Die vorliegende Seminararbeit befasst sich mit der Frage, wie sich kolonialistisches Gedankengut im Femonationalismus widerspiegelt. Dabei wird sich damit befasst, ob sich kolonialistisches Denken im Femonationalismus wiederfinden lässt. Um diese Fragestellung beantworten zu können, wird diverse wissenschaftliche Literatur sowie Artikel gesichtet. In einem zweiten Schritt wird Femonationalismus nach dem Verständnis der Soziologin Sara F. Farris erklärt. Darauffolgend werden die kolonialen Denkmuster mit denen des Femonationalismus nach Farris miteinander verglichen und nach Parallelen beleuchtet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kolonialismus
3. Femonationalismus nach Sara F. Farris
4. Kolonialistisches Gedankengut im Femonationalismus
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretische und diskursive Verbindung zwischen historischen kolonialistischen Denkmustern und dem modernen Konzept des Femonationalismus, um aufzuzeigen, wie rassistische und nationalistische Narrative unter dem Deckmantel der Frauenrechte reproduziert werden.
- Definition und historische Grundzüge des Kolonialismus
- Theoretische Analyse des Femonationalismus nach Sara F. Farris
- Analyse der Konstruktion von Opfer- und Täterbildern
- Diskursive Parallelen zwischen Kolonialismus und heutiger Integrationspolitik
- Instrumentalisierung von Frauenrechten für rechtspopulistische Agenden
Auszug aus dem Buch
Kolonialistisches Gedankengut im Femonationalismus
Seit der Kolonialzeit hält sich hartnäckig das Bild des sexuell übergriffigen Muslim und nicht-westlichen Migranten. Das lässt sich beispielsweise daran erkennen, wie über die sexuellen Übergriffe in der Silvesternacht 2015 in Köln berichtet wird. Eines der bekanntesten Medienhäuser Deutschlands titelt Frauen klagen an. Nach den Sex-Attacken von Migranten: Sind wir noch tolerant oder schon blind? (Die Nacht der Schande, 2016). Auf dem Titelblatt ist eine weise, blonde nackte Frau zu sehen, welche schützend ihren Arm vor ihre Oberweite hält. Über ihren Körper sind schwarze Handabdrücke erkennbar. Die Bildsprache ist eindeutig: der sexuell übergriffige muslimische, nicht-westliche Migrant, der eine Bedrohung der westlichen Gesellschaft und weißen Frau darstellt.
Im Femonationalismus ist jedoch nicht nur die weise, westliche Frau Opfer des muslimisch-migrantischen Mannes. Auch Frauen der eigenen Kultur werden im Femonationalismus der Opferrolle zugeschrieben. Muslimische Frauen und nicht-westliche Migrantinnen als schutzbedürftige Opfer müssen gemäß des Femonationalismus von “weißen Männern” (Farris, 2017: 17) gerettet werden.
So zum Beispiel auch vor dem Hijab und der Burka. Es ist eine klassisch misogyne, vor allem jedoch kolonialistische und missionarische Forderung, muslimische Frauen durch die Entschleierung "befreien" zu wollen (Farris, 2011:324). Hier wird, beziehungsweise soll, ganz wie im Kolonialismus den unterworfenen Völkern, den muslimischen Frauen die Selbstbestimmung ihrer Lebensführung entzogen (Vgl. Kolonialismus, o. D.).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Seminararbeit umreißt das Untersuchungsziel, Femonationalismus auf zugrunde liegende kolonialistische Denkmuster zu prüfen, und stellt die verwendete wissenschaftliche Literatur vor.
Kolonialismus: Dieses Kapitel erläutert die historischen Merkmale sowie die ideologische Rechtfertigung europäischer Expansionspolitik, insbesondere die vermeintliche zivilisatorische Überlegenheit.
Femonationalismus nach Sara F. Farris: Hier wird das Konzept des Femonationalismus definiert, das die instrumentelle Nutzung feministischer Themen durch rechte und neoliberale Akteure zur Stigmatisierung von Migranten beschreibt.
Kolonialistisches Gedankengut im Femonationalismus: Dieser Abschnitt verknüpft die zuvor erarbeiteten Definitionen und zeigt anhand von Beispielen auf, wie stereotype Rollenbilder und hegemoniale Diskurse aus der Kolonialzeit im modernen Femonationalismus fortbestehen.
Fazit: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass aktuelle politische Diskreditierungen muslimischer Männer auf einer Kontinuität kolonialistischer Strategien zur Durchsetzung materieller und machtpolitischer Interessen basieren.
Schlüsselwörter
Femonationalismus, Kolonialismus, Sara F. Farris, Feminismus, Nationalismus, Islamophobie, Rassismus, Frauenrechte, Integrationspolitik, Westliche Hegemonie, Patriarchat, Postkoloniale Kritik, Identität
Häufig gestellte Fragen
Was ist das Hauptanliegen dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht, inwieweit modernes kolonialistisches Gedankengut im Konzept des Femonationalismus enthalten ist und wie dieses instrumentalisiert wird.
Welche Akteure werden als Femonationalisten identifiziert?
Laut Sara F. Farris sind dies vor allem rechte Nationalisten, liberale Kräfte sowie Teile der feministischen Bewegung, die Anti-Islam-Agenden verfolgen.
Was ist das primäre Ziel der Forschung?
Das Ziel ist es, die ideologischen Kontinuitäten zwischen kolonialen Weltbildern und heutigen diskursiven Versuchen der Integrationssteuerung unter dem Deckmantel von Frauenrechten aufzuzeigen.
Welche methodische Vorgehensweise wurde gewählt?
Es wurde eine theoretische Literaturanalyse durchgeführt, wobei primär die Werke von Sara F. Farris und weitere postkoloniale sowie politikwissenschaftliche Fachliteratur ausgewertet wurden.
Welche thematischen Schwerpunkte bilden den Kern der Arbeit?
Schwerpunkte sind die historischen Hintergründe des Kolonialismus, die theoretische Unterfütterung des Femonationalismus sowie die Analyse von Opfer-Täter-Konstruktionen im medialen und politischen Diskurs.
Charakterisieren Sie die Arbeit durch ihre zentralen Begriffe.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Femonationalismus, Hegemonie, Rassismus, kulturelle Überlegenheit und die Instrumentalisierung von Geschlechterverhältnissen definieren.
Wie wird das Bild des muslimischen Migranten im Femonationalismus gezeichnet?
Er wird als rückständiges, misogynes und sexuell bedrohliches Subjekt dargestellt, das im Gegensatz zur vermeintlich fortschrittlichen westlichen Gesellschaft steht.
Welche Parallele zieht die Autorin zum Kolonialismus?
Die Autorin hebt hervor, dass heutige Forderungen nach "Befreiung" migrantischer Frauen stark an die kolonialistische Rechtfertigung einer "zivilisatorischen Mission" erinnern.
- Arbeit zitieren
- Laura Götz (Autor:in), 2022, Wie spiegelt sich kolonialistisches Gedankengut im Femonationalismus wieder?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1302342