Unterrichtsmaterialien und Medien im Französischunterricht


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008
16 Seiten, Note: 3

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung: Die seltene Nutzung von Medien im Fremdsprachenunterricht

2. Medien im Französischunterricht
2.1 Theorie
2.1.1 Allgemeine Funktionen des Medieneinsatzes
2.1.2 Voraussetzungen für den Gebrauch von audiovisuellen Medien im Unterricht
2.1.3 Die einzelnen Medien und ihre Einsatzmöglichkeiten
2.1.3.1 Der Lehrer
2.1.3.2 Printmedien
2.1.3.3 Massenmedien
2.1.3.4 Realien
2.1.3.5 Produktmedien
2.1.3.6 Transportmedien
2.1.3.7 Computer
2.1.3.8 Internet
2.1.4 Unterrichtsentwurf

3. Schluss

Bibliographie:

Arbeitsblatt

1. Einleitung: Die seltene Nutzung von Medien im Fremdsprachenunterricht

Unter einem Medium versteht man einen Gegenstand, dessen Einsatz Lehr- und Lernprozesse in Gang bringt, unterstützt, erleichtert oder fördert. Diese Definition wird im Französischen sehr schön durch den Ausdruck support téchnique wiedergegeben.

Zuallererst muss einerseits zwischen auditiven, visuellen und audiovisuellen Medien, sowie zwischen herkömmlichen, modernen (Video, Overhead, usw.) und neuen (Computer, Internet, usw.) Medien unterschieden werden.

Der Einsatz von Medien ist beim Erwerb der französischen Sprache, oder dem Erlernen von Fremdsprachen in der Schule im Allgemeinen, erwiesenermaßen förderlich.

Dennoch werden auch heutzutage die Möglichkeiten des Medieneinsatzes nur geringfügig genützt und bei Weitem nicht ausgeschöpft.

Inez De Florio-Hansen spricht in ihrem Aufsatz Cahin-Cahan - Les médias en classe de langues sogar von „seltenem Einsatz von Medien im Unterricht“[1], wobei man hier vielleicht eher sagen sollte von technischen Medien. Denn selbst im Falle des klassischen Frontalunterrichts werden Medien wie Lehrbücher, Tafel und Lektüren regelmäßig eingesetzt.

Die seltene Nutzung von neueren Medien hat mehrere Gründe. Zum Einen und wohl auch am wichtigsten ist die schlechte Ausstattung der Klassenzimmer und die damit zusammenhängende Inkompetenz der Lehrer im Umgang mit ihnen. Denn viele trauen es sich nicht zu technische Medien, und seien es nur ein Videorecorder oder ein CD-Player, in ihren Unterricht zu integrieren, aus Angst vor Pannen und Ausfällen.

Außerdem sind selbst in den aktuellen Lehrwerken mediale Angebote nur unzureichend integriert, das bedeutet die Möglichkeit der Unterstützung, die ein Medieneinsatz dem Lehrer bei Unterrichten einer Fremdsprache bieten würde, ist für jenen nicht zwingend und wird deshalb wohl nur relativ selten wahrgenommen.

Immerhin gibt es heute einige Programme an Lernsoftware, diese sind jedoch nur wenig auf die Bedürfnisse der Schüler abgestimmt und erschweren dem Lehrer eher die Arbeit, anstatt sie ihm zu erleichtern.

Hinzu kommt, dass immer noch kein umfassendes mediendidaktisches Konzept existiert, welches vor allem für junge Lehrer und Referendare als Orientierungshilfe für den Medieneinsatz dienlich wäre.

2. Medien im Französischunterricht

2.1 Theorie

2.1.1 Allgemeine Funktionen des Medieneinsatzes

Dies sind Gründe, warum Medien im heutigen Französischunterricht noch viel zu selten eingesetzt werden. Dabei wäre es so wichtig trotz all dieser Hinderlichkeiten technische Medien mehr in die Vermittlung der französischen Sprache einzubeziehen.

Abgesehen davon, dass Medienkompetenz eine Schlüsselqualifikation der Wissensgesellschaft unserer Zeit ist, die durchaus in der Schule gefördert werden sollte, weiß man auch, dass durch die Nutzung von technischen Medien im Unterricht fremdsprachliche Lernprozesse und interkulturelle Sensibilität gefördert werden.

Hinzu kommt, dass rein sprachliche Vermittlung der Lerninhalte schnell zu Langeweile, Motivationsverlust und daraus resultierenden Misserfolgen für die Schüler und somit indirekt auch für den Lehrenden, führt.

Das Bildgedächtnis spielt beim sprachlichen Lernen eine große Rolle, da Sprache immer bildliche Assoziationen initiiert und dazu Bilder in der Lage sind einen sprachlichen Ausdruck an die Realität zu koppeln. Außerdem ermöglichen Bilder das Verständnis der konventionellen Symbole der Sprache und vereinfachen die akustische Memorisierung[2]. Diese Erkenntnis beruht auf dem Prinzip der Anschauung. Die Erkenntnis, dass Lernprozesse umso erfolgreicher verlaufen, je mehr Sinne angesprochen werden, wurde in der Fachdidaktik im Prinzip des „Lernens mit allen Sinnen“ umgesetzt. „Mit diesem Prinzip ist ein komplexes Handeln mit ein zu beziehen, bei dem auch Variationen einzelner Sinneswahrnehmungen zu integrieren sind“[3]. Als Beispiel können hier die unterschiedlichen Präsentationsmöglichkeiten eines Hörtextes genannt werden. Man kann jenen je nach gewünschtem Kriterium, wie beispielsweise „Lautstärke, Geschwindigkeit, Variationen bei Alter und Geschlecht der Sprecher, überlagerndes Sprechen, Sprechen mit Nebengeräuschen, rhythmisches Sprechen usw. auswählen“3. Oft können auch dieselben Lernziele anhand unterschiedlicher Medien vermittelt werden. Als Beispiel könnte an dieser Stelle die Einführung eines landeskundlichen Themas sein, das sowohl über geschriebene und gehörte Texte, als auch über Videos, Bilder und Internetseiten den Schülern dargeboten werden kann. Denn Sprachlehr- und Lernmedien ermöglichen unter Anderem situatives und kontextbezogenes Lernen, zum Beispiel durch Verdeutlichung des personalen, sozialen und geographischen Umfelds einer Sprechsituation anhand eines Textes, eines Videos, einer CD oder eines Fotos.

Eine weitere Funktion kann die Illustration und Repräsentation von sprach- und inhaltsbezogenen Wirklichkeiten sein. Zum Bespiel eignen sich auditive oder audiovisuelle Medien hervorragend dazu Originalstimmen, regionale Dialekte oder andere sprachliche Phänomene zu präsentieren. Dies ist wichtig, um den Lernenden eine Möglichkeit zu geben, einen Einblick in die Art des Sprechens von Franzosen und anderen Sprechern der Francophonie zu erhalten, denn an deutschen Schulen handelt es sich bei den Fremdsprachenlehrern logischerweise nur selten um muttersprachliche Lehrpersonen und es ist somit ganz natürlich, dass diese meistens zumindest einen kleinen Akzent nicht vertuschen können. Neben dem Kontakt mit der authentischen Sprache ist es, vor allem bei der Vermittlung des Französischen, zusätzlich von großer Bedeutung, auf die Abweichungen von regionalspezifischen Dialekten von der sprachlichen Norm des Hochfranzösischen, sowohl in Frankreich selbst, als auch im weiteren inner- und außereuropäischen frankophonen Sprachraum, aufmerksam zu machen und dies kann durch die mediale Wiedergabe von authentischen Sprechern am besten realisiert werden.

Didaktisch eingesetzte Medien unterstützen aber auch die Lernprozesse auf mehreren sprachlichen Ebenen, wie Lexik, Morphosyntax und Pragmatik, da sie als Stimuli zu sowohl mündlichen als auch schriftlichen Äußerungen seitens des Schülers verwendet werden können. Beispiele hierfür wären unter anderem Bildbeschreibungen, Nacherzählungen von Gelesenem oder Gehörtem oder eine produktiv-kreative Erstellung einer möglichen Reaktion darauf.

Gleichzeitig können aber auch landeskundliche Einsichten in die betreffende französischsprachige Region gegeben werden. Hierfür eignen sich natürlich Videos bzw. DVDs, aber auch Texte, Fotos, Lieder und Realien.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass mit Hilfe von Medien die Forderung nach Einsprachigkeit im Fremdsprachenunterricht wesentlich leichter erfüllt werden kann. Gerade bei Anfängern, die dem Französischem noch kaum mächtig sind, ermöglichen Medien dem Lehrer, trotz lexikalischer Unzulänglichkeiten der Schüler, nicht in das Deutsche zu verfallen, da er die Möglichkeit hat, fehlendes Vokabular durch Zeigen von Gegenständen oder Abbildungen zu überbrücken.

Aber auch Malen, Kochen, Basteln, Theaterstücke oder gemeinsames Singen in der Fremdsprache kann je nach Alter und Geschlecht der Schüler motivierend wirken und Lernanreize geben und bietet dem Lehrer gleichzeitig die Gelegenheit handlungs- und projektorientierte Arten des Lernens in seinen Unterricht mit einzubeziehen.

Setzt man nun regelmäßig verschiedene Medien ein und spricht somit unterschiedliche Sinne an, wird die Gedächtnisleistung bei den Schülern verbessert.

All dies ist ein Teil des Prinzips des sogenannten kompetenzfördernden Fremdsprachenunterrichts, dessen Ziel es ist, dem Lernenden sowohl eine authentische Spracherfahrung als auch Einblicke in die Kultur des Zielsprachenlandes zu bieten, ihn zu offenem Lernen aufzufordern, das heißt ihn an den Gebrauch von Medien in Bezug auf das Erlernen des Französischen aber auch anderer Fremdsprachen im Allgemeinen, heranzuführen und dies auf eine möglichst motivierende Art und Weise, so dass er die Möglichkeit hat, sich auch außerhalb des Unterrichts mit der Sprache und der Kultur des frankophonen Raums zu beschäftigen. Des Weiteren sollen handlungs- und projektorientierte Arbeitsformen in das Unterrichtsgeschehen mit einbezogen werden und der Schüler, unabhängig von der Vermittlung fremdsprachlicher Fertigkeiten, mit den Möglichkeiten neuer und moderner Medien vertraut gemacht werden.

[...]


[1] De Florio-Hansen, I. (2000): „Cahin-caha – les médias en classe de langue“ in Themenheft Fremdsprachlicher Unterricht Französisch – Les médias. La mise en pratique 47/2000. S.5

[2] Willeke, O., Plettenberg, M. (1965): Über audio-visuellen Unterricht. Paris. S.19

[3] Sten, B. (2007): „Bildwahrnehmung und Fremdsprachenunterricht“ in Baum, M., Gohrbrandt, D. (Hsg.): Wissenschaft der Fachdidaktik. Literatur und Sprache im Vermittlungszusammenhang. Landau. S. 110

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Unterrichtsmaterialien und Medien im Französischunterricht
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Romanistik)
Veranstaltung
HS Fachdidaktik Französisch
Note
3
Autor
Jahr
2008
Seiten
16
Katalognummer
V130139
ISBN (eBook)
9783640391707
ISBN (Buch)
9783640391608
Dateigröße
487 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Unterrichtsmaterialien, Medien, Französischunterricht
Arbeit zitieren
Raphaela Reiber (Autor), 2008, Unterrichtsmaterialien und Medien im Französischunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/130139

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