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Johann Wolfgang von Goethes "Die Leiden des jungen Werthers". Die Liebeskonzeption vor dem Hintergrund des Sturm und Drang und der Genieästhetik

Titel: Johann Wolfgang von Goethes "Die Leiden des jungen Werthers". Die Liebeskonzeption vor dem Hintergrund des Sturm und Drang und der Genieästhetik

Hausarbeit , 2022 , 12 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Anonym (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Das Interesse der vorliegenden Arbeit liegt in der Frage, inwieweit die Liebesauffassung, die Johann Wolfgang von Goethes Werther vertritt, der des Geniekonzepts entspricht, oder anders formuliert: Liebt Goethes Werther genialisch? Goethes erster Roman "Die Leiden des jungen Werthers" hatte bereits kurz nach Erscheinen einen Erfolg, wie ihn nur wenige Romane für sich beanspruchen können. Die unglückliche Liebe des Werther zur verlobten Lotte, die Verzweiflung des Liebenden und der Selbstmord haben die Gemüter der zeitgenössischen Leser, insbesondere der jungen, heftig bewegt.

Am Thema allein liegt dies allerdings nicht, denn das Motiv der unglücklichen Liebe begleitet die europäische Literatur seit ihren Anfängen. Was Werther als unglücklichen Liebenden besonders macht, sind verschiedene Komponenten: Die Konzeption seiner Liebe ebenso wie die Tatsache, dass es sich um einen Briefroman handelt, die Einsamkeit des melancholischen Genies, die Auflehnung gegen die Regeln der Gesellschaft und die Intimität, mit der die Gefühle Werthers beschrieben werden, gehören sicher dazu.

Goethe hat mit seinem Roman und mit seiner Figur des Werther offenbar den Nerv der Zeit getroffen. Die Romanhandlung geht teilweise zurück auf eigene Erlebnisse, wie die Liebe zur verheirateten Charlotte Buff, auf den Selbstmord des Karl Wilhelm Jerusalem , über den sich Goethe informierte. Sie entspricht aber auch den aktuellen Tendenzen der jungen Autoren, die im Sturm und Drang eine literarische Strömung prägten, die sich gegen das Diktat der Aufklärung auflehnte und den Gefühlen ebenso wie der neuen Genieästhetik verpflichtet war.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretischer Rahmen

2.1 Die Epoche des Sturm und Drang

2.2 Genieästhetik und Liebeskonzeption im Kontext des Sturm und Drang

3. Liebe und Genie in den Leiden des jungen Werthers

3.1. Unerreichbarkeit durch Tod: Werthers erste Liebe

3.2 Unerreichbarkeit als Voraussetzung und Verhängnis: Werthers Liebe zu Lotte

4. Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht, inwiefern Goethes Romanfigur Werther eine Liebesauffassung vertritt, die dem Geniekonzept des Sturm und Drang entspricht, und in welchem Maße dieses Ideal mit der Realität kollidiert. Dabei wird analysiert, wie die Unerreichbarkeit der Geliebten als notwendige Voraussetzung für die künstlerische und existentielle Konzeption des „genialischen Liebenden“ fungiert.

  • Die Epoche des Sturm und Drang und die emanzipatorische Bewegung des Individuums.
  • Die Verknüpfung von Genieästhetik und einem neuen, autonomen Liebesverständnis.
  • Die Bedeutung der Unerreichbarkeit als literarischer Topos und metaphysischer Fluchtpunkt.
  • Die Analyse von Werthers Charakterisierung als melancholisches Genie im Spannungsfeld von Liebe und Tod.
  • Das Scheitern des genialischen Anspruchs an den gesellschaftlichen Realitäten.

Auszug aus dem Buch

3. Liebe und Genie in den Leiden des jungen Werthers

Die Überhöhung der Geliebten zur Heiligen spiegelt sich auch darin wider, dass der Roman, obwohl er ein Briefroman ist, angelegt ist als Monolog eines Individuums, das keinen Kommunikationspartner hat, analog zur Liebe Werthers zur unerreichbaren Lotte. Er liebt sie, obwohl diese Liebe nicht erwidert werden kann – und eventuell auch nicht wird. Die Frage danach, ob Lotte Werther liebt, ist letztlich nicht zu entscheiden, nicht zuletzt, weil Lotte im gesamten Roman keine eigene Stimme bekommt, sondern nur über Werther vermittelt zu Wort kommt. Jenseits der Frage nach unerwiderter oder erwiderter Liebe ist es aber vor allem die Konstellation, die Lotte unerreichbar macht: Sie ist schon zu Beginn „so gut als verlobt“, später dann wirklich verlobt. Diese Tragik der Unerreichbarkeit, die der Liebe Werthers zu Lotte schon von Anfang an innewohnt, hat eine lange Tradition in der europäischen Literatur und ist in den Sonetten des Canzoniere von Francesco Petrarca endgültig zu einem Topos der europäischen Lyrik geworden. Bereits bei Petrarca führt dies zu einer Überhöhung der Angebeteten, Laura, ins Religiöse bis hin zur Identifizierung der Frau mit der Muttergottes im vorletzten Gedicht des Zyklus. Hierbei ist der Zusammenhang von Unerreichbarkeit und Religion von zentralem Interesse für den Geniezusammenhang. Die Unerreichbarkeit des transzendentalen Gottes wird in dem Moment, in dem die Religion als Wertsystem abgelöst wird, umgewertet in die Unerreichbarkeit von Idealen. Dies ist für die Literatur um 1800 und vor allem für die Genieästhetik wichtig, da spätestens mit den romantischen Dichtern die Kunst religiös erhöht wird und den Platz der Religion als transzendentales System einnimmt. Das vollkommene Kunstwerk und die absolute Schönheit werden zu Idealen, die der Künstler erstrebt, aber naturgemäß nie erreicht. Die Konzeption des Genies ist also eng verknüpft mit dem Konzept der Unerreichbarkeit, das zum Antrieb des künstlerischen Schaffens wird.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in Goethes Werk, die historische Bedeutung sowie die zentrale Forschungsfrage nach der „genialischen“ Liebe des Protagonisten Werther.

2. Theoretischer Rahmen: Darstellung der literarhistorischen Einordnung des Sturm und Drang, nebst der theoretischen Fundierung der Genieästhetik und ihrer Liebesvorstellungen.

3. Liebe und Genie in den Leiden des jungen Werthers: Untersuchung, wie die Unerreichbarkeit der Geliebten (zunächst im Kontext des Todes, dann durch Lottes Verlobung) Werthers Handeln als genialisches Individuum bestimmt.

4. Fazit: Resümee darüber, wie der Selbstmord des Protagonisten als notwendige Konsequenz seines Scheiterns innerhalb der weltlichen Sphäre und der Transformation in das Ideale gedeutet werden kann.

Schlüsselwörter

Sturm und Drang, Genieästhetik, Liebeskonzeption, Werther, Goethe, Unerreichbarkeit, Melancholie, Autonomie, Individuum, Briefroman, Petrarca, Selbstmord, Einbildungskraft, Metaphysik, Empfindsamkeit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert das Liebesverständnis der Romanfigur Werther in Goethes Werk und setzt dies in Beziehung zu den ästhetischen Vorstellungen der Sturm-und-Drang-Epoche.

Welche sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Mittelpunkt stehen das Geniekonzept, das Verständnis von Liebe als autonomem Ausdruck des Ichs und die Rolle der Unerreichbarkeit als Bedingung für das Werther’sche Schaffen und Leiden.

Was ist die primäre Forschungsfrage des Autors?

Die zentrale Frage lautet, inwieweit die Liebesauffassung von Werther dem Geniekonzept der damaligen Zeit entspricht und ob man von einer „genialischen“ Art zu lieben sprechen kann.

Welche wissenschaftliche Methode nutzt diese Publikation?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die primär textimmanente Interpretationen mit dem zeitgenössischen Theoriekontext (Sturm und Drang, Genieästhetik) verknüpft.

Was wird im Hauptteil des Textes behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Herleitung der Epoche und eine detaillierte Analyse der Werther-Figur, wobei die zwei Formen der Unerreichbarkeit – durch den Tod einer früheren Liebe und die Verlobung Lottes – gegenübergestellt werden.

Welche Keywords definieren den Kern der Arbeit am besten?

Neben Sturm und Drang und Genieästhetik sind Konzepte wie Unerreichbarkeit, metaphysische Überhöhung der Liebe und der autonomiebedingte Konflikt zwischen Individuum und Gesellschaft essenziell.

Welche Bedeutung hat die Figur Lotte im Kontext der Studie?

Sie fungiert nicht nur als romantisches Objekt, sondern als Projektionsfläche für Werthers Ideal und gleichzeitig als „unbedeutende Folie“ für sein Streben nach metaphysischem Ganzen, was ihr eine paradoxe Position verleiht.

Warum spielt die Analogie zu Petrarcas „Canzoniere“ eine wichtige Rolle in der Argumentation?

Der Vergleich verdeutlicht die Tradition der Überhöhung einer unerreichbaren Geliebten und zeigt, wie dieser Topos dazu genutzt wird, die Kunst religiös zu überhöhen und das eigene künstlerische Schaffen zu motivieren.

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Details

Titel
Johann Wolfgang von Goethes "Die Leiden des jungen Werthers". Die Liebeskonzeption vor dem Hintergrund des Sturm und Drang und der Genieästhetik
Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,0
Autor
Anonym (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2022
Seiten
12
Katalognummer
V1301047
ISBN (eBook)
9783346769466
ISBN (Buch)
9783346769473
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Goethe Sturm und Drang Werther Genieästhetik
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Anonym (Autor:in), 2022, Johann Wolfgang von Goethes "Die Leiden des jungen Werthers". Die Liebeskonzeption vor dem Hintergrund des Sturm und Drang und der Genieästhetik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1301047
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Leseprobe aus  12  Seiten
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