Die Masterarbeit bildet eine Synthese aus verschiedenster Literatur zum Thema Integration von Menschen mit Migrationshintergrund in und durch Sportvereine. Sie widmet sich der Frage, welche integrativen Potenziale Jugendliche mit Migrationshintergrund dem Sportverein beimessen. Die abschließenden Erkenntnisse sind ein Ergebnis einer qualitativen Studie, die grundlegende theoretische Annahmen bestätigen oder widerlegen.
Das Sportvereinswesen mit seinen circa 30 Millionen Mitgliedern in über 90000 Vereinen kann bei dem Prozess der Integration dieser steigenden interkulturellen Gesellschaft eine durchaus entscheidende Rolle spielen und nimmt politisch, gesellschaftlich und wissenschaftlich eine bedeutende Rolle ein. Diese Ansicht vertreten zumindest Medien, Sportsoziologen, Politiker und auch der "Deutsche Olympische Sport-Bund", kurz DOSB, die immer mehr mit Slogans wie "Sport baut Brücken und spricht alle Sprachen", "Sport als gelebte Integration" oder "Fußball ist ein echter Integrationsmotor" versuchen, Migranten und Migrantinnen zu motivieren, in Sportinstitutionen wie Vereine einzutreten. Anspruch und Realität driften jedoch immer weiter auseinander.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 FORSCHUNGSSTAND
2.1 INTEGRATION IN DEN SPORT
2.2 INTEGRATION IM SPORT
2.3 INTEGRATION DURCH SPORT
2.4 FAZIT ZUM FORSCHUNGSSTAND UND BESTIMMUNG DES FORSCHUNGSDEFIZITS
3 AUFBAU DER ARBEIT
4 ALLGEMEINE INTEGRATIONSDEBATTE IN DEUTSCHLAND
4.1 DEUTSCHLAND ALS EINWANDERUNGSLAND
4.2 BEGRIFFSBESTIMMUNG MIGRATIONSHINTERGRUND
4.3 MIGRANTENMILIEUS
4.4 NATIO-ETHNO-KULTURELLE MEHRFACHZUGEHÖRIGKEIT
4.5 GRUNDZÜGE DES INTEGRATIONSVERSTÄNDNISSES
5 INTEGRATION UND SPORT
5.1 INTEGRATION IN DEN SPORT
5.2 INTEGRATION IM SPORT
5.3 INTEGRATION DURCH SPORT
6 ZUSAMMENFASSUNG UND FRAGESTELLUNG
7 UNTERSUCHUNGSKONZEPTION
7.1 STICHPROBE
7.2 UNTERSUCHUNGSMETHODE
7.3 DURCHFÜHRUNG DER UNTERSUCHUNG
7.3.1 Leitfadenkonstruktion und Pilotphase
7.3.2 Interviewdurchführung
7.4 AUSWERTUNG
8 UNTERSUCHUNGSERGEBNISSE
8.1 SPORT ALS HANDLUNGSFELD FÜR INTEGRATION
8.2 INTEGRATION IM SPORTVEREIN
8.2.1 Soziale Integration
8.2.1.1 Quantität und Qualität von Freundschaften
8.2.1.2 Einflussfaktoren bei der Entstehung von Freundschaften
8.2.1.3 Abbau von interkulturellen Differenzen
8.2.1.4 Zusammenfassende Diskussion
8.2.2 Kulturelle Integration
8.2.2.1 Kulturelle Identität
8.2.2.2 Sport spricht alle Sprachen
8.2.2.3 Akzeptieren und Anpassen an die Vereinskultur
8.2.2.4 Geschlechterrolle im Sport und Emanzipation
8.2.2.5 Interkulturelle Konflikte
8.2.2.6 Sportverein als Gegenwelt
8.2.2.7 Zusammenfassende Diskussion
8.2.3 Identifikatorische Integration
8.2.3.1 Identifikation
8.2.3.2 Zugehörigkeit
8.2.3.3 Zusammenfassende Diskussion
8.2.4 Sozialstrukturelle Integration
8.2.4.1 Bildung
8.2.4.2 Chancengleichheit
8.2.4.3 Position
8.2.4.4 Zusammenfassende Diskussion
8.3 INTEGRATION DURCH DEN SPORTVEREIN
8.3.1 Soziale Integration
8.3.1.1 Qualitative Freundschaften
8.3.1.2 Freundschaftsnetzwerke
8.3.1.3 Zusammenfassende Diskussion
8.3.2 Kulturelle Integration
8.3.2.1 Anpassung und Kennenlernen der deutschen Kultur
8.3.2.2 Verständnis der Deutschen für ausländische Kultur
8.3.2.3 Emanzipatorische Grundhaltung
8.3.2.4 Sprache
8.3.2.5 Zusammenfassende Diskussion
8.3.3 Identifikatorische Integration
8.3.3.1 Identifikation mit der deutschen Gesellschaft
8.3.3.2 Zugehörigkeitsgefühl zu der deutschen Gesellschaft
8.3.3.3 Zusammenfassende Diskussion
8.3.4 Sozialstrukturelle Integration
8.3.4.1 Bildung
8.3.4.2 Hilfe bei der Jobsuche und Arbeitsangebote
8.3.4.3 Vermittlerrolle
8.3.4.4 Zusammenfassende Diskussion
8.4 ZENTRALE INTEGRATIONSASPEKTE DES SPORTVEREINS
9 ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK
Zielsetzung & Themen
Die Masterarbeit untersucht das Potenzial von Sportvereinen als Integrationsmotor für Menschen mit Migrationshintergrund. Die zentrale Forschungsfrage lautet: „Welche integrativen Potenziale messen Jugendliche mit Migrationshintergrund dem Sportverein bei?“ Dabei liegt der Fokus insbesondere auf der Frage, ob der Sportverein tatsächlich zu einer erfolgreichen Integration in die Gesellschaft beiträgt. Die Untersuchung beleuchtet die Potenziale anhand von vier zentralen Dimensionen der Integration (soziale, kulturelle, identifikatorische und sozialstrukturelle Integration).
- Analyse des aktuellen Forschungsstandes zur Integration in, im und durch Sport
- Untersuchung von Integrationsbarrieren (z.B. sozioökonomische Faktoren und kulturelle Normen)
- Qualitative Erhebung mittels problemzentrierter Interviews mit jungen Migranten
- Differenzierung der Integrationsleistungen des Sportvereins in verschiedenen Handlungsfeldern
Auszug aus dem Buch
8.1 Sport als Handlungsfeld für Integration
Die Einschätzung der interviewten Menschen mit Migrationshintergrund zum Sport als Handlungsfeld für Integration ist durchweg positiv. Als erste positive Gründe werden die Entwicklung eines Zugehörigkeitsgefühls und das Knüpfen von Freundschaften genannt: „Ich finde eigentlich Sport sehr gut dafür, ich kenne das von mir, als ich hergekommen bin. Erstens habe ich mich sehr fremd gefühlt, als ich dann mit Sport angefangen habe und mehr Kontakte geknüpft habe und mehr mit den Menschen kommuniziert habe, hat sich das Gefühl von Zugehörigkeit mehr gestärkt. Also mehr Kontakte, ich habe mich nicht mehr so fremd, ausgeschlossen gefühlt“ (B_w20_2).
Diese beiden Punkte werden von einer anderen Person noch gut untermauert: „Ich denke, dass wenn man Mitglied bei einer Mannschaft oder einem Verein ist, dass sich die Möglichkeit ergibt, andere Leute kennen zu lernen und das Gefühl zu haben, dass man zu etwas gehört. Also in dem Sinne, meiner Meinung nach sind Mannschaften und Vereine oder Sport generell eine gute Möglichkeit sich zu integrieren“ (V_m27_2).
An diesen Zitaten kann man sehr gut erkennen, dass Sportvereine eine enorm wichtige Rolle bei der (ersten) Schließung von Kontakten spielen und Sport als ein Handlungsfeld gesehen wird, dem man sich auch ohne schon bestehende Integration in der Gesellschaft zugehörig fühlen kann. Weiterhin sehen die Menschen mit Migrationshintergrund in dem Handlungsfeld Sport den Vorteil, ohne Vorwissen der Sprache erfolgreich agieren zu können: „Ich denke, vor allem wenn man sich noch nicht gut mit der Kultur auskennt und die Sprache noch nicht besonders gut spricht, dann ist Sport super. Sport ist körperlich. Egal welche Sprache [...], ich finde, dass das ein Weg ist sich zu verbinden, auch jetzt gerade mit den Flüchtlingen. Ich mache auch Projekte mit denen und das ist echt super“ (D_w21_2).
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Einführung in die Relevanz der Thematik Integration von Menschen mit Migrationshintergrund in einer multikulturellen Gesellschaft und Darstellung der Rolle des Sportvereins.
2 FORSCHUNGSSTAND: Übersicht über aktuelle sportsoziologische Studien und theoretische Ansätze zur Integration, unterteilt in die Ebenen in, im und durch Sport.
3 AUFBAU DER ARBEIT: Kurzer Abriss über die Struktur der Untersuchung und die methodische Vorgehensweise.
4 ALLGEMEINE INTEGRATIONSDEBATTE IN DEUTSCHLAND: Erläuterung der Migrationsgeschichte, zentraler Begriffe wie Migrationshintergrund sowie Darstellung unterschiedlicher Migrantenmilieus.
5 INTEGRATION UND SPORT: Theoretische Herleitung der verschiedenen Integrationsebenen im Kontext des organisierten Sports.
6 ZUSAMMENFASSUNG UND FRAGESTELLUNG: Reflektion der theoretischen Ergebnisse und Formulierung der Forschungsfrage für den qualitativen Teil der Arbeit.
7 UNTERSUCHUNGSKONZEPTION: Beschreibung des Forschungsdesigns, der Auswahl der Stichprobe mittels qualitativer Interviews und der wissenschaftlichen Methodik.
8 UNTERSUCHUNGSERGEBNISSE: Detaillierte Darstellung und Auswertung der Interviewergebnisse in Bezug auf soziale, kulturelle, identifikatorische und sozialstrukturelle Aspekte.
9 ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK: Zusammenführende Diskussion der gewonnen Erkenntnisse und Reflexion der Potenziale des Sportvereins für zukünftige Entwicklungen.
Schlüsselwörter
Integration, Migration, Migrationshintergrund, Sportverein, Soziale Integration, Kulturelle Integration, Identifikatorische Integration, Sozialstrukturelle Integration, Qualitatives Forschungsdesign, Jugendliche, Vereinsleben, Sportsoziologie, Diskriminierung, Zugehörigkeitsgefühl, Freundschaftsnetzwerke
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Masterarbeit analysiert die integrativen Potenziale von Sportvereinen für Menschen mit Migrationshintergrund und untersucht die Erfahrungen und Wahrnehmungen von Jugendlichen/jungen Erwachsenen in diesem Kontext.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit behandelt die soziologischen Dimensionen sozialer, kultureller, identifikatorischer und sozialstruktureller Integration und wie diese durch sportliche Aktivität in Vereinen beeinflusst werden.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, das Forschungsdefizit zur tatsächlichen Wirkung von Sportvereinen auf Integrationsprozesse durch eine qualitative, explorative Untersuchung zu verkleinern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor führt eine qualitative empirische Untersuchung durch, basierend auf sechs problemzentrierten Interviews mit jungen Erwachsenen mit Migrationshintergrund.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung der Integrationsbegriffe und eine detaillierte Auswertung der selbst durchgeführten Interviews, kategorisiert nach den vier Integrationsdimensionen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Integration, Migration, Sportverein, Qualitative Forschung und Soziale Interaktion.
Welche Rolle spielt Sport für das Erlernen der deutschen Sprache?
Die Untersuchung macht deutlich, dass Sport einen informellen Rahmen bietet, in dem Sprache passiv und ohne hohen Erwartungsdruck gelernt werden kann, was den Spracherwerb entlastet.
Welchen Einfluss haben Trainer auf die Integration im Verein?
Die Arbeit zeigt, dass Trainer eine entscheidende Rolle für das Vereinsklima spielen und durch ihre Einstellung maßgeblich dazu beitragen können, Vorurteile abzubauen oder Integration zu fördern.
- Quote paper
- Matthias Runde (Author), 2016, Integration und Sport. Integrative Potenziale des Sportvereins für Menschen mit Migrationshintergrund, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1302981