Diese Arbeit widmet sich der Fragestellung, wie sich Behinderung in Schulbüchern der Regelschule darstellt und ob diese überhaupt präsent ist. Dazu wird ein Schulbuch aus dem Ethik-Unterricht der Sekundarstufe I unterucht, das in der 9./10. Klasse zum Einsatz kommt.
Schulbücher bilden dabei die Basis des Unterrichts und müssen in der Inklusionsdebatte im Bildungssystem genau betrachtet und ggf. neu überarbeitet und überdacht werden. Das wichtige gesellschaftliche Thema der Inklusion in der Schule wird seit der Ratifizierung der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen kontrovers diskutiert. Die Institution Schule fordert eine Gleichbehandlung aller Schüler*innen, wofür nicht nur die Einstellung und Sensibilisierung der Lehrkräfte vonnöten ist, sondern ebenso eine "Umstrukturierung des hochdifferenzierten Förderschulsystems […] [und] des Regelschulsystems […]: Im Sinne einer inklusiven Unterrichtung wird besonders die Integrationsfunktion von Schule betont […]." Ich möchte mich neben der Darstellung der gesetzlichen Lage in der EU und Deutschland, ebenso mit den Kerncurricula des Faches Ethik der Bundesländer Hessen und Bayern beschäftigen, mit dem Fokus, wie und ob Behinderung, Inklusion oder Disability zur Sprache kommen, um mich abschließend der Schulbuchanalyse zu widmen. Dabei soll Behinderung im Sinne Anne Waldschmidts begriffen werden, als soziale, historische und kulturelle Konstruktion.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Behinderung in der Gesellschaft
2.1 Behinderung neu erfasst - Disability Studies
2.2 Menschrechte und rechtsverbindliche Gesetze für Menschen mit Behinderung
3. Inklusion in der Schule
3.1 Inklusion in Hessen und Bayern
4. Behinderung und Schulbuch
4.1 Schulbuchanalyse: Ethikbuch der Jahrgangsstufe 9/10
5. Schlussfolgerung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit Behinderung in Schulbüchern der Regelschule thematisiert oder visuell repräsentiert wird, und hinterfragt dabei die Rolle des Ethikunterrichts bei der Vermittlung eines inklusiven Gesellschaftsbildes.
- Analyse der gesetzlichen Rahmenbedingungen und der Inklusionsthematik in Hessen und Bayern
- Theoretische Auseinandersetzung mit Behindertenkonventionen und Disability Studies
- Empirische Schulbuchanalyse eines Ethikbuches für die Sekundarstufe I
- Kritische Reflexion der "Normalisierungs"-Prozesse in Bildungsmaterialien
- Diskussion über die Verantwortung zukünftiger Lehrkräfte im Umgang mit Diversität
Auszug aus dem Buch
4. Behinderung und Schulbuch
Behinderung dient als binärer Begriff dazu, die Menschen in zwei Gruppen einzuteilen: Menschen mit und Menschen ohne Behinderung. Als Gruppenmerkmal wird hier also das Kriterium der Behinderung bzw. das Nichtvorhandensein verwendet und demonstriert uns durch diese negativ konnotierte Stigmatisierung den gesellschaftlichen Umgang und die Wertschätzung mit Menschen mit Behinderung. Es ist die Gesellschaft, vielmehr die als gesellschaftlich geltende Norm, die definiert, wer eine Behinderung im Sinne einer Beeinträchtigung hat und somit als „behindert“ gilt.
Vielleicht liegt es auch daran, dass die Gesellschaft zu wenig mit Behinderung im Alltag, in den Medien in Kontakt gerät und wenn, nur in Form von Stereotypen geschieht. „Entweder als Sorgenkinder, Opfer – oder in der Heldenrolle. Es gibt den paralympischen Helden, der Sportler des Jahres wird, oder das Opfer, das von der Krankenkasse im Stich gelassen wurde. Aber es gibt nichts dazwischen.“ (Aguayo-Krauthausen 2011) Gerade deshalb ist es so wichtig, was die Medien und die Institution Schule und die Schulbücher für ein Bild über Menschen mit Behinderung transportieren.
Die französische Gleichheitsbehörde Haute Autorité de Lutte contre les Discriminations et pour l'Egalité (HALDE) untersuchte 2008 die Darstellung von Behinderung in französischen Schulbüchern und entdeckte diese nur als Thematisierung von Krankheiten. In den 29 untersuchten Schulbüchern wurden auf 3097 Abbildungen nur 71 mit Handicap dargestellt und diese fast ausschließlich ältere Menschen waren, die aufgrund einer altersbedingten Krankheit in ihrer Mobilität eingeschränkt sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung bildet den persönlichen Ausgangspunkt der Autorin und benennt die Forschungsfrage, ob und wie Behinderung in Schulbüchern der Regelschule repräsentiert ist.
2. Behinderung in der Gesellschaft: Dieses Kapitel definiert zentrale Begriffe und diskutiert den Paradigmenwechsel vom medizinischen Modell hin zu einem sozialen Verständnis von Behinderung im Sinne der Disability Studies.
3. Inklusion in der Schule: Es wird die bildungspolitische Implikation von Inklusion beleuchtet und anhand der Regelungen in Hessen und Bayern kritisch auf das selektive Schulsystem eingegangen.
4. Behinderung und Schulbuch: Hier erfolgt die konkrete Analyse des Ethikbuchs "FAIR Play", wobei die visuelle und inhaltliche Abwesenheit von Menschen mit Behinderungen im Lehrmaterial aufgezeigt wird.
5. Schlussfolgerung: Das Fazit bestätigt die mangelnde Repräsentation von Behinderung und fordert für die Zukunft eine inklusivere Gestaltung von Curricula und Lehrmitteln, um Stereotype abzubauen.
Schlüsselwörter
Behinderung, Inklusion, Ethikunterricht, Schulbuchanalyse, Disability Studies, Diversität, Regelschule, gesellschaftliches Konstrukt, Bildungslandschaft, Stereotype, Behindertenrechtskonvention, Diskriminierung, Lehrpläne, Teilhabe, Chancengleichheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es grundsätzlich in der Arbeit?
Die Arbeit untersucht, wie Menschen mit Behinderung in Schulbüchern für Regelschulen dargestellt werden und ob diese Thematik im schulischen Fachunterricht, speziell Ethik, überhaupt präsent ist.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten gehören Inklusion in deutschen Schulen, die rechtliche Situation von Menschen mit Behinderung, theoretische Grundlagen der Disability Studies und die Analyse der Darstellung von Vielfalt in Lehrmitteln.
Was ist die Forschungsfrage?
Die zentrale Frage ist, wie sich Behinderung in Schulbüchern der Regelschule darstellt und ob diese Personengruppe in den untersuchten Werken überhaupt sichtbar gemacht wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie einer eigenen, qualitativen Schulbuchanalyse eines spezifischen Ethik-Schulbuchs für die Sekundarstufe I.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Begriffsklärung von Behinderung, die Einordnung in den gesellschaftlichen Kontext, die Untersuchung der Inklusionsvorgaben in Hessen und Bayern sowie die direkte Analyse eines Schulbuch-Exemplars.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Disablity Studies, Inklusion, Schulbuchforschung, gesellschaftliche Konstruktion von Behinderung und Diversität im Unterricht.
Welches konkrete Schulbuch untersucht die Autorin?
Die Autorin untersucht das Ethikbuch "FAIR Play" aus dem Jahr 2017, welches für die Jahrgangsstufen 9/10 in Hessen vorgesehen ist.
Zu welchem Ergebnis kommt die Schulbuchanalyse?
Das Ergebnis zeigt, dass Menschen mit Behinderung in dem untersuchten Schulbuch weder inhaltlich noch visuell thematisiert werden, was der Forderung nach Inklusion im Bildungswesen widerspricht.
- Quote paper
- Luisa Bellman (Author), 2021, Darstellung von Behinderung in Schulbüchern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1302876