In seinem Aufsatz versucht Benjamin die Gründe für den Verfall der traditionellen Kunst und die Entstehung der neuen Formen zu analysieren. Dabei bedient er sich drei wichtigen Begriffen: Aura, technische Reproduzierbarkeit und Schock.
Wie genau die Begriffe im Zusammenhang stehen, wird in folgenden Kapiteln behandelt. Zuerst wird kurz der historische Kontext vorgestellt, in dem das Werk entstand. Der Erste Weltkrieg beeindruckte Walter Benjamin sowie viele Künstlerinnen und Künstler sehr tief. Da das Bildungsbürgertum sehr schnell die humanistischen Grundsätze verwarf und sich dem extremen Nationalismus wandte, wollten die Vertreterinnen und Vertreter der Avantgarde die etablierte Wahrnehmungsmuster angreifen.
Genau da knüpft Benjamin an und will untersuchen, wie die Kunst und ihre Rezeption sich im XX. Jahrhundert änderten. Das macht er aus philosophischer, soziologischer, historischer und psychologischer Perspektive. Deshalb werden die genannten Begriffe multidisziplinär untersucht. Dabei werden vornehmlich zwei Fragen behandelt: Zum einen, was Benjamin als das auratische Kunstwerk bezeichnet und wie es sich von der technisch reproduzierbaren Kunst unterscheidet und zum anderen, was er unter der „Chockwirkung“ des Films versteht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Gegenüberstellung vom „auratischen Kunstwerk“ und der „technisch reproduzierbaren Kunst“ bei Benjamin
2.1 Attribute des „auratischen Kunstwerks“
2.2 Die „technisch reproduzierbare Kunst“ und ihre Konsequenzen
3. „Chockwirkung“ des Films bei Benjamin
3.1 Zusammenhang zwischen der „Chockwirkung“ und dem Film
3.2 „Chockwirkung“ und ihr Einfluss auf die Gesellschaft
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die medientheoretischen Ansätze von Walter Benjamin, insbesondere die Begriffe Aura, technische Reproduzierbarkeit und Schockwirkung, im Kontext seines Aufsatzes „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“. Ziel ist es aufzuzeigen, wie sich durch den Aufstieg neuer Kunstformen die Wahrnehmung von Kunst sowie deren gesellschaftliche Funktion grundlegend gewandelt hat.
- Die Definition und Zerstörung der Aura des Kunstwerks durch technische Reproduktion.
- Unterscheidung zwischen traditionellen auratischen Werken und moderner, massenwirksamer Kunst.
- Die spezifische „Chockwirkung“ des Films und ihre psychologischen Konsequenzen für den Zuschauer.
- Der Wandel der gesellschaftlichen Rolle von Kunst vom rituellen Objekt zum Instrument moderner Massenaufklärung.
Auszug aus dem Buch
2.1 Attribute des „auratischen Kunstwerks“
Die viel zitierte Definition von Aura am Anfang des Aufsatzes lautet: „[Die Aura ist] … einmalige Erscheinung einer Ferne, nah sie sein mag.“ Das Beispiel, mit dem Benjamin folgt, ist interessant, weil er dann über einen Gebirgszug und Zweig schreibt. Dieses Beispiel für die Aura trifft man in seinen anderen Werken auch. In einer Veröffentlichung in der „Zeitschrift für Sozialforschung“ unter dem Titel „Über einige Motive bei Baudelaire“ spricht Benjamin nochmal die Aura im Kontext der Berglandschaft an. Obwohl in den animistischen Religionen die Berge und Natur vergöttert wurden, benutzt Benjamin den Vergleich in diesem Kontext in der „Kleinen Geschichte der Photographie“ schreibt Benjamin, dass die Zeit und Raum eins werden. Man beobachtet die Berge so lange, dass die Zeit und Raum eins werden, das heißt die Zeit der Beobachtung werden zum Teil des Beobachtens. Die Gegenüberstellung von Natur und Kunst ist also kein Zufall. Dadurch will Benjamin verdeutlichen, wie das Gefühl der Distanz zum Kunstwerk entsteht. Je mehr man versucht das Werk zu verstehen, desto weiter fühlt man sich von ihm entfernt. Obwohl man nah zu einem Werk sein können, kann man es oder seine Geschichte durch seinen Präsenz kaum beeinflussen. Damit schließt die Aura volle Immersion in ein Kunstwerk aus. Über die Immersion schreibt Benjamin an einer anderen Stelle, wo über den Unterschied zwischen dem Theaterstück und dem Film spricht. Der Schauspieler im Film geht im Vergleich zum Schauspieler im Theater durch zwei Instanzen: Erstens Apparat und zweitens Fachleute. Damit verlieren der Schauspieler und das Publikum den direkten Kontakt. Somit entfällt auch die Aura des Stücks, die bei der lebendigen Aufführung im Theater zwischen den Schauspielerinnen und Schauspielern und dem Publikum im Hier und Jetzt entsteht. Im Film wird der Darsteller bzw. die Darstellerin auf die Rolle des Requisits reduziert, weil diese Unmittelbarkeit fehlt. Deshalb schreibt
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Entstehungsgeschichte und die Bedeutung des Aufsatzes von Walter Benjamin ein und erläutert die zentrale Problemstellung der Untersuchung.
2. Gegenüberstellung vom „auratischen Kunstwerk“ und der „technisch reproduzierbaren Kunst“ bei Benjamin: Dieses Kapitel analysiert die Definition der Aura und deren Auflösung durch die technische Reproduzierbarkeit.
2.1 Attribute des „auratischen Kunstwerks“: Es wird untersucht, wie Einmaligkeit, Distanz und ritueller Kontext die Aura eines Kunstwerks begründen.
2.2 Die „technisch reproduzierbare Kunst“ und ihre Konsequenzen: Der Abschnitt verdeutlicht den Übergang von traditioneller handwerklicher Kunst zu massenhaft produzierbaren Werken, die ihre sakrale Bedeutung verlieren.
3. „Chockwirkung“ des Films bei Benjamin: Dieses Kapitel behandelt die spezifische psychologische Wirkung filmischer Medien auf das Individuum.
3.1 Zusammenhang zwischen der „Chockwirkung“ und dem Film: Es wird aufgezeigt, wie Filmmontage und schnelle Bildfolgen eine desorientierende, aber reflexionsfördernde Wirkung erzeugen.
3.2 „Chockwirkung“ und ihr Einfluss auf die Gesellschaft: Es wird diskutiert, wie die moderne Rezeptionstechnik das menschliche Sensorium trainiert und die gesellschaftliche Wahrnehmung verändert.
4. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Thesen zusammen und bewertet die Transformation der Kunst im 20. Jahrhundert und ihr Potential zur gesellschaftlichen Aufklärung.
Schlüsselwörter
Walter Benjamin, Aura, Technische Reproduzierbarkeit, Film, Chockwirkung, Kunstwerk, Rezeption, Kunst, Massenkultur, Ritual, Moderne, Visuelle Wahrnehmung, Entfremdung, Dialektik, Zeitalter.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert Walter Benjamins medientheoretische Konzepte zur Veränderung des Kunstbegriffs und der menschlichen Wahrnehmung durch neue technische Reproduktionsmedien wie Film und Fotografie.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der Zerfall der Aura des Kunstwerks, die Auswirkungen der modernen Reproduktionstechnik auf die Gesellschaft und die psychologische Schockwirkung des Mediums Film.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Hauptziel ist es, aufzuzeigen, wie Benjamin den Wandel der Kunst von einem auratischen, rituell eingebundenen Objekt hin zu einer technisch reproduzierbaren Form theoretisch erfasst und welche Konsequenzen dies für die Rezeption hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer philologischen und kulturwissenschaftlichen Literaturanalyse, die Benjamins Primärtexte in den historischen und medientheoretischen Diskurs einordnet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil erfolgt eine detaillierte Gegenüberstellung von traditioneller und technisch reproduzierbarer Kunst sowie eine Untersuchung der filmischen Schockästhetik und ihrer Auswirkung auf das soziale Umfeld.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe wie Aura, technische Reproduzierbarkeit, Schockwirkung, Montage, Massenkultur und die Dialektik zwischen Mythos und Geschichte stehen im Zentrum.
Wie beeinflusst die technische Reproduktion laut Benjamin die Wahrnehmung des Betrachters?
Benjamin argumentiert, dass die schnelle Abfolge von Bildern und die technische Distanz zur Zerstörung der kontemplativen Ruhe führen, was eine neue, „chockartige“ Art der Wahrnehmung evoziert.
Welche Rolle spielt der Übergang vom „Kultwert“ zum „Ausstellungswert“?
Der Übergang markiert die Befreiung des Kunstwerks aus seinem rituellen, sakralen Kontext, wodurch es für die breite Masse zugänglich wird, dabei jedoch seine ursprüngliche Aura verliert.
- Arbeit zitieren
- Mina Garayeva (Autor:in), 2019, Aura, das Kunstwerk und Chockwirkungen in Walter Benjamins Aufsatz "Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1301777