Die ‚Überwachung‘ ist Gegenstand verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen. Bis heute prägt Michel Foucaults: „Überwachen und Strafen“ (1976) die Forschung. Der Philosoph stellte das Konzept des ‚Panoptikums‘ auf – die Entwicklung eines Modells gesellschaftlicher Überwachung des 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts. Seit den 1990er Jahren beschäftigt sich auch die Filmkunst mit dem Überwachungsphänomen. So wird es zum Gegenstand verschiedener Genres wie Thriller, Science-Fiction, Action, Komödie und Satire. Fiktionale Filme der Überwachung besitzen laut Kilian Hauptmann, Martin Hennig und Hans Krah in ihrer Narration eine spezielle Eigenlogik, die an mediale Kontexte und kulturelle Entwicklungen gebunden ist, wobei sie eigenständige Modelle und Bedeutungen produzieren. So behandeln neueste Überwachungsfilme etwa die unüberwindbare digitale Überwachung. Diese werden Sabrina Huber nach, häufig in Form dystopischer Zukunftsszenarien im Sinne einer Prävention gegen einen Ablauf von Dingen, der niemals eintreten soll, inszeniert. So auch in dem US-amerikanischen Science-Fiction-Thriller ‚The Circle‘ von James Ponsoldt (2017), der auf dem gleichnamigen Bestsellerroman von Dave Eggers (2013) beruht. In dem Film geht es um den IT-Konzern „The Circle“, der sich durch neueste technologische Innovationen zu einem mächtigen ökonomischen, politischen und gesellschaftlichen Akteur aufgeschwungen hat. Im Film wird die Entwicklung einer ‚Transparenzgesellschaft‘ vorgeführt, indem die Probleme des Sichtbarwerdens durch das Internet thematisiert werden. Der Film ist Gegenstand dieser Arbeit. Er wird hinsichtlich des ‚Panoptikums‘ untersucht, mit dem Ziel, festzustellen, inwiefern eine Verbindung zwischen dem Überwachungs-Modell und dem Circle hergestellt werden kann. Er wurde für die Analyse ausgewählt, weil er in überspitzter Weise einen Bezug zur Wirklichkeit besitzt und durch seine filmischen Möglichkeiten, im Gegensatz zum Roman, Überwachung auf einer weiteren (technischen) Ebene präsentiert. Nach einer theoretischen Einführung des ‚Panoptikums‘ nach Foucault und der Weiterentwicklung des Modells bis heute, wird die Überwachung im Film erst auf inhaltlicher und anschließend auf technischer Ebene analysiert. Im Fazit werden die Erkenntnisse der Analysen außerdem mit aktuellen Überwachungstendenzen im 21. Jahrhundert verglichen.
Inhaltsverzeichnis
1. Das Phänomen der (digitalen) Überwachung
2. Theoretische Einführung: Das ,Panoptikum‘ – von Foucault bis in die Gegenwart
3. Analyse des Panoptikums. In: „The Circle“ (2017), James Ponsoldt
3.1 inhaltliche Ebene
3.2 technische Ebene
4. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Film „The Circle“ (2017) im Hinblick auf das Panoptikum-Modell, um festzustellen, inwiefern eine Verbindung zwischen dem Überwachungs-Modell und dem Circle hergestellt werden kann. Dabei wird insbesondere analysiert, wie moderne technologische Innovationen in eine ökonomische, politische und gesellschaftliche Überwachung münden.
- Analyse des Panoptikums nach Foucault und dessen heutige Relevanz
- Untersuchung der inhaltlichen Ebene der Überwachung im Film
- Analyse der technischen Ebene und bildlichen Verstärkung der Überwachung
- Vergleich mit aktuellen Überwachungstendenzen im 21. Jahrhundert
- Kritik an der freiwilligen Datenpreisgabe im Sinne einer „Transparenzgesellschaft“
Auszug aus dem Buch
3. Analyse des Panoptikums. In: „The Circle“ (2017), James Ponsoldt
Ponsoldts Spielfilm handelt von der 24-jährigen Mae Holland, die auf Empfehlung ihrer besten Freundin Anni im Kundendienst des mächtigen IT-Konzerns „The Circle“ eingestellt wird. Von einer anfänglichen Skepsis gegen die auf Social-Media basierten technologischen Entwicklungen des Circles heraus, entwickelt sie schnell eine zunehmende Begeisterung für diese. Höhepunkt des Films stellt Maes Aufstieg im Unternehmen dar. Durch die Identifizierung mit den Ideologien des Konzerns wird sie zur Repräsentantin der ‚Transparenz‘. Bei der Transparenz handelt es sich um eine ideologische Vorstellung des Circles, die eine Ausweitung der Macht durch (digitale) Überwachung sicherstellt. Überwachung findet im Film auf verschiedene Arten statt. Alle Überwachungsarten besitzen die Gemeinsamkeit, dass sie nicht, wovon einst Bentham und Foucault ausgingen, auf institutioneller Ebene, sondern mit den Worten Deleuzes gesagt, im „offenen Milieu“ stattfinden.
Eine wichtige Technologie zur Erzeugung digitaler Überwachung stellt im Film die Internetplattform ‚TruYou‘ dar, auf der Überwachung in Form einer Kontrolle von Social-Media-Aktivitäten geschaffen wird. Mit der Anlegung eines ‚TruYou‘-Accounts soll eine alltagspraktische, einfache Vernetzung gelingen, sowie eine Optimierung zum Schutz der Sicherheit. So wirbt der Konzern mit der Zusammenführung digitaler Benutzerkonten, um mehrere digitale Identitäten im Internet zum Zwecke einer Kriminalitätsbekämpfung zu minimieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Das Phänomen der (digitalen) Überwachung: Einleitung in den Überwachungsbegriff und dessen historische sowie gesellschaftliche Entwicklung unter Berücksichtigung der Digitalisierung.
2. Theoretische Einführung: Das ,Panoptikum‘ – von Foucault bis in die Gegenwart: Erläuterung des Panoptikum-Modells nach Jeremy Bentham und dessen theoretische Weiterentwicklung durch Michel Foucault und Gilles Deleuze.
3. Analyse des Panoptikums. In: „The Circle“ (2017), James Ponsoldt: Konkrete Anwendung der theoretischen Modelle auf den Film „The Circle“ unterteilt in inhaltliche und technische Aspekte.
4. Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Betrachtung der Erkenntnisse und Einordnung in aktuelle gesellschaftliche Überwachungsprozesse des 21. Jahrhunderts.
Schlüsselwörter
Überwachung, The Circle, Panoptikum, Michel Foucault, Gilles Deleuze, Transparenzgesellschaft, digitale Identität, Social-Media, TruYou, Self-Tracking, Kontrolle, Datenpreisgabe, Machtmechanismen, digitale Überwachung, Überwachungskapitalismus
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Spielfilm „The Circle“ in Bezug auf das theoretische Modell des Panoptikums und dessen Relevanz für moderne digitale Überwachungsprozesse.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Arbeit?
Die zentralen Themen sind Macht und Kontrolle durch Digitalisierung, die Entstehung einer sogenannten „Transparenzgesellschaft“ sowie die bewusste Aufgabe von Privatsphäre.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, festzustellen, inwiefern der Film „The Circle“ Mechanismen des Panoptikums widerspiegelt und welche Rolle die technologische Kontrolle des Konzerns dabei spielt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine medienwissenschaftlich orientierte Filmanalyse, die durch eine theoretische Auseinandersetzung mit den Überwachungs-Konzepten von Foucault und Deleuze gestützt wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil wird der Film in eine inhaltliche und eine technische Ebene unterteilt, um zu zeigen, wie Überwachung sowohl durch Ideologie als auch durch audiovisuelle Mittel inszeniert wird.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind Panoptikum, Überwachung, Transparenz, Self-Tracking und Machtverhältnisse in Kontrollgesellschaften.
Wie trägt die Protagonistin Mae Holland zur Überwachung bei?
Mae Holland fungiert als Repräsentantin des Konzerns, die durch aktive Teilnahme an den Überwachungstechnologien des Circles (wie „TruYou“ oder „SeeChange“) die ideologische Vorstellungen der Transparenz verkörpert und mit vorantreibt.
Welche technologische Rolle spielt das „SeeChange“-System?
Das „SeeChange“-System ermöglicht durch kleinste Kameras eine Rund-um-die-Uhr-Überwachung, die das „offene Milieu“ des Panoptikums im digitalen Zeitalter realisiert.
Wie bewerten die Autoren die „freiwillige Datenpreisgabe“?
Die freiwillige Datenpreisgabe wird als Instrument der Selbstdistziplinierung gewertet, bei dem das Individuum die Machtverhältnisse internalisiert und sich freiwillig einer totalen Transparenz unterwirft.
- Arbeit zitieren
- Katja Wiemers (Autor:in), 2022, Das (digitale) Panoptikum. Überwachung im Film "The Circle" (2017) von James Ponsoldt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1301449