Kommentar zu Michel Foucault "Überwachen und Strafen. Die Geburt des Gefängnisses"


Hausarbeit, 2009
13 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Werk in Foucaults Biografie
2.1 Die Vorgeschichte von <<Überwachen und Strafen>>
2.2 Die Zeit seiner Entstehung

3. Der wesentliche Inhalt von „Überwachen und Strafen“
3.1 Das Ende der peinlichen Strafen
3.2 Die Zeit der Reformer
3.3 Die zügige Eroberung des Gefängnisses
3.3.1 Disziplin als Katalysator
3.3.2 Massive Kritik am Gefängnis
3.4 Architektonische Perfektion der Disziplinarmacht: Das Panoptikum

4. Rezeptionskontext

5. Würdigung

6. Literaturverzeichnis

Primärliteratur:

Sekundärliteratur:

1. Einleitung

David Gabbard zieht einen außergewöhnlichen Vergleich zwischen den herrschenden Machtverhältnissen in Michel Foucaults Werk <<Überwachen und Strafen>> (Erscheinungsjahr 1974, im folgenden Text <<ÜuS>>) und dem Science-Fiction-Film Matrix:

„… these technologies function as the ultimate disciplinary machines, even more utopian in their design and function than Bentham’s panopticon. They enable power to achieve a level of omnipotence and omniscience far greater than that achieved by any of the disciplinary technologies addressed by Foucault, including compulsory schooling.”[1]

Er zeigt damit u.a. wie jede Gesellschaft, sogar eine rein fiktive, von der Strategie der Macht durchzogen ist.[2] „The Matrix is a computer-generated dream world to keep us under control.”[3]

Dieser Kommentar widmet sich genau dem Buch Foucaults, welches sich mit solchen Thesen und speziell mit der Entwicklung der Strafmechanismen beschäftigt, die durch das soziale Medium Macht bedingt sind. Beginnend bei der peinlichen Strafe der Marter im 18. Jahrhundert bis zur Haftstrafe als universale Form der Bestrafung. Eine erstaunliche Transformation, da sich die Sanktion durch Inhaftierung, trotz heftiger Kritik, gegen alle anderen strafenden und überwachenden Mechanismen durchsetzen konnte. Der Autor selbst behauptet, dass das Gefängnis durch die Willkür des Vollzugs und die bewusste Produktion von Delinquenz versagt hat. Trifft seine Aussage zu unserer Zeit noch zu?

Im Verlauf des Kommentars werde ich den wesentlichen Inhalt des Buches im Bezug zu der aufgeworfenen Frage erläutern, zeigen wie das Werk von der Nachwelt interpretiert wurde und mit einer persönlichen Würdigung abschließen. Zuvor sollte allerdings der Hintergrund des Buches und seine Bedeutung im Gesamtwerk Foucaults analysiert werden. Was veranlasste ihn, <<ÜuS>> zu schreiben, und welche Rolle spielt das Werk in seiner Entstehungszeit?

2. Das Werk in Foucaults Biografie

Michel Foucault, ein Mann, der zu den Strukturalisten gezählt wird und in Intellektuellenkreisen in aller Welt bekannt war. Jürgen Habermas sagt über Foucault, er habe sich nach dem Scheitern der ‘-68er-Bewegung von einem Linksintellektuellen zu einem Linksaussteiger gewandelt. Es wird gesagt, Foucault sei aktiv an der Vorbereitung dieser Bewegung beteiligt gewesen. Dieser Annahme ist jedoch laut Bernhard H. F. Taureck wenig Glauben zu schenken.[4] Wichtig für die Entstehung von <<ÜuS>> sind schließlich die darauf folgenden ereignisreichen Jahre in Foucaults Leben.

2.1 Die Vorgeschichte von <<Überwachen und Strafen>>

<<ÜuS>> ist Foucaults erstes Buch nach seinem Antritt der Professur am Collège de France 1970 und hat zudem eine bedeutende Vorgeschichte.[5] Der Autor setzte sich sowohl für Verbesserungen der Haftbedingungen in französischen Gefängnissen, als auch gegen die dort damals noch geltende Todesstrafe ein. Er besuchte mehrere Gefängnisse und erkannte deren Komplexität, worauf er eine Reduktion allein auf ihre negative Ausschlussfunktion vehement verneinte und ihnen auch produktive Wirkungen zuschrieb. In dieser Zeit von 1970 bis 1975 protestierte er mit Gleichgesinnten in der G.I.P. (Informationsgruppe Gefängnis), um die Probleme der Inhaftierung publik zu machen.[6]

Dem ungerechten, geheimen und somit willkürlichen Vorgehen des Strafvollzugs sollte hieraufhin ein Ende gesetzt werden. Das Werk <<ÜuS>> schließt bewusst mit einer Fußnote ab. Michel Foucault will hier verdeutlichen, dass dieses Buch lediglich als historischer Hintergrund dienen soll und künftige Studien über <<die Normierungsmacht und die Formierung des Wissens in der modernen Gesellschaft>>nach sich ziehen wird,[7] womit die Funktion von <<ÜuS>> im Gesamtwerk des Autors erklärt wäre.

Aus den Berichten des Collège de France geht auch hervor, dass Foucault speziell <<die Anpassung des Rechtssystems an einen Mechanismus der Überwachung und Kontrolle>> erforschen wollte.[8]

2.2 Die Zeit seiner Entstehung

Dreyfus und Rabinow erkennen in Foucaults Leben vier verschiedene Schreibphasen: eine Heideggerische Phase (gekennzeichnet durch seine Untersuchungen zu Wahnsinn und Vernunft), eine archäologische Phase, eine genealogische Phase und eine moralische Phase. In <<ÜuS>> zeichnet sich ein Phasenwechsel ab, nämlich von der archäologischen zur genealogischen Phase. Foucault verbindet dieses Buch sowohl mit Nietzsches genealogischer Denkweise, als auch mit seinem eigenen darauffolgenden Werk <<Der Wille zum Wissen>> und untersucht den vielschichtigen Zusammenhang zwischen Macht, Wissen und Körper.[9] „Anders als in seinen vorigen Büchern ist hier das Diskursive (Medizin, Humanwissenschaften, Straftheorie) nicht das entscheidende Kriterium für die historische Diskontinuität.“[10] Sprich: Für die Transformation der Straftechniken waren nicht-diskursive Praktiken verantwortlich.

3. Der wesentliche Inhalt von „Überwachen und Strafen“

Da der Hintergrund des Buches und seine Bedeutung im Gesamtwerk Michel Foucaults erörtert wurden, möchte ich nun auf dessen wesentlichen Inhalt eingehen. Wir erinnern uns an die Frage, warum das System der Haftstrafe so überlegen war und sich so rasend schnell als Generalform der Bestrafung durchsetzte, obwohl es in Foucaults Augen in seiner Funktion versagt hat. <<ÜuS>> beginnt mit einer der für uns heute schauerlichsten Hinrichtungsszenen der Vergangenheit, der Vierteilung des Königattentäters Damiens im Jahre 1757, und setzt diesem Ereignis zugleich den Alltag eines inhaftierten Sträflings zu Beginn des 19. Jahrhunderts entgegen.

Beides sind Praktiken, mit Straftätern zu verfahren. Doch wie kam es zur Abwendung von der Leibesmarter und zu einer Hinwendung zur überwachenden, minuziösen Zeitplanung? Welche Entwicklung liegt dazwischen?

[...]


[1] Beaulieu/Gabbard (2006): Michel Foucault and power today. International Multidisciplinary Studies in the History of the Present. Lexington Books, S. 40

[2] Marti (1999): Michel Foucault. 2. überarb. Aufl. München: Beck’sche Reihe Denker, S. 85

[3] Beaulieu/Gabbard (2006): S. 41

[4] Taureck (1997): Michel Foucault. Originalausg.. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, vgl. S. 134 ff.

[5] Zuvor schrieb Foucault bedeutende Werke wie <<Die Archäologie des Wissens>>, <<Die Ordnung der Dinge>>, <<Psychologie und Geisteskrankheit>>, <<Wahnsinn und Gesellschaft. Eine Geschichte des Wahns im Zeitalter der Vernunft>>, <<Die Geburt der Klinik. Eine Archäologie des ärztlichen Blicks>> und <<Die Ordnung des Diskurses>>

[6] Schneider (2004): Michel Foucault. Darmstadt: Wiss. Buchges., vgl. S. 119 f.

[7] Ebd., vgl. S. 120

[8] Schneider (2004): vgl. S. 120

[9] Peters/Besley (2007): Why Foucault?. New directions in educational research. New York: Lang Publishing, vgl. S. 5

[10] Schneider (2004): S. 118

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Kommentar zu Michel Foucault "Überwachen und Strafen. Die Geburt des Gefängnisses"
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg  (Soziologie)
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
13
Katalognummer
V130022
ISBN (eBook)
9783640368778
ISBN (Buch)
9783640369171
Dateigröße
446 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Foucault, Panoptikum, Panopticon, Überwachung, Marter, Bestrafung, Gefängnis, Justiz
Arbeit zitieren
Fabian Bruckschen (Autor), 2009, Kommentar zu Michel Foucault "Überwachen und Strafen. Die Geburt des Gefängnisses", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/130022

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