In dieser Arbeit wird untersucht, wieso der Dialog Theaitetos aporetisch endet. Es stellt sich die Frage, wieso Platon einen Dialog verfasst, der die Ausgangsfrage nicht beantwortet. Im Theaitetos wird zu Beginn die Frage „Was ist Erkenntnis (έπιστήμη = episteme)“ gestellt.
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Es werden drei Definitionsversuche vorgeschlagen, wie auch analysiert und von Sokrates widerlegt. Der Dialog endet damit ohne eine Definition von Wissen, also aporetisch.
Um der Frage des aporetischen Ausgangs nachzugehen, wurden Antworten in einem anderen Dialog Platons gesucht: dem „Menon“. Der Menon handelt um die Frage „Was ist Tugend (arete)“. Die Tugendfrage wird von Sokrates Gesprächsteilnehmer Menon, einem adeligen Thessalier, zu Beginn des Dialogs gestellt. Der Menon endet für die Leser*innen eher unbefriedigend, da die Lösung der Frage was Tugend sei am Ende eher als eine ironische Antwort des Sokrates verstanden werden kann.
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Nach dem deskriptiven Teil sollen die Ergebnisse, Methodiken und die Verfahren, die wir aus dem Menon kennengelernt haben, genutzt werden, um das aporetische Ende des Theaitetos zu rechtfertigen. (...) Diese Erklärung nutzt für seine Rechtfertigung die Inhalte des Menon in Anwendung auf den Theaitetos. Die Methodiken und hermeneutischen Verfahren die Platon seinen Sokrates in beiden Dialogen nutzen lässt spielen dabei eine wichtige Rolle. Anhand der eingeführten Methodiken und Verfahren von Platon, soll die Absicht des aporetischen Endes des Theaitetos gedeutet werden. Am Ende wird eine mögliche Erklärung gegeben, wieso eine Aporie und eine nicht beantwortete Ausgangsfrage gewollt sein könnte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2.Theaitetos
2.1 Kurze Zusammenfassung
2.2 Das Ende - Ein letzter Definitionsversuch (Tht. 201d-210d)
3.Menon
3.1 Kurze Zusammenfassung
3.2 Die Geometriestunde des Sklaven
3.3 Das Ende des Menon
4. Sokrates Methodiken – Elenchos, Mäeutik, Aporie und Anamnesis
4.1 Die Methodiken Sokrates im Menon
4.2 Methodiken im Theaitetos
5. Menon und Theaitetos – Der Umgang mit der Methodik Sokrates anhand des Wissensbegriffs
5.1 Warum der Theaitetos aporetisch enden muss
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das aporetische Ende von Platons Dialog "Theaitetos" und versucht, dieses durch einen Vergleich mit den inhaltlichen und methodischen Ansätzen des Dialogs "Menon" zu rechtfertigen. Zentral ist dabei die Frage, warum Platon Dialoge verfasst, die keine abschließende Antwort auf die Ausgangsfrage liefern, und welche pädagogische oder methodische Intention hinter dieser bewussten Aporie steckt.
- Analyse und Vergleich der Dialoge "Theaitetos" und "Menon"
- Untersuchung sokratischer Lehrmethoden (Elenchos, Mäeutik, Anamnesis)
- Klärung des Wissensbegriffs und der Abgrenzung zur richtigen Meinung
- Deutung des aporetischen Ausgangs als zielgerichtetes pädagogisches Instrument
- Reflektion über die Schriftkritik und die Funktion philosophischer Dialoge
Auszug aus dem Buch
4. Sokrates Methodiken – Elenchos, Mäeutik, Aporie und Anamnesis
Die Tugendfrage im Menon scheint vielen nur als ein Scheinthema, welches vorangestellt wird. Platon nimmt im Menon das erste Mal die Frage der Erkenntnis auf, in dem er versucht, eine Grenze zwischen wahrer Meinung, echtem Wissen und gesicherter Vorstellung zu ziehen (vgl. Vering (2020), S.73). Das Herzstück des Menon bildet dabei die Einführung platonischer Methodik und Theorie. So wird die Anamnesis und Hypothesis eingeführt, die für Platons spätere Ideenlehre essenziell sein wird (ebd.S.74/ Erbse (1968), S.25). Auch die Elenchos Methode, die Mäeutik und die Aporie spielen in dem Dialog eine große Rolle, die auch für weitere Dialoge, wie dem Theaitetos, von Bedeutung sein werden (ebd.). Im folgenden Kapitel soll deshalb kurz auf diese Begrifflichkeiten eingegangen werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet das Gefühl der Unzufriedenheit beim Leser ob des aporetischen Endes von Platons "Theaitetos" und führt die zentrale Forschungsfrage nach der Intention dieses Vorgehens ein.
2.Theaitetos: Dieses Kapitel fasst Platons Dialog zum Thema Erkenntnis zusammen und analysiert die verschiedenen Definitionsversuche von Wissen, die am Ende allesamt scheitern.
3.Menon: Das Kapitel bietet eine Zusammenfassung des Dialogs Menon, inklusive des Sklavenexperiments als Beleg für die Theorie der Wiedererinnerung (Anamnesis).
4. Sokrates Methodiken – Elenchos, Mäeutik, Aporie und Anamnesis: Hier werden die zentralen philosophischen Verfahrensweisen Platons definiert, die für das Verständnis der Aporetik in den Dialogen grundlegend sind.
5. Menon und Theaitetos – Der Umgang mit der Methodik Sokrates anhand des Wissensbegriffs: Dieses Kapitel vergleicht beide Dialoge im Hinblick auf den Wissensbegriff und diskutiert die unterschiedliche Wahrnehmung der Aporie durch die Dialogpartner.
6. Fazit: Das Fazit führt die Argumente zusammen und schließt, dass das aporetische Ende kein Scheitern darstellt, sondern einen pädagogischen Zweck zur Aktivierung des eigenen Denkens verfolgt.
Schlüsselwörter
Platon, Theaitetos, Menon, Aporie, Erkenntnis, Mäeutik, Anamnesis, Elenchos, Wissen, richtige Meinung, Philosphie, Dialog, Pädagogik, Sokrates, Wissensbegriff
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, warum Platons Dialog "Theaitetos" ohne ein abschließendes Ergebnis endet und welche Rolle dabei die philosophischen Methoden spielen, die Platon in diesem und anderen Dialogen einsetzt.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit befasst sich schwerpunktmäßig mit den Dialogen "Theaitetos" und "Menon", dem Begriff der Erkenntnis, den sokratischen Methoden sowie der Frage nach der Lehrbarkeit von Tugend und Wissen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, eine Rechtfertigung für den aporetischen (ergebnislosen) Ausgang des Dialogs "Theaitetos" zu finden, indem dieser als ein bewusst eingesetztes pädagogisches Instrument gedeutet wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine philosophische Textanalyse, die auf den Vergleich der Dialoginhalte, die Anwendung der Literatur sowie die Interpretation von Fachdiskursen, insbesondere von Autoren wie Schleiermacher, stützt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Mäeutik, die Anamnesis-Lehre und die Bedeutung der Aporie als Voraussetzung für echten Erkenntnisgewinn, wobei der Vergleich zwischen Theaitetos und Menon als roter Faden dient.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Aporie, Mäeutik, Anamnesis, Erkenntnistheorie, Sokrates und das pädagogische Ziel platonischer Dialoge.
Warum wird der Dialog "Menon" zum Vergleich herangezogen?
Der "Menon" dient als Referenzpunkt, da er methodische Werkzeuge wie die Anamnesis einführt und zeigt, wie Sokrates mit der Aporie umgeht, was im "Theaitetos" zur Interpretation des Ausgangs entscheidend beiträgt.
Ist das aporetische Ende laut der Arbeit ein Fehler Platons?
Nein, die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die Aporie künstlich und mit Absicht von Platon herbeigeführt wurde, um den Leser selbst zum Nachdenken anzuregen, statt ihn mit einer fertigen Lehre zu belehren.
Welche Bedeutung hat die "Geometriestunde des Sklaven" für die Argumentation?
Sie dient als praktischer Beleg für die Theorie der Anamnesis, da sie aufzeigt, wie Wissen aus dem Inneren der Seele und nicht durch externe Belehrung gewonnen wird, was die Methode des Sokrates unterstreicht.
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- Nick Fastje (Author), 2022, Warum endet Platons Dialog "Theaitetos" aporetisch?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1302356