Die politische Wende in Österreich des Jahres 2000 führte vor Augen, dass die Transformation von der Parteiendemokratie hin zur Mediendemokratie bereits vollzogen ist. Die wachsende Bedeutung der Massenmedien als Transporteur und Transformator politischer Botschaften wird gerade in Zeiten des Wahlkampfs besonders deutlich. Neue Methoden des Strategie- und Themenmanagements kommen zum Einsatz, neue Akteure im politischen Spiel treten ans Tageslicht. Diese Arbeit zeigt auf, wie die veränderten Rahmenbedingungen in der Mediendemokratie auch einen Wandel im politischen Verständnis und Handeln der Bevölkerung mit sich gebracht haben.
Inhaltsverzeichnis
1. VORWORT
2. EINLEITUNG
2.1. PROBLEMSTELLUNG, ZIELE UND METHODE DER ARBEIT
2.2. AUFBAU DER ARBEIT
3. MEDIENDEMOKRATIE UND IHRE AKTEURE
3.1. DIE ROLLE DER MASSENMEDIEN
3.1.1. MASSENMEDIEN IN DER POLITISCHEN ÖFFENTLICHKEIT
3.1.2. DIE MEDIENDEMOKRATIE IN ÖSTERREICH
3.2. POLITISCHER AKTEUR ODER MEDIENSTAR?
3.2.1. POLITISCHE ÖFFENTLICHKEITSARBEIT IN DER MEDIENDEMOKRATIE
3.3. WAHLKAMPF ALS WECHSELSPIEL ZWISCHEN PARTEIEN UND MASSENMEDIEN
4. BEDEUTUNG UND FUNKTIONEN VON WAHLKÄMPFEN
4.1. ZUR BEDEUTUNG DER WAHLKÄMPFE
4.2. FUNKTIONEN DER WAHLKAMPFKOMMUNIKATION
4.2.1. SCHAFFUNG VON ÖFFENTLICHEM WAHRNEHMUNGSRAUM
4.2.2. DER FEEL-GOOD-FAKTOR - POLITISCHES CHEERLEADING
4.2.3. MOBILISIERUNG DES EIGENEN WÄHLERPOTENTIALS
4.2.4. DAS WÄHLERPOTENTIAL DER KONKURRENZ UND DER UNENTSCHLOSSENEN
4.2.5. DIE MOBILISIERUNG DER WÄHLERSCHAFT INSGESAMT
4.2.6. SYMBOLISCHE DIMENSION DES WAHLKAMPFES – POLITISCHER MYTHOS
5. ENTWICKLUNGEN DER WAHLKÄMPFE
5.1. VOM FERNSEHER ZUM INTERNET
5.2. VERKÜRZUNG DES ENTSCHEIDUNGSPROZESSES
5.3. WIRKUNGSBEREICH DER MASSENMEDIEN AUF DIE POLITIK
5.3.1. EINFLUSS AUF DIE WÄHLER
5.3.2. EINFLUSS AUF DIE PARTEIEN
5.3.3. EINFLUSS AUF DAS POLITISCHE SYSTEM
5.4. STEIGENDES WIRKUNGSPOTENTIAL DER MASSENMEDIEN
5.4.1. FERNSEHEN UND TV-DEBATTEN
5.4.2. INTERNET
5.4.2.1. ONLINE-WAHLKAMPF DER PARTEIEN
5.4.2.2. INTERNETFOREN UND CHAT-ROOMS
5.4.2.2.1. WWW.WAHLKABINE.AT
6. ZUKÜNFTIGE TRENDS MODERNER WAHLKÄMPFE
6.1. RELEVANZSTEIGERUNG DES WAHLKAMPFES
6.2. ZUNEHMEND PRIVATISIERUNG UND PERSONALISIERUNG DER POLITIK
6.2.1. DER POLITIKER ALS PRIVATMANN
6.2.2. NEGATIVE CAMPAIGNING
6.2.2.1. GRUNDREGELN DES NEGATIVE CAMPAIGNING
6.2.2.2. POLITIK AUS DEM WAR ROOM
6.3. STEIGERUNG DER PROFESSIONALITÄT
6.3.1. PROFESSIONELLER UMGANG MIT MEDIEN
6.3.1.1. POLITAINMENT UND ENTERTAINISIERUNG
6.3.1.2. EMOTIONALISIERUNG
6.3.1.3. VOM NEGATIVE ZUM DIRTY CAMPAIGNING
6.3.1.3.1. EMOTIONEN IM DIRTY CAMPAIGNING
6.3.1.4. POLITISCHE KULTUR UND UNKULTUR ALS ARGUMENTATIONSFIGUR
7. POLITIK DER VERBRANNTEN ERDE
7.1. SCHAUPLATZ OBERÖSTERREICH
7.1.1. DIE RECHTLICHE DIMENSION
7.1.2. DIE POLITISCHE DIMENSION
7.2. WAS ÜBRIG BLEIBT
8. STRATEGIE- UND THEMENMANAGEMENT POLITISCHER KAMPAGNEN
8.1. BEGRIFFSDEFINITION VON STRATEGIE- UND THEMENMANAGEMENT
8.1.1. STRATEGIEMANAGEMENT
8.1.1.1. STRATEGISCHE GRUNDREGELN
8.1.1.1.1. PERSONENBEZOGENE STRATEGIE
8.1.1.1.2. THEMENBEZOGENE STRATEGIE: KONTINUITÄT ODER WANDEL
8.1.2. THEMENMANAGEMENT
8.1.2.1. BESTIMMUNG UND VERWENDUNG VON WAHLKAMPFTHEMEN
8.1.2.1.1. AGENDA-SETTING
8.1.2.1.2. AGENDA-CUTTING
8.1.2.1.3. AGENDA-SURFING
8.2. CAMPAIGNING
8.2.1. WAS BEDEUTET CAMPAIGNING?
8.2.2. VORAUSSETZUNGEN DES CAMPAIGNING
8.2.3. AUFBAU UND INHALT EINER KAMPAGNE
8.2.3.1. ACHT SCHWERPUNKTELEMENT EINER KAMPAGNE
8.3. FAZIT
9. SPIN DOKTOREN: BEST PRACTICE AUS DEN US-WAHLKÄMPFEN?
9.1. POLITIK ZWISCHEN TÄUSCHUNG UND MANIPULATION
9.1.1. SPIN DOKTOREN ZWISCHEN POLITIK UND MEDIEN
9.1.1.1. WIE VIEL „SPIN DOKTOR“ BRAUCHT EINE PARTEI?
9.1.1.2. DIE SPIELWIESE DER SPIN DOKTOREN
9.2. DIE VIELEN GESICHTER DER SPIN DOKTOREN
9.3. WO WOLLEN SIE HIN?
10. CONCLUSIO
Zielsetzung & Themen
Diese Diplomarbeit analysiert den Wandel des politischen Systems von einer klassischen Parteiendemokratie hin zu einer modernen Mediendemokratie und untersucht dabei insbesondere die Methoden der Wahlkampfkommunikation, die zunehmende Professionalisierung durch strategisches Themenmanagement sowie die wachsende Rolle von Spin Doktoren in österreichischen Wahlkämpfen.
- Transformation des politischen Systems in der Mediendemokratie
- Methoden und Instrumente der modernen Wahlkampfkommunikation
- Einfluss von Medien auf Politik, Parteien und Wahlentscheidungen
- Strategisches Themenmanagement und der Einsatz von Spin Doktoren
- Analyse moderner Wahlkampftrends wie Negative und Dirty Campaigning
Auszug aus dem Buch
3.1. Die Rolle der Massenmedien
„Was wir über unsere Gesellschaft, ja über die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir durch die Massenmedien. […] Andererseits wissen wir so viel über die Massenmedien, daß wir diesen Quellen nicht trauen können. Wir wehren uns mit einem Manipulationsverdacht, der aber nicht zu nennenswerten Konsequenzen führt, da das den Massenmedien entnommene Wissen sich wie von selbst zu einem selbstverstärkenden Gefüge zusammenschließt.“17 Diese Anschuldigung an die Massenmedien führt jedoch lediglich dazu, dass man zwar mit einer, zumeinst nur sehr latent kritischen Haltung an die Informationen aus den Medien herangeht, dennoch auf sie aufbaut und sie als wenigstens nicht ganz unwahre Wirklichkeit akzeptieren.
„Moderne Demokratien sind ohne die vielfältigen Leistungen der Massenmedien schlechthin nicht funktionsfähig.“18 Im Laufe der medialen Entwicklung haben sich Massenmedien immer mehr von der rein passiven Aufgabe des Informationstransports und -austausches zwischen Politik und Bürger verabschiedet und eine aktive, emanzipierte Rolle als Akteur in diesem Prozess eingenommen. Aus der Fülle der angebotenen Funktionsanalysen der Massenmedien, sind für meine Untersuchung die drei folgenden Funktionen wesentlich:
1. Schaffung von Öffentlichkeit: Massenmedien berichten über Problemfelder und Missstände und helfen so auch dabei, Gruppen und Individuen eine Stimme zu verleihen beziehungsweise unterstützen sie auch Parteien und Verbände dabei, ihre (politischen) Ziele einer breiteren Öffentlichkeit zu präsentieren.
2. Kontrollfunktion: Ständig ein Auge beim Geschehen und seinen Akteuren zu haben bringt natürlich auch den Vorteil, eine gewisse kontrollierende und kritisierende Einflussnahme auf die politische Landschaft nehmen zu können.
3. Einflussnahme auf die Bürger: Durch die Berichterstattung über politische und demokratische Vorgänge schaffen Medien nicht nur eine Öffentlichkeit für die Beteiligten, sie tragen auch einen wichtigen Teil dazu bei, politisches Interesse zu wecken und demokratische Grundsätze zu vermitteln.
Zusammenfassung der Kapitel
VORWORT: Der Autor erläutert seine persönliche Motivation für die Arbeit, basierend auf seinen Erfahrungen als Wahlkampfhelfer bei der Nationalratswahl 2006.
EINLEITUNG: Es wird die Problemstellung des Wandels von einer Parteien- zu einer Mediendemokratie sowie die methodische Herangehensweise der Arbeit dargelegt.
MEDIENDEMOKRATIE UND IHRE AKTEURE: Dieses Kapitel behandelt die veränderte Rolle der Massenmedien und die daraus resultierenden Spannungen für politische Akteure.
BEDEUTUNG UND FUNKTIONEN VON WAHLKÄMPFEN: Es wird analysiert, warum Wahlkämpfe als rituelle Notwendigkeit für moderne Demokratien fungieren und welche spezifischen Funktionen sie erfüllen.
ENTWICKLUNGEN DER WAHLKÄMPFE: Der Fokus liegt auf technologischen Entwicklungen wie dem Internet und der damit einhergehenden Veränderung des Wählerverhaltens.
ZUKÜNFTIGE TRENDS MODERNER WAHLKÄMPFE: Es werden Phänomene wie die Personalisierung der Politik, das Negative Campaigning und der steigende Professionalisierungsdruck untersucht.
POLITIK DER VERBRANNTEN ERDE: Anhand des Falls Oberösterreich wird aufgezeigt, wie Dirty Campaigning rechtliche und politische Konsequenzen nach sich zieht.
STRATEGIE- UND THEMENMANAGEMENT POLITISCHER KAMPAGNEN: Die theoretischen Grundlagen für die strategische Planung und Durchführung politischer Kampagnen werden erörtert.
SPIN DOKTOREN: BEST PRACTICE AUS DEN US-WAHLKÄMPFEN?: Dieses Kapitel beleuchtet die Rolle professioneller Berater („Spin Doktoren“) bei der Vermittlung politischer Inhalte.
CONCLUSIO: Eine abschließende Zusammenfassung der Transformation von der Parteien- zur Mediendemokratie und der Bedeutung professioneller Wahlkampfplanung.
Schlüsselwörter
Mediendemokratie, Wahlkampf, Strategie, Themenmanagement, Politainment, Spin Doktoren, Campaigning, Personalisierung, Negative Campaigning, Dirty Campaigning, politische Kommunikation, Massenmedien, Wählermobilisierung, Öffentlichkeit, Professionalisierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Transformation des österreichischen politischen Systems hin zur Mediendemokratie und die damit verbundenen Veränderungen in der Organisation und Kommunikation von Wahlkämpfen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind der Einfluss der Massenmedien auf die Politik, die Bedeutung von Wahlkämpfen als ritueller Prozess sowie die Strategien, die Parteien einsetzen, um in einer medienorientierten Öffentlichkeit zu bestehen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die meist verborgenen Abläufe moderner Wahlkampfplanung zu beleuchten und den Trend vom einfachen Werben hin zu einem professionellen, strategischen Campaigning zu erklären.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt einen hermeneutischen, empirischen und vergleichenden Zugriff, gestützt auf Fachliteratur sowie eigene Erfahrungen als Mitarbeiter in Wahlkämpfen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert Funktionen von Wahlkampfkommunikation, die wachsende Bedeutung von Internet und Fernsehen, zukünftige Trends wie Negative Campaigning und das spezifische Themenmanagement politischer Kampagnen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Neben Mediendemokratie und Wahlkampf sind Strategie, Themenmanagement, Spin Doktoren, Politainment und Personalisierung zentrale Begriffe der Analyse.
Welche Rolle spielen Spin Doktoren in modernen Wahlkämpfen?
Spin Doktoren agieren im Hintergrund als strategische Berater, die versuchen, Informationen so zu steuern ("drehen"), dass der Kandidat oder die Partei im bestmöglichen Licht erscheinen.
Warum wird der Begriff "Dirty Campaigning" so intensiv diskutiert?
Der Begriff markiert die Grenze, an der politischer Wettbewerb in persönliche Angriffe und die Verletzung der Intimsphäre umschlägt, was langfristig das Ansehen der Politik gefährden kann.
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- Mag. Harald Sigl (Author), 2007, Politische Parteien als Akteure in der Mediendemokratie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/130059