Wie erfolgt der Entwicklungsverlauf des Erwerbs der Fremdsprachenkompetenz?
Wo liegen die Schwierigkeiten, Probleme, Hindernisse, welche Fehlentwicklungen bzw. Entwicklungsfehler können entstehen?
Das vorliegende Seminarpapier befasst sich mit der Sprachentwicklung und Spracherziehung unter dem Aspekt des Fremdsprachenerwerbs. Da es sich dabei um ein komplexes und grosses Forschungs- und Themengebiet handelt, haben wir uns auf 4 Schwerpunkte beschränkt; wir haben uns auf folgende vier Themenbereiche konzentriert: Kognitive Aspekte der Sprachentwicklung mit Schwerpunkt Fremdsprachenentwicklung (Kapitel 2), Theoretische Aspekte des Zweit- und Fremdspracherwerbs im Hinblick auf die Beziehung zwischen Erst- und Zielsprache (Kapitel 3), Methoden der Fremdsprachendidaktik und verschiedene Lerntypen (Kapitel 4), und Immersion und bilingualer Sachunterricht (Kapitel 5).
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kognitive Aspekte der Sprachentwicklung mit Schwerpunkt Fremdsprachenentwicklung
2.1 Sprachentwicklung
2.2 Wie erfolgt der Entwicklungsverlauf des Erwerbes der Fremdsprachenkompetenz?
2.3 Art der Entwicklungsaufgabe – Erwerb der Fremdsprachenkompetenz
2.4 Fehlentwicklung, Entwicklungsfehler, wo liegen Schwierigkeiten, Probleme, Hindernisse
3. Theoretische Aspekte des Zweit- und Fremdspracherwerbs im Hinblick auf die Beziehung zwischen Erst- und Zielsprache
3.1 Universalgrammatik
3.2 Kontrasthypothese und Identitätshypothese
3.3 Akkulturations- und Outputhypothese
3.4 Interlanguagehypothese und Erwerbssequenzen
3.4.1 Beispiele aus der Korpuslinguistik
3.4.2 Linearität und Fossilisierungsprozess
3.5 Lernbarkeits- und Lehrbarkeitshypothese
3.6 Schwellen- und Interdependenzhypothese
3.7 Evaluation der verschiedenen Theorieansätze
4. Methoden der Fremdsprachendidaktik und verschiedene Lerntypen
4.1 Überblick über eine Auswahl von Fremdsprachenlehrmethoden
4.2 Unterrichtsgestaltung heute
4.3 Individuelle Unterschiede bei den Lernern
4.3.1 Kognitive Stile
4.3.2 Konsequenzen für den Unterricht
5. Immersion und bilingualer Sachunterricht
5.1 Begriffliche Abgrenzung
5.2 Historischer Hintergrund des zweisprachigen Sachunterrichts und Forschung
5.3 Immersion und traditioneller Fremdsprachenunterricht
5.4 Immersive Didaktik
6. Fazit
7. Literatur
Zielsetzung & Themen
Das Seminarpapier untersucht die komplexen Prozesse der Sprachentwicklung und des Fremdsprachenerwerbs unter kognitiven und didaktischen Gesichtspunkten. Das zentrale Ziel besteht darin, wissenschaftliche Theorien sowie methodische Ansätze – von klassischen Sprachlehrmethoden bis hin zu modernen Immersion-Konzepten – kritisch zu beleuchten und deren Relevanz für den schulischen Kontext zu bewerten.
- Biologische und kognitive Grundlagen des Spracherwerbs
- Kritische Analyse von Theorien zum Erst- und Fremdsprachenerwerb
- Vergleichende Untersuchung didaktischer Methoden der Fremdsprachendidaktik
- Bedeutung individueller kognitiver Stile bei Lernenden
- Konzept, Nutzen und Herausforderungen der Immersionsdidaktik
Auszug aus dem Buch
3.4.1 Beispiele aus der Korpuslinguistik
Zu diesem Thema gibt es auch in der Korpuslinguistik empirische Befunde, die darauf hinweisen, dass eine solche Abfolge determiniert ist. Beispielsweise haben 1973 Dulay und Burt in ihrer Studie die Erwerbssequenz grammatikalischer Morpheme im Englischen untersucht und sind zum Schluss gekommen, dass der Erwerb wie die Interlanguagehypothese postuliert, systematisch und vergleichend ähnlich abläuft, unabhängig davon welche L1 die Lernenden sprechen. Durch den Einsatz von Lernerkorpora, die die Sprache der Lernenden wiedergeben, konnten sie eine bestimmte Reihenfolge der Erwerbsstufen erkennen. Sie haben dabei die Morphemfehler analysiert, welche die Lernenden gemacht haben und schlossen darauf, dass Morpheme, bei denen kaum oder gar keine Fehler auftauchen, als erworben angesehen werden können, während fehlerhafte Morpheme als noch nicht erworben angesehen werden konnten. Bestimmte grammatikalische Morpheme werden vor anderen erworben, woraus Dulay und Burt eine Reihenfolge ableiteten.
Problematisch an dieser Studie ist jedoch, dass sie eine universell festgelegte Erwerbssequenz postuliert, die unverändert bleibt bei verschiedenen L1-Sprechenden. Die Interlanguage nimmt an, dass das Vorwissen der Lernenden auch einen Einfluss auf die L2 ausübt. Die Studie lässt also einen wichtigen Aspekt der Interlanguage-hypothese unbeachtet. Dies ist ein berechtigter Einwand, nicht zuletzt weil eine Studie von McEnery et al. einen klaren Unterschied zwischen der Erwerbssequenz von japanischen Muttersprachlern und der von Dulay und Burt postulierten universellen Erwerbssequenz von grammatikalischen Morphemen entdeckt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert die vier Schwerpunkte der Arbeit: kognitive Aspekte des Erwerbs, theoretische Modelle, didaktische Methoden und Konzepte der Immersion.
2. Kognitive Aspekte der Sprachentwicklung mit Schwerpunkt Fremdsprachenentwicklung: Das Kapitel analysiert biologische Voraussetzungen und sensible Phasen beim Spracherwerb und erläutert die Bedeutung individueller sowie hirnphysiologischer Faktoren.
3. Theoretische Aspekte des Zweit- und Fremdspracherwerbs im Hinblick auf die Beziehung zwischen Erst- und Zielsprache: Hier werden verschiedene grundlegende Hypothesen zum Zusammenhang von Muttersprache und Zweitspracherwerb kritisch evaluiert.
4. Methoden der Fremdsprachendidaktik und verschiedene Lerntypen: Das Kapitel bietet einen Überblick über historische und moderne Lehrmethoden und thematisiert den Einfluss kognitiver Stile auf den Lernerfolg.
5. Immersion und bilingualer Sachunterricht: Es werden Konzepte des immersiven Unterrichts diskutiert, die darauf abzielen, Sprache durch fachbezogene Inhalte in einem natürlichen Kontext zu erwerben.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit, Individualität und Funktionalität im Fremdsprachenunterricht stärker in den Vordergrund zu stellen.
7. Literatur: In diesem Verzeichnis sind die verwendeten Quellen und wissenschaftlichen Grundlagen der Arbeit aufgelistet.
Schlüsselwörter
Sprachentwicklung, Fremdsprachenerwerb, Immersion, Bilingualität, Interlanguagehypothese, Kognitive Stile, Spracherwerbsforschung, Fremdsprachendidaktik, Erstsprache, Zielsprache, Lernstrategien, Mehrsprachigkeit, Fossilisierungsprozess, Sprachstörungen, Pädagogik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Sprachentwicklung und den Erwerb von Fremdsprachen (L2) unter Einbeziehung kognitiver, theoretischer und didaktischer Perspektiven.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind kognitive Voraussetzungen für den Spracherwerb, theoretische Modelle zum Einfluss der Erstsprache, verschiedene Methoden der Fremdsprachendidaktik sowie Ansätze zur Immersion im Schulunterricht.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, den Entwicklungsverlauf des Fremdsprachenerwerbs wissenschaftlich fundiert zu beschreiben und die Relevanz der verschiedenen Theorieansätze für die moderne Unterrichtsgestaltung zu klären.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und der Auswertung empirischer Forschungsergebnisse verschiedener Linguisten und Pädagogen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Erklärungsansätze (wie die Interlanguage- oder Kontrasthypothese), die Analyse von Lehrmethoden und kognitiven Lerntypen sowie die praktische Betrachtung von Immersionsmodellen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Fremdsprachenerwerb, Immersion, Bilingualität, Sprachentwicklung und Fremdsprachendidaktik charakterisiert.
Warum wird die Universalgrammatik als Erklärungsmodell für Fremdsprachen kritisch gesehen?
Da der Erwerb der Zweitsprache ein bereits bestehendes Regelwissen der Erstsprache voraussetzt, ist die Übertragbarkeit einer rein biologisch verankerten Universalgrammatik auf L2-Lernprozesse aus Sicht der Autoren problematisch.
Was unterscheidet das "lineare Modell" vom "integrativen Modell" beim bilingualen Sachunterricht?
Beim linearen Modell dient die Zweitsprache als Vorbereitung für den Sachunterricht, während das integrative Modell die Sprache ausschließlich durch das Sachfach vermittelt, ohne dass separater Fremdsprachenunterricht stattfindet.
Was versteht man unter dem "Fossilisierungsprozess" beim Sprachenlernen?
Fossilisierung bezeichnet den Zustand, bei dem der Prozess des Spracherwerbs auf einer bestimmten Stufe stehen bleibt, oft bedingt durch mangelnde Motivation, fehlenden Druck oder unzureichenden Input.
- Quote paper
- Beatrice Silber (Author), 2007, Sprachentwicklung und Spracherwerb unter dem Aspekt des Fremdsprachenerwerbs, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1301424