Substanzdualismus bewiesen?

Argument distinctio realis in der Sechsten Meditation


Hausarbeit, 2008

18 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Gliederung

Einführung

Argument distinctio realis

Kurz zu der realen Verschiedenheit

Klassische Kritik in den Einwänden

Schlußfolgerung: Erfolgreiche Verteidigung?

Literaturverzeichnis:

Einführung

Gewöhnlich bezeichnen die Interpretationen die Weltkonzeption von Descartes als Cartesischer Substanzdualismus. Dieser Fachbegriff soll kurz und prägnant das Haupt-charakteristikum cartesischen Weltverständnisses resümieren: Es gibt eine Welt - vom Gott erschaffen und garantiert, in der zwei voneinander unterschiedliche Substanzen existieren - die immaterielle Substanz (bzw. mens - Geist, res cogitans - denkendes Ding mit dem Hauptattribut cogitatio - Denken) und die materielle Substanz (bzw. corporea - Körper, res extensa - ausgedehntes Ding mit dem Hauptattribut extensio - Ausdehnung). Es gibt also diesen Interpretationen nach so zu sagen zwei paralelle Welten - eine Materielle und eine Immaterielle, die nichts miteinander zu tun haben und die in scheinbare Interaktion mittels göttliche Einwirkung eintreten.

In der Sechsten Meditation liefert Descartes den sogenannten Beweis der reallen Verschiedenheit vom Geist und Körper - ein Beweis für die reale Unterschiedlichkeit Cartesischen Substanzen. Dieses Argument distinctio realis kann man für ein Argument des Substanzdualismus selbst halten.

In dieser Arbeit möchte ich mich mit diesem Beweis auseinandersetzen - seine Analyse und Interpretation im Zusammenhang den ganzen Meditationen kann, nämlich eine entscheidende Rolle in der Frage spielen, ob der streng genommene Substanzdualismus überhaupt haltbar ist.

Zuerst werde ich den Beweis kurz vorstellen, verfassen bzw. umformulieren und versuche ihn anhand des Gesamttextes den Meditationen analysieren. Dabei werde ich mich an Hans-Peter Schütt Analyse dieses Arguments eng halten. Dann werde ich an die Hauptschwächen der Argumentation hinweisen, die auch die klassische Kritik bemerkt hatte. Letztendlich werde ich mich mit dieser Kritik beschäftigen, v.a. mit den Erwiderungen Arnauld’s, in denen die Problematik des Argumentes am exaktesten benannt worden waren. Wir werden uns dabei die Frage stellen, ob Descartes seine Stellung wirklich überzeugend verteidigt hat oder ob er diese Erwiderungen klug umgegangen ist und dann kurz auswerten versuchen, ob die Konzeption des Cartesischen Substanzdualismus, so wie diese vom Descartes vorgestellt wurde, überhaupt haltbar ist.

Argument distinctio realis

Wie schon in der Einführung gesagt wurde, stützt die Konzeption des Cartesischen Substanzdualismus an dem Argument distinctio realis aus der Sechsten Meditation. Dieses Argument ist Descartes’ Versuch zu beweisen, dass die immaterielle Substanz von der materiellen real unterschiedlich ist, d.h. zu beweisen, dass die beiden Substanzen völlig unabhängig und voneinander getrennt existieren können und tatsächlich so in der Außenwelt existieren.

Dieser Beweis ist desto interessanter, weil er von einem weiteren Argument, sogennantem Argument union mentis & corporis gefolgt wird, in dem Descartes eine substantielle Einheit beiden real unterschiedlichen Substanzen in dem Menschen beweisen mag. Natürlich muss man sich bei einem solchen Klassiker wie Descartes fragen, was genau mit den Argumenten gemeint ist und wie man (bzw. ob man überhaupt) beide Argumente miteinander lückenlos verknüpfen kann.

Bevor man sich aber mit dieser Frage befassen beginnt, muss man die Argumente an sich gut verstehen, weil nicht nur ihre Vereinugung, sondern auch diese an sich problematisch sein können. Der Hauptgrund, warum ich mich mit dem Argument distinctio realis hier auseinandersetze, ist deshalb auch die Tatsache, dass solche Auseinandersetzung ein breites Feld für weitere Untersuchungen der Cartesischen Philosophie eröffnet.

Das Argument für die reale Distinktion den Cartesischen Substanzen führt Descartes im neunten Pragraph der Sechsten Meditation an:

„Da ich weiß, dass alles, was ich klar und deutlich verstehe, in der Weise von Gott erschaffen werden kann, wie ich es verstehe (P1) , ist es hinreichend, dass ich eine Sache ohne die andere klar und deutlich verstehen kann, um gewiss zu sein, dass die eine von der anderen verschieden ist, weil sie wenigstens von dem Gott gesondert gesetzt werden kann (P2) ; (...); und eben daraus also, dass ich weiß, ich existiere, und dass ich zugleich bemerke, dass überhaupt nichts anderes (...) zu meinem Wesen gehört außer dem allein, dass ich ein denkendes Ding bin, schließe ich zur Recht, dass mein Wesen darin allein besteht, dass ich ein denkendes Ding bin (P3) . Und obwohl ich (...) einen Körper habe, der mit mir sehr eng verbunden ist, ist es - weil ich dennochauf der einen Seite eine klare und deutliche Idee von mir selbst habe, sofern ich nur ein denkendes Ding, nicht ausgedehntes Ding bin, und auf der anderen Seite eine deutliche Idee des Körpers sofern er nur ein ausgedehntes, nicht denkendes Ding ist (P4) - gewiss, dass ich von meinem körper wirklich unterschieden bin und ohne ihn existieren kann (K) .“

(ATVII 78; Meditationen Vandenhoeck & Ruprecht, S. 214 - 17)

Dieses Argument können wir zuerst in Form den Prämissen und der Konklusion folgend umformulieren (vgl. die Umformulierungen von Hans-Peter Schütt, Schütt, Kap.8):

(P1) Was immer ich klar und deutlich erkenne bzw. erkennen kann, das ist Gott imstande in der gleichen Weise zu bewirken.

(P2) Um Gewissheit zu haben, dass ein Gegenstand x von einem Gegenstand y verschieden (diversam) ist, genüge es, x ohne y klar und deutlich erkennen zu können.

(P3) Ich habe Gewißheit, dass ich existiere und Ich habe dennoch erkannt, dass die eingentliche Essenz meines Ichs im Denken besteht (Cogito ergo sum! der Zweiten Meditation).

(P4) Ich habe eine klare und deutliche Idee von mir selbst, sofern ich ein denkendes Ding (res cogitans) bin (vgl. P3) und eine klare und deutliche Idee eines Körpers, sofern dies ein ausgedehntes Ding (res extensa) ist.

(K) Also bin Ich (denkendes Ding) von meinem Körper (ausgedehntes Ding) real unterschieden (distinctio realis).

Die erste Prämisse (P1) drückt das Wahrheitskriterium für alle menschliche Erkenntnisse aus, das in der Vierten Meditation anhand der bewiesenen Gottesexistenz festgestellt wurde. Diese Prämisse ist gestützt, insofern man annimmt, dass der allmächtige Gott existiert und wohlwollend bzw. im höchsten Maße gut (d.h. kein Betrüger) ist. Das bedeutet gestützt durch vorherigen Text den Meditationen, da diese implizite Annahme für die Gültigkeit von P1 in der Dritten Meditation mit dem ersten Gottesbeweis durch die angeborene Idee des Gotes im menschlichen Geist (mens) begründet ist (bzw. weiter nochmal in der Fünften Meditation mit dem Gottesbeweis a posteriori).

Die zweite Prämisse des Argumentes (P2) beschreibt die hinreichende Bedingung unserer Gewißheit, dass Dinge x und y verschieden sind, als notwendig auch eine hinreichende Bedingung für die tatsächliche (in der Welt bestehende) Verschiedenheit diesen Dingen x und y. Es ist also festgestellt, dass wenn Ich (res cogitans, mein Geist - mens) x und y ohneeinander klar und deutlich erkennt bzw. erkennen kann, dann existieren auch x und y in der Außenwelt tatsächlich als voneinander verschiedene Dinge. Man betrachtet hier also einen Schluss aus der epistemischen Qualifikation eines vorgestellten bzw. perzipierten Inhaltes an eine Beschreibung der tatsächlichen Realität - Descartes schließt aus dem, wie die Realität vom Menschen perzipiert wird daran, wie diese tatsächlich außerhalb ihm ist. Man kann sich nach der Legitimität eines solches Schlußes fragen: Ist der Übergang zwischen der epistemischen Ebene und der Ebene der Wirklichkeit an sich legitim? Descartes begründet diesen Schluß innerhalb Meditationen mit zwei miteinander eng zusammenhängenden Fakten: Erstens ist es eine besondere Qualität den Ideen, die wir klar und deutlich wahrnehmen bzw. in unserem Geist erkennen, die uns nicht daran zweifeln lässt, dass die Wirklichkeit diesen Ideen entsprechen muss. Und zweitens ist die Gewißheit dieser Entsprechung noch mit dem Beweis der Existenz des wohlwollenden guten Gottes noch gestärkt - es ist nicht möglich, dass uns Gott, der im höchsten Maße gut, vollkommen und allmächtig ist, klare und deutliche Ideen gegeben hätte, die der tatsächlichen Welt nicht ensprechen würden. Diese zwei Tatsachen sollen also laut Descartes ein philosophisches System stützen, das wir für eine Art der Erkenntnistheologie halten können.

Die dritte Prämisse (P3) schließt aus der Essenz des cartesischen Ichs alle vom Denken verschiedene Atributte aus. Diese Prämisse ist teilweise auch in der vierten Prämisse enthalten, oder besser formuliert: stellt eine Voraussetzung für die vierte Prämisse (P4) dar.

Obwohl die vierte Prämisse (P4) an ersten Blick ziemlich klar erscheinen mag, stellt sie den Kern allen Problemen des Arguments vor. Zumindest zuerst ist es überhaupt nicht klar, was es heißt, eine klare und deutliche Idee von mir selbst zu haben, sofern Ich denkend und nicht augedehnt bin, sowohl als auch, was es bedeutet, dass jeder beliebige Körper (einschließlich meiner eigenen Körper, der das Tradition für den Mensch selbst gehalten hatte) als ausgedehnt und nicht denkend klar und deutlich verstanden sein muss.

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Substanzdualismus bewiesen?
Untertitel
Argument distinctio realis in der Sechsten Meditation
Hochschule
Universität Konstanz  (Fachbereich Philosophie)
Veranstaltung
PS Descartes: Meditationes de prima philosophia
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
18
Katalognummer
V130178
ISBN (eBook)
9783640359882
ISBN (Buch)
9783640359950
Dateigröße
489 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Substanzdualismus, Argument, Sechsten, Meditation
Arbeit zitieren
Radka Tomeckova (Autor), 2008, Substanzdualismus bewiesen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/130178

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