Alphabetisierung in Afrika


Hausarbeit, 2004
21 Seiten
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Zur Geschichte der Alphabetisierung in Afrika
1.1 Der Stand des Analphabetismus in Afrika
1.2 Alphabetisierung in der Vorkolonialzeit
1.2.1 Das Beispiel der Schrift von Sultan Njoya
1.3 Alphabetisierung in der Kolonialzeit
1.4 Alphabetisierung in der Nachkolonialzeit

2. Akteure von Alphabetisierung in Afrika
2.1 Der Staat
2.2 Die Kirche, NRO und Private Initiativen

3. Methoden der Alphabetisierung in Afrika
3.1 Paulo Freire in Afrika? Das Beispiel Ghanas
3.2 Julius Nyerere und Bildung für „Self reliance“

4. Probleme der Alphabetisierung in den Afrikanischen Gesellschaften
4.1 Unterricht in einheimischen Sprachen oder Amtsprachen?
4.1 2 Das Beispiel Kameruns
4.2 Wirtschaftliche und strukturelle Probleme
4.3 Politische und soziokulturelle Probleme

Fazit

Literaturhinweise

Einleitung

Die Angaben der Vereinten Nationen sind alarmierend: Weltweit können 862 Millionen Menschen nicht lesen und schreiben. Die meisten dieser Analphabeten leben zwar in den sogenannten Entwicklungsländern, aber selbst in den industrialisierten Ländern können große Zahlen von erwachsenen Menschen nicht hinreichend lesen und schreiben. Allein in Deutschland findet man etwa 4 Millionen Analphabeten. Bezüglich der Faktoren und der Konsequenzen des Analphabetismus stellt sich die Weltgemeinschaft einer großen Herausforderung: sie verfolgt das Ziel, die Zahl der Analphabeten von 2002 bis 2012 zu halbieren. Dieses Projekt wurde von den Vereinten Nationen anlässlich der „Weltalphabetisierungsdekade“ initiiert.

Unter Alphabetisierung versteht man die Vermittlung von Lese- und Schreibfähigkeit allgemein. Alphabetisierung ist zudem ein Bildungsprogramm für Analphabeten, denen man das Lesen und Schreiben in ihrer eigenen Sprache beibringt. Nach den Statistiken sind 27 % der erwachsenen Bevölkerung der Erde Analphabeten. Ungefähr 98 % dieser Menschen leben in den armen Ländern, überwiegend in Afrika, Südasien und Lateinamerika. Diese Länder mit niedrigsten Alphabetisierungsraten sind zudem von sehr hohen Sterblichkeitsraten bei Kindern unter 5 Jahren gekennzeichnet. Sieht man sich die Landschaft der Sprachen in der Welt an, stellt man fest, dass die am meisten von Analphabetismus betroffenen Länder einen enormen Sprachreichtum aufweisen. So sind die meisten der 6800 Sprachen der Welt in diesen armen Regionen angesiedelt. Diese Sprachen sind großenteils noch nicht erforscht worden. Viele davon haben keine schriftliche Form, kein Alphabet, was die schriftliche Kommunikation verhindert und dadurch auch das Überleben mancher Traditionen, die man mündlich nur schwierig überliefern kann.

Die Geschichte der schriftlichen Kommunikation zeigt, wie wichtig die Schrift für die Kommunikation in einer Gesellschaft ist. Und die Voraussetzung zu der schriftlichen Kommunikation ist das Lesen und das Schreiben einer Sprache, die man versteht und spricht. Deshalb bemühen sich heutzutage viele Gesellschaften, die internationalen Gemeinschaften und vor allem die UNESCO, die Alphabetisierung als Herausforderung und sogar als Recht für jeden einzelnen Bürger in der Welt durchzusetzen. Aber betrachtet man sich die für Bildung zur Verfügung gestellten Haushalte in vielen Ländern, fragt man sich, ob Analphabetismus in naher Zukunft beseitigt werden kann.

Die meisten afrikanischen Länder gehören zu den ärmsten Ländern der Welt und sind am stärksten von Analphabetismus betroffen. Mit der Überzeugung, dass Alphabetisierung ein Antrieb zur Entwicklung ist, unterstützen die Experten der Entwicklungsplanung Alphabetisierung als unentbehrliche Ressource für gute Perspektiven in den ärmsten Ländern. Deswegen ist die Frage des Kampfes gegen Analphabetismus nicht mehr ein ´Ob`, sondern ein ´Wie`. Neben dem guten Willen der UNESCO und der Regierungen in Afrika besteht ein bedeutsames Problem: nämlich die Finanzierung der Alphabetisierungsprojekte sowie die Rekrutierung und die Ausbildung von Lehrkräften. Wenn man die Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis in solchen Ländern betrachtet, fragt man sich, welchem Zweck Alphabetisierung dient und wie sie zu der mündlichen Tradition und der Spaltung zwischen Muttersprachen und Unterrichtsprachen steht. Kann Alphabetisierung den afrikanischen Gesellschaften zu dem Weg der Demokratisierung verhelfen? Der erste Teil dieser Arbeit beschäftigt sich mit einem historischen Überblick über Alphabetisierung in Afrika. Dabei spielt die Schrift von Sultan Njoya in Kamerun eine besondere Rolle. Die Akteure der Alphabetisierung in Afrika, der Staat, die Kirche, die Nicht- Regierungsorganisationen (NRO) und private Akteure, werden im zweiten Teil dargestellt. Der dritte Teil behandelt die Methoden der Alphabetisierung mit einer besonderen Thematisierung von der Methode Paulo Freires und Julius Nyerere. Anschließend werden im Teil vier die politischen, sozialen, wirtschaftlichen und strukturellen Probleme der Alphabetisierungskampagne analysiert.

1. Zur Geschichte der Alphabetisierung in Afrika

Die Archive datieren die schriftliche Kommunikation in vielen afrikanischen Gesellschaften seit der Kolonialzeit. Diese Datierung hängt stark davon ab, wie man die Schrift definiert. Aber betrachtet man die ägyptische Schrift, stellt man fest, dass die Schrift in Afrika älter als die Kolonialzeit ist. Zu der schriftlichen Kommunikation gehören Zeitungen, Zeitschriften, Briefe, Broschüren und alles, was mit einer schriftlichen Form der Sprache zu tun hat.

1.1 Der Stand des Analphabetismus in Afrika

Die Situation vieler afrikanischer Länder und die weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen verbessern sich nicht und der Anteil Afrikas am Welthandel sinkt kontinuierlich und beträgt weniger als 1%. Die Quoten des Bevölkerungswachstums (2,5) und des Analphabetismus (40,3) in Afrika sind die höchsten der Welt. Als Kontinent der Schlagzeilen in den Industrieländern wirken sich die Konflikte, Hungernöte und Krankheiten negativ auf die Alphabetisierung in Afrika aus.

Der 8. September, der Weltalphabetisierungstag, erinnert jedes Jahr daran, dass es in der Welt 100 Millionen Kinder ohne Zugang zu Schulbildung gibt und die meisten davon sind Mädchen. Dies erklärt, warum erwachsene Frauen immer noch die große Zahl der Analphabeten bilden. 150 Millionen Kinder schaffen es nicht, ihre Schulbildung abzuschließen. In den ärmsten und bevölkerungsreichsten Ländern der Welt leben etwa 600 der jugendlichen und erwachsenen Analphabeten. Das ist in Bangladesch, Brasilien, China, Mexiko, Indien, Indonesien, Nigeria, Ägypten und Pakistan. Diese Länder machen die Hälfte der Weltbevölkerung aus.

Die Alphabetisierungskampagne zeichnen jedoch auch Erfolge aus: während 1970 die Analphabetenrate weltweit noch bei 37% lag, lag sie im Jahre 2000 bei 21% und das trotz des Anstiegs der Weltbevölkerung. Dieser Fortschritt geschah auch dank des „Weltforums Grundbildung“ im April 2000 in Dakar (Senegal), welches Regierungen dazu verpflichtete, bis 2015 (Millenniumsziel) die Zahlen der Analphabeten weltweit zu halbieren, Lernmöglichkeiten in günstigen Rahmenbedingungen für alle zu schaffen und auch den Mädchen und Frauen gute Chancen zur Grundbildung zu eröffnen.

Um diese Halbierung der Analphabetenraten zu erreichen, müssen politische Entscheidungen getroffen werden, damit die Finanzierung geeigneter Lernmaterialien und die qualifizierte Aus- und Weiterbildung von Lehrern gewährleistet werden kann. Die UNESCO vergibt internationale Alphabetisierungspreise, um diese Alphabetisierungsarbeit zu motivieren.

Damit man die heutige Situation des Analphabetismus in den afrikanischen Ländern erfassen kann, ist eine Analyse der Geschichte der Bildung in Afrika seit der Vorkolonialzeit bis zu den heutigen Zeiten erforderlich.

1.2 Alphabetisierung in der Vorkolonialzeit

Nach den wissenschaftlichen Recherchen von Cheikh Anta Diop ist das Alter der Schrift in Afrika auf die Blütezeit der ägyptischen Zivilisation zurückzuführen. Die ägyptische alte Schrift weist ein Reichtum an Zeichen und Ziffern auf. So wurde die Zahl 1 in Ägypten erfunden. Und viele Wissenschafter führen auch die Wurzeln der Mathematik auf die ägyptische Zivilisation zurück. So wurde Geometrie erfunden, um die Grundstücke nach den Überschwemmungen des Nils neu zu vermessen.

Außer dem Sprachreichtum von Ägypten haben einige afrikanische Länder eine Schriftart entwickelt, die auf Steinen geschrieben festgehalten werden konnte. So konnte man zum Beispiel eine Erdnuss auf den Stein zeichnen, um das Objekt Erdnuss zu deuten. Eines der bedeutsamsten Beispiele der Schrift in Afrika ist in der Vorkolonialzeit in Kamerun zu finden.

1.2.1 Das Beispiel der Schrift von Sultan Njoya

Njoya ist 1876 in Fuban (Bamun) geboren. Er war vier Jahre alt, als sein Vater, der König Bamuns, starb. Als er neunzehn Jahre alt war, übernahm er den Thron. Der erste große Offizier des Palasts, Gbetnkom, wollte den Thron jedoch nicht verlassen, wie es die Tradition forderte. Mit Hilfe der Peul von Banyo1 kämpfte Njoya gegen Gbetnkom und konnte ihn von der Macht entfernen. Beeindruckt von den Reitern der Banyo betet Njoya den "Lamidat" um ihm welche zu geben. Außerdem beschäftigte er sich intensiv mit dem Islam. Da die Banyo Muslime waren und den Koran lesen konnten, entschied sich Njoya, diese Schrift zu erlernen. Aber er will nicht nur die Schrift des Korans erlernen, sondern seine eigene erfinden. Tatsächlich erschuf und entwickelte er seine eigene Schrift und verbreitete sie unter seinem Volk. Zudem brachte er seinem Volk harte Arbeit bei, statt den ganzen Tag herumzusitzen, um Palmwein zu trinken.

Laut Njoya selber, der seine Memoiren in einem Werk über die Geschichte und Gebräuche der Bamun in seiner eigenen Schrift festhielt, gab ihm eine Erscheinung während eines Traums den Anstoß für die Erschaffung seiner Schrift. Bei der Umsetzung sollte ihm ein Team von Gelehrten und Notabeln behilflich sein. Ein Mann erschien in seinem Traum und forderte ihn auf, seine Hand zu zeichnen. Er sollte dieses Zeichen waschen und anschließend das Wasser trinken. Als er aufwachte, trank er das Wasser mit dem er das Zeichen gewaschen hatte und rief seine Leute. Er forderte sie zu zeichnen auf. Mit diesen unterschiedlichen Zeichen wollte er ein Buch erstellen, das „allein ohne Laute spricht“.

Nach vielen Versuchen und mit Hilfe seiner Leute und seiner Mutter, verglich er alle Zeichen und arbeitete 500 Piktogrammen und Ideogramme heraus. All dies geschah noch im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts, also noch vor der Ankunft der Europäer in Bamun. Und dies war nicht die einzige Entwicklung einer Schrift in Afrika während dieser Zeit:

„Einen vergleichbaren Versuch zur Erschaffung einer völlig neuen Schrift gab es zu dieser Zeit in Afrika lediglich im Gebiet des heutigen Liberia. Viele Jahrhunderte früher im nubischen Königreich von Meroe benutzte Schrift war dagegen ein Ableger der ägyptischen Hieroglyphenschrift, während die sabäische Schrift, auf welcher die äthiopische Urschrift Ge'ez beruht, aus der arabischen Halbinsel über das Rote Meer gebracht worden war.“2

1911 konnte die Schrift bereits benutzt werden, da die Piktogramme und Ideogramme auf 80 reduziert wurden. Mit dieser Schrift schuf König Njoya auch eine neue Sprache: Die Shü-Mom Sprache. Die Schrift wurde nach sechs Veränderungen festgelegt, die letzte Veränderung war 1918. Er verbreitete die Schrift und gründete ein Zentrum und eine Druckerei, wo man die Geburts- Heirats- und Todesurkunden erstellte. Außerdem konnte man damit die Volkzählung durchführen. Auch die Gerichtssitzungen des Königsreiches wurden schriftlich festgehalten. Der Sultan Njoya machte dadurch eine moderne Bürokratie ohne Vergleich in Kamerun.

[...]


1 Banyo liegt 200 km entfernt von Bamun und ist von einem "Lamidat" regiert.

2 Neue Zürcher Zeitung 23.11.2001 unter http://land.heim.at/toskana/210137/Berichte/MitteilungKamerun.htm, 30.11.2004

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Alphabetisierung in Afrika
Hochschule
Universität Siegen
Veranstaltung
Schriftsprache und schriftsprachliche Kommunikation
Jahr
2004
Seiten
21
Katalognummer
V130050
ISBN (eBook)
9783640361984
ISBN (Buch)
9783640362240
Dateigröße
467 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Alphabetisierung, Afrika
Arbeit zitieren
Anonym, 2004, Alphabetisierung in Afrika, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/130050

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