Spielt der deutsche Kolonialismus eine Rolle in den landesinternen Lehrplänen? Dies wird am Beispiel der Lehrpläne von Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfahlen untersucht.
Zuerst soll in der Definition der Begriff “Kolonialismus” beschrieben und anschließend seine Entstehung kurz umrissen werden. Das deutsche Bildungswesen wird unter demselben Punkt erläutert. Anschließend folgt die Beschreibung des deutschen Kolonialismus, die ersten Ansätze, die dazu führten, dass Deutschland zu einer Kolonialmacht geworden ist. Der Werdegang desselben und einige Geschehnisse der deutschen Herrschaft werden in dem Punkt Deutschland als Kolonialherrschaft beschrieben. Im weiteren Verlauf kommt die Thematisierung des Kolonialismus an deutschen Schulen zur Sprache. Dazu werden die Lehrpläne für Geschichte als Grundlage des Geschichtsunterrichts, exemplarisch der Bundesländer Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen, genauer untersucht. Außerdem zeigt das angefügte Interview mit dem Schulbuchforscher Lars Müller, inwieweit der Kolonialismus in deutschen Schulbüchern vertreten ist. Abschließend werden die wichtigsten Ergebnisse zusammengefasst in einem Fazit zusammengefasst.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Definitionen
2.1 Kolonialismus
2.2 Entstehung der Kolonisation
2.3 Das deutsche Bildungswesen
3 Deutscher Kolonialismus
3.1 Erste Ansätze
3.2 Deutschland als Kolonialherrschaft
4 Kolonialismus – Thema im deutschen Geschichtsunterricht
4.1 Lehrplan für das Fach “Geschichte”
4.1.1 Lehrplan in Rheinland-Pfalz
4.1.2 Nordrhein-Westfalen
4.2 Kolonialismus in Schulbüchern – ein Interview mit dem Schulbuchforscher Lars Müller
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Frage, ob und in welcher Weise der deutsche Kolonialismus als historisches Thema in den Lehrplänen der Bundesländer Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen sowie in aktuellen deutschen Schulbüchern verankert ist, um der sogenannten "kolonialen Amnesie" entgegenzuwirken.
- Erörterung des Begriffs Kolonialismus und dessen historischer Entstehung.
- Analyse der historischen Rolle Deutschlands als Kolonialmacht.
- Untersuchung der Curricula für das Fach Geschichte in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen hinsichtlich der Thematisierung kolonialer Geschichte.
- Evaluation der Darstellung von Kolonialismus in Schulbüchern basierend auf Experteninterviews.
- Reflexion über die Notwendigkeit einer differenzierteren historischen Bildung zur Förderung der Demokratiekompetenz.
Auszug aus dem Buch
3 Deutscher Kolonialismus
„Wissen ist Macht“ (original: „For knowledge itself is power“) ist ein Zitat, welches auf den englischen Philosophen Francis Bacon (1561-1626) zurückzuführen ist (Vgl. Faulstich 2011, S.15f.).
Darauf basiert die Philosophie der Aufklärung, in deren Zeitalter den Menschen neue Perspektiven eröffnet und Anfänge sozialer Mobilität ermöglicht werden. Die deutschen Kolonien werden auf Basis geographischen Wissens erobert: Räume in Afrika und im westlichen Pazifik werden von Deutschen nicht zuerst mit Waffengewalt und militärischer Überlegenheit, sondern mit Taschenuhr, Kompass und Notizbuch in Besitz genommen. Zur Eroberung und Beherrschung der Herrschaftsgebiete mit Ziel des Ressourcentransfers werden topographische Kenntnisse und geographische Informationen benötigt. Ein Wissensspektrum an Karten, Statistiken, Verzeichnissen und Berichten über die Länder ermöglicht ihnen eine schnelle Orientierung. So können die Aufgaben, die eine Kolonialherrschaft mit sich bringt, übernommen werden. (Vgl. Gräbel 2015, S.9)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der "kolonialen Amnesie" in Deutschland ein und formuliert die Forschungsfrage bezüglich der Verankerung des Themas im schulischen Geschichtsunterricht.
2 Definitionen: Das Kapitel definiert den Begriff "Kolonialismus" als Herrschaftsverhältnis und skizziert kurz die historische Entwicklung der Kolonisation sowie die Grundstrukturen des deutschen Bildungssystems.
3 Deutscher Kolonialismus: Hier wird der historische Weg Deutschlands von ersten, gescheiterten Ansätzen bis hin zur Etablierung als Kolonialmacht sowie der Verlauf der deutschen Kolonialherrschaft, insbesondere in Bezug auf den Krieg gegen die Herero und Nama, beschrieben.
4 Kolonialismus – Thema im deutschen Geschichtsunterricht: Dieses Hauptkapitel analysiert die Lehrpläne für das Fach Geschichte in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen und beleuchtet durch ein Experteninterview die Darstellung des Themas in Schulbüchern.
5 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass eine explizite Thematisierung des deutschen Kolonialismus in Lehrplänen oft fehlt und ein breiter Interpretationsspielraum die vertiefte Auseinandersetzung mit der Vergangenheit eher verhindert.
Schlüsselwörter
Deutscher Kolonialismus, Schulunterricht, Geschichtsunterricht, Lehrplan, Koloniale Amnesie, Herero und Nama, Völkermord, Imperialismus, Schulbuchforschung, Historisches Bewusstsein, Postkolonialismus, Demokratieerziehung, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Bildungsstandards.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie das Thema des deutschen Kolonialismus in der schulischen Bildung verankert ist und warum dieses Kapitel der Geschichte im öffentlichen und schulischen Bewusstsein in Deutschland oft vernachlässigt wird.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die historische Einordnung des deutschen Kolonialismus, der Genozid an den Herero und Nama sowie die Analyse von Lehrplänen und Schulbuchinhalten im Hinblick auf ihre kritische Auseinandersetzung mit der kolonialen Vergangenheit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es herauszufinden, ob die landesinternen Lehrpläne und Unterrichtsmaterialien ausreichend Anreize bieten, um Schülern fundiertes Wissen über den deutschen Kolonialismus zu vermitteln und so der kolonialen Amnesie entgegenzuwirken.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Autorin nutzt eine Literatur- und Dokumentenanalyse der offiziellen Lehrpläne sowie die Auswertung eines Experteninterviews mit dem Schulbuchforscher Lars Müller.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden sowohl theoretische Definitionen zum Kolonialismus als auch die konkrete Umsetzung und die inhaltliche Ausgestaltung der Lehrpläne für Geschichte unter Berücksichtigung der Beispiele Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit fokussiert sich insbesondere auf Begriffe wie Kolonialismus, Schulbildung, Geschichtsunterricht, Lehrplananalyse und koloniale Amnesie.
Wie unterscheidet sich die Darstellung in den Lehrplänen von Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen?
Nordrhein-Westfalen beschreibt die Inhalte konkreter und macht den Kolonialismus als Teil des Imperialismus erkennbarer, während die Vorgaben in Rheinland-Pfalz sehr allgemein gehalten sind und viel Spielraum für die individuelle Auslegung der Lehrkräfte lassen.
Welche Rolle spielen Schulbücher laut der Analyse?
Schulbücher behandeln das Thema meist im Zusammenhang mit dem Imperialismus, vernachlässigen jedoch oft eine tiefgründige Aufarbeitung, indem sie Betroffene nicht als handelnde Akteure darstellen und Begriffe sowie historische Zusammenhänge unzureichend erklären.
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- Anonym (Autor), 2020, Thematisierung des deutschen Kolonialismus im Schulsystem, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1302458