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Die Verzweiflung bei Kierkegaard und das Verstummen der Welt bei Rosa

Titel: Die Verzweiflung bei Kierkegaard und das Verstummen der Welt bei Rosa

Hausarbeit , 2021 , 23 Seiten , Note: 2,7

Autor:in: Anonym (Autor:in)

Philosophie - Philosophie des 19. Jahrhunderts
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Zusammenfassung Leseprobe Details

In dieser Arbeit wird der Frage nachgegangen, welches Phänomen von Rosa der Verzweiflung von Kierkegaard entspricht, ob sich ein solches überhaupt finden lässt und inwiefern damit Kierkegaards Auffassung bis in die Moderne hineinwirkt.

„So wie der Arzt wohl sagen muss, dass es vielleicht keinen einzigen vollkommen gesunden Menschen gebe, müsste man mit rechter Menschenkenntnis sagen, es lebe kein einziger Mensch, ohne ein wenig verzweifelt zu sein“. Mit diesen Worten fällt Kierkegaard ein ebenso trauriges wie allumfassendes Urteil über die Menschheit. Die Verzweiflung als die „Krankheit zum Tode“ sei geradezu die Bestimmung des Menschen, welcher sich keiner entziehen könne . Fast 150 Jahre später schreibt Hartmut Rosa: „Wir sind strukturell […] dazu gezwungen und werden kulturell […] dazu getrieben, die Welt zum Aggressionspunkt zu machen“ . Eine ebenfalls ernüchternde Beurteilung. Während sich Kierkegaard intensiv mit den inneren Strukturen und Formen der Verzweiflung beschäftigt, setzt sich Rosa mit der gegenwärtigen Gesellschaftsform sowie deren Folgen auseinander. Beide eint eine pessimistische Darstellung mit wenig Hoffnung auf eine dennoch mögliche Heilung. Kierkegaards Verhältnis aus Endlichkeit und Unendlichkeit findet in Rosas Verfügbarkeit und Unverfügbarkeit ein erstaunlich modernes Äquivalent.

Die Allgemeinheit der beiden Auffassungen machen sie zum Ausgangspunkt dieser Untersuchung. Mit den folgenden Ausführungen soll zum einen geklärt werden, welche logischen Folgerungen hinter den Aussagen stecken und welche Bezugspunkte sich zwischen diesen finden lassen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Die Struktur der Verzweiflung bei Kierkegaard

Die Ursachen der Verzweiflung

Die Formen der Verzweiflung

Verzweiflung gesehen unter der Bestimmung Bewusstsein

Verzweiflung gesehen unter der Bestimmung des Menschen als Synthese

Die Heilung

Die Verzweiflung in der verstummten Welt

Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die Parallelen zwischen Søren Kierkegaards existenzieller Analyse der Verzweiflung als „Krankheit zum Tode“ und Hartmut Rosas soziologischer Theorie des „Verstummens der Welt“ in der modernen Gesellschaft, um zu klären, inwiefern Kierkegaards philosophische Grundannahmen auf aktuelle gesellschaftliche Phänomene der Entfremdung und des Verfügbarkeitswahns übertragbar sind.

  • Strukturelle Vergleiche der Verzweiflung bei Kierkegaard und Rosa
  • Das Spannungsfeld zwischen Verfügbarkeit und Unverfügbarkeit
  • Die Rolle des Selbstverhältnisses in einer optimierungsorientierten Welt
  • Präzisierung des Begriffs der Entfremdung als Ursache moderner Weltverlorenheit
  • Ansätze zur Heilung durch Akzeptanz inner- und zwischenmenschlicher Unverfügbarkeit

Auszug aus dem Buch

Die Struktur der Verzweiflung bei Kierkegaard

Bevor der Frage nachgegangen werden kann, wie sich die Verzweiflung in Rosas Ausführungen wiederfindet, muss zunächst der Struktur dieser Krankheit bei Kierkegaard nachgegangen werden. Kierkegaard schreibt: „Verzweiflung ist eine Krankheit im Geist, im Selbst, und kann so ein Dreifaches sein: verzweifelt nicht sich bewusst sein, ein Selbst zu haben […]; verzweifelt nicht man selbst sein wollen; verzweifelt man selbst sein wollen“4. Es muss hierfür zunächst geklärt werden, was Kierkegaard unter einem Selbst versteht. Der Mensch bei Kierkegaard ist zugleich Geist und Selbst. Er muss dieses nicht erst werden, sondern ist es bereits.5 Hinter dieser Selbstverständlichkeit verbirgt sich das Selbst als ein Verhältnis, welches sich zu sich selbst als „positives Drittes“6 verhält. Der Mensch als Synthese aus Unendlichkeit und Endlichkeit, Zeitlichem und Ewigem sowie Freiheit und Notwendigkeit bildet die Synthese, das Verhältnis, zu dem sich das Selbst verhält. Das Selbst als solches ist dabei von einem „Anderen“ und nicht sich selbst gesetzt worden, woraus sich zwei mögliche Formen der Verzweiflung ergeben.7 Der gesetzte Mensch kann verzweifelt er selbst sein wollen oder verzweifelt nicht er selbst sein wollen. Der durch sich selbst gesetzt Mensch kann dagegen nur verzweifelt nicht er selbst sein wollen, er besitzt die Möglichkeit sich selbst durch das Selbstsetzten wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Der von jemand anderem gesetzte Mensch dagegen steht in einem Abhängigkeitsverhältnis zum „Anderen“.

Durch sein „Geist sein“ besitzt der Mensch den Vorzug der Verzweiflung vor dem Tier. Dieser Vorzug besteht nach Kierkegaard jedoch nur in der Möglichkeit zur Verzweiflung, nicht in dem Verzweifelt sein, was er wiederum als Mange darstellt. Nicht verzweifelt zu sein bedeutet dagegen gerade die Möglichkeit zur Verzweiflung, den Vorzug des Menschen vor dem Tier, in jedem Augenblick zu vernichten8. Ist die Verzweiflung bereits eingetreten, so zieht sich der Verzweifelte die Krankheit zum Tode in jedem Moment erneut zu, indem er die Möglichkeit zur Verzweiflung nicht vernichtet.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Vorstellung des Ausgangspunkts der Untersuchung, nämlich das Bedürfnis, Kierkegaards pessimistische Sicht auf die menschliche Seele mit Rosas zeitgenössischer Gesellschaftskritik zu verknüpfen.

Die Struktur der Verzweiflung bei Kierkegaard: Analyse der grundlegenden Definition des Selbst als Synthese und der daraus resultierenden, dialektischen Formen der Verzweiflung.

Die Ursachen der Verzweiflung: Erörterung der Ursachen, wobei Kierkegaard den Menschen als ein von Gott gesetztes Verhältnis betrachtet, während Rosa das Missverhältnis im modernen Weltbezug verortet.

Die Formen der Verzweiflung: Systematische Unterteilung der Verzweiflung in Bewusstseinsgrade und strukturelle Aspekte sowie deren moderne Entsprechungen bei Rosa.

Verzweiflung gesehen unter der Bestimmung Bewusstsein: Untersuchung des Zusammenhangs zwischen dem Grad des Selbstbewusstseins und der Intensität der krankhaften Verzweiflung.

Verzweiflung gesehen unter der Bestimmung des Menschen als Synthese: Analyse des Verlusts des Selbst durch Überwiegen entweder der Endlichkeit oder der Unendlichkeit.

Die Heilung: Gegenüberstellung der christlichen Heilsperspektive Kierkegaards mit dem modernen Konzept der Akzeptanz des Unverfügbaren.

Die Verzweiflung in der verstummten Welt: Zusammenführende Interpretation, in der die Verstummung der Welt als moderner Ausdruck der Verzweiflung gedeutet wird.

Fazit: Zusammenfassung der wesentlichen Erkenntnisse und Würdigung der Aktualität kulturübergreifender philosophischer Vergleiche.

Schlüsselwörter

Søren Kierkegaard, Hartmut Rosa, Verzweiflung, Krankheit zum Tode, Verstummen der Welt, Verfügbarkeit, Unverfügbarkeit, Selbst, Synthese, Entfremdung, Resonanz, Bewusstsein, Weltbeziehung, Existenzialphilosophie, Moderne.

Häufig gestellte Fragen

Was ist das Hauptanliegen dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit untersucht das menschliche Leiden in Form von Verzweiflung, indem sie die existenzielle Philosophie Søren Kierkegaards auf das moderne soziologische Konzept des Weltverhältnisses von Hartmut Rosa bezieht.

Welche Themenfelder stehen im Zentrum der Analyse?

Im Zentrum stehen die Konzepte der Verzweiflung, das Verhältnis des Menschen als „Synthese“ zu seiner Umwelt, sowie die Moderne als Zeitalter der „Verstummung der Welt“ durch stetigen Optimierungs- und Verfügbarkeitsdruck.

Was ist die zentrale Forschungsfrage?

Die Arbeit fragt danach, welche modernen Entsprechungen sich für Kierkegaards pathologische Verzweiflung finden lassen und ob Kierkegaards Auffassungen zur Heilung in eine moderne, säkulare Weltdeutung integriert werden können.

Welche Methode wird in dieser Untersuchung angewandt?

Es handelt sich um eine vergleichende philosophische und soziologische Analyse, die theoretische Konzepte der Primärliteratur beider Autoren gegenüberstellt und auf ihre logische Konsistenz sowie Anwendbarkeit prüft.

Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Entstehung von Verzweiflung als Missverhältnis innerhalb der menschlichen Selbst- und Weltbeziehung, unterteilt in Struktur-, Ursachen- und Formanalysen.

Wodurch zeichnet sich diese Arbeit inhaltlich besonders aus?

Besonders ist der Brückenschlag zwischen einem dänischen Existenzphilosophen des 19. Jahrhunderts und einem zeitgenössischen deutschen Soziologen, um psychische und gesellschaftliche Entfremdungsphänomene interdisziplinär zu beleuchten.

Wie unterscheidet sich die Auffassung von Heilung bei Kierkegaard und Rosa?

Während Kierkegaard Heilung exklusiv an den christlichen Glauben und die Überwindung des irdischen Selbst bindet, schlägt Rosa eine moderne Lösung durch die Akzeptanz des Unverfügbaren und die Förderung echter Resonanzbeziehungen vor.

Was bedeutet nach Rosa die „Verstummung der Welt“?

Die Verstummung tritt ein, wenn eine Gesellschaft die Welt als bloße Ressource „verfügbar“ macht, wodurch tiefe, antwortende Resonanzerfahrungen unmöglich werden und der Mensch den Bezug zu sich und seiner Umwelt verliert.

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Details

Titel
Die Verzweiflung bei Kierkegaard und das Verstummen der Welt bei Rosa
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel
Note
2,7
Autor
Anonym (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2021
Seiten
23
Katalognummer
V1298533
ISBN (PDF)
9783346762931
ISBN (Buch)
9783346762948
Sprache
Deutsch
Schlagworte
verzweiflung kierkegaard verstummen welt rosa
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Anonym (Autor:in), 2021, Die Verzweiflung bei Kierkegaard und das Verstummen der Welt bei Rosa, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1298533
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  23  Seiten
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