Im Gegensatz zu heterosexuellen und cis-geschlechtlichen Jugendlichen, stehen queere Jugendliche vor zusätzlichen Herausforderungen. Um diese Herausforderungen zu bewältigen benötigen sie Ressourcen, die ihnen im Alltag meistens nicht zur Verfügung stehen. Um queere Jugendliche zu empowern und somit in ihrer Lebensbewältigung zu unterstützen, ist es notwendig zu verstehen in welchen Lebensbereichen sie Diskriminierung erfahren und wie diese entsteht, um darauf zu analysieren, wie die Zirkuspädagogik unterstützen kann.
Das Ziel der vorliegend Arbeit ist es zu beantworten, inwiefern zirkuspädagogische Arbeit zu einer möglichen Methode des Empowerments für queere Jugendliche sein kann. Die dazugehörige Forschungsfrage ist: Welche Aspekte machen die zirkuspädagogische Arbeit zu einer möglichen Methode des Empowerments für queere Jugendliche und in welchem pädagogischen Rahmen kann diese stattfinden?
Um diese Forschungsfrage zu beantworten, wurden unterschiedliche Konzepte des Empowerments analysiert, sowie der pädagogische und empowernde Wert von Zirkuspädagogik. Zudem wurden die Lebenssituationen queerer Jugendlicher in Deutschland anhand von verschiedenen Studien zusammengefasst, um somit einen Einblick in das Leben und die Probleme dieser zu bekommen. Mit Hilfe dieser theoretischen Grundlage wurde untersucht, welche Aspekte der Zirkuspädagogik die Ressourcen der queeren Jugendlichen aktiviert und ihnen Bewältigungsstrategien lehrt. Weiter wird auf den pädagogischen Rahmen eingegangen, welche Anforderungen eine homogene und heterogene Gruppe mit sich bringt und wie ein pädagogische Umgang mit sexueller und geschlechtlicher Vielfalt aussehen kann.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Zirkuspädagogik
2.1 Vom Zirkus zur Zirkuspädagogik
2.2 Pädagogische Aspekte
3 Empowerment
3.1 Das Empowerment-Konzept nach Herriger
3.2 Empowerment nach adis e.V.
4 Herausforderungsfelder für queere Jugendliche
4.1 Coming-Out
4.2 Familie
4.3 Schule
4.4 Freizeit- und Sportangebote
4.5 Empowerment
5 Analyse – Zusammenspiel von Zirkustraining und Empowerment
5.1 Queer-Empowerment in der Zirkuspädagogik
5.2 Empowerment in heterogenen Zirkusgruppen
5.3 Empowerment in homogenen queeren Zirkusgruppen
5.4 Anforderungen an pädagogische Begleitung
6 Schlusswort
6.1 Beantwortung der Fragestellung
6.2 Persönliche Reflexion
Zielsetzung & Themen
Diese Bachelorarbeit untersucht das transformative Potenzial der Zirkuspädagogik als Methode zur Stärkung von Empowerment bei queeren Jugendlichen. Die Forschungsfrage fokussiert sich darauf, welche spezifischen Aspekte zirkuspädagogischer Arbeit die Selbstbehauptung und psychische Resilienz queerer junger Menschen fördern können und unter welchen pädagogischen Rahmenbedingungen dies effektiv umsetzbar ist.
- Grundlagen der Zirkuspädagogik und deren pädagogische Wirkmechanismen.
- Theoretische Auseinandersetzung mit Empowerment-Konzepten (u.a. nach Herriger).
- Analyse der spezifischen Herausforderungsfelder queerer Jugendlicher (Coming-Out, Familie, Schule).
- Analyse der Schnittstellen zwischen zirkuspädagogischen Trainingsansätzen und Empowerment.
- Ableitung von Anforderungen an pädagogische Begleitung und Schutzräume.
Auszug aus dem Buch
2.1 Vom Zirkus zur Zirkuspädagogik
„Zirkus assoziiert eine besondere Welt, in der scheinbar alles möglich ist. Es ist ein Raum für Unkonventionelles in dem anders sein darf, als es im Alltag erwartet wird. Hier kann man in andere Rollen schlüpfen, der Kreativität freien Lauf lassen. Im Zirkus ist Platz für verrückte Ideen und außergewöhnliches Können.“ (Behrens 2007, S. 7).
Der Zirkus ist mit seinen 200 Jahren noch eine relativ junge Kunstform. Zwar waren Anfänge der Artistik, Jonglage und Tierdressur schon vor ca. 4000 Jahren zu finden, doch hatten diese wenig mit dem heutigen Zirkus zu tun. Im Mittelalter sind vereinzelt Aufzeichnungen von zirzensischen Disziplinen. Hier traten schon Artist*innen, Gaukler*innen, Vagant*innen, Musiker*innen, Tänzer*innen und Komödiant*innen auf. Sie alle waren stets beliebte Gäste auf Festen (Vgl. Winkler 2007, S. 24).
Im Jahr 1768 gab es den ersten sogenannten Zirkus: Der englische Kunstreiter Phillip Astley (1742-1814) hat regelmäßige Aufführungen angeboten bei denen er außer Kunstreiten auch andere artistische Darstellung mit einbezogen hat. Er gilt mit der Eröffnung seines „Astley’s Royal Amphitheatre“ 1786 als Vater des klassischen Zirkus. Die Beschränkung auf feste Räumlichkeiten des Zirkus veränderte sich im Ende des 19. Jahrhunderts. Hier gab es in den Vereinigten Staaten aufgrund der wachsenden Transportmöglichkeiten die ersten wandernden Zirkusse, die ihre Zelte mit auf Reisen nahmen und somit mobil an wechselnden Orten arbeiten konnten. Zudem wurde der Bedarf nach Unterhaltungsgestaltung immer höher, da sich „[m]it der beginnenden Industrialisierung und der Zunahme enfremdeter Arbeit [...] auch das Vergnügungsbedürfnis [steigerte]“ (Müller 1995, S. 10).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Ausgangslage queerer Jugendlicher und Darlegung der forschungsleitenden Fragestellung zur Zirkuspädagogik als Empowerment-Medium.
2 Die Zirkuspädagogik: Historische Einordnung des Zirkus und Beschreibung der spezifischen pädagogischen Potenziale sowie Disziplinen innerhalb des zirkuspädagogischen Trainings.
3 Empowerment: Theoretische Grundlegung des Empowerment-Begriffs anhand von Ansätzen von Norbert Herriger und des Antidiskriminierungsvereins adis e.V.
4 Herausforderungsfelder für queere Jugendliche: Dokumentation der spezifischen Diskriminierungserfahrungen und Belastungen queerer Jugendlicher in verschiedenen Sozialisationsbereichen wie Schule, Familie und Sport.
5 Analyse – Zusammenspiel von Zirkustraining und Empowerment: Verknüpfung der theoretischen Empowerment-Konzepte mit der zirkuspädagogischen Praxis, unterteilt nach heterogenen und homogenen Gruppenstrukturen.
6 Schlusswort: Synthese der Ergebnisse sowie persönliche Reflexion über die Bedeutung der Arbeit und Ausblick auf künftige Forschung.
Schlüsselwörter
Zirkuspädagogik, Empowerment, queere Jugendliche, Empowerment-Konzept, Antidiskriminierung, Coming-Out, soziale Inklusion, pädagogische Begleitung, Selbstbehauptung, marginalisierte Gruppen, Schutzräume, Identitätsentwicklung, Geschlechtliche Vielfalt, Queer-Empowerment, zirkuspädagogische Intervention.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit im Kern?
Die Arbeit untersucht, inwiefern zirkuspädagogische Angebote genutzt werden können, um queere Jugendliche in ihrer Identität zu stärken und sie bei der Bewältigung gesellschaftlicher Diskriminierung zu unterstützen.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die zentralen Themen sind die theoretische Fundierung des Empowerment-Begriffs, die Lebensrealitäten und Diskriminierungserfahrungen queerer Jugendlicher sowie die praktische Anwendung zirkuspädagogischer Methoden als Instrument zur Stärkung der psychischen und sozialen Resilienz.
Was ist das primäre Ziel der Bachelorarbeit?
Das Ziel ist es, eine Brücke zwischen Zirkuspädagogik und Empowerment-Arbeit zu schlagen, um zu verdeutlichen, wie diese Kombination marginalisierte Jugendliche aktiv fördern kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich vorwiegend um eine theoretische Literaturanalyse, die bestehende wissenschaftliche Konzepte, Studien zu queeren Jugendlichen und fachdidaktische Ansätze der Zirkuspädagogik miteinander in Bezug setzt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Basis (Empowerment nach Herriger/adis e.V.), die Analyse der Lebenswelt queerer Jugendlicher und die detaillierte Untersuchung zirkuspädagogischer Arbeit in verschiedenen Gruppensettings (heterogen vs. homogen).
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Zirkuspädagogik, Empowerment, Queer-Empowerment, Identität und soziale Inklusion in der Jugendarbeit charakterisieren.
Inwiefern spielt der „Defizit-Blick“ in der Arbeit eine Rolle?
Der „Defizit-Blick“ wird als Gegenpol zum Empowerment dargestellt, den die Autorin durch die im Zirkus vermittelte Stärkenorientierung und Selbstermächtigung überwinden möchte.
Welche Rolle spielt die „Regenbogenkompetenz“ für die Fachkräfte?
Die Regenbogenkompetenz bezeichnet das notwendige Fachwissen und die reflektierte Haltung von Pädagog*innen, um queere Lebensrealitäten anzuerkennen, aktiv gegen Diskriminierung im Zirkusumfeld vorzugehen und diskriminierungsfreie Räume zu gestalten.
- Arbeit zitieren
- Mia-Zoé Marben (Autor:in), 2021, Zirkuspädagogik als Medium des Empowerments. Selbstermächtigung in der Manege?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1302328