Die Rezension versucht kurz und bündig einen chronologischen und systematischen Abriss von Roland Barthes Werk und bewertet das Buch im Hinblick auf seine Vorgehensweise und seinen Aussagewert für den Diskurs um das Wesen der Photographie.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Motivation und Zielsetzung
1.2 Theoretischer Kanon und Sartre-Rezeption
2. Analyse der photographischen Beispiele
2.1 Methodik der Bildauswahl und Begriffspaare
2.2 Reflexion der Einstellungsänderung
3. Das Gedenken und die Zeitstruktur
3.1 Retrospektives Gedenken an die Mutter
3.2 Zeit und Fiktion in der Photographie
4. Das Noema der Photographie
4.1 Bestätigungsvermögen und "Es-ist-so-gewesen"
4.2 Anachronismus und Technikverständnis
5. Kritische Würdigung der Termini
5.1 Studium und Punctum
5.2 Diskussion der Klassiker der Kunstphotographie
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit analysiert kritisch Roland Barthes' Spätwerk "Die helle Kammer" und untersucht, wie der Autor versucht, das Wesen der Photographie – das sogenannte Noema – durch eine subjektive, affektbasierte Methode zu bestimmen und von anderen Bildmedien abzugrenzen.
- Untersuchung des ontologischen Status der Photographie
- Analyse der zentralen Begrifflichkeiten "studium" und "punctum"
- Diskussion der Bedeutung von Zeitlichkeit und Referenzialität
- Kritik an Barthes' bewusster Abkehr von einer klassischen wissenschaftlichen Systematik
Auszug aus dem Buch
Die abenteuerliche Suche nach der PHOTOGRAPHIE.
Das, für einen Essay ziemlich groß konzipierte, Werk “Die helle Kammer” ist das letzte der noch zu Lebzeiten veröffentlichten Werke von Roland Barthes und entstand in einem fest eingrenzbaren Zeitraum, zwischen dem 15.4.1979 und dem 3.7.1979. Barthes, der sich zeitlebens zu den Methoden des Strukturalismus und der Dekonstruktion hingezogen sah, wollte hiermit keineswegs ein “Manifest” geschrieben wissen, vielmehr ist das von Dietrich Leube ins Deutsche übersetzte, nur knapp 130 Seiten starke, Buch eine freie, essayistische, teils prosaische Folge von “Bemerkungen”, die Barthes singuläres Erkenntnisinteresse an der PHOTOGRAPHIE als solcher (vgl. S.11) anhand einiger Beispiele aus der noch jungen Geschichte der Photographie exerziert. Die Subjektivität wird auch markiert durch die Tatsache, dass der Autor in der Ich-Form schreibt, und nicht etwa aus der anonymen, heterodiegetischen Wissenschaftlerperspektive heraus.
Barthes geht dabei von zwei wesentlichen Leitfragen aus, zum Einen keimt gemäß seines ontologischen Wunsches die Frage, was die PHOTOGRAPHIE an sich ist, und zum Anderen ob sie ein ihr eigentümliches Wesen besitzt (vgl. S.11), das er später Noema (ab S.86) nennen wird. Dabei klären die Abschnitte 1 - 3 eher die Motivation für die vorliegende Abhandlung, in den Abschnitten 4 - 8 versorgt er den Leser mit seiner vorläufigen Theorie und einem terminologischen Kanon, der einerseits Besprechungen der Gegenstände ermöglicht und andererseits eindeutig die Sartre-Rezeption des Autors verrät.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Stellt den historischen Kontext und das subjektive Erkenntnisinteresse von Barthes an der Photographie dar.
2. Analyse der photographischen Beispiele: Beleuchtet die Auswahl der Motive auf Basis des Affekts und die Einführung der Begriffe studium und punctum.
3. Das Gedenken und die Zeitstruktur: Analysiert den persönlichen Bezug des Autors zu Photographien seiner Mutter und deren Wirkung auf das Zeitverständnis.
4. Das Noema der Photographie: Arbeitet die zentrale Erkenntnis des "Es-ist-so-gewesen" als spezifisches Wesensmerkmal des Mediums heraus.
5. Kritische Würdigung der Termini: Setzt sich kritisch mit Barthes' Methodik und dem bewussten Verzicht auf die Einbeziehung klassischer Kunstphotographen auseinander.
Schlüsselwörter
Roland Barthes, Die helle Kammer, Photographie, Noema, Studium, Punctum, Zeitlichkeit, Referenzialität, Ontologie, Bildtheorie, Subjektivität, Sartre, Film, Analoge Photographie, Medientheorie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dem Werk grundsätzlich?
Das Buch ist eine philosophisch-essayistische Auseinandersetzung mit dem Wesen der Photographie aus der Sicht von Roland Barthes.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die ontologische Definition der Photographie, die Beziehung zwischen Betrachter und Bild sowie die Wirkung von Zeitlichkeit.
Was ist das primäre Ziel des Autors?
Barthes sucht nach dem sogenannten "Noema", dem eigentümlichen Wesen der Photographie, das sie von anderen Medien unterscheidet.
Welche Methode verwendet der Autor?
Er wählt einen subjektiven, affektbasierten Ansatz statt einer klassischen, objektiven wissenschaftlichen Analyse.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erörtert die Begriffe "studium" und "punctum", die Analyse persönlicher Bilder und die Verbindung von Bild und Tod/Zeit.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind Noema, Punctum, Studium, Referenzialität, Zeitlichkeit und der berühmte Ausspruch "Es-ist-so-gewesen".
Warum spielt die Person der Mutter eine so große Rolle?
Die Suche nach einem Bild der verstorbenen Mutter dient als Ausgangspunkt, um die Wahrheit und Zeitlichkeit des Mediums auf einer persönlichen Ebene zu begreifen.
Warum kritisiert der Rezensent das Auslassen bekannter Kunstphotographen?
Die Kritik richtet sich dagegen, dass Barthes durch die bewusste Auslassung bekannter Positionen versucht, seine eigene theoretische Alleinstellung zu behaupten.
Wie steht das Buch zur digitalen Photographie?
Barthes betrachtet die Photographie in einer anachronistischen Weise, da das Buch vor der digitalen Ära entstand und den Fokus auf analoge Zeugnisse legt.
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- Carlo Ihde (Author), 2009, Die abenteuerliche Suche nach der Photographie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/130143