Die jüdische Synagoge

Ursprung, Einrichtung und Architektur


Hausarbeit, 2006

16 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Ì. Der Ursprung der Synagoge
a) Die Entstehung des Judentums
b) Das Stiftszelt
c) Der erste Tempel
c) Der zweite Tempel
d) Die ersten Synagogen
e) Die Synagoge in der rabbinischen Tradition

II. Die Einrichtung der Synagoge

III. Architektur

Bibliographie

Ì. Der Ursprung der Synagoge

Das Wort Synagoge stammt aus der altgriechischen Sprache und bedeutet Zusammenkunft. Die hebräische Bezeichnung dafür lautet Beth Knesseth, Haus der Zusammenkunft. Nebenbei trägt sie aber auch noch die Namen Beth Tefillah, Haus des Gebets, und Beth Midrash, Haus des Lernens. Man versteht darunter seit über zweitausend Jahren ein Haus, in dem sich Juden treffen um miteinander zu sprechen, zu lernen, zu feiern, vor allen Dingen aber um miteinander Gottesdienste zu halten. Synagogen weisen typische Baumerkmale auf, die sich baugeschichtlich von den Vorgängern der Synagoge, dem Tempel und, davor, dem Stiftszelt herleiten.

a) Die Entstehung des Judentums

Nach Jüdischer Überlieferung war Avraham (Abraham) der erste Mensch, der Gott als einen unsichtbaren, unvorstellbaren und einzigen Gott sah, welcher der Schöpfer allen Seins war. Andere Menschen und Völker beteten noch lange Zeit später die Gestirne und Naturkräfte oder aber einfach auch nur selbst gebaute Figuren als Götter an. Gott schloss mit Avraham einen ewig währenden Partnerschaftsbund, ebenso mit seinem Sohn Yitzchaq (Isaak) und mit dessen Sohn Yaaqov (Jakob), der nach einem Kampf mit einem Engel den Ehrennamen Yissrael (Israel) erhielt. Dieser Name bedeutet Streiter Gottes – also einer, der mit Gott kämpft und für Gott streitet. Aus den zwölf Söhnen Yaaqovs, d.h. Yissraels, gingen zwölf Stämme hervor, die später das Volk Yissrael, die Israeliten, bildeten. Mit diesen schloss Gott Seinen Bund am Sinai. Im Verlauf der weiteren Geschichte gingen zehn der zwölf Stämme verloren. Übrig blieben der Stamm Yehudah (Juda) und der Stamm Lewi, die in der Folge gemeinsam als Juden bezeichnet wurden, wobei auch heute die Bezeichnung Israeliten die korrektere ist.

Zu der Zeit, als die Urväter Avraham, Yitzchaq und Yaaqov als Hirten mit ihren Herden weite Strecken zurücklegten, war es üblich, an besonderen Orten Altäre aus gesammelten unbehauenen 5teinen zu errichten, auf denen der Dienst für Gott, das Opfer, dargebracht wurde. Solche Orte waren oft durch eine Begebenheit ausgezeichnet und erhielten hiervon ihren Namen, mit dem sie teilweise bis heute noch benannt werden. Die errichteten Altäre wurden beim Weiterwandern aufgegeben, allenfalls bei der Rückkehr wieder verwendet.

b) Das Stiftszelt

Im Lauf der Zeit waren die Nachkommen Israels nach Ägypten gekommen. Dort hatten sie Knechtschaft und schwerste Erniedrigung ertragen müssen. Auf Geheiß und mit Hilfe Gottes führte Masche (Moses) sie, die nun ein Volk aus zwölf Stämmen geworden waren, von dort heraus und in die Freiheit. Gemeinsam zogen sie weiter. Für diese Gruppe von Menschen, diese neu entstandene Gemeinschaft wurde ein einendes Heiligtum erforderlich. Nach Anweisung Gottes baute Mosche daraufhin das Stiftszelt, dessen grundlegender Aufbau seither die Gotteshäuser der Israeliten bestimmt. Das Stiftszelt wurde das Zentrum, um das sich die zwölf Stämme scharten und das sie in ihrer Mitte während des Wanderns trugen. Je drei Stämme flankierten es in jeder Himmelsrichtung. Es war ein bewegliches, ein tragbares Heiligtum. Angefertigt war es aus wertvollsten Materialien und hatte im aufgebauten Zustand drei räumliche Unterteilungen: Zunächst den großen Vorhof im Osten, in dem sich der kupferüberzogene Brandopferaltar und, westwärts davon, das große kupferne Wasserbecken befanden, wohin die Israeliten ihre Tiere zur Opferung brachten und wo die Opferschlachtungen vollzogen wurden.

Westwärts davon stand das Stiftszelt, auch Offenbarungszelt (Ohel Mo'ed) genannt, welches durch einen Vorhang in seiner Ostwand betreten werden konnte. Es war unterteilt einerseits in das Heiligtum (Qodesch), in dem der goldüberzogene Rauchopferaltar und, an der Nordwand, der goldüberzogene Tisch mit den zwölf Ohaloth, den Schaubroten, die in zwei Schichten, mit Weihrauch bestreut, lagen. Diesem gegenüber, an der Südwand, stand der massiv goldene siebenarmige Leuchter, dessen Lichter stets brannten, was für alle Zeiten so bleiben sollte – ein Ewiges Licht.

An der Westwand fand sich ein weiterer Vorhang, hinter dem sich schließlich der dritte Raum, das Allerheiligste (Qodesch haQodaschim), befand. Dies war der Raum, in dem die Bundeslade, die die heiligen Tafeln barg, niedergestellt war, und der vom Hohenpriester nur zu ganz besonderen Anlässen betreten werden durfte.

c) Der erste Tempel

Das Stiftszelt hatte sich nun im kollektiven Gedächtnis der Juden eingeprägt. Die darin vollzogenen rituellen Handlungen und Gebete wurden von Generation zu Generation kaum verändert. „Die wenigen symbolischen Handlungen im Gottesdienst sind nicht nur ein äußerlicher Ritus, sondern zugleich geschichtliche Erinnerungen; sie sind meist dem Kultus in Jerusalem entlehnt und überliefern auf diese Weise Geschichte.“[1]

Als die Israeliten nach Ende der langen Wüstenwanderung sich im verheißenen Land niedergelassen hatten, und König David die Bundeslade nach Jerusalem, in die Davidsstadt hatte bringen lassen, wollte er das Stiftszelt durch ein prächtiges festes Haus, einen Tempel, ersetzen. Doch erst sein Sohn Schlomo (Salomo), der nach ihm König wurde, sollte dieses Werk vollbringen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[2]

Auf dem Berg Moriyah, auf der Tenne des Arnan, oberhalb der Davidsstadt, wurde der Tempel erbaut, 480 Jahre nach dem Auszug aus Agypten, etwa im Jahr 957 v.d.Z. Der Tempel, dessen Eingang wiederum im Osten lag, bestand aus einer Vorhalle (Ulam), die sich zum Vorhof öffnete, einem westwärts davon gelegenen Hauptraum (Hekhal) und dem Allerheiligsten (Dvir oder Qodesch haQodaschim). Der Hauptraum hatte Fenster. Um den Hauptraum und das Allerheiligste lagen niedrige Kammern in drei Stockwerken.

Der Tempel beeindruckte durch seine außergewöhnliche Pracht. So war der Hauptraum im Innern unter anderem mit schnitzwerkverziertem Zedernholz ausgetäfelt und das Allerheiligste mit Gold ausgekleidet. Im Allerheiligsten stand die Bundeslade mit den beiden Steintafeln. Sie wurde überwölbt von zwei großen, aus Olivenholz angefertigten, mit Gold überzogenen Engelsgestalten (Kerubim). Im Hauptraum stand der goldüberzogene Altar. An den Seitenwänden fanden sich je fünf goldene Leuchter, außerdem zweimal fünf Tische für die Schaubrote. Vor dem Hauptraum waren zwei kunstvoll gestaltete Säulen errichtet. An der Nord- und Südseite standen kupferne Kessel auf fahrbaren Gestellen, die für die Waschungen im Zusammenhang mit den Brandopfern bestimmt waren. Der Brandopferaltar im Vorhof war gleichfalls aus Kupfer. Im Südosten wurde außerdem ein riesiges kupfernes Becken aufgestellt, das Meer genannt, das den Priestern für ihre Waschungen diente.

Doch der Tempel war selbstverständlich nicht nur ein prunkvolles Kunstobjekt, sondern stellte einen neuen und höchst entscheidenden Abschnitt in der Geschichte des Judentums dar. Sowohl religiös – der Tempel signalisiert das Ende der altisraelischen Kultverhältnisse und schafft eine neue Form des Gottesdienstes – als auch sozial, da der Tempel eine Gemeinschaft aufkommen ließ, die weitere strukturelle Veränderungen nach sich zog. „Jedenfalls beginnt mit dem Tempel ein neuer Abschnitt gottesdienstlicher Entwicklung. Wir finden dort eine bis in Detail geregelte liturgische Ordnung vor, sowie auch ein hierarchisch gestuftes Kultpersonal: Priester, Leviten, niedere Altardiener, alle mit genau festgelegten Aufgaben. Auch diese Organisation des Tempeldienstes war die Frucht einer langen Entwicklung, von der die Schrifttexte nur das Endstadium festhalten.“[3]

Dieser Tempel, der sich in seiner Schönheit tief in die Erinnerung Israels eingegraben hat, wurde im Jahr 586 v.d.Z. von dem Babylonier Nebukadnezar zerstört. Die jüdische Bevölkerung des Landes wurde in die Gefangenschaft nach Babylon geführt. „Hier, im Exil, zwischen Euphrat und Tigris, kam es zur Herausbildung der jüdischen Religion, wie sie uns heute ein Begriff ist. Denn die Thorah, die fünf Bücher Moses, die die Grundlage des Judentums bilden, fanden in Babylonien ihre erste schriftliche Fixierung.“[4]

c) Der zweite Tempel

Fünfzig Jahre später gestattete der Perser Koresch (Kyrus II.), der Sieger über Babylon, den Juden, wieder heimzukehren und erneut einen Tempel zu erbauen. Unter Serubbavel wurde der Tempel, kleiner und weniger prächtig, im Jahr 515 v.d.Z. an der alten Stelle wieder errichtet. Es gab nun einen äußeren und einen inneren Hof. Im inneren lag der eigentliche Tempel mit dem Heiligtum und dem Allerheiligsten. Die von Nebukadnezar geraubten Tempelgeräte hatten die Juden weitgehend zurückerhalten. Nur die Bundeslade blieb verschollen – das Allerheiligste blieb leer.

Dieser Tempel wurde im Jahr 50 v.d.Z. von dem Edomiter Herodes erheblich erweitert und umgebaut. Im Osten fand sich nun ein großer Frauenhof, an den sich westwärts ein Hof anschloss, der den männlichen Laien zugänglich war, schließlich der Priesterhof, in dem der Brandopferaltar stand. Der Tempel selbst hatte einen Vorraum, das Heiligtum und das Allerheiligste. Vor dem Vorhang zum Allerheiligsten standen ein Leuchter, ein Tisch mit den Schaubroten und der Räucheraltar. Der Raum hinter dem Vorhang, das Allerheiligste, blieb weiterhin leer. Dieser zweite Tempel, von manchen auch als dritter bezeichnet, wurde im Jahr 70 n.d.Z. von dem Römer Titus zerstört. Dieser Tempel war jedoch nicht wie sein Vorgänger ein Zentralheiligtum, dass keine weiteren Kultstätten erforderte. „Selbst in der Zeit, in welcher der Zweite Tempel noch stand, gab es Synagogen im Heiligen Land und in der Diaspora, den jüdischen Gemeinden außerhalb Palästinas. Von diesen sind wenig Überreste vorhanden.“[5]

[...]


[1] Eschwege, Die Synagoge in der deutschen Geschichte, S. 12

[2] Gefunden auf : http://www.juedisches-archiv-chfrank.de/religion/jom_tov/04_jomtov_symbolik.htm

[3] Hruby, Die Synagoge, S. 11

[4] Matthes, Die Neue Synagoge, S. 9

[5] Kanael, Die Kunst der Antiken Synagoge

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die jüdische Synagoge
Untertitel
Ursprung, Einrichtung und Architektur
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Hochschule für Jüdische Studien)
Veranstaltung
Jüdischer Ritus
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
16
Katalognummer
V130043
ISBN (eBook)
9783640369607
ISBN (Buch)
9783640369713
Dateigröße
614 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Synagoge, Ursprung, Einrichtung, Architektur
Arbeit zitieren
Theresa Marx (Autor), 2006, Die jüdische Synagoge, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/130043

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