Analyse des 5. Aktes von Gotthold E. Lessings 'Emilia Galotti' unter Verwendung seiner 'Hamburgischen Dramaturgie'


Hausarbeit, 2007

13 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Die „Hamburgische Dramaturgie“
2.1 Lessings Wirken am Hamburger Nationaltheater
2.2 Allgemeine Prinzipien und Ziele der „Hamburgischen Dramaturgie“
2.3 Von der Katharsis des Aristoteles zu Lessings gemischten Charakteren

3. Analyse des 5. Aktes der „Emilia Galotti“
3.1 Gemischte Charaktere
3.2 Die Umsetzung der Katharsis

4. Schlussbemerkung

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Zweifelsfrei zählt die Tragödie „Emilia Galotti“ zu den bekanntesten Werken des Theaterdichters und Dramaturgen Gotthold E. Lessing. Sie ist nicht nur ein Musterbeispiel des deutschen bürgerlichen Trauerspiels, welches Lessing mitbegründet hat, sondern steht auch in der Tradition der aristotelischen Poetik, da Lessing sein Stückes stark nach den Vorgaben des griechischen Philosophen konzipiert. Dies ist vor allem in seiner dramentheoretischen Schrift der „Hamburgischen Dramaturgie“ zu sehen, in der der Dichter ausführlich die „Poetik des Aristoteles“ und ihren ästhetischen Wirkungszusammenhang analysiert.

Im ersten Teil meiner Arbeit werde ich zunächst auf die „Hamburgische Dramaturgie“ eingehen und einen Überblick über die, von Lessing verfolgten, Intentionen und Ziele geben. Dabei beschränke ich mich auf die Interpretation der Katharsis, die Wirkung auf den Zuschauer und die Gestaltung der Handlungsträger, die nach Lessing gemischten Charakteren entsprechen müssen. Ein Behandeln aller in der „Hamburgischen Dramaturgie“ erwähnten Voraussetzungen für die Tragödie, würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen.

Der zweite Teil befasst sich dann mit der Umsetzung der oben erwähnten Termini in Lessings „Emilia Galotti“. Hierbei wird vor allem der fünfte Akt als Interpretationsgrundlage herangezogen. Ziel dieser Ausarbeitung soll die Klärung der Frage sein, ob Lessings bürgerliches Trauerspiel tatsächlich gänzlich auf den Voraussetzungen der „Hamburgischen Dramaturgie“ beruht oder doch von diesen abweicht.

2. Die „Hamburgische Dramaturgie“

2.1 Lessings Wirken am Hamburger Nationaltheater

1766 bot Johann Friedrich Löwen, der Intendant des Hamburger Nationaltheaters, Gotthold E. Lessing an, als Dramatiker im neu entstandenen Schauspielhaus am Gänsemarkt zu arbeiten. Löwens Konzept war es, die damalige Theatersituation, die als rückständig und veraltert galt, zu reformieren und Nationalstücke besser zu fördern. Das Hauptaugenmerk lag auf einer anspruchsvollen und seriösen Stückeauswahl, die vor allem die Vielseitigkeit zeitgenössischer Literatur beleuchten sollte. Im Gegenzug wurden Ballette und seichte Opern gänzlich aus dem Programm genommen, da nicht mehr allein der Unterhaltungswert im Vordergrund stehen sollte.[1]

Lessing, der seit seinem Erfolg mit „Miß Sara Sampson“ als einer der erfolgreichsten deutschen Theaterautoren galt, machte von diesem Angebot gerne Gebrauch, da er so nach längerer Abwesenheit endlich wieder am Theater arbeiten konnte. Ihn reizte jedoch weniger die Tätigkeit des Theaterdichters, der Stücke in Serie produziert, als vielmehr die Arbeit als Dramaturg, der nach Lessings Auffassung eher als Erzieher fungiert und somit die pädagogische Wirkung des Theaters voll ausschöpft.[2] Für ihn hatte das Drama die wichtigste Aufklärungsfunktion inne, die neue Bühne war so eine „Schule der moralischen Welt.“[3]

Lessings Ziel war es von frühauf, die Entwicklung deutscher Dramen theoretisch und praktisch zu fördern. Gerade die klassizistischen Lehren Gottscheds, die sich ausschließlich an französischer Literatur orientierten, waren Lessing ein Dorn im Auge. Ihn ihnen vermutete er eine Einschränkung, die es der deutschen Literatur und insbesondere dem Drama kaum ermöglichten, sich frei zu entfalten. Seiner Meinung nach sollte sich das deutsche Theater an englischen Stücken, speziell an denen aus Shakespeares Feder, orientieren. Diese Forderungen, die Lessing an das Theater stellt, wurden auch schon ausführlich in den „Briefen, die deutsche Literatur betreffend“, die er zusammen mit Friedrich Nicolai und Moses Mendelsohn herausgab, besprochen.[4]

Die Funktionen, die Lessing am Hamburgischen Nationaltheater innehatte, waren die Gestaltung des Spielplans sowie die publizistische Unterstützung des Unternehmens. Außerdem plante er die Herausgabe einer theatereigenen Zeitschrift, die wöchentlich erscheinen und die laufenden Stücke kommentieren sollte. Das Publikum sollte mit dieser Schrift, die später als „Hamburgische Dramaturgie“ bekannt wurde, über das Repertoire des Theaters informiert werden. Lessing agierte so als Theaterkritiker, der mit Fachkenntnis die aufgeführten Stücke reflektierte und analysierte. Natürlich leistete er so auch ein Stück Öffentlichkeitsarbeit, indem er auf diese Weise für das Theater warb.[5]

Lessing musste jedoch bald feststellen, dass seine „Dramaturgie“, ebenso wie das gesamte Theaterprojekt, ihre erhoffte Wirkung beim Publikum verfehlte. Dies lag wohl vor allem an der damaligen Theatersituation, die kritische Äußerungen kaum duldete, sowie an der fehlenden Resonanz des Publikums für anspruchsvolle Dramen. Somit scheiterte das Projekt nach nur 1 ½ Jahren und Löwen trat sein Amt an seinen Vorgänger Conrad Ackermann ab, der das Theaterprogramm fortan wieder an den Unterhaltungsinteressen des Publikums orientierte. Lessing führte seine Arbeit an dramatischen Projekten, wie dem Faust-Drama, fort bis er schließlich 1770 Hamburg verließ, um eine Stelle als herzoglicher Bibliothekar in Wolfsbüttel anzutreten.[6]

2.2 Allgemeine Prinzipien und Ziele der „Hamburgischen Dramaturgie“

Die „Hamburgische Dramaturgie“ ist wohl eine der wichtigsten und bekanntesten dramentheoretischen Schriften des ausgehenden 18. Jahrhunderts. Beachtlich war nicht nur ihre „Wirkung auf Spielgestaltung und Stückauswahl der nächsten Jahrzehnte“, sondern auch ihr Einfluss auf die „Geschmacksbildung der Theaterpraktiker: die tragédie classique und das Märtyrerdrama verschwanden weitgehend aus dem Repertoire, das bürgerliche Trauerspiel erreichte in den 70er Jahren seine eigentliche Blütezeit.“[7]

Lessing wollte mit seiner Zeitschrift allerdings keine neue Dichtkunst oder Poetik schaffen, vielmehr ging es ihm darum, dass sie „ein kritisches Register von allen aufzuführenden Stücken halten und jeden Schritt begleiten (soll), den die Kunst, sowohl des Dichters als auch des Schauspielers, hier tun wird.“[8] Besonders das Trauerspiel und seine ästhetische Wirkung auf die Zuschauer standen dabei im Vordergrund, wobei sich seine theaterpraktischen Überlegungen immer wieder mit Reflexionen zu allgemeinen Problemen der Tragödie vermischten.[9]

Auffallend ist der unsystematische und unübersichtliche Stil Lessings, der laut Barner keine individuelle Eigenart des Dichters sein soll, sondern eher eine Anleitung zum kritischen Denken selbst. Lessing ging bei seiner Literaturkritik induktiv vor, d.h. er stellte den literarischen Text in den Mittelpunkt der Analyse und leitete so vom Einzelfall ausgehend allgemeingültige Gesetze ab, die ihrerseits den Anspruch auf eine Poetik-Regel erhoben. Diese Gesetze waren als Ergebnis einer empirischen Forschung zu jeder Zeit überprüfbar und nur so lange gültig, bis sie abermals widerlegt wurden.

Lessings Interesse galt insbesondere den komplexen Vorgängen am Theater, wobei er sich hierbei nicht auf die bloße Analyse des Bühnengeschehens beschränkte, sondern auch das Verhältnis zwischen Bühne und Zuschauerraum mit einbezog. Sein Augenmerk lag aber nicht nur auf der reinen Wirkung, die ein Drama auf das Publikum hatte, sondern vielmehr der Beziehung zwischen der tatsächlichen Wirkung auf den Zuschauer und der Wirkung, die das Drama eigentlich haben sollte. Aus diesem Verhältnis zwischen reeller und angestrebter Wirkung entwickelte Lessing seine Theorien, die häufig den Charakter innovativer poetischer Forderungen hatten.

[...]


[1] Vgl. Alt, Peter-André: Tragödie der Aufklärung. Eine Einführung. Tübingen 1994, S. 235

[2] Vgl. Barner, Wilfried und Grimm, Gunter E. (Hrsg.): Lessing. Epoche-Werk-Wirkung. 6. Aufl.. München 1998, S. 110

[3] Lessing zitiert nach Scheuer, Helmut: „Theater der Verstellung“: Lessings ‚Emilia Galotti’ und Schillers ‚Kabale und Liebe’. In: Der Deutschunterricht 43/1991, H.6, S. 58-74, hier S. 60

[4] Vgl. Barner, Grimm, S. 184

[5] Vgl. Alt: Tragödie der Aufklärung, S. 236

[6] Vgl. Ebd., S. 236f

[7] Ebd., S. 240

[8] Lessing, Gotthold E.: Hamburgische Dramaturgie. hrsg. und kommentiert v. Klaus L. Berghahn. Stuttgart 1981, S. 11

[9] Vgl. Alt: Tragödie der Aufklärung, S. 240

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Details

Titel
Analyse des 5. Aktes von Gotthold E. Lessings 'Emilia Galotti' unter Verwendung seiner 'Hamburgischen Dramaturgie'
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Veranstaltung
Tragödie und Trauerspiel im 18. Jahrhundert
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
13
Katalognummer
V130105
ISBN (eBook)
9783640362578
ISBN (Buch)
9783640362318
Dateigröße
413 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Analyse, Aktes, Gotthold, Lessings, Emilia, Galotti, Verwendung, Hamburgischen, Dramaturgie
Arbeit zitieren
Jessica Mohr (Autor), 2007, Analyse des 5. Aktes von Gotthold E. Lessings 'Emilia Galotti' unter Verwendung seiner 'Hamburgischen Dramaturgie', München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/130105

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