Die Darstellung der Frau und ihre soziale Rolle bei Carlo Goldoni

Im soziokulturellen Kontext des 18. Jahrhundert


Hausarbeit, 2008
35 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die Frau im 18. Jahrhundert – Ein soziokultureller Kontext
1.1 Die Rolle der Frau im Jahrhundert der Aufklärung
1.1.1 „Eine gescheite Frau hat Millionen geborener Feinde – alle dummen Männer.“
1.1.2 „Die Frau ist dazu geschaffen, dem Mann nachzugeben und selbst seine Ungerechtigkeit zu ertragen.“
1.2 Die Frau als Schauspielerin
1.3 Die Republik Venedig zur Zeit Goldonis

2. Goldonis Beziehung zum weiblichen Geschlecht

3. Die Darstellung der Frau in Goldonis Komödien
3.1 La Donna di garbo – das neue Frauenbild
3.2 La Castalda – La Serva padrona
3.3 Von der Cameriera brillante zur Locandiera
3.4 Goldoni als Frauenfreund?

Schlusswort
Bibliographie
Primärliteratur
Sekundärliteratur

Einleitung

Seit dem Mittelalter werden weibliche Figuren in literarischen Texten engelhaft überhöht, die Jungfrau Maria ist das Idealbild der tugendhaften Frau. Auf der anderen Seite ist die Frau als lasterhaft und wenig intelligent verschrien, als Eva ist sie Trägerin der Erbsünde. Mit dem Humanismus bekamen auch reale Frauen langsam die Möglichkeit am intellektuellen Leben teilzuhaben. Literarisches Vorbild war die Donna di Palazzo, wie sie Castiglione in seinem dritten Buch des Libro del Cortegiano beschreibt. Im 16. Jahrhundert verbreiteten sich Erziehungsschriften für das weibliche Geschlecht rasant. Neben Francesco Barbaros, war besonders das Modell des konservativen Spaniers Juan Luis Vives’ prägend, gemäß dem die Frau wieder aus dem öffentlichen Leben verbannt wurde. Die einzige Bildung, die ihr zugestanden wurde, war das Bibelstudium. Als Italien Ende des 17. Jahrhunderts dann mehr und mehr unter den Einfluss Frankreichs geriet, übernahm man auch die Kultur der Salons. In den Salons und durch Akademien konnten hochadelige Frauen als Patroninnen auftreten und hatten somit Zugang zu gelehrten Kreisen.[1] Wissenschaftliche Literatur per le dame überflutete geradezu den Markt.[2] Weil die Frauen sich in den Salons aber frei ausleben konnten, wurden diese beizeiten mit Vorwürfen der Lasterhaftigkeit und erotischer Dekadenz konfrontiert.[3]

Mit dem Hintergrund der Gedanken der Aufklärung ist es mein Ziel zu untersuchen, wie die Frau im 18. Jahrhundert gesehen wurde und welche Position Goldoni in diesem Kontext einnahm. Um darzulegen, welche Rolle die Frau in seinen Komödien und im Zuge seiner Theaterreform spielte, werde ich des Weiteren kurz auf seine persönlichen Beziehungen und die soziokulturelle Situation der Stadt Venedig eingehen.

1. Die Frau im 18. Jahrhundert – Ein soziokultureller Kontext

Die Weltanschauung des 18. Jahrhunderts wurde wesentlich geprägt durch das Gedankengut der Aufklärung. Durch geographische Nähe zum aufgeklärten Frankreich und den Besuch der Grand-Tour-Absolventen fanden die Ansichten dieser geistigen Strömung auch in Norditalien rege Verbreitung. Mit der Aufklärung, die in England und Frankreich früher und umfassender einsetzte, rückten Vorstellungen von Freiheit und Gleichheit immer mehr ins Zentrum der politischen Diskussion.[4]

1.1 Die Rolle der Frau im Jahrhundert der Aufklärung

1.1.1 „Eine gescheite Frau hat Millionen geborener Feinde – alle dummen Männer.“

Zu Beginn der Aufklärung, die eng mit der französischen Revolution verknüpft war, erreichte der emanzipatorische Vorgang der allgemeinen, folglich auch der weiblichen Gleichheit seinen Höhepunkt.[5][6] Kant definierte Aufklärung als den:

„Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Muthes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! [Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!] ist also der Wahlspruch der Aufklärung.“[7]

Die neue aufklärerische Philosophie stützte sich auf die Fähigkeit eines autonom gedachten Verstandes. Die Vernunft hat kein Geschlecht, wird sogar von Descartes den Frauen zugesprochen.[8] Schon 1673 protestierte Poullain de la Barre gegen jegliche Einschränkung von Frauen und sprach sich für die ‚Gleichheit der Geschlechter’ aus.[9]

Abgesehen von biologischen Unterschieden glaubte man nicht, dass ein qualitativer Gegensatz zwischen den Geschlechtern bestand. Somit dachte man zum ersten Mal daran Frau und Mann einander geistig gleichzustellen. Da dies in erster Linie ein Problem der Kompensation darstellte, gab es zahlreiche Versuche, mithilfe spezieller Frauenliteratur den weiblichen Wissensstand zu erweitern.[10] Aber kann man von einer frauenfreundlichen Epoche sprechen, nur weil den Frauen ein kleiner Platz in der Literatur und der Bildung, folglich Eintritt in eine männliche Domäne gewahrt wurde?[11]

„Soweit man auch in der Zeit zurückblickt: immer ist die Frau dem Mann Dienerin oder Heilige gewesen. Zuweilen beides zugleich. Niemals aber war sie ihm eine gleichberechtigte Partnerin.“[12] Dass die Frauen für sich Gelehrsamkeit erstrebten, muss auf die Männer wie eine Bedrohung gewirkt haben, hieß es doch im Folgenden, dass ein hohes Maß an Intelligenz bei Frauen mit dem Verlust ihrer geschlechtsspezifischen Attraktivität einher ging.[13] Dennoch wurde die Frau sowohl durch die neue (weibliche) Gelehrsamkeit, als auch durch die aufgeklärten Grundsätze im Allgemeinen zumindest vom negativen Bild des Hexenhaften und Dämonischen befreit.[14]

In der frühen Aufklärung ging es vor allem darum, die Gleichheit von Mann und Frau hinsichtlich ihres Verstandes zu beweisen. Die Spätaufklärung hingegen, beschäftigte sich mit den natürlichen Unterschieden der Geschlechter, wodurch „geschlechtspezifisch unterschiedliche soziale Rollen und gesellschaftliche Positionen entstanden bzw. legitimierbar“ wurden.[15]

1.1.2 „Die Frau ist dazu geschaffen, dem Mann nachzugeben und selbst seine Ungerechtigkeit zu ertragen.“

In der Mitte des 18. Jahrhunderts wurde durch die Schriften Rousseaus und der englischen Sensualisten der Typ der empfindsamen Frau propagiert. Man sprach ihr eine natürliche Tugend und ein sanftes Gemüt zu.[16][17] Da das rationalistische Aufklärungsprogramm aber die vermeintlich kulturelle Unschuld des weiblichen Geschlechts gefährdete, wird der Frau der Zugang zur Gelehrsamkeit sofort wieder abgesprochen.[18] In der Aufklärung wurden Frauen immer wieder zum moralischen Geschlecht figuriert. Demgemäß verkörpern sie in der Jugend Unschuld (=Keuschheit) und im reiferen Alter Tugend.[19]

Die Reflexion über Geschlechterbeziehungen und -ordnung durchzieht sämtliche Diskurse der Aufklärung, denn im Zentrum der Diskussionen standen der Mensch, seine ‚Natur’ und somit auch seine Zweigeschlechtlichkeit.[20]

Montesquieu plädierte für eine gemischte Geselligkeit, hat aber nicht wenig zur Idee der Gefährlichkeit weiblicher politischer Einflussnahme beigetragen, die eine lange Tradition hatte.[21] In Montesquieus Perserbriefen, einem Briefroman von 1721, wird im 23. Schreiben über die italienische Stadt Livorno berichtet:

„Die Frauen leben dort in großer Freizügigkeit, sie dürfen die Männer durch Fensteröffnungen hindurch sehen, die man Jalousien nennt, sie dürfen Tag für Tag mit irgendwelchen alten Frauen ausgehen, die sie begleiten, und sie tragen nur einen Schleier. Ihre Schwäger, ihre Onkel, ihre Neffen können sie sehen, ohne dass ihr Ehemann in der Regel daran Anstoß nähme.“[22]

Montesquieus Frauenbild knüpft trotz seiner ‚aufgeklärten’ Argumentationsweise an die alte Tradition misogyner Frauenbilder an. Der europäisch aufgeklärte Mann wurde verherrlicht, aber eine weibliche Aufklärung im Sinn von individueller Willensentscheidung durch das Heraustreten aus der Unmündigkeit nicht befürwortet.[23] „Es war die Idee von der ‚Natur der Frau’ und insbesondere deren daraus resultierende ‚natürliche Berufung’ zur Mutterschaft, die eine tatsächliche Umsetzung des aufklärerischen Gleichheitsanspruchs von Frauen in der bürgerlichen Gesellschaft verhindert hat.“[24]

Die Position und Funktion des Vaters ist schon von alters her eng mit dem Begriff der Herrschaft verbunden.[25] Traditionell ist der Vater die Ikone des Konservativismus und verkörpert die anti-modernistische Sicht der Gesellschaft.[26] In der Aufklärung findet nun aber auch die väterliche Liebe, gekennzeichnet durch Fürsorge und Schutz, Eingang in die Gedanken.[27] „So weit wir auch in der Geschichte der abendländischen Familie zurückgehen mögen, stets treffen wir auf die väterliche Gewalt, die mit der Autorität des Ehemanns Hand in Hand geht.“[28] Mit und durch die Aufklärung wuchs bis zum Ende des 18. Jahrhunderts die Verantwortung der Mutter, der Staat übernamm die Autoritätsrolle, die den Vater gleichsam entmachtet.[29] Der Blickpunkt änderte sich und statt der väterlichen Macht war nun die mütterliche Liebe vorrangig Thema. Ihr allein wurde die Fürsorge und Zuständigkeit für das Kind übertragen.[30] Die Familie entsprach einer emotional bestimmten Gemeinschaft, in der Häuslichkeit und Liebe einen intimen Bereich schufen, den der Hausherr ökonomisch absichern musste, den aber die Frau - als Hausfrau, Mutter und Ehefrau - zu pflegen hatte.[31]

In seinem Erziehungsroman Emile ersann Jean-Jaques Rousseau „eine Geschlechterordnung, die auf dem völligen Rückzug der Frau aus der (politischen) Öffentlichkeit und deren Einschluss im Haus aufbaute […]“[32], diese steht in einem Widerspruch zur aufklärerischen Selbstsicht und Identitätsbildung. Obwohl den Frauen politische Einflussmöglichkeiten abgesprochen wurden, erhielten sie doch gleichzeitig eine neue Macht, die aus ihrer Verantwortung im Haushalt und der Kindererziehung resultierte.[33]

Von Montesquieu übernahm Rousseau die Vorstellung, dass Frauen in einer Demokratie keine Bürger sein können und aus der politischen Öffentlichkeit ausgeschlossen werden müssen. Distanzierend hingegen, wendete er sich gegen die Salonkultur und die damit verbundene institutionalisierte Vermischung der Geschlechter.[34]

Rousseau verpflichtete die Frau zur Mutter und somit zur natürlichen Erzieherin, sprach ihr in diesem Rahmen eine gewisse Denkfähigkeit zu, allerdings ohne ihr staatsbürgerliche Freiheit zu gewähren.[35] „Als Bestimmung des weiblichen Geschlechts galt es bekanntlich, Hausfrau, Gattin und Mutter zu werden. Darin, und nur darin, sah man den Daseinszweck von Frauen erfüllt.“[36] Die Fähigkeit Kinder zu gebären erhielt eine gewichtige Bedeutung, denn Gebären, Stillen und Erziehen sei ihre, ihr von der Natur gegebene Aufgabe. Außerhäusliche Interessen und Aktivitäten ständen ihr dabei nur im Wege.[37] Die Idealisierung der Mutterschaft ging einher mit der Kritik an unwilligen Müttern, den in der Oberschicht verbreiteten Säugammen und Erzieherinnen und führte zur Verbreitung von aufklärerischer Erziehungsliteratur.[38] Mädchen- und Frauenbildung wurde in der Spätaufklärung eine zentrale kulturpolitische Forderung, setzte aber ein lesekundiges weibliches Publikum voraus und ging damit einher, dass die Frauen eine gewisse Bestätigung als denkende Wesen erhielten.[39] Ihre Verantwortung als Erzieherinnen der Söhne und kommenden Männer unterstrich die gesellschaftliche Nützlichkeit der Frauen, wobei die Einschränkung der persönlichen Lebensführung und Rechtsposition in Kauf genommen wurde.[40]

Durch die steigende Bedeutung der Familie stieg auch die Bedeutung imaginierter Weiblichkeit. Die Frau stand für bürgerliche, private Harmonie und heimische Idylle, an der sich der Mann nach vollbrachter Tagesarbeit erfreuen wollte.[41]

1.2 Die Frau als Schauspielerin

Im Italien des ausgehenden 16. Jahrhunderts eroberte die Frau in den Commedia dell’Arte-Truppen die Bühne, was die Professionalisierung der Schauspielkunst vorantrieb.[42] Der Beruf des Schauspielers war bis dahin von der Kirche unakzeptiert und gering geachtet, zwischen Frau und Mann wurde kaum unterschieden. Somit bot er den Frauen erstmals die Möglichkeit (beruflich) aufzusteigen. Auf der Bühne wird also die Emanzipation der Frau zum ersten Mal sichtbar. In der Truppe selbst herrscht eine auffällige Gleichheit zwischen den Geschlechtern. „Die jeweilige Aufgabenverteilung vollzieht sich weniger nach dem traditionellen Rollenverständnis als vielmehr nach der individuellen Befähigung der einzelnen Mitglieder.“[43] Schon mit der Renaissance erwachte ein neues Realitätsverständnis. So ist man auch auf der Bühne bestrebt die gesellschaftliche Wirklichkeit darzustellen. Für das Theater bedeutete dies, dass auf den Kastraten zunehmend verzichtet wurde und die Innamorata, nun von einer echten Frau dargestellt, ihr Gesicht nicht mehr hinter einer Maske verbergen musste.[44] Ihr zur Seite gestellt wurde die Serva, auch sie sprach schon im frühen Improvisationstheater die italienische Hochsprache und trug keine Maske. Als weibliches Gegenstück zum dialektsprechenden Arlecchino war sie ihm auch an Intellekt überlegen, wenngleich sie es mit der Moral nicht immer ganz genau nahm. Doch gerade an der Dienerin zeigte sich, wie stark sich die einzelnen Figuren, nicht zuletzt im Zuge der goldonianischen Theaterreform, veränderten.[45] Die durchtriebene grobschlächtige Magd, die auch von Männern dargestellt werden konnte, entwickelte sich im Laufe des 18. Jahrhunderts zur selbstbewussten Zofe, die nicht immer eindeutig von ihrer Herrschaft zu unterscheiden war.[46] „Die mit Raffinesse entwickelten Frauenrollen, die einem aristokratischen Bildungsideal entsprachen, hatten sich als Kontrapunkt zu den grotesk-komischen, oft bewusst vulgären Masken gesellt.“[47] Die bürgerliche Moral, Gefühl, Wirklichkeitsnähe und vor allem die Inhalte wurden im aufgeklärten Settecento stärker betont. Dadurch wurde die Funktion des Autors immer wichtiger, der Schauspieler geradezu entthront.[48]

Die Frau hat im 18. Jahrhundert auf der Bühne eine erotische Sonderstellung. Besonders das Theater der französischen Revolutionszeit war weithin sichtbar ein Ort des moralischen Verfalls und unterschied sich kaum von einem Freudenhaus.[49] Da die Frauen Rousseaus Meinung nach in ihrer erotischen Anziehungskraft über dem Mann stehen, läge es in ihrer Natur zu versuchen diese Macht auszunutzen.[50] Gemäß Rousseau wird die Sprache der Frau, die darauf abzielt zu schmeicheln, mit ihrer natürlichen Eigenschaft der List gleichgesetzt. Frauen haben die gleichen Begierden wie Männer, nur nicht das gleiche Recht sie zu äußern. Der Mund muss aus Scham immer ‚Nein’ sagen, also muss ihre Körpersprache gelesen werden. Die Verstellung wird zur Natur der Frau.[51]

In der Aufklärung suchte man die Verstellung zu demaskieren und die Entlarvten wurden Gegenstand der Kritik. Der Drang zu gefallen und erfolgreich zu sein wurde verurteilt, wichtiger war es etwas Neues, Aufklärendes oder Anklagendes zu sagen.[52] Besonders Rousseau polemisierte gegen das Theater und vor allem gegen die Schauspielerin.[53] Die natürlichen Tugenden der Frau seien Bescheidenheit, Schweigsamkeit und Schamhaftigkeit, ihr Wirkungsraum Heim und Herd. Über das Theater aber, mache sich die Frau über den Mann erhaben, dem sie eigentlich ihr Wissen verdanke, die Mutter wird zur Mätresse und „lerne aus dem Munde sittenloser, geldgieriger und verschwenderischer Komödianten die falschen Werte des Luxus und Müßiggangs, vor allem aber gebieterisches Auftreten in der Welt […]“[54] Gekünsteltes Verhalten wirkte kokettierend und lockend, bedingte Eitelkeit, Stolz und Wollüstigkeit.[55] Naivität, als positiver weiblicher Charakterzug, entsteht in einer unverstellt-aufrichtigen Seele, die nicht gesellschaftlichen, sondern natürlichen Gesetzen gehorcht.[56] Soll die Naivität der Weiblichkeit erhalten bleiben, muss sie der Kultur und der Gesellschaft fern bleiben. „Die Kunst des Komödianten ist Verstellung, Vortäuschung und Lüge, das sklavische Feilbieten einer käuflichen Person, sein Wesen geprägt von Falschheit, Verschlagenheit, Niedrigkeit. […] Vollends aber entfernt ihn die unvermeidliche Sittenlosigkeit der Schauspielerinnen von Ehrbarkeit und Anstand“.[57]

„Wollt Ihr die Männer kennenlernen? Studiert die Frauen. Dieser Grundsatz ist allgemeingültig […] Aber […] es gibt für die Frauen keine guten Sitten außerhalb eines zurückgezogenen und häuslichen Lebens; […] die friedliche Sorge um Familie und Hauswesen ist der ihnen bestimmte Anteil; die Würde ihres Geschlechts ist Bescheidenheit; Schamgefühl und Anstand sind bei ihnen untrennbar; die Blicke der Männer suchen heißt schon, / sich davon verderben zu lassen, und jede Frau, die sich zeigt, entehrt sich […] Der Mann kann kühn sein, das ist seine Bestimmung […] Aber jede Frau ohne Scham ist schuldig, weil sie ein für ihr Geschlecht natürliches Gefühl mit Füßen tritt. […] Wenn sie einen Gatten hat, was sucht sie dann unter Männern […] Man fühlt, dass sie in der Öffentlichkeit nicht am Platze ist […] Diese jungen, tollkühnen Personen, erzogen allein durch ein System der Koketterie und die Rollen der Liebenden, in sehr wenig bescheidenem Schmuck […]“[58]

[...]


[1] Beate Ceranski: „Wunderkinder, Vermittlerinnen und eine einsamer Marsch durch die akademischen Institutionen: Zur wissenschaftlichen Aktivität von Frauen in der Aufklärung“ S. 287-308, in: Opitz/Weckel/Kleinau 2000, S. 290.

[2] Etwa: Francesco Algarotti Il Neutonianismo per le dame (1737): vgl.: Hösle 1993, S. 199.

[3] Zur Stellung der Frau (in der Renaissance) vgl. u. a.: Heißler, Sabine/ Blastenbrei, Peter: Frauen der italienischen Renaissance: Heilige – Kriegerinnen – Opfer, Pfaffenweiler (Centaurus) 1990; King, Margaret L.: Frauen in der Renaissance, übers. v. Holger Fliessbach, München (dtv) 1998; Osols-Wheden, Irmgard von (Hrsg): Frauen der italienischen Renaissance. Dichterinnen, Malerinnen, Mäzeninnen, Darmstadt (Primus) 1999; Sachs, Hannelore: Die Frau in der Renaissance, Leipzig 1970; Bonnet, Anne-Marie/ Schellewald, Barbara (Hrsg.): Frauen in der Frühen Neuzeit. Lebensentwürfe in Kunst und Literatur, Köln (Böhlau) 2004; Tiller, Elisabeth: Frau im Spiegel: Die Selben und die Andere zwischen Welt und Text. Von Herren, Fremden und Frauen, ein 16. Jahrhundert, in 2 Teilen, (zugl.: Diss. Univ. Tübingen, 1994) Frankfurt a.M. (Peter Lang) 1996.

[4] Witter 1990, S. 186.

[5] Marie Ebner-Eschenbach: Aphorismen, in: Bovenschen 1979, S. 80.

[6] Vgl.: Hans Meyer: Außenseiter in: Bovenschen 1979, S. 70; vgl.: Opitz 2002, S. 7, 14.

[7] Kant: Essay: Was ist Aufklärung in: Wolfram Malte Fues: „Das Geschlecht der Vernunft. ‚Raison’ und ‚Esprit’ im Denken der Aufklärung“ S.173-193, in: Opitz/Weckel/Kleinau 2000, S. 173.

[8] Wolfram Malte Fues: „Das Geschlecht der Vernunft. ‚Raison’ und ‚Esprit’ im Denken der Aufklärung“ S.173-193, in: Opitz/Weckel/Kleinau 2000, S. 174, 176.

[9] Opitz 2002, S. 72.

[10] Bovenschen 1979, S. 119

[11] Vgl.: Bovenschen 1979, S. 76.

[12] Karl Scheffler: Die Frau und die Kunst in: Bovenschen 1979, S. 30.

[13] Bovenschen 1979, S. 81.

[14] Ebd., S. 121.

[15] Opitz 2002, S. 39, 92; vgl.: Opitz/Weckel/Kleinau 2000, S. 1.

[16] Rousseau: Emile, in: Bovenschen 1979, S. 165.

[17] Bovenschen 1979, S. 158f.

[18] Bovenschen 1979, S. 159; vgl.: Opitz 2002, S. 72.

[19] Maya Widmer: „Die ‚Unschuld’ im Geschlechterdiskurs der Aufklärung“, S. 33-44, in: Opitz/Weckel/Kleinau 2000, S. 33, 35.

[20] Opitz 2002, S. 8.

[21] Opitz 2002, S. 72.

[22] In Opitz 2002, S. 82, s. a. 94.

[23] Opitz 2002, S. 90f.

[24] Opitz 2002, S. 39f; vgl.: Opitz/Weckel/Kleinau 2000, S. 1, Badinter 1981, S 74.

[25] Opitz 2002, S. 11, 24ff.

[26] Ebd., S. 21.

[27] Ebd., S. 32, 34, 36.

[28] Zitat aus Elisabeth Badinter: Die Mutterliebe. Geschichte eines Gefühls vom 17. Jahrhundert bis heute, in: Opitz 2002, S. 22.

[29] Opitz 2002, S. 22, 50.

[30] Ebd., S. 23.

[31] Ebd., S. 34.

[32] Opitz 2002, S. 12f; zu Rousseau vgl.: Bovenschen 1979, S.164ff.

[33] Opitz 2002, S. 12f.

[34] Ebd., S. 116f.

[35] Witter 1990, S. 186.

[36] Pia Schmid. „’O, wie süss lohnt das Muttergfeühl!’ Die Bestimmung zur Mutter in Almanachen für das weibliche Publikum um 1800“, S. 107-125, in: Opitz/Weckel/Kleinau 2000, S. 107.

[37] Opitz 2002, S. 41, 109.

[38] Ebd., S. 44.

[39] Ebd., S. 49.

[40] Opitz 2002, S. 48; vgl.: Opitz/Weckel/Kleinau 2000, S. 5.

[41] Bovenschen 1979, S. 178ff.

[42] Möhrmann 2000, S. 12f.

[43] Ebd., S. 17.

[44] Ebd., S. 18.

[45] Kristine Hecker: „Die Frauen in den frühen Commedia dell’Arte-Truppen“ S. 33-67, in: Möhrmann 2000, S. 42; vgl.: Riccò 1994, S. 39f.

[46] K. Hecker: „Die Frauen in den frühen Commedia dell’Arte-Truppen“ S. 33-67, in: Möhrmann 2000, S. 42f.

[47] K. Hecker: „Die Frauen in den frühen Commedia dell’Arte-Truppen“ S. 33-67, in: Möhrmann 2000, S. 53, s. a. S. 48; vgl.: Hafner 1994, S. 70.

[48] K. Hecker: „Die Frauen in den frühen Commedia dell’Arte-Truppen“ S. 33-67, in: Möhrmann 2000, S. 65.

[49] Goldschmit 1922, S. 65.

[50] Bovenschen 1979, S. 178; vgl.: Opitz 2002, S. 120.

[51] Maya Widmer: „Die ‚Unschuld’ im Geschlechterdiskurs der Aufklärung“, S. 33-44, in: Opitz/Weckel/Kleinau 2000, S. 38f.

[52] Geitner 1992, S. 211.

[53] Renate Baader: „Sklavin – Sirene – Königin: Die unzeitgemäße Moderne im vorrevolutionären Frankreich“ S. 68-99, in: Möhrmann 2000, S. 80; vgl.: Geitner 1992, S. 209.

[54] R. Baader: „Sklavin – Sirene – Königin: Die unzeitgemäße Moderne im vorrevolutionären Frankreich“ S. 68-99, in: Möhrmann 2000, S. 81.

[55] M. Widmer: „Die ‚Unschuld’ im Geschlechterdiskurs der Aufklärung“, S. 33-44, in: Opitz/Weckel/Kleinau 2000, S. 36.

[56] Geitner 1992, S. 285.

[57] R. Baader: „Sklavin – Sirene – Königin: Die unzeitgemäße Moderne im vorrevolutionären Frankreich“ S. 68-99, in: Möhrmann 2000, S. 81.

[58] Lettre à M. D’Alembert sur les spectacles, hg. v. M. Fuchs, in: Renate Baader: „Sklavin – Sirene – Königin: Die unzeitgemäße Moderne im vorrevolutionären Frankreich“ S. 68-99, in: Möhrmann 2000, S. 81f.

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Details

Titel
Die Darstellung der Frau und ihre soziale Rolle bei Carlo Goldoni
Untertitel
Im soziokulturellen Kontext des 18. Jahrhundert
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaften)
Veranstaltung
Hauptseminar "Die Komödien des Carlo Goldoni"
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
35
Katalognummer
V130287
ISBN (eBook)
9783640355976
ISBN (Buch)
9783640356331
Dateigröße
597 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Darstellung, Frau, Rolle, Carlo, Goldoni, Kontext, Jahrhundert
Arbeit zitieren
Josephine Klingebeil (Autor), 2008, Die Darstellung der Frau und ihre soziale Rolle bei Carlo Goldoni, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/130287

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