Das Gottesurteil und die Formen der "triuwe" im "Engelhart" Konrad von Würzburgs


Hausarbeit, 2007

17 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhalt:

1. Einleitung

2. Die Formen der triuwe und ihre Erprobungen
2.1. Zum Begriff der tr iuwe
2.2. Die Apfelprobe als Beweis gleicher triuwe
2.3. Engeltruts triuwe -Beweis
2.4.Formen der triuwe und der Gottesgerichtliche Zweikampf
2.5. Aussatz und Kinderopfer als triuwe -Proben

3. Schluss

4. Bibliographie

1. Einleitung

Diese Arbeit widmet sich den triuwe- Begriffen und der Erprobung der triuwe in Konrad von Würzburgs Engelhard. Anhand der Formulierung wird hier bereits deutlich, dass es sich nicht um ein einheitliches Verständnis von triuwe handelt, sondern mehrere Ebenen zu unterscheiden sind, je nachdem, ob es sich um ein Treueverhältnis unter Freunden bzw. Liebenden handelt, ein Treueverhältnis zu ständisch Höhergestellten oder zu Gott.

Daher ist es nötig, vorab den Begriff der triuwe im Allgemeinen zu klären, um dann herauszuarbeiten, wie Konrad diesen Terminus verstanden wissen will, denn bereits im Prolog, einem Loblied auf die triuwe, wird genannt, welche Dinge durch triuwe bewirkt werden können.

Anschließend soll gezeigt werden, welche Arten der triuwe im Engelhard abgehandelt werden und wodurch dies geschieht. Vorrangig wird in dieser Arbeit von zwei triuwe -Verhältnissen ausgegangen. Diese werden im folgenden Abschnitt näher erläutert.

2. Die Formen der triuwe und ihre Erprobungen

2.1. Zum Begriff der triuwe

Der mittelhochdeutsche Terminus triuwe beinhaltet eine Vielzahl von Bedeutungsaspekten. Mit den Begriffen „Treue; Zuverlässigkeit, Beständigkeit; Vertrauen; Loyalität, Verbundenheit; Ergebenheit; Freundschaft, Liebe; Aufrichtigkeit; Ehrenhaftigkeit, Ehre; Ehrgefühl, Pflichtgefühl; Versprechen, Zusicherung; (Ehren-) Wort; Treuepflicht, Gefolgschaftspflicht; Verpflichtung“[1] seien hier die häufigsten derer genannt. Erwähnenswert ist, dass sowohl Gefolgschaftstreue als auch Liebe und Freundschaft unter triuwe zusammengefasst werden. Dies wird im Verlauf dieser Arbeit eine wichtige Rolle spielen, wenn es um die unterschiedlichen Formen der triuwe geht.

Im Prolog des Engelhart rühmt Konrad die personifizierte triuwe und beklagt gleichzeitig deren getrübten Glanz;

„die rîchen wîchen man ir siht,
ir wirde girde vindet niht.
si treit verborgen sorgen vil:
nieman si reinen meinen will.
vil selten man si rüemet:
ir name ist gar vertüemert,
der wîlen stuont gebüemet
und schône was gesüemet.“
(V. 17-24)

Er nennt die Dinge, die durch triuwe bewirkt werden können. So verlieren die Frauen durch diese ihren Wankelmut (unstæte, V. 37) und triuwe erreicht, dass der Mann dem valsche enpfliuhet (V.39). Durch die Erneuerung der triuwe gibt es keinen herze smerze (V.49). Sie nimmt Leid und Sorgen; von triuwe leit verswindet und alliu sorge erwindet (V.55f.). Sie kräftigt den Zusammenhalt der Familie (sippschaefte, V.68) und führt zu rehten muot (V.66). Er erwähnt weiterhin, dass es die treuen Menschen sind, denen man Geheimnisse anvertraut. Triuwe ist die Eigenschaft guter Herrscher, denn diesem sind auch die Untergebenen treu. Diese Charakterisierung der triuwe im Prolog ist vorausdeutend bezüglich der Handlung des Engelhart, denn wie noch zu zeigen sein wird, handelt Konrad eben jene Zuschreibungen nacheinander im Werk ab. Es ist dementsprechend auch sein Ziel, wie er schreibt, der triuwe zu altem Glanz zu verhelfen. Darum soll ein jeder hören, welche mære (V. 189) er von der triuwe zu erzählen weiß, auf dass die treuen Menschen in ihrer triuwe gestärkt werden und die Untreuen von ihrer untriuwe Abstand nehmen.

Im Engelhart gibt es eine „Verlagerung der triuwe-Verhältnisse“[2]. Koch nennt ein „rechtlich-verpflichtendes (vertikales) und ein innerlich-motiviertes (horizontales) Verhalten.“[3] Letzteres vertritt unter anderem Engelhart, der sich über rechtlich-verpflichtende Normen hinwegsetzt und seinem Lehnsherrn, dem dänischen König Fruote, vor Gericht die Wahrheit verschweigt, nämlich den illegitimen Beischlaf mit dessen Tochter Engeltrut. Gleichzeitig beweist er damit jedoch seine triuwe zu Engeltrut, denn so wird ihr Ruf reingehalten. Der Kläger Ritschier von England, ein Verwander des Königs und Zeuge des Vorfalls symbolisiert die rechtlich-verpflichtende triuwe, die Gefolgschaftstreue gegenüber dem König, denn er berichtet über Engelharts Treuebruch gegenüber dem König. Stattdessen ist auch die Verwendung der Begriffe „private“ und „öffentliche Treue“ hilfreich, wobei hier nicht von einem neuzeitlichen Verständnis von Privatheit und Öffentlichkeit ausgegangen wird, sondern von Auslagerung und Einbettung in das höfische Geschehen, wie der folgende Verlauf der Arbeit zeigen wird.

2.2. Die Apfelprobe als Beweis gleicher triuwe

Vom Vater mit drei Äpfeln versehen und dem Rat, seinen Begleiter auf der Reise nach Dänemark mit Bedacht und der Hilfe der drei Äpfel zu prüfen symbolisiert Engelharts Begegnung mit Dietrich eine Prüfung auf gleiche triuwe.. Nicht nur das identische Erscheinungsbild der beiden steht für die Gleichheit ihrer Charaktereigenschaften. Dies wird vielmehr durch die Apfelprobe bewiesen. Indem Dietrich den angebotenen Apfel nicht nur mit Engelhart teilt, sondern ihn auch schält, beweist er seine edle Gesinnung, die der Engelharts gleicht;

„ouch was ir leben tugentrîch
an der geschepfede ein und ein.
ouch flôz ein sprâche von in zwein
und was ouch ein gebærde an in.
gelîche stuont ir beider sin
ûf tugent unde ûf êre.
in was diu schande sêre
entfremdet unde entwildet.“
(V. 462-469)
Sie schwören sich nicht nur Freundschaft und Treue;
„mich dunket dîn vil reinez leben
in der sælekeite wol
daz ich dir gerne leisten sol
brüederlîche triuwe gar.“
(V. 538-541)

Dies geschieht auch an einem vom höfischen Dasein ausgesonderten Ort (ûf einer wilden heide, V. 488). Dies ist ein Indiz dafür, dass es sich um eine Form der triuwe handelt, die innerlich motiviert ist, da ihr die Öffentlichkeit fehlt. Hinzu kommt, dass Dietrich sozial höher gestellt ist als Engelhart, auch wenn das zu diesem Zeitpunkt noch unerwähnt ist. So ist auch laut Koch der Freundschaftseid eine „Vorausdeutung auf die Bewährung der Freundschaft in der Erzählung und zugleich der erste Hinweis auf horizontale triuwe, da Engelhard und Dietrich trotz unterschiedlicher Standeszugehörigkeit eine unzerstörbare Freundschaftsbeziehung eingehen.“[4] Die beiden Reisenden haben das gleiche Ziel; den Hof des dänischen Königs Fruote. Sie wollen sich dort êre verdienen, hoffen auf Lehen um sich somit in das andere der genannten Treueverhältnisse zu begeben, dem rechtlich-verpflichtenden, öffentlichen Treuverhältnis. Konrad erwähnt weiterhin, dass es Gott war, der die beiden zusammenführte; ein wichtiger Hinweis darauf, wie jener zu dieser Form der triuwe steht.

[...]


[1] Hennig, 2001, S. 337.

[2] Koch, 1999, S.201.

[3] Koch,1999 , S. 201: „Demnach weichen die traditionell feudalistischen Beziehungen, die an dieser Stelle aufgrund der hierarchischen Ständeordnung als vertikale Richtung bezeichnet werden, den freundschaftlich- persönlichen Beziehungen, in denen die triuwe eine horizontale Wirkungsrichtung darstellt. Die Termini vertikale und horizontale triuwe dienen vor allem zur Hervorhebung der Unterschiede zwischen standesrechtlich bedingten Beziehungen, in denen Standesschranken ignoriert bzw. umgangen werden.“

[4] Koch, 1999, S. 204.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Das Gottesurteil und die Formen der "triuwe" im "Engelhart" Konrad von Würzburgs
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Philosophie und Geisteswissenschaften)
Veranstaltung
Hauptseminar
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
17
Katalognummer
V130194
ISBN (eBook)
9783640360000
ISBN (Buch)
9783640359998
Dateigröße
400 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gottesurteil, Formen, Engelhart, Konrad, Würzburgs
Arbeit zitieren
Katja Losensky (Autor), 2007, Das Gottesurteil und die Formen der "triuwe" im "Engelhart" Konrad von Würzburgs, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/130194

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