Die Unterrichtseinheit "Freiheit als Voraussetzung für verantwortliches Handeln" findet sich im zweiten Halbjahr der Einführungsphase der Oberstufe. Die besonderen Voraussetzungen der Schülerinnen und Schüler (SuS) müssen berücksichtigt werden. Die meisten Klassen werden nach der Sekundarstufe 1 neu zusammengesetzt, es muss davon ausgegangen werden, dass sich viele SuS noch nicht gut oder lange kennen. Insbesondere sind ihre philosophischen Vorkenntnisse heterogen. Einige SuS werden bereits in der 1. Sekundarstufe Philosophieunterricht erhalten haben, andere haben sich eventuell erst in der Oberstufe für den Philosophieunterricht entschieden. Als gemeinsame Grundlage dient der in den Fachanforderungen vorausgehende Reflexionsbereich Anthropologie, mit dem der Mensch aus philosophischer Sicht bereits untersucht wurde. Eine gemeinsame Basis im "Philosophischen Denken" wurde geschaffen. Auf diese Kenntnisse kann die Unterrichtseinheit zurückgreifen. Gleichzeitig können SuS mit bereits vertiefendem philosophischem Wissen oder Interesse ihre Kenntnisse hauptsächlich in den ersten Stunden der Einheit einbringen. Möglichkeiten hierzu sollten geschaffen werden.
Inhaltsverzeichnis
Sachanalyse zur Unterrichtseinheit
Didaktische Begründung der Unterrichtseinheit
Tabellarische Struktur der Unterrichtseinheit
Sachanalyse zur „ersten“ Unterrichtsstunde
Didaktische-methodische Entscheidungen zur „ersten“ Unterrichtsstunde mit Thematisierung des Kompetenzerwerbs
Raster zur „ersten“ Unterrichtsstunde
Sachanalyse zur „zweiten“ Unterrichtsstunde
Didaktisch-methodische Erklärungen zur „zweiten“ Unterrichtsstunde mit Thematisierung des Kompetenzerwerbs
Raster zur „zweiten“ Unterrichtsstunde
Sachanalyse zur „dritten“ Unterrichtsstunde
Didaktische-methodische Entscheidungen zur „dritten“ Unterrichtsstunde mit Thematisierung des Kompetenzerwerbs
Raster zur „dritten“ Unterrichtsstunde
Zielsetzung & Themen
Diese fachdidaktische Ausarbeitung zielt darauf ab, das philosophische Konzept der „Freiheit als Voraussetzung für verantwortliches Handeln“ für den Philosophieunterricht in der Einführungsphase der gymnasialen Oberstufe didaktisch aufzubereiten. Zentral ist dabei die Untersuchung, ob und wie Freiheit unter Bedingungen von Determination möglich ist und welche Kriterien für die Zuschreibung von moralischer Verantwortung in komplexen Handlungskontexten entscheidend sind.
- Grundlagen der Handlungs- und Willensfreiheit
- Die Problematik des Determinismus und Kompatibilismus
- Moralische Verantwortung und ihre Bedingungen (nach Heidbrink)
- Hannah Arendts Freiheitsbegriff im Kontext der Vita activa
- Anwendung ethischer Reflexionskompetenz auf alltagsnahe und literarische Fallbeispiele
Auszug aus dem Buch
Sachanalyse zur Unterrichtseinheit
Die Beantwortung der Frage, ob Freiheit Voraussetzung für verantwortliches Handeln ist, ist keinesfalls einfach, denn eine Vielzahl kontroverser philosophischer Probleme und Begriffe sind eng mit dieser verbunden. So ist die Frage, was der Begriff Freiheit bedeutet und was das Phänomen Freiheit ist, eine der wohl am meist diskutierten in der Philosophiegeschichte überhaupt. Ähnlich kontrovers scheint die Frage, was es bedeutet, verantwortungsvoll zu handeln. Doch neben dem andauernden Ringen um eine klare Bestimmung der Begriffe Freiheit, Verantwortung oder Handlung, ist auch das Verhältnis dieser Begriffe untereinander, bzw. ihre gegenseitige Bedingtheit, Gegenstand philosophischer Auseinandersetzungen. Im Bewusstsein der genannten Schwierigkeiten, soll im Folgenden die Problematik ihrer Klärung selbst zum Thema werden und dadurch das diskursive Feld, auf dem sich die philosophische Forschung bezüglich dieser Thematik vollzieht, abgesteckt werden.
Bei der Bestimmung des Begriffes Freiheit, kommt es zu einer Unterscheidung zwischen Handlungs- und Willensfreiheit. Handlungsfreiheit ist in einem allgemeinen Verständnis „die Fähigkeit und das Vermögen zum bewussten und freiwilligen Tun [bzw.] die Möglichkeit […] nach eigenem Wollen und eigener Überzeugung zu handeln.“ (Prechtl (1999): S. 232) Während Handlungsfreiheit also zumeist als die Freiheit bestimmt wird, tun zu können, was man will, bzw. nicht tun zu müssen, was man nicht will, gestaltet sich die Frage nach dem Wesen der Willensfreiheit deutlich schwieriger. Eine der Definition der Handlungsfreiheit, nachempfundene Definition von Willensfreiheit als die Freiheit zu wollen, was man will, scheidet aus, da sie einer tautologischen Struktur folgt. Außerdem führt diese Definition von Unfreiheit in einen logischen Widerspruch: Unfreiheit müsste dann bedeuten, nicht zu wollen, was man will. Wenn Handlungsfreiheit bedeutet, nach dem eigenen Willen handeln zu können, stellt sich die Frage, ob dieses Wollen frei oder unfrei zustande kommt und wie es bedingt wird.
Zusammenfassung der Kapitel
Sachanalyse zur Unterrichtseinheit: Dieses Kapitel führt in die philosophische Debatte um Freiheit und Verantwortung ein, indem es Handlungs- und Willensfreiheit differenziert und die Problematik der Determination beleuchtet.
Didaktische Begründung der Unterrichtseinheit: Hier werden die Voraussetzungen der Schülerschaft sowie die Relevanz des Themas für die Einführungsphase der Oberstufe dargelegt und die Struktur der Einheit begründet.
Tabellarische Struktur der Unterrichtseinheit: Diese Übersicht bietet einen detaillierten Plan der neun Unterrichtsstunden inklusive der zu erwerbenden Kompetenzen und der verwendeten Materialien.
Sachanalyse zur „ersten“ Unterrichtsstunde: Dieses Kapitel erläutert die Grundlagen der Verantwortung, insbesondere die Bedingungen für deren Zuschreibung nach Ludger Heidbrink.
Didaktische-methodische Entscheidungen zur „ersten“ Unterrichtsstunde mit Thematisierung des Kompetenzerwerbs: Hier wird der methodische Ansatz für die erste Stunde dargelegt, wobei ein Gedankenexperiment zur Reflexion von Verantwortung genutzt wird.
Raster zur „ersten“ Unterrichtsstunde: Ein detaillierter Ablaufplan dieser Unterrichtsstunde, unterteilt in Phasen, Zeitrahmen und methodische Vorgehensweise.
Sachanalyse zur „zweiten“ Unterrichtsstunde: Dieses Kapitel widmet sich der Unterscheidung zwischen Handlungs- und Willensfreiheit sowie der Debatte um deren Voraussetzungen.
Didaktisch-methodische Erklärungen zur „zweiten“ Unterrichtsstunde mit Thematisierung des Kompetenzerwerbs: Diese Erläuterung befasst sich mit der methodischen Gestaltung der Stunde, um die Ausdifferenzierung des Freiheitsbegriffes zu fördern.
Raster zur „zweiten“ Unterrichtsstunde: Der tabellarische Ablaufplan der zweiten Unterrichtsstunde mit Fokus auf die Freiheit im Alltag.
Sachanalyse zur „dritten“ Unterrichtsstunde: Fokus auf das Problem des Determinismus und die verschiedenen philosophischen Positionen dazu, wie etwa Kompatibilismus und Libertarismus.
Didaktische-methodische Entscheidungen zur „dritten“ Unterrichtsstunde mit Thematisierung des Kompetenzerwerbs: Darstellung des methodischen Vorgehens für diese Stunde, das insbesondere die Arbeit mit literarischen Texten und Argumentationskompetenz umfasst.
Raster zur „dritten“ Unterrichtsstunde: Der Ablaufplan dieser Unterrichtsstunde, die das Thema Determinismus am Beispiel eines literarischen Textes verhandelt.
Schlüsselwörter
Freiheit, Verantwortung, Handlungsfreiheit, Willensfreiheit, Determinismus, Kompatibilismus, Philosophischer Unterricht, Hannah Arendt, Prinzip der alternativen Möglichkeiten, Moral, Ethik, Urteilskompetenz, Reflexion, Kausalität, Lebensweltbezug
Häufig gestellte Fragen
Was ist das grundlegende Thema dieser Arbeit?
Die Arbeit behandelt die philosophische und fachdidaktische Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Freiheit und verantwortlichem Handeln im Kontext der gymnasialen Oberstufe.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die Schwerpunkte liegen auf den Begriffen Freiheit und Verantwortung, dem Problem des Determinismus, der Unterscheidung von Handlungs- und Willensfreiheit sowie der kritischen Analyse von moralischen Entscheidungssituationen.
Was ist das primäre Ziel der Unterrichtseinheit?
Das Ziel ist es, den Schülern durch fachphilosophische Grundlagen und die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Positionen zu befähigen, eigene begründete Urteile über moralische Handlungen und soziale Verantwortung zu treffen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Es werden begriffsanalytische Methoden, eine phänomenologische Herangehensweise sowie die texthermeneutische Arbeit mit sowohl fachwissenschaftlichen als auch literarischen Texten angewendet.
Welche Inhalte werden in den Hauptkapiteln behandelt?
Die Kapitel strukturieren sich in Sachanalysen zu den einzelnen Unterrichtsstunden (Freiheit, Determinismus, Verantwortung) sowie deren jeweilige didaktisch-methodische Umsetzung für den Unterricht.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Freiheit, Verantwortung, Handlungsfreiheit, Willensfreiheit, Determinismus, Kompatibilismus und Ethik sind die definierenden Begriffe.
Warum spielt das Gedankenexperiment in der „ersten“ Unterrichtsstunde eine so wichtige Rolle?
Das Gedankenexperiment dient dazu, einen kognitiven Konflikt in der Lebenswelt der Jugendlichen zu schaffen, der es ermöglicht, die Kriterien für die Zuschreibung von Verantwortung kritisch zu hinterfragen.
Inwiefern spielt der Roman „Schuld und Sühne“ in den Unterrichtsstunden eine Rolle?
Er dient als komplexer, kontextualisierter Fall für die Auseinandersetzung mit Freiheit und Determinismus, um die theoretischen Begriffe an einem konkreten Beispiel auf ihre Anwendbarkeit und Problematik hin zu prüfen.
Welche Rolle nimmt Hannah Arendt in dieser Ausarbeitung ein?
Hannah Arendt wird als wichtige Perspektive eingeführt, um Notwendigkeit und Freiheit durch ihren Begriff des Handelns in der Vita activa in Bezug auf politische Verantwortlichkeit neu zu verknüpfen.
Wie trägt die Unterrichtseinheit zur allgemeinen Bildung der Schüler bei?
Sie fördert die Orientierung von Jugendlichen in gesellschaftlichen und politischen Strukturen, indem sie die praktische Relevanz philosophischer Reflexion für ein reflektiertes, verantwortliches Leben betont.
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- Anonym (Autor:in), 2020, Fachdidaktische Ausarbeitung zu Hannah Arendt (Philosophie, Oberstufe), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1298534