Einleitung
Als ein Vertreter der "98er Generation" trug Ramón María del Valle- Inclán entscheidend zur Entwicklung des Modernismo, der sogenannten spanischen Variante des Symbolismus in der Lyrik bei1 und gehört zu den wichtigsten spanischen Schriftstellern des 20. Jahrhunderts. Sein literarisches Werk, das vor allem durch eine zutiefst antibürgerliche Haltung und Opposition gegen jede realistische Kunst gekennzeichnet ist 2, umfasst poetische Schriften, einen Roman und mehrere Dramen. In den zwanziger Jahren schrieb Valle-Inclán vorwiegend Theaterstücke, die meist zeitgenössische Probleme Spaniens thematisieren.
Das Drama Divinas Palabras, das erstmals 1920 erschien, ist von besonderer Bedeutung, da Valle-Inclán bereits hier eine betont ästhetisch fundierte Gestaltungstechnik entwirft3 die sich, wie Wittschier ausführt, als plastisches Medium zur kritischen Darstellung der Wirklichkeit erweist.4 Für seine Dramenästhetik sind vor allem farcenkomische und groteske Elemente kennzeichnend. In der vorliegenden Arbeit möchte ich kurz generell auf die Dramenästhetik des Schriftstellers eingehen und diese dann im einzelnen am Stück Divinas Palabras untersuchen. Ziel ist es, die farcenkomischen Elemente, ihre Funktion und Wirkungsweise im Stück herauszuarbeiten und in Bezug zur Dramenästhetik Valle-Incláns näher zu untersuchen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Divinas Palabras – Inhaltsangabe
3. Das Drama Valle –Incláns
3.1. Die Farce
3.2. Dramenästhetik Valle-Incláns
3.3. Farcenkomische Elemente und ihre Funktion in Divinas Palabras
4. Abschließende Überlegungen
5. Literaturverzeichnis
5.1. Primärliteratur
5.2. Sekundärliteratur
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Dramenästhetik von Ramón María del Valle-Inclán, wobei der Fokus auf den farcenkomischen und grotesken Elementen in seinem Werk Divinas Palabras liegt. Ziel ist es, die Wirkungsweise und Funktion dieser ästhetischen Mittel bei der Darstellung sozialer Konflikte herauszuarbeiten.
- Analyse der historischen und theoretischen Grundlagen der Farce.
- Untersuchung der Dramenästhetik von Valle-Inclán und deren theoretische Einordnung.
- Identifikation grotesker und farcenkomischer Elemente in Divinas Palabras.
- Untersuchung der Funktion von Absurdität und Karikatur zur Charakterisierung der Figuren als Marionetten.
Auszug aus dem Buch
3.3. Farcenkomische Elemente und ihre Funktion in Divinas Palabras
In Divinas Palabras finden sich in fast jeder Szene, zum Teil auch in den Szenenangaben, farcenkomische und groteske Elemente. Wobei besonders zu Beginn des Stückes deutlich wird, das es weniger die Personen, als vielmehr die Situationen sind, in denen sie sich befinden - die grotesken Konflikte, die extrem überzogen dargestellt sind.
Valle-Inclán karikiert vor allem durch sprachliche Mittel, so beispielsweise als Juana la Reina stirbt und La Tatula zu ihr sagt: „¡ Juana Reina, no acabes aquí, que me comprometes! (...) “ (Divinas Palabras, 23) Auch die Totenklage Simoniñas, die einem Schauspiel gleichkommt, trägt aufgrund ihrer theatralischen Inszenierung und der daraus resultierenden Bewunderung ihrer Zuhörer „Una Mujeruca: ¡No hay otra para un planto! Otra Mujeruca: De la cuna le viene es gracia.“ (Divinas Palabras, 31) eindeutig farcenkomische Züge.
Es wirkt auf den Leser schon befremdlich, das eine Mutter mit ihrem missgestalteten Sohn Geld macht, als diese dann stirbt und sich auch noch Schwester und Schwägerin um den „Karren“, also in diesem Fall die „Einnahmequelle“ streiten, scheint die Situation völlig absurd.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einführung verortet Valle-Inclán in der „98er Generation“ und skizziert das Ziel der Arbeit, die farcenkomischen Aspekte in seinem Werk Divinas Palabras zu analysieren.
2. Divinas Palabras – Inhaltsangabe: Dieses Kapitel fasst die Handlung des Dramas zusammen, die sich um den Streit um einen geistig behinderten Protagonisten im ländlichen Galizien dreht.
3. Das Drama Valle –Incláns: Hier werden theoretische Grundlagen der Farce sowie die drei Stufen der Dramenästhetik Valle-Incláns dargelegt und deren spezifische Anwendung auf das Stück analysiert.
4. Abschließende Überlegungen: Das Fazit resümiert, dass die Groteske und Farce dazu dienen, Identifikation zu verhindern und die Figuren als Marionetten erscheinen zu lassen.
5. Literaturverzeichnis: Hier werden die herangezogene Primär- und Sekundärliteratur bibliographisch aufgelistet.
Schlüsselwörter
Valle-Inclán, Divinas Palabras, Farce, Groteske, Dramenästhetik, Esperpento, 98er Generation, Marionetten, Satire, Theater des 20. Jahrhunderts, spanische Literatur, Karikatur, Symbolismus, Moderne.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die spezifische Dramenästhetik des spanischen Schriftstellers Ramón María del Valle-Inclán anhand seines Theaterstücks Divinas Palabras.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen die Definition und Anwendung der Farce, die ästhetische Gestaltungstechnik der „Esperpentos“ und die satirische Darstellung gesellschaftlicher Missstände.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, farcenkomische und groteske Elemente im Stück zu identifizieren und deren Funktion im Kontext der Dramenästhetik des Autors zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, gestützt durch den Vergleich von Primärtexten und einschlägiger Sekundärliteratur zur Dramentheorie.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Erläuterung der Farce, die Einordnung der ästhetischen Mittel Valle-Incláns und eine detaillierte Textanalyse des Dramas.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Farce, Groteske, Esperpento, Marionettenhaftigkeit, Gesellschaftskritik und die dramatische Inszenierung.
Wie wird die Rolle der Hauptfigur „el idiota“ bewertet?
Der Behinderte wird nicht als Individuum, sondern als „Ding“ oder „Marionette“ betrachtet, um den die Charaktere streiten, was die moralische Verkommenheit der anderen Figuren entlarvt.
Warum endet das Stück mit einer religiösen Geste?
Die Schlussszene dient als Höhepunkt der Farce, da die Dorfbewohner die Bedeutung lateinischer Worte nicht verstehen, aber durch die rein formale Autorität der Sprache von ihrem grausamen Handeln ablassen.
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- Carolin Kollwitz (Author), 2002, Die Dramenästhetik Valle-Inclans unter dem Aspekt: Farcenkomische Elemente in Divinas Palabras, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/13029