1.1 Einführung und Vorstellung der Fragestellung
Die Europäische Union besteht seit dem 01. Januar 2007 aus 27 Staaten. Im Zuge dieser politisch motivierten europäischen Integration verlieren die nationalen raumordnerischen Gliederungsebenen zunehmend an Bedeutung. Gleichzeitig wird die Einheit „Region“ immer wichtiger, denn Europa soll ein „Europa der Regionen“ werden. Um dies zu erreichen, sieht das „Europäische Raumentwicklungskonzept“ EUREK) vor, die wirtschaftlichen Potenziale der „Regionen“ innerhalb der EU durch eine polyzentrische und ausgewogene Raumentwicklung zu stärken. (EUROPÄISCHE KOMMISSION 1999, S.67). In einem Wettbewerb der Regionen in Europa nehmen die „Europäischen Metropolregionen“ eine wichtige Position ein. Ihre Aufgabe ist es, die Leistungs- und Konkurrenzfähigkeit Deutschlands auf wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Ebene zu stärken.
In Deutschland gibt es seit 2005 offiziell elf Europäische Metropolregionen. Sie scheinen im Trend zu sein, denn diese „Regionen“ erstrecken sich nicht nur auf die großen städtischen Agglomerationen und ihr Umland, wie der Name vermuten lässt, sondern auch zunehmend auf Gebiete, die man traditionell für ländlich halten würde. Doch wer nicht „dazugehört“, hat im Wettlauf um Investoren, Touristen und Unternehmen keine Chance, so zumindest scheinen viele Kommunen zu denken. In der Folge hat sich in Deutschland ein Netz von ganz unterschiedlich strukturierten Metropolregionen gebildet, welche sich teilweise sogar überschneiden.
In dieser Arbeit soll der Frage nachgegangen werden, was diese Europäischen Metropolregionen leisten können. Sind sie nur ein Marketinggag und ein hysterischer Trend, welcher außer einer ehrfurchtgebietenden Bezeichnung nichts weiter zu bieten hat, und können diese Metropolregionen überhaupt Vorteile für ihre Mitgliedskommunen bringen? Wozu können sie tatsächlich dienen? Die Grundlage der Betrachtung bildet dabei die komplizierte Struktur der Verflechtungen, sowohl innerhalb der Metropolregionen als auch zwischen diesen auf nationaler und internationaler Ebene.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Einleitung und Vorstellung der Fragestellung
1.2 Aufbau der Arbeit
2 Das Konzept der Europäischen Metropolregionen
2.1 Definition und Entwicklung
2.2 Funktionen von Metropolregionen
2.3 Die Europäischen Metropolregionen in Deutschland
2.4 Die Rahmenbedingungen der Bildung von Metropolregionen
2.5 Die Akteure in den Metropolregionen
2.6 Die Metropolregionen im Konzept der zentralörtlichen Gliederung und ihre Bedeutung für die deutsche Raumplanung
3 Metropolräume oder Metropolregionen?
4 Verflechtungen der Metropolregionen in Deutschland
4.1 Verflechtungen auf regionaler Ebene
4.2 Verflechtungen auf nationaler Ebene
4.3 Verflechtungen auf transnationaler Ebene
5 Die Zukunft der Europäischen Metropolregionen: Entwicklungsperspektiven
5.1 Kooperation und Konkurrenz
5.2 Die Wissensökonomie als Zugpferd?
5.3 Hat das polyzentrische System der deutschen Metropolregionen Zukunft?
5.4 Internationalität als Chance
6 Schlussbetrachtung
6.1 Zusammenfassung
6.2 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle, Funktion und Zukunftsfähigkeit der Europäischen Metropolregionen in Deutschland vor dem Hintergrund ihrer komplexen nationalen und internationalen Verflechtungen. Es wird analysiert, ob diese Regionen einen tatsächlichen Mehrwert für ihre Mitgliedskommunen bieten oder ob sie lediglich als marketingorientierte Trends zu verstehen sind.
- Strukturelle Analyse des Konzepts der Europäischen Metropolregionen und deren raumplanerische Einordnung.
- Untersuchung funktionaler Verflechtungen auf regionaler, nationaler und transnationaler Ebene.
- Diskussion der Bedeutung von Wissensökonomie und Internationalität als Standortfaktoren.
- Bewertung des polyzentrischen Systems deutscher Metropolregionen im internationalen Vergleich.
- Analyse der Balance zwischen Kooperation und Konkurrenz bei der regionalen Entwicklung.
Auszug aus dem Buch
Die Rahmenbedingungen der Bildung von Metropolregionen
Dem Konzept der Europäischen Metropolregionen liegen verschiedene exogene Faktoren zugrunde. Hier sollen die wichtigsten kurz beschrieben werden. Das Ziel ist es, den Grund für die Einführung der Metropolregionen in die deutsche Raumplanung deutlicher werden zu lassen.
Globalisierung
In der Regel wird der Begriff „Globalisierung“ in einem wirtschaftlichen Zusammenhang benutzt. Gemeint ist damit der internationale, also global unbegrenzte Austausch von Gütern und Dienstleistungen, aber auch die Zusammenarbeit und Kooperation von Unternehmen auf globaler Ebene. Ermöglicht wurde diese Entwicklung durch neue Transport- und Kommunikationstechnologien und damit sinkenden Kosten für die Verbreitung von Informationen und Waren (WERLEN 2000, S. 23). Ihren Ausdruck findet die wirtschaftliche Globalisierung in folgenden Prozessen:
- Liberalisierung und Anwachsen des Güterhandels
- multinational agierende Unternehmen verteilen ihre Investitionen zunehmend global
- Konzentration der ausländischen Direktinvestitionen auf den Dienstleistungsbereich
- starker Anstieg der globalen Finanzkapitalströme
(KUJATH 2002a, S. 289f.)
Infolge der Globalisierungsprozesse wird vermutet, dass die bisherige, zwischen den nationalen Volkswirtschaften ablaufende Arbeitsteilung von einer integrierten Weltwirtschaft abgelöst wird. Nach Kujath kommt es also nicht nur zu einer Öffnung der Märkte, sondern tendenziell auch zu einer Auflösung der alten räumlichen Strukturen. Die Entwicklung laufe auf eine weltweite Wertschöpfungsstruktur und Arbeitsteilung hinaus (KUJATH 2002a, S. 290).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt die Fragestellung und den Aufbau der Arbeit vor und diskutiert die Bedeutung der Metropolregionen für die deutsche Raumentwicklung.
2 Das Konzept der Europäischen Metropolregionen: Dieses Kapitel erläutert die Definition, Funktionen sowie die historischen und raumplanerischen Rahmenbedingungen der Metropolregionen.
3 Metropolräume oder Metropolregionen?: Hier wird der theoretische Begriff der Region in der Geographie kritisch hinterfragt, um die begriffliche Einordnung der Metropolregionen zu klären.
4 Verflechtungen der Metropolregionen in Deutschland: Dieses Kapitel beschreibt die funktionalen Verflechtungslogiken auf regionaler, nationaler und transnationaler Ebene.
5 Die Zukunft der Europäischen Metropolregionen: Entwicklungsperspektiven: Es werden zentrale Herausforderungen wie Kooperation, Wissensökonomie, polyzentrische Struktur und Internationalität diskutiert.
6 Schlussbetrachtung: Das Kapitel fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen und zieht ein Fazit zur tatsächlichen Relevanz und Zukunftsfähigkeit der Metropolregionen.
Schlüsselwörter
Metropolregionen, Europäische Raumentwicklung, Globalisierung, Regionalisierung, Wissensökonomie, Standortwettbewerb, Polyzentrisches System, Funktionale Verflechtungen, Raumplanung, Metropolgovernance, Strukturwandel, Clusterpolitik, Innovationsfunktion, Gatewayfunktion, Interkulturalität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert das Konzept und die Entwicklungsperspektiven der offiziell ausgewiesenen Europäischen Metropolregionen in Deutschland und hinterfragt deren tatsächlichen Nutzen für die Regionalentwicklung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf den funktionalen Verflechtungen (regional bis transnational), der Wissensökonomie, der Internationalität als Standortfaktor sowie dem Wettbewerb zwischen den Regionen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die zentrale Frage ist, was diese Metropolregionen leisten können, ob sie reale Vorteile für ihre Mitgliedskommunen bringen oder ob es sich primär um ein Marketinginstrument handelt.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Autorin nutzt eine theoretische Literaturanalyse und raumwissenschaftliche Konzepte, um die Strukturen und Entwicklungsprozesse der Metropolregionen zu systematisieren und kritisch einzuordnen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine konzeptionelle Herleitung, eine Untersuchung geografischer Begriffsdefinitionen, eine detaillierte Analyse wirtschaftlicher Verflechtungsstrukturen und eine kritische Diskussion der Zukunftsperspektiven.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie polyzentrisches Städtesystem, Standortparadox, Wissensökonomie, Agglomerationsvorteile und das Konzept der Metropolregionen der MKRO.
Welche Rolle spielt die Wissensökonomie für Metropolregionen?
Die Wissensökonomie wird als treibende Kraft für die Stärkung als Wirtschaftsstandorte identifiziert, da Metropolregionen durch die Dichte an Forschungseinrichtungen und Fachkräften Synergie- und Spezialisierungseffekte begünstigen.
Wie bewertet der Autor das polyzentrische System in Deutschland?
Das deutsche System wird als vorteilhaft bewertet, da es großräumige Disparitäten verhindert und eine dezentrale Verfügbarkeit wichtiger Funktionen wie Flughäfen und Universitäten ermöglicht.
- Arbeit zitieren
- B.A. Sascha Ehrenberg (Autor:in), 2007, Wozu Europäische Metropolregionen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/129976