Die abenteuerliche Suche nach der Photographie

Eine Rezension zu Roland Barthes "Die helle Kammer"


Rezension / Literaturbericht, 2009
4 Seiten

Leseprobe

Die abenteuerliche Suche nach der Photographie

Eine Rezension zu Roland Barthes

“Die helle Kammer. Bemerkungen zur Photographie”

Das, für einen Essay ziemlich groß konzipierte, Werk “Die helle Kammer” ist das letzte der noch zu Lebzeiten veröffentlichten Werke von Roland Barthes und entstand in einem fest eingrenzbaren Zeitraum, zwischen dem 15.4.1979 und dem 3.7.1979. Barthes, der sich zeitlebens zu den Methoden des Strukturalismus und der Dekonstruktion hingezogen sah, wollte hiermit keineswegs ein “Manifest” geschrieben wissen, vielmehr ist das von Dietrich Leube ins Deutsche übersetzte, nur knapp 130 Seiten starke, Buch eine freie, essayistische, teils prosaische Folge von “Bemerkungen”, die Barthes singuläres Erkenntnisinteresse an der Photographie als solcher (vgl. S.11) anhand einiger Beispiele aus der noch jungen Geschichte der Photographie exerziert. Die Subjektivität wird auch markiert durch die Tatsache, dass der Autor in der Ich-Form schreibt, und nicht etwa aus der anonymen, heterodiegetischen Wissenschaftlerperspektive heraus. Die Widmungsseite verrät, dass Barthes diese Schrift in Ehrerbietung gegenüber Sartres Werk über “Das Imaginäre” verfasst hat.

Es ist in zwei Teile geteilt, beide je 24 kurze Unterabschnitte umfassend, die wiederum im Inhaltsverzeichnis mit Ordinalzahlen und einer Überschrift versehen, im laufenden Text aber nur mit Kardinalzahlen gekennzeichnet und ohne Überschrift erscheinen, vermutlich um den Gedankenverlauf zu verflüssigen und nicht eine strenge Systematik zu heucheln.

Barthes geht dabei von zwei wesentlichen Leitfragen aus, zum Einen keimt gemäß seines ontologischen Wunsches die Frage, was die Photographie an sich ist, und zum Anderen ob sie ein ihr eigentümliches Wesen besitzt (vgl. S.11), das er später Noema (ab S.86) nennen wird. Dabei klären die Abschnitte 1 - 3 eher die Motivation für die vorliegende Abhandlung, in den Abschnitten 4 - 8 versorgt er den Leser mit seiner vorläufigen Theorie und einem terminologischen Kanon, der einerseits Besprechungen der Gegenstände ermöglicht (vgl. spectator, Operator, Spektrum…) und andererseits eindeutig die Sartre-Rezeption des Autors verrät (vgl. z.B.: S.23: “der Andere, entäußern, Gewalt, Objekt, blindwütig“; die Radikalität spricht hierbei Bände…). In den Abschnitten 9 - 23 erfolgen einige Beispiele, die sukzessiv doch leider insgesamt nur partiell preiszugeben vermögen, was Barthes einer erlesene Auswahl konkreter Photos für einen Aussagewert über dasjenige zutrauen will, was er Photographie nennt. Zu beobachten ist, dass er für sich relevante Photos auf Basis des Affekts auswählt, den er über das Begriffspaar “studium und punctum” auf letzteres innerhalb eines Photos zurück führt. In Abschnitt 24 muss er sich selbst konstatieren sehen, dass er die Natur der Photographie bisher nicht entdeckt hatte, da seine “Lust ein unvollkommener Mittler war” (S.70). In kartesisch anmutender Zielfixation muss er sich selbst eine Einstellungsänderung abverlangen (vgl. S.70), was auch für die Dramaturgie des Buches entscheidend sein wird.

[...]

Ende der Leseprobe aus 4 Seiten

Details

Titel
Die abenteuerliche Suche nach der Photographie
Untertitel
Eine Rezension zu Roland Barthes "Die helle Kammer"
Hochschule
Universität Rostock
Autor
Jahr
2009
Seiten
4
Katalognummer
V130143
ISBN (eBook)
9783640354214
Dateigröße
395 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Suche, Photographie, Eine, Rezension, Roland, Barthes, Kammer
Arbeit zitieren
Carlo Ihde (Autor), 2009, Die abenteuerliche Suche nach der Photographie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/130143

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die abenteuerliche Suche nach der Photographie


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden