Aufgabenstellung:
Konflikteskalationen stellen ein besonders gravierendes Problem im Rahmen von Konfliktprozessen dar. Begründen Sie diese These und zeigen Sie auf, wie ein funktionales Konfliktmanagement bei Eskalationen gestaltet werden kann (Bearbeitungshinweis: Sie können Ihren Überlegungen zur Verdeutlichung konkrete Beispiele aus Politik oder Wirtschaft zugrunde legen.)
Abstract:
„Volksverblödung“, „Psychoterror“ und „der Außerirdische“ (gemeint war Hartmut Mehdorn) sind nur eine der wenigen Ausdrücke und verbalen Entgleisungen, die der Vorstandsvorsitzende der Lokführergewerkschaft GDL Manfred Schell auf Pressekonferenzen und in öffentlichen Statements verwendet hat, um die Tarifvorschläge und Angebote der Arbeitgeberseiter in den fast
einjährigen Tarifverhandlungen zwischen der Deutschen Bahn AG und der Gewerkschaft der Lokführer (GDL) zu kommentieren. Insbesondere die getroffene Wortwahl verdeutlicht die Eskalation des Konflikts, der hier von mir weiter untersucht werden soll. Dabei möchte ich nicht nur auf die Konfliktsituation, die Konfliktursachen, den Konfliktprozess und die
Konflikteskalation an sich eingehen, sondern vor allem auch versuchen Lösungsansätze zu finden, wie durch ein funktionales Konfliktmanagement der Konflikt hätte deeskaliert werden können. Zusätzlich zu meinen theoretischen Beschreibungen, unter anderem unter Zuhilfenahme der Strukturationstheorie, werde ich immer wieder auf den Praxisbezug hinsichtlich des von mir eingangs
genannten Beispiels verweisen. Als Theoriegrundlage scheint mir die Strukturationstheorie als besonders geeignet den Konflikt zu beschreiben, da mit Hilfe dieser Theorie die Verantwortlichkeit der Individuen für die Entstehung von
Konflikteskalationen besonders gut beschrieben werden können. Dabei ist von mir das Beispiel bewusst gewählt worden, da insbesondere Tarifverhandlungen besonders stark Merkmale aufweisen, die typisch sind für konfliktäre Situationen.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Konfliktanalyse
1) Konfliktäre Situationen
2) Konfliktursachen und Anlässe
3) Konfliktprozess
4) Konflikteskalation
III. Konfliktlösung
1) Kompromiss als Lösung
2) Konfliktmanagement
IV. Schlussfolgerung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Dynamik von Konflikteskalationen am Beispiel der Tarifverhandlungen zwischen der Deutschen Bahn AG und der Gewerkschaft GDL. Ziel ist es, durch eine wissenschaftliche Konfliktanalyse unter Einbeziehung soziologischer Theorien aufzuzeigen, wie ein funktionales Konfliktmanagement Eskalationsprozesse deeskalieren kann, wobei insbesondere die Verantwortung der handelnden Akteure sowie die langfristigen Auswirkungen von Konfliktlösungsansätzen im Fokus stehen.
- Analyse konfliktärer Situationen und deren Ursachen
- Anwendung der Strukturationstheorie zur Erklärung von Handlungsfolgen
- Untersuchung von Eskalationsmodellen (Glasl-Modell)
- Evaluierung von kurativen Interventionsmaßnahmen und Mediation
- Bedeutung der sozialen Kompetenz und des langfristigen Konfliktmanagements
Auszug aus dem Buch
4) Konflikteskalation
Nach Glasl muss grundsätzlich in „manifeste“ und „latente“ Konflikte unterschieden werden, wobei sich die „manifesten“ Konflikte dadurch kennzeichnen, dass der bestehende Konflikt auch tatsächlich ausgetragen wird. Im Gegensatz dazu ist für „latente“ Konflikte typisch, dass der Konflikt nur im „Untergrund“ brodelt und nicht ausgetragen wird. Dabei sind latente Konflikte aber besonders der Gefahr ausgesetzt intensiv zu eskalieren, sobald durch einen Konfliktanlass der Konflikt manifest wird. Im beschriebenen Beispiel kann also von einem manifesten Konflikt gesprochen werden, wobei anzunehmen ist, dass vor dem Konfliktanlass (Tarifverhandlungen) bereits eine latente Konfliktursache vorhanden war. Zur Beschreibung der Intensität der Konflikteskalation hat Glasl ein Neun-Stufen-Modell der Konflikteskalation entwickelt.
In diesem Modell benennt und beschreibt Glasl die aufeinander aufbauenden Stufen der Eskalation, die von der Verhärtung der einzelnen Standpunkte bis hin zur totalen Konfrontation beziehungsweise dem „gemeinsamen in den Abgrund“ reicht. Bei den Tarifverhandlungen für die Lokführer der Deutschen Bahn AG sind verschiedene der von Glasl beschriebenen Stufen zu beobachten gewesen. Meiner Meinung nach sind Eskalationen bis hin zur Stufe 7 zu beobachten gewesen, also bis hin zu begrenzten Vernichtungsschlägen, das heißt in diesem Fall den unbefristeten Streiks der Lokomotivführer. Des weiteren erläutert Glasl Paradoxien der Eskalationsdynamik. Darin betont er, wie auch schon Berkel, die gegenseitige Abhängigkeit der jeweiligen Handlungen der Akteure sowie den selbstverstärkenden Charakter, den gewisse Aktionen auf die Konflikteskalation haben können. Dabei ist wichtig zu erkennen, dass die Konflikteskalation nicht gewollt, beziehungsweise herbeigeführt, sein muss. Vielmehr kann ein Konflikt auch unintendiert eskalieren, ohne dass die Parteien sich der Eigenverantwortung für die Eskalation bewusst sind.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der Konflikteskalation ein und stellt das Fallbeispiel der Tarifverhandlungen zwischen der Deutschen Bahn AG und der GDL vor, welches als Grundlage für die theoretische Analyse dient.
II. Konfliktanalyse: Dieses Kapitel untersucht die Entstehung und den Verlauf von Konflikten, indem es zwischen Konfliktursachen, latenten und manifesten Konflikten unterscheidet und theoretische Modelle wie die Duality of Structure von Giddens sowie das Eskalationsstufenmodell von Glasl anwendet.
III. Konfliktlösung: Der Fokus liegt hier auf der kritischen Betrachtung von Kompromissfindungen und kurativen Konfliktmanagementmaßnahmen, wobei insbesondere die Rolle machtvoller Dritter und die Bedeutung langfristiger Zielsetzungen beleuchtet werden.
IV. Schlussfolgerung: Das Fazit fasst die Notwendigkeit eines Methodenmixes zusammen und unterstreicht, dass ein erfolgreiches Konfliktmanagement sowohl kurzfristige Deeskalation als auch die nachhaltige Berücksichtigung zukünftiger Auswirkungen in den Blick nehmen muss.
Schlüsselwörter
Konflikteskalation, Konfliktmanagement, Tarifverhandlungen, Strukturationstheorie, Glasl-Modell, Interpersoneller Konflikt, Deeskalation, Mediation, Soziale Kompetenz, Handlungsfolgen, Konfliktanalyse, Verhandlung, Tarifparteien
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Mechanismen von Konflikteskalationen und untersucht, wie Konflikte im beruflichen Kontext, insbesondere bei Tarifverhandlungen, effektiv gemanagt und deeskaliert werden können.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder sind die Ursachenfindung von Konflikten, die Dynamik von Eskalationsstufen, die psychologischen Faktoren der Verhandlungsführung sowie die Rolle von Interventionen durch Dritte.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, theoretische Konfliktmodelle auf ein konkretes Praxisbeispiel anzuwenden, um aufzuzeigen, wie ein funktionales Konfliktmanagement Eskalationen verhindern oder beilegen kann.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretisch fundierte Fallanalyse, bei der soziologische und managementtheoretische Ansätze, insbesondere die Strukturationstheorie von Giddens und das Eskalationsmodell von Glasl, auf ein reales Wirtschaftsbeispiel angewendet werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Konfliktanalyse (Situationen, Ursachen, Prozess) und anschließend verschiedene Lösungsansätze für Konflikte sowie Möglichkeiten des Managements dieser Prozesse detailliert diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Konflikteskalation, Konfliktmanagement, Strukturationstheorie, Mediation und Tarifverhandlungen charakterisiert.
Warum ist das gewählte Beispiel der Deutschen Bahn für die Analyse relevant?
Das Beispiel der Tarifverhandlungen verdeutlicht besonders prägnant Merkmale wie Intergruppenkonflikte, persönliche Anfeindungen zwischen Verhandlungsführern und eine unweigerliche Eskalationsdynamik.
Welche Rolle spielt die Strukturationstheorie bei der Konfliktlösung?
Die Theorie hilft zu verstehen, dass Akteure durch ihr Handeln Strukturen (Regeln und Ressourcen) schaffen, die wiederum ihr weiteres Verhalten beeinflussen, was den "Teufelskreis" der Eskalation erklärt und Ansatzpunkte für ein Umdenken bietet.
- Quote paper
- Philipp Klösel (Author), 2008, Konflikteskalation , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/130285