Betrachtet man die Sanatorienliteratur zwischen 1890 und 1950, so fällt schnell auf, dass eine Krankheit immer wieder im Vordergrund steht. Zahlreiche Autoren haben eindrucksvoll versucht, den Lesern der damaligen und gewiss auch der heutigen Zeit einen möglichst reellen Einblick in die Welt der Tuberkulosekranken und ihre Genesungsversuche in den Sanatorien der Welt zu vermitteln.
Diese Arbeit, die sich auf drei Werke von Elisabeth Franke, Hugo Marti und Klabund konzentriert, soll zunächst einen Einblick in die Bedeutsamkeit des Kurortes Davos geben. Im Anschluss daran folgt eine Auseinandersetzung mit den Werken Die Krankheit, Davoser Stundenbuch und Das große stille Leuchten. Da alle diese Werke ihren Handlungsort in Davos haben, soll das Hauptaugenmerk dieser Arbeit darauf liegen, Gemeinsamkeiten und eventuelle Unterschiede zu ermitteln und somit einen Eindruck über den Tagesablauf, die Gefühle, Hindernisse und Schwierigkeiten der Davoser Sanatorienpatienten zu gewinnen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Davos – ein Überblick
3. Davoser Sanatorienliteratur: Ein Vergleich
3.1 Die Werke
3.1.1 Elisabeth Franke: Das große stille Leuchten
3.1.2 Hugo Marti: Davoser Stundenbuch
3.1.3 Klabund: Die Krankheit
3.2 Ankunft in Davos
3.3 Eingliederung
3.4 Gemeinschaft in Davos
3.5 Arzt - Patient - Beziehung
3.6 Tod
4. Fazit
5. Bibliografie
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Darstellung von Tuberkulose und das Leben in Davoser Sanatorien anhand der Werke von Elisabeth Franke, Hugo Marti und Klabund, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der literarischen Aufarbeitung dieser Lebenswelt zu identifizieren.
- Die literarische Verarbeitung von Kurort-Erfahrungen in Davos.
- Vergleich der täglichen Abläufe und psychosozialen Belastungen der Patienten.
- Die Rolle der Gemeinschaft und Kommunikation innerhalb der Sanatorien.
- Die Arzt-Patient-Beziehung und deren Einfluss auf den Genesungsprozess.
- Die unterschiedliche Wahrnehmung und Darstellung des Todes.
Auszug aus dem Buch
3.3 Eingliederung
Dem oft schwierigen Prozess der Ankunft folgt eine Zeit der Eingewöhnung und Unterordnung. Es gilt die alte, vertraute Welt und ihre Gewohnheiten aufzugeben und sich voll und ganz der Kur unterzuordnen, um das Ziel der Genesung zu erreichen. Dies erscheint den Ankömmlingen einfach und schwierig zugleich. Der strikt geregelte Tagesablauf mit der Liegekur und ausreichend Zeit für Ruhe im Mittelpunkt, fordert einerseits völligen Gehorsam, andererseits bedeutet dies für die Patienten aber auch, dass sie sich selbst um nichts mehr kümmern müssen, sobald sie sich einmal untergeordnet haben. In Davos gibt es weder Familienmitglieder, die versorgt werden wollen, noch gibt es andere Pflichten des alten Lebens, die in Davos noch eine Rolle spielen. Der einzige Job, den die Patienten dort haben, ist der Job des Krankseins mit allen Verpflichtungen, die die Kur mit sich bringt. Im Zentrum des neuen Lebens stehen jetzt nicht mehr Arbeit und Familie sondern Liegestuhl und Fieberthermometer.
Die Liegekur soll den Kranken Zeit geben, Ruhe zu finden und neue Kräfte zu tanken. Sie findet teils auf Dachterrassen, teils aber auch in großen, gläsernen Liegehallen statt. Zeit und Regeln der Liegekuren unterscheiden sich jedoch in allen drei Werken.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Vorstellung des Themas Sanatorienliteratur und Erläuterung der Fokuswerke von Franke, Marti und Klabund.
2. Davos – ein Überblick: Historische Einordnung von Davos als Kurort und die Entwicklung der Sanatorienlandschaft bis in die 1930er Jahre.
3. Davoser Sanatorienliteratur: Ein Vergleich: Analyse der Werke und der zentralen Aspekte des Kuralltags wie Ankunft, Eingliederung, soziale Interaktionen und die Rolle der Medizin.
4. Fazit: Resümee über die literarische Darstellung des Kurlebens und die unterschiedlichen Perspektiven der Autoren auf Krankheit und Tod.
5. Bibliografie: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Davos, Sanatorium, Tuberkulose, Literatur, Elisabeth Franke, Hugo Marti, Klabund, Liegekur, Kuralltag, Arzt-Patient-Beziehung, Krankheit, Tod, Genesung, Ausdrucksliteratur, Literaturwissenschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der literarischen Darstellung von Tuberkulose und dem Leben in Davoser Sanatorien zwischen 1890 und 1950.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind der Prozess der Eingewöhnung, der Alltag im Sanatorium, die Dynamik in der Patientengemeinschaft sowie das Verhältnis zwischen Arzt und Patient.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Werken von Franke, Marti und Klabund herauszuarbeiten, um ein realistisches Bild der Davoser Kurwelt zu gewinnen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Autorin wendet eine vergleichende Literaturanalyse an, um die unterschiedlichen Perspektiven und Erzählweisen der drei Autoren zu kontrastieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Werke, die Ankunft, die Eingliederung, die Gemeinschaft, das Arzt-Patient-Verhältnis und die Thematisierung des Todes.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Davos, Sanatorium, Tuberkulose, Liegekur und den Namen der drei analysierten Autoren definiert.
Wie unterscheidet sich Klabunds Darstellung von den anderen Autoren?
Klabunds Werk zeichnet sich durch eine stark expressionistische Ausdrucksweise aus, wobei seine Patienten dem Tod gegenüber oft eine ironische oder offene Haltung einnehmen, statt ihn zu verdrängen.
Welche Rolle spielt die Liegekur in der Gemeinschaftsbildung?
Die Liegekur erzwingt eine erzwungene Gemeinschaft, die sowohl den Austausch über Leiden als auch den Versuch der Ablenkung und den Aufbau einer eigenen „Welt der Kranken“ ermöglicht.
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- Caroline Korf (Author), 2008, Davoser Sanatorien im Spiegel der Literatur, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/130306