Im Zuge der Apartheid und der damit verbundenen rechtlichen Restriktionen für die Einwohner Südafrikas wurden vor allem die Städte durch die spezielle Stadtplanungspolitik der Apartheid-Regierung beeinflusst. Dabei gibt es Gebiete, die durch besonders tragische Schicksale Geschichte geschrieben haben. Drastische Beispiele sind Gebiete, aus denen während der Apartheid alle Einwohner (in diesen Fällen Schwarze und Coloured) zwangsumgesiedelt wurden, um diese Bereiche als Wohngebiete für weiße Einwohner frei zu machen. Zu nennen sind in diesem Zusammenhang Viertel wie Cato Manor in Durban, Sophiatown in Johannesburg und der District Six in Kapstadt.
Diese Arbeit wird sich im Speziellen mit der Geschichte und der Entwicklung des District Six beschäftigen, da dieser eine Besonderheit gegenüber den anderen eben genannten Gebieten aufweist: der District Six wurde – im Gegensatz zu Sophiatown und Cato Manor – trotz ursprünglicher Planung nur in geringem Maße wieder bebaut und ist deshalb besser bekannt als eine Brachfläche, die an die Innenstadt Kapstadts anschließt. Kein anderes Viertel Südafrikas wurde zudem so stark umkämpft und hat auch international soviel Aufsehen erregt. Seit einigen Jahren läuft nun ein aktiver Prozess zur Wiederbelebung des District Six, dessen Darstellung ebenso Schwerpunkt dieser Arbeit sein soll.
Um Problemen bei der Begriffsverwendung vorzubeugen, erfolgt zu Beginn der Arbeit eine Definition der wichtigsten Begriffe, die im Zusammenhang mit dem Thema stehen.
Anschließend soll eine Darstellung der bedeutsamsten Gesetze bezüglich der Rassentrennung in Südafrika eine Grundlage schaffen, um die weiteren Entwicklungen im District Six und deren rechtliche Legitimation zu verstehen.
Nach einem historischen Aufriss des District Six, welcher die Hintergründe der Entwicklungen in diesem Gebiet aufzeigen und damit dessen spezielle Geschichte herausarbeiten soll, wird die aktuelle Situation beleuchtet und in einem abschließenden Teil zukünftige Entwicklungsmöglichkeiten aufgezeigt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffsdefinition
3 Rechtliche Grundlagen in Südafrika
3.1 Die Gesetze vor der Apartheid
3.2 Die Gesetze der Apartheid
3.3 Die Abkehr von der Apartheid
4 Die Historie des District Six
4.1 District Six in den Anfängen seiner Entstehung
4.2 District Six während der Apartheid
4.2.1 Die rechtlichen und baulichen Entwicklungen im District Six
4.2.2 Kosten für die Implementierung des Group Areas Acts im District Six
5 Die Post-Apartheid Entwicklungen und die heutige Situation im District Six
6 Kritische Betrachtung und Zukunftsaussichten
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung des District Six in Kapstadt, ausgehend von seiner Entstehung über die systematische Zerstörung während der Apartheid-Ära bis hin zu den komplexen Herausforderungen der Wiederbelebung und Entschädigung in der Post-Apartheid-Zeit.
- Analyse der rechtlichen Rahmenbedingungen und der Apartheid-Gesetzgebung in Südafrika.
- Untersuchung der Stadtplanungspolitik und der Zwangsumsiedlungen im District Six.
- Betrachtung der ökonomischen und sozialen Folgen für die betroffene Bevölkerung.
- Diskussion der Schwierigkeiten bei der Neuentwicklung und der heutigen Situation des Areals.
Auszug aus dem Buch
4.2.1 Die rechtlichen und baulichen Entwicklungen im District Six
Im Jahr 1962 reichte das City Council Kapstadts den Vorschlag ein den Großteil des District Six im Rahmen von Slumbereinigung bzw. städtischer Erneuerung niederzureißen und damit Platz für moderne Stadtplanungselemente zu schaffen. Das Gebiet des District Six war aufgrund seiner Lage sehr begehrt und wertvoll. Da die Regierung jedoch noch nicht über die Aufteilung der Zonen für die verschiedenen Rassen entschieden hatte, musste diese Entscheidung vorerst vertagt werden.
Am 12. Juni 1965 wurden jegliche Grundstücks- und Immobiliengeschäfte im District Six eingefroren und die Errichtung oder Veränderung von Gebäuden verboten. Am 11. Februar 1966 verkündete P.W. Botha (zu dieser Zeit Minister für gemeinschaftliche Entwicklung und später Präsident Südafrikas), dass der District Six auf Basis des Group Areas Acts zu einer White Area erklärt wird.
Einer Zählung zu Folge lebten zu diesem Zeitpunkt 28.707 Menschen im District Six. Davon waren 26.925 Coloured, 1.220 Inder, 381 Weiße und 181 Schwarze. Die Eigentumsverhältnisse jedoch gestalteten sich anders, denn 56% der Grundstücke und Häuser gehörten Weißen. Dadurch wurde vielfach argumentiert, dass vielen der Betroffenen, die umgesiedelt wurden, nicht ihr Eigentum und damit auch nicht ihr zu Hause genommen wurde.
Nach der Bekanntmachung dieser Veränderungen für den District Six wurde dessen Einwohnern ein Jahr gewährt, um sich auf die Umsiedlung in die Cape Flats, die Townships am Rande Kapstadts, vorzubereiten. Dass dieser Prozess sich über zwei Dekaden hinziehen würde, konnte zu dieser Zeit noch niemand ahnen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung erläutert die geschichtliche Relevanz des District Six als Symbol der Apartheid-Politik und definiert den Fokus der Arbeit auf die Zerstörung sowie den aktuellen Prozess der Wiederbelebung.
2 Begriffsdefinition: In diesem Kapitel werden die in der Arbeit verwendeten rassenbasierten Begriffe des Apartheid-Systems im Kontext ihrer historischen Verwendung und ihrer heutigen Problematik geklärt.
3 Rechtliche Grundlagen in Südafrika: Es wird der rechtliche Rahmen der Rassentrennung in Südafrika analysiert, beginnend bei Gesetzen vor der Apartheid bis hin zur schrittweisen Aufhebung der Apartheid-Gesetzgebung.
4 Die Historie des District Six: Dieses Kapitel zeichnet den Weg des Bezirks von seiner Gründung bis zur systematischen Zerstörung und den damit verbundenen Zwangsumsiedlungen nach.
5 Die Post-Apartheid Entwicklungen und die heutige Situation im District Six: Die Untersuchung befasst sich mit den Bemühungen zur Neuentwicklung des Gebiets, dem Entschädigungsprozess für ehemalige Bewohner und den Herausforderungen bei der Umsetzung.
6 Kritische Betrachtung und Zukunftsaussichten: Abschließend wird das Scheitern vieler Wiederaufbauprojekte reflektiert und aufgezeigt, dass der Kampf um die Zukunft des Bezirks noch immer andauert.
Schlüsselwörter
District Six, Apartheid, Group Areas Act, Zwangsumsiedlung, Kapstadt, Rassentrennung, Stadtplanung, Restitution, Landentschädigung, Post-Apartheid, Siedlungspolitik, Diskriminierung, Stadterneuerung, Urbanisierung, Beneficiary Trust
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit behandelt die Geschichte des District Six in Kapstadt, einem Stadtteil, der durch die Apartheid-Politik systematisch zerstört und seine Bewohner zwangsumgesiedelt wurden.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die rechtlichen Rahmenbedingungen der Rassentrennung, die historische Stadtentwicklung, die sozioökonomischen Folgen der Umsiedlung und der heutige Prozess der Entschädigung und Neuentwicklung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Hintergründe der Zerstörung des District Six aufzuzeigen und die komplexen, teilweise stagnierenden Bemühungen der Wiederbelebung in der Zeit nach der Apartheid kritisch zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine historische und stadtgeographische Analyse, gestützt durch Literaturrecherche, offizielle Regierungsstatistiken, historische Kartenmodelle und Zeitungsberichte.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der rechtlichen Apartheid-Grundlagen sowie eine detaillierte historische Darstellung des District Six von der Entstehung bis zur heutigen Situation.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind District Six, Apartheid, Group Areas Act, Zwangsumsiedlung und Restitution.
Warum wurde der District Six trotz ursprünglicher Planung kaum wieder bebaut?
Dies lag an politischen Unsicherheiten, einem Mangel an finanziellen Mitteln und dem Unwillen der weißen Bevölkerung, sich in einem solch hart umkämpften und historisch belasteten Gebiet niederzulassen.
Welche Rolle spielte der "Group Areas Act" für den District Six?
Er fungierte als gesetzliche Grundlage, um den District Six zur "White Area" zu erklären und damit die zwangsweise Räumung und den Abriss der Häuser der Coloured- und schwarzen Bevölkerung zu legitimieren.
- Arbeit zitieren
- Marietta Michna (Autor:in), 2008, District Six zwischen Entstehung, Zerstörung und Wiederaufbau, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/130173