In meiner vorliegenden Arbeit möchte ich die Werke "Les Rêveries du Promeneur Solitaire" sowie "René" unter der Fragestellung „Rousseau – Romantik in der Aufklärung?“ genauer untersuchen und dabei die romantischen Aspekte der beiden Werke analysieren und miteinander vergleichen. Ziel ist es, anhand von passenden Textbelegen und -indizien herauszustellen, wie unverzichtbar Rousseau am Ende der Aufklärung ist und dass er durch seine Selbstreflexion und die beschriebenen Gefühle die Romantik prägte und beeinflusste.
Im ersten Teil meiner Ausarbeitung nehme ich eine textorientierte Analyse der Werke "Les Rêveries du Promeneur Solitaire" und "René" von Rousseau sowie Chateaubriand vor, welche ich im Anschluss vergleichen und vor dem Hintergrund der vorhandenen romantischen Aspekte evaluieren werde. Im letzten Teil folgt eine resümierende Schlussbetrachtung meiner Ergebnisse sowie meine meinungsorientierte Antwort auf die Ausgangsfragestellung „Rousseau – Romantik in der Aufklärung?“ angesichts der Werke und ihrer vorliegenden romantischen Aspekte.
„Rousseau als Gegner seiner Zeit, Rousseau als Verkünder einer neuen Zeit“. Anhand dieser Worte beschreibt Walther Küchler in Französische Romantik. Eine Entgegnung Jean-Jacques Rousseau als einen Autor, welcher sich nicht mehr mit der Aufklärung auseinandersetzen mochte und sich der Romantik widmete. Beschäftigt man sich mit der Epoche der französischen Romanik, sind einflussreiche Autoren wie Victor Hugo, François-René de Chateaubriand sowie Madame de Staël unverzichtbar. Gleichzeitig koalieren mit der französischen Romantik und den veröffentlichten Werken die im Vordergrund stehenden Gefühle der Menschen und die intensive Beschäftigung mit sich selbst. Auch politische Ereignisse wie die Französische Revolution von 1789-1799 sowie die Zerstörung des ausnahmslosen, klassizistischen Weltbildes prägten die anschließende Periode der Romantik sehr. Ebenso trug der Prinzipienstreit zu den Anfängen der Romantik bei, da das vorherrschende System in seinen Normen als rückschrittig angesehen wurde. Auch Rousseau, dessen Werke in der Aufklärung geschrieben wurden, bediente sich Ende des 18. Jahrhunderts einiger romantischer Merkmale und widersetze sich den vorliegenden Motiven der Aufklärung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Rousseau – Romantik in der Aufklärung?
2.1 Die romantischen Aspekte Rousseaus
2.2 Die romantischen Aspekte Chateaubriands
2.3 Vergleich beider Werke hinsichtlich ihrer romantischen Aspekte
3. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Werke Les Rêveries du Promeneur Solitaire von Jean-Jacques Rousseau und René von François-René de Chateaubriand unter der Fragestellung, inwiefern Rousseau als ein Autor der Aufklärung bereits romantische Merkmale in sein Schaffen integrierte und die Romantik maßgeblich beeinflusste, indem er sich von rationalistischen Normen abwandte und dem Subjekt sowie dem Gefühl eine zentrale Rolle einräumte.
- Analyse der Selbsterkenntnis und Naturverbundenheit bei Rousseau.
- Untersuchung der Reflexion von Subjektivität und Melancholie in Chateaubriands René.
- Vergleichende Gegenüberstellung der romantischen Aspekte beider Autoren.
- Einordnung von Rousseaus Werk als Vorläufer und Wegbereiter der französischen Romantik.
- Diskussion des Übergangs vom rationalistisch geprägten Weltbild der Aufklärung hin zum subjektzentrierten Weltbild der Romantik.
Auszug aus dem Buch
2.1 Die romantischen Aspekte Rousseaus
Les Rêveries du Promeneur Solitaire inkarniert Rousseaus letztes Werk, in welchem er innerhalb der zehn Spaziergänge seine Selbsterkenntnis, die Eigenliebe und Selbstachtung, aber auch sein Verhältnis zur Natur und die Natur an sich genauer untersucht. Wie bereits Meier schrieb, handelt es sich bei den Rêveries um Niederschriften, die „sein Beisichselbstsein umkreisen, seine Abweichung von sich selbst vermerken und seine Rückwendung auf sich feststellen […] und sie werden […] nicht nur für Rousseau von Bedeutung sein.“ In Rousseaus erstem Spaziergang äußert das sprechende Ich in einer völligen Isolation zu leben, da es sich von seinen Mitmenschen schlecht behandelt fühlt und trotz, dass es seine Situation sieht, nicht versteht wo es ist. Dies wird außerdem durch sein Leiden und den Schmerz deutlich, welches das Ich in seiner Einsamkeit beschreibt, da der physische vom seelischen Schmerz ablenkt, dennoch kann von Selbstfindung gesprochen werden, da durch die Akzeptanz seiner Empfindungen und das Aufgeben der Hoffnung auf ein positiveres Leben ein innerer Frieden gefunden wird, welchen er im Prozess seiner Selbstfindung genauer untersuchen möchte. Die Natur und ihre Darstellung innerhalb der Rêveries spielt eine zentrale Rolle bei der Selbstreflexion des Subjekts und verkörpert einen weiteren romantischen Aspekt, da das Naturerlebnis mit der Selbstversenkung verbunden ist und das Ich in einen irrationalen und träumerischen Zustand verfällt. Auch wenn die Entdeckung seltener Pflanzen Vertrautheit schenkt, spricht das Ich von dem Ende eines unglücklichen Lebens, in welchem es ganz es selbst und in seiner Natur verwirklicht der allgemeinen Natur entspricht: „déjà flétries par la tristesse et desséchées par les ennuis.“ Es lässt sich erkennen, dass der Gedanke an die Natur Einfluss auf das Ich ausübt, welcher mit der Verknüpfung zu Gott im zweiten Spaziergang endet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik ein, skizziert den historischen Kontext zwischen Aufklärung und Romantik und definiert die Fragestellung sowie das methodische Vorgehen der Arbeit.
2. Rousseau – Romantik in der Aufklärung?: Dieses Kapitel bildet den Hauptteil der Arbeit und analysiert schwerpunktmäßig die romantischen Züge in Rousseaus Werk, Chateaubriands Werk sowie einen direkten Vergleich beider Ansätze.
2.1 Die romantischen Aspekte Rousseaus: Das Unterkapitel widmet sich der detaillierten Analyse von Rousseaus Les Rêveries du Promeneur Solitaire hinsichtlich Selbstreflexion, Naturerlebnis und Isolation.
2.2 Die romantischen Aspekte Chateaubriands: Hier werden die romantischen Charakteristika in Chateaubriands René in Bezug auf Subjektivität, Melancholie und die Rolle der Religion untersucht.
2.3 Vergleich beider Werke hinsichtlich ihrer romantischen Aspekte: Dieser Abschnitt führt die Analysen zusammen und arbeitet die Gemeinsamkeiten der Autoren sowie deren Bedeutung für den Übergang zur Romantik heraus.
3. Schlussbetrachtung: Das abschließende Kapitel fasst die zentralen Analyseergebnisse zusammen und beantwortet die Ausgangsfrage unter Berücksichtigung des Einflusses von Rousseau auf die nachfolgende Epoche.
Schlüsselwörter
Rousseau, Chateaubriand, Aufklärung, französische Romantik, Les Rêveries du Promeneur Solitaire, René, Naturerlebnis, Subjektivität, Einsamkeit, Selbstreflexion, Melancholie, Gefühl, Literaturwissenschaft, Epochenwandel, Frühromantik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht den Übergang von der Aufklärung zur Romantik in der Literatur, wobei der Fokus auf den Werken von Jean-Jacques Rousseau und François-René de Chateaubriand liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind Romantik, Naturverbundenheit, die Rolle des Individuums, Selbstreflexion und der emotionale Ausdruck innerhalb literarischer Texte.
Welches primäre Ziel bzw. welche Forschungsfrage verfolgt der Autor?
Die Arbeit geht der Fragestellung „Rousseau – Romantik in der Aufklärung?“ nach, um zu prüfen, ob Rousseau als ein Autor der Aufklärung bereits romantische Merkmale nutzte und somit die Romantik beeinflusste.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse angewandt?
Es wird eine textorientierte Analyse der Primärwerke durchgeführt, ergänzt durch einen Vergleich der romantischen Aspekte und die Einordnung in den literaturgeschichtlichen Kontext anhand von Sekundärliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Rousseau, die Untersuchung von Chateaubriand und einen detaillierten Vergleich der beiden Werke.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Romantik, Aufklärung, Selbsterkenntnis, Naturerlebnis, Isolation sowie die Werktitel Les Rêveries du Promeneur Solitaire und René.
Welche Rolle spielt die Natur nach Auffassung des Verfassers in Rousseaus Werk?
Die Natur dient in Rousseaus Werk als zentrales Element der Selbstreflexion und Selbstfindung, welches das Individuum in einen träumerischen Zustand versetzen kann.
Inwiefern unterscheidet sich die Darstellung bei Chateaubriand?
Bei Chateaubriand wird die Natur ebenfalls als Rückzugsort geschätzt, jedoch stärker durch eine christliche Deutung und die individuelle Melancholie der Figur René geprägt.
Was sind die zentralen Schlussfolgerungen des Autors bezüglich Rousseaus Rolle?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass Rousseau trotz seiner zeitlichen Zugehörigkeit zur Aufklärung durch seine Betonung von Gefühl und Subjektivität als Wegbereiter der Romantik anzusehen ist.
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- Michelle Neujoks (Author), 2020, Rousseaus Bedeutung für die Aufklärung und sein Einfluss auf die Romantik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1302414