findet sich nun die zunächst widersprüchliche Situation vor, dass eine Gleichung wie 20 Ellen Leinwand = 1 Rock für jeden Mathematiker absolut dasselbe aussagt wie 1 Rock = 20 Ellen Leinwand und sich in der „Kritik der politischen Ökonomie“ von Marx doch ein entscheidender Unterschied zeigt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung umreißt den historischen Wandel von mittelalterlichen Wirtschaftssystemen hin zum modernen, komplexen Geldsystem und stellt die Forschungsfrage, ob Marx Waren- und Wertanalyse zur Erklärung heutiger Währungen dienen kann.
2. Gebrauch- und Tauschwert: Dieses Kapitel definiert die grundlegenden Konzepte des Gebrauchs- und Tauschwerts einer Ware und erläutert deren wechselseitige Abhängigkeit sowie die Rolle der abstrakt menschlichen Arbeit.
3. Von der Wert- zur Geldform: Hier wird die logische Herleitung des Werts bis hin zur Geldform nachgezeichnet, wobei die verschiedenen Wertformen (einfach, total, allgemein) detailliert analysiert werden.
4. Das moderne Geldsystem: Das Kapitel kontrastiert die Marxsche Geldwarentheorie mit dem heutigen kreditbasierten Geldsystem und diskutiert Ansätze, die Diskrepanzen zwischen Theorie und moderner Realität zu überbrücken.
5. Schluss: Der Schluss resümiert, dass das moderne Geldsystem zwar vom Marxschen Modell abweicht, dessen Analysen jedoch weiterhin ein wertvolles wirtschaftswissenschaftliches Werkzeug darstellen.
Schlüsselwörter
Karl Marx, Das Kapital, Geldsystem, Ware, Gebrauchswert, Tauschwert, Geldware, Kreditgeld, Äquivalentform, Wertanalyse, Arbeit, Geldtheorie, EZB, Wertform, abstrakte Arbeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen Verbindung zwischen der Marxschen Werttheorie aus „Das Kapital“ und dem heutigen, modernen Geldsystem.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Warenanalyse, die Entwicklung der verschiedenen Wertformen, die Definition von Geld als Ware vs. Kreditgeld sowie die Rolle der Arbeit für den Wert.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu prüfen, ob sich unsere heutige Form des Kreditgeldes historisch und logisch aus Marx Analysen ableiten lässt oder ob das moderne System auf Prinzipien beruht, die Marx nicht vorhersehen konnte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Literaturanalyse und eine systematische Untersuchung Marx Begriffsapparates, um diese auf aktuelle ökonomische Phänomene anzuwenden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Gebrauch- und Tauschwert, die Herleitung der Wertformen (einfach, total, allgemein) und die kritische Auseinandersetzung mit der Abweichung des heutigen Kreditgeldes von der klassischen Geldware.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Marx Werttheorie, Geldware, Kreditgeld, Äquivalentform, Gebrauchswert und Tauschwert.
Wie definiert Marx den Gebrauchswert im Gegensatz zum Tauschwert?
Laut Marx definiert der Gebrauchswert die Qualität und Nützlichkeit einer Ware, während der Tauschwert ein quantitatives Verhältnis ist, das sich erst im Tauschprozess zwischen verschiedenen Waren konstituiert.
Wie begründet Michael Heinrich die Relevanz der Marxschen Theorie für heutiges Geld?
Heinrich argumentiert, dass die Äquivalentform nicht zwingend eine physische Ware sein muss, sondern dass Geld als „körperliche Abstraktion“ jeden Gegenstand repräsentieren kann, sofern dieser gesellschaftlich als Geld anerkannt ist.
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- Anonym (Autor:in), 2019, Karl Marx und das moderne Geldsystem, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1298532