Der norwegische Maler Edvard Munch war einer der ersten Künstler Europas, der sein Seelenleben in seinen Bildern zum Ausdruck bringen wollte. Dies war zu seiner Zeit noch unüblich. Heute, 80 Jahre nach seinem Tod, erfreuen sich seine Werke großer Beliebtheit, da das Überschreiten der gesellschaftlichen Grenzen zwischen Öffentlichkeit und Privatheit durch die neuen Medien alltäglicher ist. In ihrem Buch zeigt Helga Pook, wie dieser Umstand das Interesse am „Mythos Munch“ wieder aufleben lässt und wie der Maler allgemeine, menschliche Probleme in seinen Bildern anspricht.
Helga Pook fokussiert sich in ihrer kunstwissenschaftlichen Analyse von Munchs Bildern auf die Themen „Liebe, Angst und Tod“ und vergleicht insbesondere die Werke vor und nach dem psychischen Zusammenbruch des norwegischen Künstlers. Inwieweit haben sich Form und Malweise verändert und wie stellt Edvard Munch sein Innenleben jeweils dar? Das Buch richtet sich nicht nur an Kunstinteressierte und Studierende der Kunstwissenschaften und Kunstgeschichte, sondern bietet auch Raum zur Weiterbildung in den Bereichen der Lebensphilosophie und Gesellschaft.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Literatur
1. Das Öffentliche und das Private
1.1.Gründe, über Edvard Munch, sein Leben und seine Bilder zu schreiben
1.2.Die Wende in Edvard Munchs Werken. Wenn es sie gibt, wodurch wurde sie verursacht und wie äußert sie sich?
1.3.Vorgehensweise und Aufbau der Arbeit
2. Gesellschaftlicher Wandel im 19. Jahrhundert
2.1.Künstler im Wandel des 19. Jahrhunderts
2.2.Symbolismus und Munch als Bestandteil des künstlerischen Wandels im 19. Jahrhundert
3. Das Leben des Edvard Munch bis zu seinem Zusammenbruch 1908
3.1.Ereignisse und Personen, die in dieser Zeit in der Thematik der Liebe, Angst und Tod Auswirkungen auf seine Werke hatten
4. Der Lebensfries - Eine Dichtung über Leben, Liebe und Tod
5. Interpretation und Vergleich
5.1.Der Kuss von 1891-1897
5.2.Die Einsamen 1891
5.3.Abend auf der Karl-Johan-Gate 1892
5.4.Am Sterbebett 1895
6. Der Zusammenbruch Munchs, sein Leben danach und wichtige Ereignisse bis zu seinem Tod
7. Interpretation und Vergleich
7.1.Kuss am Strand (Reinhardt-Fries ) 1906/07
7.2.Die Einsamen (Sommernacht ) (aus dem Reinhardt-Fries) 1906/07
7.3.Arbeiter auf dem Heimweg 1913/15
7.4.Todeskampf 1915
8. Veränderungen
9. Zusammenfassung und Fazit
10. Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das bewegte Leben des Künstlers Edvard Munch unter besonderer Berücksichtigung der Wechselwirkung zwischen seiner Innen- und Außenwelt sowie der Entwicklung seines künstlerischen Ausdrucks hinsichtlich der Themen Liebe, Angst und Tod.
- Einfluss soziokultureller Wandlungsprozesse des 19. Jahrhunderts auf die künstlerische Identität.
- Biografische Analyse prägender Ereignisse und Personen, die Munchs Themenwahl bedingten.
- Strukturelle Analyse und Interpretation der Motivreihen "Lebensfries", "Kuss" und "Die Einsamen".
- Untersuchung der künstlerischen Zäsur durch den nervlichen Zusammenbruch im Jahr 1908.
- Kontrastierung der frühen symbolistischen Schaffensphase mit dem späteren, vitaleren Spätwerk.
Auszug aus dem Buch
Die Einsamen 1891
In der Komposition ist es ein einfaches Bild der verblühenden Liebe, von dem eine Stille ausgeht. Der Mann steht schräg links hinter der Frau. Beide Figuren fügen sich gut in die von Munch konturenhaft gemalte Uferlandschaft, wahrscheinlich die von Åsgårdstrand ein.
Die Frau, in einem weißen langen Kleid, steht mit dem Rücken zum Betrachter und hat die Hand zum Meer hin erhoben, um etwas imaginäres zu greifen. Das blonde, lange Haar fällt ihr bis zur Taille. Sie wird, wie Arne Eggum schreibt, "[...] zu einer Formel weiblicher Reinheit: ein Solveig-Symbol."72 Ein Bezug zu einer Jugendliebe von Munch. Sie wirkt als die Einsamere der Beiden, obwohl sie, wenn man die Anschauungen Munchs zu dem Verhältnis zwischen Mann und Frau aufgreift, doch diejenige ist, die eine Lösung herbeiführt. Der Mann ist auch hier, wie es Munch in seinen Bildern darstellt, in denen es um die Beziehung der Geschlechter geht, der Abhängige und Unterlegene. Der Mann, im schwarzen Anzug, steht ebenfalls mit dem Rücken zum Betrachter, etwas zur Seite gedreht. Auch sein Gesicht ist nicht zu sehen, trotzdem erkennt man Munch an der Schrittstellung und an den helmartig geschnittenen Haaren. Sein Schritt, mit dem er versucht auf die Frau zuzugehen, stockt. Die großen Ufersteine bilden ein optisches Hindernis, zusammen mit der Erkenntnis des Mannes, dass die Beziehung ein Ende finden wird. Sonst gibt es keine Verbindung zwischen Mann und Frau. Beide stehen einsam, und farblich kontrastierende Gestalten werden von Munch gerne in Bilder gesetzt, um Unterschiede der Figuren klar zu machen. Strand und Meer geben dem Bild, trotz der unmittelbar im Vordergrund liegenden Ufersteinen eine Weite. Wir finden auch hier zwei vertikale Figuren gegen die horizontale Linie des Strandes.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Das Öffentliche und das Private: Einleitung in die akademische Fragestellung der Arbeit und Erläuterung der Verbindung zwischen Munchs Seelenleben und seiner öffentlichen Kunst.
2. Gesellschaftlicher Wandel im 19. Jahrhundert: Analyse des Kontextes von Industrialisierung, Säkularisierung und entstehender Emanzipation, die Munchs Umfeld und seine Rolle als Künstler prägten.
3. Das Leben des Edvard Munch bis zu seinem Zusammenbruch 1908: Biografische Aufarbeitung von traumatischen Kindheitserlebnissen und der Bedeutung persönlicher Beziehungen wie denen zu Milly Thaulow oder Tulla Larssen.
4. Der Lebensfries - Eine Dichtung über Leben, Liebe und Tod: Einführung in das zentrale, über drei Jahrzehnte entwickelte Lebenswerk des Künstlers.
5. Interpretation und Vergleich: Eingehende Analyse ausgewählter Schlüsselwerke zur Darstellung von Liebe und Einsamkeit.
6. Der Zusammenbruch Munchs, sein Leben danach und wichtige Ereignisse bis zu seinem Tod: Untersuchung der künstlerischen Reife nach der Nervenklinik und der Auseinandersetzung mit neuen Themen wie der Arbeiterbewegung.
7. Interpretation und Vergleich: Weiterführende Analyse von Spätwerken und deren inhaltliche Kontrastierung zur Frühphase.
8. Veränderungen: Synthese der Untersuchungsergebnisse zur Frage einer künstlerischen Wende im Schaffen Munchs.
9. Zusammenfassung und Fazit: Zusammenführende Bewertung der Entwicklung von Munchs Malerei und seiner Einordnung als moderner Maler.
10. Schlussbemerkung: Reflektion über die gewandelte moderne Rezeption von Munchs Werken.
Schlüsselwörter
Edvard Munch, Lebensfries, Symbolismus, Liebe, Angst, Tod, Kristiania-Bohème, Malerei, Moderne, Identität, Geschlechterkampf, Erinnerung, Einsamkeit, Milly Thaulow, Tulla Larssen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Werk Edvard Munchs im Kontext seiner Lebensgeschichte und der gesellschaftlichen Umbrüche des 19. und 20. Jahrhunderts.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind menschliche Grunderfahrungen wie Liebe, Einsamkeit, Angst, Krankheit und Tod, die Munch in seinen Bildern subjektiv verarbeitet hat.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu klären, ob und wann eine Zäsur oder Wende im künstlerischen Schaffen von Edvard Munch stattgefunden hat und wie sich diese in seinen Werken widerspiegelt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt kunstgeschichtliche Analysen, biografische Literaturrecherche und einen vergleichenden Interpretationsansatz von Motivgruppen vor und nach der Jahrhundertwende.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einordnung, eine biografische Analyse bis 1908 sowie die Interpretation zentraler Motivgruppen wie des "Lebensfrieses", "Der Kuss" und "Die Einsamen".
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Schlüsselbegriffen zählen Symbolismus, Lebensfries, Subjektivismus, traumatische Erinnerung und der Wandel von der Innerlichkeit zur äußeren Welt.
Welche Rolle spielte Munchs Verhältnis zu Frauen für sein Werk?
Munch verarbeitete in seinen Werken persönliche traumatische Erfahrungen und Liebesenttäuschungen, insbesondere mit Milly Thaulow und Tulla Larssen, die ihn oft als ambivalent zwischen Anziehung und Ablehnung erscheinen lassen.
Wie veränderte sich Munchs Malweise nach dem Jahr 1908?
Nach seinem Nervenzusammenbruch und der Klinikzeit lässt sich in seinem Werk tendenziell eine größere Harmonie, eine hellere Farbpalette und ein weniger von quälenden Angstthemen dominiertes Narrativ beobachten.
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- Helga Pook (Autor), 2022, Die Welt des Edvard Munch. Auswirkungen auf seine Werke, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1301091