Ist das Verhalten der gehorsamsbereiten Teilnehmenden des Milgram-Experiments unter dem Begriff des autoritären Charakters nach Erich Fromm zu subsumieren? Um diese These bestätigen beziehungsweise widerlegen zu können, wird als erstes ein allgemeiner Überblick über den Aufbau und Ablauf des besagten Experiments gegeben. Anschließend erfolgt eine Betrachtung der im Buch aufgeführten, gehorsamswilligen Versuchspersonen. Milgram veröffentlichte einige Aufzeichnungen zu den Nachgesprächen, um herauszufinden, wie sich die Funktion des Gehorsamsprozesses zusammensetzt. Daran schließt sich eine Schilderung dessen nach seinem Verständnis an. Im nächsten Kapitel folgt ein Umbruch und der autoritäre Charakter nach Erich Fromm wird typisiert. Nach getaner Vorarbeit findet ein Vergleich der beiden Konzepte und somit die Prüfung der These statt. Letzen Endes werden im Fazit die zentralen Ergebnisse zusammengefasst und durch meine eigene Meinung ergänzt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Milgram-Experiment
2.1 Aufbau und Ablauf des Original- Experiments
2.2 Reaktionen der Versuchspersonen
2.2.1 Bruno Batta
2.2.2 Morris Braverman
2.2.3 Fred Pozi
2.2.4 Karen Dontz
2.2.5 Elinor Rosenblum
2.2.6 Pasqual Gino
2.3 Milgrams Interpretation des Gehorsamsvorgangs
3. Der autoritäre Charakter nach Erich Fromm
4. Prüfung der These
4.1 Methodisches Vorgehen und Probleme der Prüfung
4.2 Deutung der Ergebnisse
4.2.1 Bruno Batta
4.2.2 Morris Braverman
4.2.3 Fred Pozi
4.2.4 Karen Dontz
4.2.5 Elinor Rosenblum
4.2.6 Pasqual Gino
4.2.7 Milgrams Interpretation
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, ob sich das Verhalten von Versuchspersonen, die im Milgram-Experiment Gehorsam gegenüber einer Autorität zeigten, mit dem sozialpsychologischen Konzept des „autoritären Charakters“ nach Erich Fromm erklären lässt. Dabei steht die Frage im Zentrum, ob die gezeigten Gehorsamsprozesse als Ausdruck einer spezifischen Persönlichkeitsstruktur gewertet werden können oder ob andere Erklärungsmodelle aus Milgrams Versuchsreihe plausibler sind.
- Psychologische Ursachen des Gehorsams in hierarchischen Strukturen
- Analyse und Typisierung des autoritären Charakters nach Erich Fromm
- Kritische Aufarbeitung der Versuchsprotokolle aus Stanley Milgrams Milgram-Experiment
- Vergleich und Gegenüberstellung von Milgrams Agens-Theorie und Fromms Charakterstudien
Auszug aus dem Buch
2.2 Reaktionen der Versuchspersonen
„Von jeder Person, die sich am Experiment beteiligt, erfahren wir ein wesentliches Faktum: ob sie gehorcht oder den Gehorsam verweigert hat. Doch wäre es natürlich töricht, die Versuchspersonen nur von diesem Standpunkt aus zu sehen; denn sie bringt schließlich ein ganzes Spektrum von Gefühlen, Verhaltensweisen und persönlichen Eigenarten mit ins Labor.“
Der Psychologe stellte fest, dass die Versuchspersonen sich in ihrem Temperament sehr voneinander unterschieden. Für ihn waren Nachgespräche mit den Einzelpersonen von hoher Bedeutung, um die persönliche Dimension des Experiments zu gewährleisten und um zu verstehen, welche Struktur sich hinter der Natur des Gehorsamsprozesses verbirgt. Diese fanden ein Jahr nach dem Experiment statt. Milgram räumt dabei ein, dass es lückenhaft ist, sich einzig auf die Äußerungen der Testpersonen zu beziehen. Schließlich wurden die Teilnehmer:innen zusätzlich von Kräften beeinflusst, die jenseits ihrer bewussten Wahrnehmung liegen.
Im Folgendem werden einige gehorsamswillige Personen näher betrachtet. Dabei wird dargestellt, welche Beweggründe sie angaben, um den Gehorsam zu leisten. Die Namen wurden bereits von dem Autor verändert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die psychologischen Hintergründe, die menschliches Verhalten im Nationalsozialismus sowie in Gehorsamsexperimenten wie dem von Milgram möglich machen, und formuliert die leitende Forschungsfrage.
2. Das Milgram-Experiment: Dieses Kapitel erläutert den Versuchsaufbau, die Reaktionen einzelner Versuchspersonen sowie Milgrams eigene Interpretation der beobachteten Gehorsamsprozesse.
3. Der autoritäre Charakter nach Erich Fromm: Hier werden die theoretischen Grundlagen des autoritären Charakters, insbesondere die Mechanismen der Flucht aus der Freiheit sowie sadistisch-masochistische Strebungen, dargestellt.
4. Prüfung der These: In diesem Hauptteil wird das methodische Vorgehen bei der Überprüfung der Forschungsfrage diskutiert und die Einzelfälle der Versuchspersonen anhand von Fromms Kriterien analysiert.
5. Fazit: Das Fazit führt die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass das Verhalten der Milgram-Probanden nicht primär unter den Begriff des autoritären Charakters nach Fromm subsumiert werden kann.
Schlüsselwörter
Gehorsam, Autorität, Milgram-Experiment, Erich Fromm, autoritärer Charakter, Sozialpsychologie, Nationalsozialismus, Sadismus, Masochismus, Agens-Zustand, Psychologie, Charakterstudien, Fremdenfeindlichkeit, Verantwortung, Persönlichkeitsmerkmale
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Schnittstelle zwischen sozialpsychologischer Autoritätsforschung und der Theorie des autoritären Charakters, um zu prüfen, ob Milgrams Experimentergebnisse mit Fromms Thesen erklärbar sind.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen umfassen die Bedingungen für Gehorsam, die Konstruktion von Autorität, die Differenzierung sadomasochistischer Tendenzen und die Analyse psychologischer Konstellationen innerhalb soziologischer Experimente.
Welches Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, die Hypothese zu überprüfen, ob das Verhalten gehorsamer Personen im Milgram-Experiment als Ausdruck eines „autoritären Charakters“ nach Erich Fromm gewertet werden kann.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Die Autorin kombiniert eine Literaturanalyse zu Fromms Werken mit einer qualitativen Auswertung der von Stanley Milgram dokumentierten Nachgespräche der Versuchspersonen.
Was behandelt der Hauptteil?
Im Hauptteil werden sowohl der theoretische Hintergrund des autoritären Charakters als auch die empirische Anwendung dieser Kriterien auf die konkreten Fälle der Milgram-Probanden detailliert untersucht.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich vor allem über Begriffe wie Gehorsamsbereitschaft, autoritäre Strukturen, psychisches Verhalten im Konflikt und das Verhältnis zwischen Individuum und Institution definieren.
Welche Bedeutung kommt dem „Agens-Zustand“ in der Arbeit zu?
Der Agens-Zustand ist zentral für die Argumentation, da er von Milgram genutzt wird, um zu erklären, wie Personen in hierarchischen Strukturen die Verantwortung abgeben, eine Beobachtung, die die Autorin in Kontrast zu Fromms Charaktermodell setzt.
Wie bewertet die Autorin die Anwendbarkeit von Fromms Theorie auf die Probanden?
Die Autorin kommt nach der Prüfung der Einzelfälle zu dem Schluss, dass Fromms Modell in diesem Kontext nicht ausreicht, da bei den Probanden die für ihn obligatorischen sadistischen Neigungen fehlen.
Welche Rolle spielt die „Verehrung der Vergangenheit“ als Kriterium?
Dieses Kriterium erweist sich als schwer zu belegen, da Fromm den Begriff nicht hinreichend operationalisiert und die Datenbasis in Milgrams Berichten zu lückenhaft für eine eindeutige Zuordnung ist.
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- Anna Keyn (Author), 2022, Erich Fromm und das Milgram-Experiment, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1302406