Die Arbeit untersucht anhand der Modernisierungsverlierertheorie die Wahlerfolge der Partei AfD. Wenn eine Gesellschaft sich derart schnell entwickelt, dass vor allem für einige Teile der Bevölkerung in kurzer Zeit drastische Veränderungen eintreten, führt dies dazu, dass diese Bevölkerungsgruppen verunsichert und unzufrieden zurückgelassen. Fühlen sich diese Menschen dann von den etablierten Parteien nicht genug beachtet, kann dies dazu führen, dass aus der zunächst allgemeinen Unzufriedenheit über die soziale Situation schließlich politische Unzufriedenheit wird.
Tim Spier bezeichnet diese Menschen als Verlierer der Modernisierungsprozesse. Für gewöhnlich sind dies die Teile der Bevölkerung, die von dem Wandel in negativer Weise betroffen sind und zudem nicht dazu in der Lage zu sein scheinen sich ohne weiteres an die Veränderungen anzupassen. Innerhalb dieser Gruppe von Menschen kommt es allerdings nicht nur zu einer politischen Unzufriedenheit, sondern vielmehr auch zu psychologischen Problemen, die aus der schlechten sozialen Situation dieser Menschen hervorgehen.
Die Menschen fühlen sich minderwertig und zurückgelassen, wodurch eine Art Ohnmachtsgefühl ausgelöst wird, welches von den Betroffenen versucht wird, mit Groll und Wut zu kompensieren. Sie suchen sich Sündenböcke, von denen sie annehmen, dass sie die Schuld an ihrer Situation tragen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Modernisierungsverlierertheorie nach Tim Spier
3 Einordnung der Partei „AfD“ als populistisch
4 Methodisches Vorgehen
5 Die AfD und die Modernisierungstheorie
5.1 Volkszentrismus und Antielitismus
5.2 Abgrenzung gegenüber anderen Gruppen
5.3 Der populistische Moment
6 Antwort auf die Fragestellung
7 Schluss
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht, ob die Modernisierungsverlierertheorie von Tim Spier als Erklärungsansatz für den Wahlerfolg der Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD) dienen kann. Dabei wird analysiert, inwiefern die AfD populistische Merkmale aufweist und von krisenhaften Zuständen (dem „populistischen Moment“) profitiert hat.
- Analyse der Modernisierungsverlierertheorie nach Tim Spier
- Einordnung der AfD in das populistische Spektrum
- Untersuchung der Parteistrategien: Volkszentrismus und Antielitismus
- Betrachtung der Abgrenzung gegenüber anderen gesellschaftlichen Gruppen
- Einfluss des „populistischen Moments“ durch die Finanzkrise 2008
Auszug aus dem Buch
5.1 Volkszentrismus und Antielitismus
In seiner Ausarbeitung „Populismus und Modernisierung spricht Tim Spier von Volkszentrismus und Antielitismus als Gründe für den Wahlerfolg populistischer Parteien. „Dabei wird ‚das Volk‘ als eine mehr oder weniger homogene Masse betrachtet, Interessenunterschiede zwischen verschiedenen Klassen, Schichten oder Berufsgruppen der Bevölkerung werden weitgehend geleugnet“ (Spier 2006, S. 37). Diesem homogenen Volk wird dann eine „Elite“ gegenübergestellt, die korrupt und selbstsüchtig handelt und nur am Machterhalt interessiert ist (vgl. Spier 2006, S.37). Nutzt die AfD als populistische Partei diese Taktik, um Wählerstimmen für sich zu gewinnen?
Die Linguistin Heidrun Deborah Kämper veröffentliche 2017 eine Untersuchung des Grundsatzprogramms der AfD (Stand 2016) aus der Sicht der Politiklinguistik. Sie vertritt die Auffassung, dass Politik durch Sprache funktioniert und es deshalb von besonderer Bedeutung ist Grundsatzprogramme auf ihre sprachlichen Mittel und ihre Ausdrucksweise zu analysieren (Kämper 2017, S. 1)
In ihrer Analyse heißt es hinsichtlich des Untersuchungspunktes „Antielitismus“: „Die AfD inszeniert sich programmatisch als diejenige Partei, die alle vermeintlichen „Missstände“ in Politik und Gesellschaft beseitigt und Ordnung herstellt. “ (Kämper 2017, S. 4) Daraus ist zu entnehmen, dass sich die Partei als eine Alternative für derzeitig etablierte politische Eliten inszenieren möchte. Es ist also eindeutig ein Antielitismus zu vernehmen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung der Forschungsfrage und Erläuterung der Relevanz der AfD in der modernen Parteienlandschaft.
2 Die Modernisierungsverlierertheorie nach Tim Spier: Definition der theoretischen Grundlagen und des Begriffs der Modernisierung sowie Analyse der psychologischen Folgen für sogenannte „Modernisierungsverlierer“.
3 Einordnung der Partei „AfD“ als populistisch: Begründung der Kategorisierung der AfD als rechtspopulistische Partei auf Basis politikwissenschaftlicher Definitionen.
4 Methodisches Vorgehen: Erläuterung des methodischen Anspruchs, bestehende Forschungsergebnisse mit der Modernisierungsverlierertheorie zu verknüpfen.
5 Die AfD und die Modernisierungstheorie: Anwendung der drei Kernkriterien (Volkszentrismus/Antielitismus, Abgrenzung, populistischer Moment) auf die AfD.
6 Antwort auf die Fragestellung: Synthese der Ergebnisse und Bestätigung der Hypothese, dass die Theorie den Erfolg der AfD erklären kann.
7 Schluss: Fazit zur Arbeit und Ausblick auf die zukünftige politische Entwicklung.
Schlüsselwörter
AfD, Alternative für Deutschland, Modernisierungsverlierertheorie, Tim Spier, Populismus, Rechtspopulismus, Antielitismus, Volkszentrismus, Wahlerfolg, Politische Krise, Finanzkrise, Politikwissenschaft, Parteienforschung, Modernisierung, Zugehörigkeitsgefühl
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht den Wahlerfolg der Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD) unter der theoretischen Perspektive der Modernisierungsverlierertheorie von Tim Spier.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder umfassen die Definition von Populismus, die Analyse von Modernisierungsprozessen in der Gesellschaft sowie die politische Strategie der AfD zur Wählermobilisierung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Untersuchung?
Die Arbeit zielt darauf ab zu beantworten, ob die Erfolge der AfD durch die von Tim Spier beschriebene Modernisierungsverlierertheorie theoretisch erklärt werden können.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin nutzt eine qualitative Literaturanalyse, bei der bereits existierende Forschungsergebnisse zur AfD mit den Thesen der Modernisierungsverlierertheorie in Verbindung gesetzt werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit inhaltlich behandelt?
Der Hauptteil analysiert spezifisch die Verwendung von Volkszentrismus und Antielitismus, die bewusste Abgrenzung der Partei gegenüber anderen Gruppen sowie das Konzept des „populistischen Moments“.
Welches sind die wichtigsten Schlüsselwörter der Studie?
Die zentralen Begriffe sind AfD, Modernisierungsverlierer, Populismus, Antielitismus und Wahlerfolg.
Welche Rolle spielt die Finanzkrise von 2008 für die Argumentation?
Die Finanzkrise dient als Beispiel für den „populistischen Moment“, ein krisenhaftes Ereignis, das erst die notwendigen Rahmenbedingungen für den Erfolg populistischer Parteien geschaffen hat.
Wie bewertet die Autorin die Rolle des „Volks“ im AfD-Wahlkampf?
Die AfD inszeniert das Volk als homogene Einheit, um ein Zugehörigkeitsgefühl bei den Wählern zu erzeugen und sich von einer als korrupt dargestellten Elite und anderen Außengruppen abzugrenzen.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2018, Die Wahlerfolge der Partei "Alternative für Deutschland" (AfD). Die Modernisierungsverlierertheorie als Erklärungsansatz?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1302030