Analyse zur Redewiedergabe im Spanischen anhand zweier Korpora aus der spanischen Tageszeitung "El País"


Hausarbeit, 2007
15 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Definition

3. Analyse der Korpora
3.1 Korpus der Sparte Internacional
3.2 Korpus der Sparte Sociedad

4. Schlussbemerkung

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Eine grundlegende Eigenschaft von Sprache im Allgemeinen ist das „Referieren von Äußerungen und Gedanken eines Sprechers zu einem anderen Zeitpunkt und mit eigenen Formulierungen“[1]. Diese Fähigkeit, Sprache wiederzugeben, besitzen alle natürlichen Sprachen und somit auch das Spanische.

In der vorliegenden Arbeit werde ich zunächst eine allgemeine Definition geben, die klären soll, welche Vorraussetzungen und Merkmale für Redewiedergabe gelten. Außerdem sollen die beiden häufigsten Formen, direkte und indirekte Rede, charakterisiert und voneinander abgegrenzt werden. Auf die verschiedenen Kombinationsmöglichkeiten, die aus der jeweiligen Redeform hervorgehen können, werde ich nicht explizit eingehen, da dies den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde.

Des Weiteren sollen anhand zweier Korpora, die der spanischen Tageszeitung El País entnommen sind, die dort auftretenden Formen von Redewiedergabe herausgearbeitet und analysiert werden. Während der erste Corpus aus der Sparte Internacional stammt, ist der zweite der Sparte Sociedad zu zuordnen.

Die beiden Zeitungstexte wurden bewusst aus unterschiedlichen Bereichen gewählt, um abschließend einen Vergleich der jeweils verwendeten Wiedergabeform anstellen zu können. Auch für Zeitungsberichte typische Verwendungsarten von Redewiedergabe sollen dabei gefunden werden.

2. Definition

„Unter Redewiedergabe […] wird die Wiedergabe von Äußerungen, Reflexionen oder anderen Bewußtseinsinhalten einer Person P zu einer Zeit Z durch eine andere Person P’ oder die gleiche Person zu einer anderen Zeit verstanden.“[2] In diesem Zitat von Fabricius-Hanssen wird bereits eine wichtige Vorraussetzung der Redewiedergabe genannt, nämlich dass immer zwei Kommunikationssituationen vorliegen, die miteinander verknüpft sind. Das bedeutet, dass entweder verschiedene Sprecher oder verschiedene Zeitpunkte des Sprechens vorhanden sind.[3]

Als Rede wird der „Vorgang und (das) Ergebnis mündlicher oder schriftlicher Sprachproduktion“[4] bezeichnet, wobei im Folgenden auf eine Charakterisierung der mündlichen Redewiedergabe aufgrund diverser Schwierigkeiten bei der Kennzeichnung verzichtet wird. Die schriftliche Form der Redewiedergabe ist unterteilt in direkte (estilo directo) und indirekte Rede (estilo indirecto), die „aufgrund der verschiedenen Kombinationen aus Elementen der Syntax, Semantik und Pragmatik“[5] eine große Variationsbreite aufweisen.

Während der estilo directo die ursprüngliche Form des Gesagten nachahmt und eine Erzählerinstanz kaum spürbar ist, werden die Stimmen des estilo indirecto deutlich durch einen Erzähler wiedergegeben.[6] Dabei muss auf eine Veränderung der Syntax und Verschiebung des deiktischen Systems geachtet werden. In der direkten Rede hingegen erfolgt die Verbalisierung ohne syntaktische Integration, eine temporale, lokale oder personale Anpassung muss nicht erfolgen. Auch graphische Elemente, wie beispielsweise Anführungszeichen, spielen bei der Unterscheidung von direkter und indirekter Rede eine entscheidende Rolle.

In beiden Redewiedergabeformen, und ganz besonders in der indirekten Rede, wird von den so genannten verba dicendi Gebrauch gemacht, die dazu dienen, die Äußerungen der Personen einzuleiten.[7]

3. Korpusanalyse

3.1 Korpus aus der Sparte Internacional

Bereits in der Unterüberschrift El Gobierno francés anuncia medidas para frenar la violencia de las pandillas juveniles wird durch das verbum dicendi anunciar, das in der 3. Person Singular Präsens steht, Rede wiedergegeben. Allerdings handelt es sich hierbei lediglich um die Erwähnung des sprachlichen Aktes, d. h. es wird nur erwähnt, dass die französische Regierung Maßnahmen zur Gewaltbekämpfung ankündigt. Um welche Maßnahmen es sich dabei handelt, bleibt zunächst unklar. Die subordinierende Konjunktion que, die hier eine indirekte Rede einleiten und so über die genauen Maßnahmen Aufschluss geben könnte, fehlt gänzlich. Der Verfasser des Zeitungsartikels wählt diese Art der Redewiedergabe bewusst, um nicht gleich zu Beginn der Lektüre zu viel über deren Inhalt zu verraten und so zum Weiterlesen zu animieren.[8]

Zunächst wird ausschließlich über die Problematik, die von gewalttätigen Jugendbanden in Paris und Umgebung ausgeht, berichtet. Redewiedergabe wird erst wieder ab Zeile 39 eingesetzt: Este documento, desvelado el miércoles por Le Monde, asegura que “se asiste a una vuelta sensible [...]”. Hierbei handelt es sich um eine Mischform aus indirekter und direkter Rede, d.h. der Satz wird zunächst wie eine indirekte Rede mit der 3. Person Singular Präsens des verbum dicendi asegurar und der Konjunktion que eingeleitet. Darauf folgt dann aber, markiert durch Anführungszeichen, ein längerer Einschub wörtlichen Zitierens. Da in solchen Fällen die Notwendigkeit besteht, das Zitat syntaktisch korrekt zu integrieren, spricht man von einem discurso pseudo-directo. Der Autor hält sich so zwar überwiegend an den wörtlichen Inhalt des, in der französischen Zeitung Le Monde veröffentlichten, Artikels, weicht aber dadurch, dass er nur einen Teil daraus als Zitat verwendet, von diesem ab und passt es seiner eigenen Textstruktur an. Die Rede ist somit nicht ausschließlich direkt, sondern erweckt durch die, die direkte Rede charakterisierenden, Anführungszeichen lediglich den Anschein. Sie ist demnach also „pseudo-direkt“.

Ab Zeile 56 nimmt der Verfasser mit Hilfe von indirekter Rede wieder Bezug auf diesen Bericht: Los enfrentamientos entre bandas, se señala el informe, están estrechamente ligados […]. Das Rede einleitende Verb señalar in der 3. Person Singular Präsens steht hier allerdings nicht zu Beginn des Satzes, sondern wird zwischen Subjekt und Prädikat der indirekten Rede eingefügt. Ein subordinierendes que fehlt hier. Durch diese Abweichung vom klassischen estilo indirecto lockert der Autor die Struktur des Textes auf und sorgt gleichzeitig für eine anspruchsvolle Art der indirekten Redewiedergabe. Obwohl in den letzten beiden Textbeispielen ein schriftliches Dokument als Sprecher fungiert und eine mündlich geäußerte Rede somit nicht stattgefunden hat, kann man hier von Redewiedergabe sprechen.

Im darauf folgenden Satz La policía señala también su inquietud por la emergencia de una “violencia tribal sin concessiones“ handelt es sich ebenfalls um eine Form der indirekten Rede, die durch das Fehlen der Konjunktion que verkürzt präsentiert wird. Der estilo indirecto wird hier nicht mit Hilfe eines Nebensatzes dargestellt, sondern mit der 3. Person Singular Präsens des verbum dicendi señalar und der Substantivierung des que- Satzes durch das Nomen inquietud. Auf die indirekte Rede folgt ein Einschub in direkter Rede, der durch Anführungszeichen markiert ist. Durch diese „Zwitterkombination“ aus direkter und indirekter Rede gelingt es dem Verfasser des Zeitungstextes nicht nur den Wortlaut der französischen Polizei möglichst originalgetreu wiederzugeben, sondern gleichzeitig auch für Abwechslung bei der Redewiedergabe zu sorgen.

[...]


[1] Breslauer, Christine: Formen der Redewiedergabe im Deutschen und Italienischen, Heidelberg: Groos, 1996, S. 1.

[2] Fabricius-Hansen, Cathrine: Tempus im indirekten Referat, in: Tempus – Aspekt – Modus, hrsg. v. W. Abraham / Th. Janssen, Tübingen: Niemeyer, 1989, S. 161.

[3] Vgl. Breslauer (1996), S. 17.

[4] Bußmann, Hadumod, Lexikon der Sprachwissenschaft, Stuttgart: Kröner, 2002, S.

[5] Breslauer (1996), S. 5.

[6] Vgl. Alcaraz Varó, Enrique / Martínez Linares, María Antonia, Diccionario de lingüística moderna, Barcelona: Editorial Ariel, 1997, S. 209.

[7] Vgl. Ebd.

[8] Martí Font, J.M., “Las bandas llegan al centro de París” , El País 11045 (2007), S. 9.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Analyse zur Redewiedergabe im Spanischen anhand zweier Korpora aus der spanischen Tageszeitung "El País"
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
2,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
15
Katalognummer
V130258
ISBN (eBook)
9783640387366
ISBN (Buch)
9783640387427
Dateigröße
472 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Analyse, Redewiedergabe, Spanischen, Korpora, Tageszeitung, País
Arbeit zitieren
Jessica Mohr (Autor), 2007, Analyse zur Redewiedergabe im Spanischen anhand zweier Korpora aus der spanischen Tageszeitung "El País", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/130258

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