Studien zeigen, dass Schüler mit Migrationshintergrund deutlich niedrige Leistung im Lesen zeigen als deutsche Schüler: Sie verfügen über eine geringere Lesekompetenz. Ursächlich dafür ist eine geringer ausgeprägte Lesekultur in ihren Familien. Besonders ausgeprägt ist dieser Effekt bei Familien mit arabischem Hintergrund. Durch Studien belegt, ist ebenso die Wichtigkeit des muttersprachlichen Vorlesens für Kinder in frühen Lebensphasen für spätere Phasen.
Um Eltern und Kindern mit arabischem Hintergrund eine Chance zu bieten, gemeinsam eine qualitative und hochwertige Zeit mit Lesen zu verbringen, wurde diese Arbeit erstellt. „Lesetheater“ ist eine Lese-App mit Geschichten aus Deutschland. Am Beispiel des Märchens ‚Die Bremer Stadtmusikanten‘ können Elternteil bzw. Betreuende dem Kind das Märchen vorlesen und gemeinsam Fragen zur Förderung des Verständnisses lösen.
Darüber hinaus kann das Kind mit Objekten und Figuren auf der Lesetheater-Seite interagieren und dabei abwechselnd deutsche oder arabische Begriffe lernen. Die App bezieht das Kind aktiv in den Lernprozess ein und bereitet es so auf die Schule vor. Grundkenntnisse und Fantasien werden dabei genauso gefördert, wie eine spielerische Motivation zum Lesen.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
1.1 Warum Lesen eine wichtige Fertigkeit ist
1.2 Definition der Lesekompetenz
1.3 Definition der Lesemotivation
2 PROBLEMSTELLUNG
2.1 Betrachtung der Lage des Lesens bei Familien mit MH
2.2 Forschungsfragen
2.3 Echte Zielgruppe und Zielsetzung
3 GESELLSCHAFTLICHER KONTEXT
3.1 Rolle der Familie und soziale Umgebung bei Lesen
3.2 Betrachtung der Lage des Lesens in den arabischen Ländern
3.3 Vorlesen und deren Bedeutung bei Leseförderung
3.4 Auswirkung des Vorlesens in Muttersprache auf den Erwerb zweiter Sprache
4 GESTALTERISCHER KONTEXT
4.1 Beispiele von Projekten mit Beschäftigung mit Leseförderung
4.1.1 TaBooGa – A Hybrid Learning App to Support Children’s Reading Motivation
4.1.2 “If you give a child a book” Kampagne
4.1.3 Trees of Tales: Designing Playful Interactions to Enhance Reading Experiences
4.2 Empfehlungen beim Digitaldesign für Erwachsene und Kinder
4.3 Potential Digitaler Welt auf nächste Generationen
5 KONZEPTION IN DER PRAXIS
5.1 Wie Kinder von Heute digitale Medien verwenden
5.2 Arten von digitale Buchformen
5.3 Tablet-PC-Anwendung als Lösungsmedium
5.4 Anforderungsprofil der Lösung
6 DAS KONZEPIEREN DER APP
6.1 Märchen als Medium zur kulturellen Leseförderung
6.2 Appstruktur
6.3 Naming stammt aus Theaterkontext
6.4 Stil des Hintergrund stammt aus dem Kontext des Altbücherstils
6.5 Navigationselementen stammen aus typischen Spielelementen
6.6 Wie das Lesetheater aussehen und funtionieren
6.7 Interaktion
6.8 Quizze vor und nach dem Lesen
6.9 Belohnung und Achievements
7 FAZIT
7.1 Auswertung vom Testing
7.2 Reflexion & Ausblick
8 ANHANG
8.1 Quellen
8.1.1 Literaturverzeichnis
8.1.2 Internet-Quellen
8.2 Testing
8.3 Dokumentation
8.3.1 Low-Fi-Prototype
8.3.2 Storyboards
8.3.3 Illustrationsexperimente
8.3.4 Illustrationsstill
8.3.5 App-Screenshots
8.3.6 QR-Code-Links
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Konzeption einer Tablet-PC-Anwendung ("Lesetheater"), die darauf abzielt, die Lesekompetenz und Lesemotivation von Kindern in Familien mit Migrationshintergrund in Deutschland zu fördern, wobei das Beispiel der arabischen Sprache im Vordergrund steht.
- Analyse der Lesesituation in Familien mit Migrationshintergrund
- Untersuchung der Bedeutung des Vorlesens für den Zweitspracherwerb
- Evaluation von Designkriterien für interaktive Kinder-Apps
- Entwicklung eines prototypischen Konzepts ("Lesetheater") unter Einbeziehung kulturell relevanter Medien wie Märchen
- Testung des Konzepts mit betroffenen Familien inklusive Usability-Beobachtung
Auszug aus dem Buch
6.1 Märchen als Medium zur kulturellen Leseförderung
Der Kernteil der App ist das zu lesenden Material. Dies sollen selbstredend keine fachlichen Texte sein. Bei Kinderbüchern geht es um Geschichten und Märchen. Für diese Arbeit wurde für Märchen entschieden. In seinem Buch über die Macht und den Nutzen von Märchen untersucht der klinische Psychologe Professor Bruno Bettelheim die emotionalen und symbolischen Aspekten traditioneller Kindermärchen neben der zeitgenössischen Entwicklungspsychologie des Kindes. Bettelheim glaubt, dass Kinder, wenn sie in diesen social entwickelten Geschichten eine Bedeutung finden, emotional wachsen und ihre egozentrische Natur überwinden. Dies würde es ihnen ermöglichen, ein größeres Gefühl für Sinn und Zweck ihres eigenen Lebens zu erlangen, was sie besser auf ihre eigene Zukunft vorbereiten würde, um in der Lage zu sein, einen wesentlichen Beitrag für andere zu leisten. Durch die Märchenerzählung bekommt das Kind einen Sinn für die Verwirrung des Lebens.
Die Bildsprache in Märchen (wie z. B. personifizierte Tiere, als Riesen dargestellte Erwachsene und allegorisches Zaubergemüse) ermöglicht dem Kind, seine Ängste auf entfernte und symbolische Weise zu erforschen. Das Kind ist in der Lage, seinen inneren Druck und seine moralischen Verpflichtungen in einerem Umfeld zu sortieren, die es nicht herabsetzt. Sollten Eltern diese Märchen den Kindern von heute noch erzählen oder sind sie überholt? Im Gegensatz zu Mythen, die in der Regel ausführliche historische Tragödien darstellen, die für Kinder unzugänglich sind, sind Märchen über Widrigkeiten, Suche, Kampf und Akzeptanz - mit einem glücklichen Ende. Sie sind in der Regel universell übersetzbar und werden mit jeder Generation überarbeitet und verschönert. Der Schwerpunkt liegt auf der Wahl der Handlung und nicht auf dem Titel der Figuren selbst. Hänsel und Gretel wurden so genannt, weil dies damals die vorherrschenden Kindernamen waren. Fabeln verlangen vom Leser, dass er sich für ein moralisches Ergebnis entscheidet. Märchen ermöglichen dem Leser, jede Tugend und jeden Handlungsweg anhand des Schicksals der verschiedenen Figuren zu erkunden. Das Kind entscheidet sich nach Abwägung der einzelnen Folgen für seine persönliche Haltung. Durch das Erzählen wird das Kind mit ethischen Überlegungen konfrontiert, ohne dass es belehrt wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Definiert die Bedeutung des Lesens, die Lesekompetenz und die Lesemotivation als wissenschaftliche Grundlage der Arbeit.
2 PROBLEMSTELLUNG: Beleuchtet die spezifischen Herausforderungen bei der Leseförderung innerhalb von Familien mit Migrationshintergrund sowie die Zielsetzung dieser Arbeit.
3 GESELLSCHAFTLICHER KONTEXT: Untersucht die Rolle des familiären Umfelds, die Situation des Lesens in der arabischen Welt sowie die Bedeutung des Vorlesens für Kinder.
4 GESTALTERISCHER KONTEXT: Analysiert bestehende Projekte und Leitlinien für digitales Design, um erfolgreich interaktive Anwendungen für die Zielgruppe Kinder zu entwickeln.
5 KONZEPTION IN DER PRAXIS: Skizziert das Anforderungsprofil und das Lösungsmedium (Tablet-App) basierend auf der technologischen Nutzung von Kindern.
6 DAS KONZEPIEREN DER APP: Beschreibt die konkrete inhaltliche und technische Gestaltung der Anwendung "Lesetheater" inklusive Appstruktur und Interaktionsdesign.
7 FAZIT: Beinhaltet die Auswertung der durchgeführten Testing-Sessions mit Familien sowie eine kritische Reflexion und einen Ausblick.
8 ANHANG: Enthält die Quellenangaben, eine Dokumentation des Prototyps sowie zahlreiche visuelle Belege der App-Gestaltung.
Schlüsselwörter
Leseförderung, Lesekompetenz, Lesemotivation, Migrationshintergrund, Tablet-PC-Anwendung, Digitale Kinderbücher, Vorlesen, Arabische Sprache, Interaktive Medien, App-Konzeption, Märchen, Gamification, Zweitspracherwerb, Usability, Kindgerechtes Design.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Konzeption einer Tablet-App ("Lesetheater"), um die Lesekompetenz und Lesemotivation bei Kindern aus Familien mit Migrationshintergrund zu steigern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Themen umfassen die soziokulturellen Herausforderungen des Lesens, die Relevanz des Vorlesens für den Zweitspracherwerb sowie Aspekte des digitalen UI/UX-Design für Kinder.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Ziel ist es zu untersuchen, wie man eine mediale Lösung gestalten kann, die das Lesen in der Familie motivierend integriert und die Muttersprache (hier Arabisch) unterstützt.
Welche wissenschaftlichen Methoden finden Anwendung?
Die Arbeit basiert auf Literaturanalyse zur pädagogischen und gestalterischen Theorie sowie auf einer praktischen Nutzertestung (Testing) mit betroffenen Familien.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse des gesellschaftlichen und gestalterischen Kontexts, die Konzeption der Anwendung sowie deren detaillierte technische und visuelle Ausarbeitung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Leseförderung, Migrationshintergrund, interaktives Design, gamifizierte Lernanwendungen und der spielerische Einsatz von Märchen.
Welche Rolle spielen Märchen im "Lesetheater"?
Märchen dienen als kulturell relevantes Medium, um Kindern moralische Themen spielerisch näherzubringen und sie dabei zu unterstützen, ihre Lesekompetenz zu verbessern.
Wie wurde der Erfolg der App getestet?
Der Autor führte Usability-Tests mit drei syrischen Familien durch, bei denen die Interaktion mit der App beobachtet und das Feedback der Nutzer dokumentiert wurde.
- Quote paper
- Ahmad Luay Eleiwy (Author), 2022, Lesetheater. Konzeption und Gestaltung einer Tablet-PC-Anwendung zur Förderung des Lesens bei Kindern in Familien mit Migrationshintergrund, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1301755