In dieser Arbeit geht es darum, das narrative Potential eines textlosen Bilderbuches für Kinder der Jahrgangsklasse 1 festzustellen. Getestet wurde das Buch DIE TORTE IST WEG. Zur Auswertung wurde die qualitative Inhaltsanalyse genutzt und ein Kodierleitfaden erstellt.
"Ein Bild sagt mehr als tausend Worte." Dieser Satz ist nicht mehr aus unserem Sprachgebrauch wegzudenken. Fred R. Barnards Zitat ist in unserer Sprache so fest verankert, dass es sich zu einem häufig genutzten Sprichwort entwickelt hat. Wie dem Zitat zu entnehmen ist, ordnet es dem Bild eine höhere Deutung zu als dem Geschriebenen. Genau dieser Aspekt wird in der Arbeit aufgegriffen. Das Ziel und die Idee dieser Skizze ist, textlose Bilderbücher und ihre narrativen Aspekte zu untersuchen.
Inhaltsverzeichnis
1. „EIN BILD SAGT MEHR ALS TAUSEND WORTE“ - MOTIVATION DER FRAGESTELLUNG, VORSTELLUNG DER ARBEIT
2. „BILDER KÖNNEN ERZÄHLEN“ - DARSTELLUNG DER UNTERSUCHUNGSFRAGE UND RELEVANZ DER FRAGESTELLUNG
2.1. „ODER DOCH LIEBER DAS WIMMELBUCH„ - ANPASSUNG DER FORSCHUNGSFRAGE UND MODIFIKATIONSMÖGLICHKEITEN
2.2. „HILF MIR ES SELBST ZU TUN“ – BESCHREIBUNG DES SCHULISCHEN UMFELDES UND ABGLEICH DER FORSCHUNGSFRAGE MIT DEM PRAXISUMFELD
3. „EIN GUTES BILD BILDET UND BILDET AB.“ – TEXT-BILD VERHÄLTNIS UND WIRKUNG
4. „GESCHICHTEN ERZÄHLEN IST NICHTS WAS WIR TUN. GESCHICHTEN ERZÄHLEN IST DAS WAS WIR SIND.“ – BEDEUTUNG NARRATIV
5. „DIE FORSCHUNGSLAGE IST DÜNN“ – FORSCHUNGSSTAND UND THEORETISCHE EINBETTUNG
6. „PROBIEREN GEHT ÜBER STUDIEREN…“ – FORSCHUNGSPROJEKT IM PRAXISSEMESTER
6.1. „DIE TORTE IST WEG“ - ZUSAMMENFASSUNG DER GESCHICHTE
6.2. „ICH MACH MIR DIE WELT, WIE SIE MIR GEFÄLLT“ – NARRATIVE EBENE DES BUCHES
7. „DAS HABE ICH NOCH NIE VORHER VERSUCHT, ALSO BIN ICH VÖLLIG SICHER, DASS ICH ES SCHAFFE.“ - UNTERSUCHUNGSMETHODEN UND DARSTELLUNG UNTERRICHTSDESIGN
8. „MAN MERKT NIE, WAS SCHON GETAN WURDE, MAN SIEHT IMMER NUR, WAS NOCH ZU TUN BLEIBT.“ – ZIELSETZUNG UND EMPIRISCHE FORSCHUNG
8.1. „ZEIT IST DAS, WAS AUF DER UHR STEHT“ - UNTERSUCHUNGSPLAN (INKL. ZEITPLANUNG)
8.2. „WIE SOLL ICH DAS WISSEN, WENN ICH ES NOCH NIE VERSUCHT HABE?“ - DURCHFÜHRUNG
8.3. „ICH KANN DAS! IM GEHEIMEN.“ - AUSWERTUNG
9. „ALLES, WAS AN GROßEM IN DER WELT GESCHAH, VOLLZOG SICH ZUERST IN DER PHANTASIE DES MENSCHEN." – ZUSAMMENFASSUNG UND REFLEXION
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Studienprojektarbeit untersucht das narrative Potential textloser Bilderbücher bei Schülerinnen und Schülern der ersten Jahrgangsstufe. Ziel der Arbeit ist es, auf Basis eines Praxissemesters und qualitativer Interviews zu ergründen, wie Kinder durch die visuelle Gestaltung von Bilderbüchern ohne Begleittext zu eigenen narrativen Konstruktionen angeregt werden und welche Rolle dabei die individuelle Interaktion mit den Illustrationen spielt.
- Narrative Kompetenzförderung durch silent books
- Text-Bild-Interaktion und semiotische Analyse
- Empirische Untersuchung mittels qualitativer Inhaltsanalyse
- Einfluss von heterogenen Lerngruppen auf die Erzählfähigkeit
- Bedeutung der Montessori-Pädagogik für die Lesesozialisation
Auszug aus dem Buch
6.2. „Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt“ – Narrative Ebene des Buches
Um die narrative Ebene des Buches möglichst genau zu untersuchen, wird zunächst eine kurze Betrachtung der Buchseiten vorgenommen und die handlungsbetreffenden Merkmale skizziert.
Das Bilderbuch Die Torte ist weg beinhaltet zusammenhängende Doppelseiten mit Handlungs- und Bildstrukturen die sich über die zwei Buchseiten erstrecken. Alle Handlungsabläufe des Buches befinden sich nicht im Bildmittelpunkt, vielmehr verteilen sie sich auf der kompletten Doppelseite. Das abgebildete Geschehen zeigt zusätzlich keine Zeitabläufe, sondern es ist nur zu erahnen wie es auf den nächsten Seiten weitergehen wird. Diese „Erzählweise“ eröffnet narrative Zwischenräume und bietet Platz für Vermutungen und Annahmen über den Fortgang der Geschichte. Zudem ist das Buch in der auktorialen Erzählperspektive „geschrieben“.
Die Illustrationen selbst sind meist übersichtlich gestaltet. Es bedarf aber eines genauen Hinsehens um alle Handlungen und Situationen auf der Seite zu entdecken. Auf Grund ihrer Mimik und Gestaltung wirken alle Figuren freundlich und aufgeschlossen. Das Geschehen des Buches beginnt mit einer Exposition. Dort werden die RezipientInnen in den ersten Teil der Geschichte eingeführt. Es entstehen immer wieder neue Stränge und Handlungsabläufe, die den Spannungsbogen aufrechterhalten. Den Höhepunkt erreicht das Buch auf den Doppelseiten sieben und acht. Dort gibt es Streitigkeiten und brenzliche Situationen. Daraufhin folgt auf Doppelseite neun ein retardierendes Moment und die Spannung flacht etwas ab, um dann zum Ende hin erneut zu steigen. Der Schluss des Buches ist versöhnlich, lässt aber dennoch Spielraum für eine Weitererzählung der Geschichte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. „EIN BILD SAGT MEHR ALS TAUSEND WORTE“ - MOTIVATION DER FRAGESTELLUNG, VORSTELLUNG DER ARBEIT: Der Einleitungsteil begründet die Relevanz textloser Bilderbücher anhand der persönlichen Motivation der Autorin sowie des Bedarfs an Lese- und Sprachförderung.
2. „BILDER KÖNNEN ERZÄHLEN“ - DARSTELLUNG DER UNTERSUCHUNGSFRAGE UND RELEVANZ DER FRAGESTELLUNG: Dieses Kapitel verortet das theoretische Interesse an Bilderbüchern und definiert die Forschungsfrage, während es gleichzeitig die spezifischen Rahmenbedingungen der gewählten Montessori-Schule beschreibt.
3. „EIN GUTES BILD BILDET UND BILDET AB.“ – TEXT-BILD VERHÄLTNIS UND WIRKUNG: Hier wird der Aufbau semiotischer Erzählmedien erläutert und die Wechselwirkung zwischen Bild und Bedeutung für die Sprachförderung dargelegt.
4. „GESCHICHTEN ERZÄHLEN IST NICHTS WAS WIR TUN. GESCHICHTEN ERZÄHLEN IST DAS WAS WIR SIND.“ – BEDEUTUNG NARRATIV: Das Kapitel widmet sich dem menschlichen Urbedürfnis des Erzählens und der begrifflichen Definition von Narrativität.
5. „DIE FORSCHUNGSLAGE IST DÜNN“ – FORSCHUNGSSTAND UND THEORETISCHE EINBETTUNG: Eine Bestandsaufnahme zum aktuellen wissenschaftlichen Diskurs zeigt Defizite in der Erforschung textfreier Bilderbücher auf und untermauert das Förderungspotential für Kinder.
6. „PROBIEREN GEHT ÜBER STUDIEREN…“ – FORSCHUNGSPROJEKT IM PRAXISSEMESTER: Dies umfasst eine inhaltliche Zusammenfassung des untersuchten Werkes Die Torte ist weg und eine Analyse seiner narrativen Ebenen.
7. „DAS HABE ICH NOCH NIE VORHER VERSUCHT, ALSO BIN ICH VÖLLIG SICHER, DASS ICH ES SCHAFFE.“ - UNTERSUCHUNGSMETHODEN UND DARSTELLUNG UNTERRICHTSDESIGN: Der methodische Teil beschreibt das qualitative Forschungsdesign unter Nutzung qualitativer Inhaltsanalysen von Kinderinterviews.
8. „MAN MERKT NIE, WAS SCHON GETAN WURDE, MAN SIEHT IMMER NUR, WAS NOCH ZU TUN BLEIBT.“ – ZIELSETZUNG UND EMPIRISCHE FORSCHUNG: In diesen Unterkapiteln werden der Untersuchungsplan, die Durchführung sowie die detaillierte Auswertung der erhobenen Daten in Bezug auf drei definierte Kategorien präsentiert.
9. „ALLES, WAS AN GROßEM IN DER WELT GESCHAH, VOLLZOG SICH ZUERST IN DER PHANTASIE DES MENSCHEN." – ZUSAMMENFASSUNG UND REFLEXION: Das Fazit reflektiert die erhobenen Ergebnisse sowie die Besonderheiten der untersuchten Schülerschaft und bewertet das narrative Potential der untersuchten Medien.
Schlüsselwörter
Textlose Bilderbücher, Silent Books, Narrativität, Lesesozialisation, Sprachförderung, Erzählkompetenz, qualitative Inhaltsanalyse, Montessori-Pädagogik, Bild-Text-Verhältnis, Grundschule, Handlungsstränge, Erzählzeit, Identifikationsfähigkeit, Imagination, Literacy Erfahrung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Studienprojektarbeit grundlegend?
Es geht um die Untersuchung des narrativen Potentials sogenannter "silent books", also textloser Bilderbücher, am Beispiel des Werkes "Die Torte ist weg" im schulischen Kontext der ersten Grundschulklasse.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die Bild-Text-Wechselwirkung, die Förderung der Erzählfähigkeit bei Kindern sowie die pädagogische Einbettung von Bilderbüchern in den Schulalltag einer Montessori-Einrichtung.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, welches narrative Potential textlose Bilderbücher bei Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufe 1 entfalten und wie diese Kinder Leerstellen im Handlungsverlauf narrativ füllen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin nutzt einen qualitativen Forschungsansatz, basierend auf leitfadengestützten Interviews mit drei Kindern, die mittels qualitativer Inhaltsanalyse ausgewertet werden.
Womit befasst sich der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zum Thema Narrativität sowie einen empirischen Teil, in dem die Ergebnisse der Kinderinterviews in drei Kategorien (Leerstellen füllen, Gedanken-Assimilation, Erzählpotential der Bilder) analysiert werden.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Untersuchungen?
Die Arbeit fokussiert auf Begriffe wie "narratives Potential", "silent books", "Lesesozialisation" und "dialogische Kommunikation" im Unterricht.
Wie unterscheidet sich diese Studie von einem Standard-Bilderbuch-Einsatz?
Die Studie verzichtet bewusst auf explizite Textvorgaben und untersucht, wie Kinder aus der rein visuellen Information eigene Handlungsstränge und Emotionen ableiten.
Welche Bedeutung kommt der Doppelseite 6 im untersuchten Bilderbuch zu?
Die Doppelseite 6 stellt laut Analyse einen narrativen Höhepunkt dar, da sie eine komplexe Szenerie zeigt, die Schulkinder besonders stark zur Spekulation über Handlungen und zum Aufbau einer emotionalen Bindung zu den Figuren anregt.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2022, Das narrative Potential von textlosen Bilderbüchern in der Grundschule am Beispiel des Buches DIE TORTE IST WEG, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1299443