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L'Amour, la fantasia - Orchestrierung der Polyphonie des Romans oder Djebars Umgang mit Geschichte

Title: L'Amour, la fantasia  - Orchestrierung der Polyphonie des Romans oder Djebars Umgang mit Geschichte

Seminar Paper , 2003 , 21 Pages , Grade: 1

Autor:in: Roswitha Geyss (Author)

French Studies - Literature
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Die Grundgedanken der Dialogizität, d.h. der Redevielfalt oder Polyphonie, wurden vom russischen Literaturwissenschaftler und Philosophen Michail Bachtin entwickelt. Laut Bachtin spiegeln sich in Worten, Äußerungen und Texten teils bündelnde, teils konkurrierende Stimmen wider. In einem polyphonen Kunstwerk, wie es der zu behandelnde Roman ist, ergänzen sich viele unterschiedliche Stimmen, Perspektiven und Weltanschauungen, die auch miteinander in Konflikt treten können. Somit steht der polyphone Roman im deutlichen Gegensatz zum monologischen Roman, bei dem eine dominante Stimme hervortritt, die alle anderenverstummen lässt2. Assia Djebar legt, wie ich im Laufe dieser Arbeit immer wieder aufzeigen werde, großen Wert auf eine möglichst umfassende Darstellung von Geschichte, die sie nie durch ihre eigenen Anschauungen dominiert. Die Stimme der Autorin ist zwar vorhanden, aber vor allem im letzten Abschnitt „Les voix ensevelies“ wird ihr Bestreben klar ersichtlich, in L’Amour, la fantasia möglichst vielen verschiedenen Stimmen (im konkreten Beispiel den Stimmen vieler unterschiedlicher algerischer Frauen) Platz und Raum zur Entfaltung zu geben, ohne diese jedoch zu dominieren.

Im Laufe meiner Proseminararbeit werde ich auch kurz auf die Verbindungen zwischen dem filmischen Schaffen der Autorin und ihrer Literatur eingehen, weil ich denke, dass dies eine ganz wesentliche Rolle in Assia Djebars Werk spielt. Hauptsächlich möchte ich jedoch anhand von zahlreichen Textzitaten zeigen, wie die Autorin mit Geschichte umgeht.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort und Grundgedanken zur Thematik

2. Eine Geschichte erzählen – Geschichte erzählen – Assia Djebar zwischen Geschichte, Literatur und Gedächtnis

2.1 Montage, Collage und Pluralität – Film und Literatur

2.2 Daten und Zeiten des Romans

2.3 Wie unterscheidet Assia Djebar „Fiction“ und „Faction“?

2.4 Warum ist die Fiktion von so großer Bedeutung in diesem Roman?

3. „Quasi una fantasia ...“ – Orchestrierung und Aufbau des Romans

3.1 Der Aufbau des Romans und die Parallelen zur Entwicklung der Schriftstellerin

3.1.1 Erster Abschnitt: Kindheit – koloniale Eroberung (1830)

3.1.2 Zweiter Abschnitt: Jugend/Heirat – die Jahre 1840 – 1845

3.1.3 Erster und zweiter Abschnitt: Liebesbriefe vs. Kriegskorrespondenz

3.2 Dritter Abschnitt: Vielstimmigkeit (Polyphonie)

4. Opernmetaphorik

5. Mündlichkeit – Schriftlichkeit und Übersetzungsproblematik

5.1 Maskuline, französische, schriftliche Geschichte und weibliche, algerische, mündliche Tradition

5.2 Übersetzen in die „Sprache des Eroberers“

6. Schlussfolgerungen

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die Orchestrierung der Polyphonie in Assia Djebars Roman "L'Amour, la fantasia". Dabei wird analysiert, wie die Autorin historische Tatsachen mit fiktionalen Elementen und autobiographischen Erinnerungen verknüpft, um eine multiperspektivische Darstellung der algerischen Geschichte zu schaffen.

  • Die Rolle von Polyphonie (Mehrstimmigkeit) in der Erzählstruktur.
  • Die Vermischung von Geschichte, Fiktion und Autobiographie (Collage-Technik).
  • Die kritische Auseinandersetzung mit der maskulinen, französischen Kolonialhistoriographie.
  • Die Bedeutung der mündlichen weiblichen Traditionen und deren Übersetzung in die französische Sprache.
  • Die Opernmetaphorik als strukturelles Element des Romans.

Auszug aus dem Buch

3.1.1 Erster Abschnitt: Kindheit – koloniale Eroberung (1830)

Im ersten Abschnitt des Romans mit dem Titel „La prise de la ville ou L’amour s’écrit“ stehen sich die Kindheit der Autorin sowie die koloniale Eroberung Algeriens, d.h. das Jahr 1830, gegenüber. Den Auftakt des Romans bildet eine autobiographische Szene, die für die Entwicklung von Assia Djebar besonders von Bedeutung war, nämlich ihr erster Schultag:

« Fillette arabe allant pour la première fois à l’école, un matin d’automne, main dans la main du père. Celui-ci, un fez sur la tête, la silhouette haute et droite dans son costume européen, porte un cartable, il est instituteur à l’école française. »

Ihr Vater, der als Lehrer an einer französischen Grundschule tätig war, ermöglichte ihr eine französische Ausbildung und legte somit den Grundstein für ihre weitere Entwicklung aus der Gefangenschaft, aus „dem Harem“ heraus. Die große Bedeutung, die diese Chance für die Autorin hatte, spricht sie selbst auch gegen Ende des Romans an, wo sich der Rahmen der Darstellung des ersten Schultages wieder schließt, wenn sie sagt:

« Le père, silhouette droite et le fez sur la tête, marche dans la rue du village; sa main me tire et moi qui longtemps me croyais si fière – moi, la première de la famille à laquelle on achetait des poupées françaises, moi qui, devant le voile-suaire n’avais nul besoin de trépigner ou de baisser l’échine comme telle ou telle cousine, moi qui, suprême coquetterie, en me voilant lors d’une noce d’été, m’imaginais me déguiser, puisque, définitivement, j’avais échappé à l’enfermement – je marche, fillette, au dehors, main dans la main du père. Soudain, une réticence, une scrupule me taraude : mon « devoir » n’est-il pas de rester « en arrière », dans le gynécée, avec mes semblables? Adolescente ensuite, ivre quasiment de sentir la lumière sur ma peau, sur mon corps mobile, un doute se lève en moi : « Pourquoi moi? Pourquoi à moi seule, dans la tribu, cette chance? » »

Zusammenfassung der Kapitel

1. Vorwort und Grundgedanken zur Thematik: Einführung in das zentrale Thema der Polyphonie und die Bedeutung des Romans als Teil einer Tetralogie.

2. Eine Geschichte erzählen – Geschichte erzählen – Assia Djebar zwischen Geschichte, Literatur und Gedächtnis: Analyse der Collagetechnik und der Unterscheidung zwischen Fiktion und historischen Fakten.

3. „Quasi una fantasia ...“ – Orchestrierung und Aufbau des Romans: Untersuchung der strukturellen Parallelen zwischen der Biografie der Autorin und der algerischen Geschichte.

4. Opernmetaphorik: Deutung der Gliederung und der Stimmenvielfalt als musikalische Metapher einer Oper.

5. Mündlichkeit – Schriftlichkeit und Übersetzungsproblematik: Darstellung des Konflikts zwischen der offiziellen französischen Geschichtsschreibung und der weiblichen algerischen Mündlichkeit.

6. Schlussfolgerungen: Synthese der Ergebnisse zur Bedeutung von Fiktion und Sprache bei der Aufarbeitung der Kolonialgeschichte.

Schlüsselwörter

Assia Djebar, L'Amour, la fantasia, Polyphonie, Algerien, Kolonialgeschichte, Fiktion, Faction, Collage, Mündlichkeit, Weiblichkeit, Autobiographie, Identität, Übersetzung, Literaturtheorie, Geschichte.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es grundsätzlich in dieser Arbeit?

Die Arbeit analysiert die Erzählweise Assia Djebars in ihrem Roman "L'Amour, la fantasia", wobei der Fokus auf dem Zusammenspiel von historischer Faktenlage und literarischer Fiktion liegt.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Im Zentrum stehen die algerische Kolonialgeschichte, die feminine Selbstfindung, der Konflikt zwischen französischer Schriftkultur und algerischer mündlicher Tradition sowie die Frage nach der Identität der Autorin.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es aufzuzeigen, wie Djebar durch eine polyphone Erzählstruktur und die Verwendung von Collagetechniken den einseitigen, maskulinen Blick der französischen Kolonialberichte dekonstruiert und erweitert.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Textanalyse unter Einbeziehung literaturwissenschaftlicher Begriffe wie Bachtins "Dialogizität" und der opernhaften Struktur des Werkes.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert den Roman in seine Abschnitte und analysiert jeweils die Verwebung von Autobiografie und Geschichte, die Verwendung von Briefen und die spezifische Bedeutung der Frauenstimmen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Polyphonie, Kolonialismus, Fiktion, Algerien, Autobiografie, Mündlichkeit und das Spannungsfeld zwischen französischer Sprache und arabischer Identität.

Wie genau nutzt Djebar die Fiktion, um Geschichte korrekt darzustellen?

Die Autorin nutzt die Fiktion als bewusstes Instrument, um die Einseitigkeit französischer Quellen zu ergänzen, indem sie Mutmaßungen anstellt und den Frauenstimmen Raum gibt, die in den offiziellen Archiven fehlen.

Warum ist die "Sprache des Eroberers" (Französisch) für die Autorin so problematisch?

Obwohl Französisch für Djebar eine Befreiung aus den engen Strukturen des Harems bedeutet, bleibt die Sprache für sie auch ein Symbol des Unterdrückers, was zu einer zwiespältigen Identitätssituation führt.

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Details

Title
L'Amour, la fantasia - Orchestrierung der Polyphonie des Romans oder Djebars Umgang mit Geschichte
College
University of Vienna  (Institut für Romanistik)
Course
Literaturwissenschaftliches Proseminar II
Grade
1
Author
Roswitha Geyss (Author)
Publication Year
2003
Pages
21
Catalog Number
V13016
ISBN (eBook)
9783638187725
Language
German
Tags
Amour Orchestrierung Polyphonie Romans Djebars Umgang Geschichte Literaturwissenschaftliches Proseminar
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Roswitha Geyss (Author), 2003, L'Amour, la fantasia - Orchestrierung der Polyphonie des Romans oder Djebars Umgang mit Geschichte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/13016
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