Durch den Besuch des Seminars Strafrecht und meinen Erfahrungen, die ich in meinem Praxissemester in der Bewährungshilfe Wuppertal machen konnte, möchte ich mich in dieser Hausarbeit, in der ich die Fächer Recht und Pädagogik/ Erziehungswissenschaften integriere, mit dem Thema des Jugendgerichtsgesetzes und den darin enthaltenen pädagogischen Maßnahmen beschäftigen. Meine Fragestellung zu dem Thema befasst sich hauptsächlich mit der rechtlichen und pädagogischen Anforderung und Wirksamkeit der erzieherischen Maßnahmen des JGG, sowie der Beziehung von Erziehung und Strafe zueinander. Beginnen möchte ich mit einer chronischen Darstellung der strafrechtlichen Stellung der Kinder und Jugendlichen in den vorherigen Zeitaltern und der noch jungen Entwicklung des eigenständigen Jugendgerichtsgesetzes. Als nächstes werde ich den Begriff Eziehung definieren, um im Anschluss daran den speziellen Erziehungsgedanken im JGG aufzuzeigen. Danach gehe ich auf die verschiedenen neuen ambulanten und freiheitsentziehenden Maßnahmen ein. Ich werde im Einzelnen auf die Diversion, die Erziehungsmaßregeln mit ihren Weisungen und den Hilfen zur Erziehung, die Zuchtmittel mit den Möglichkeiten der Verwarnung, der Auflagen und dem Jugendarrest und dem Jugendstrafvollzug eingehen und diese auf ihre pädagogische Zielsetzung und Wirksamkeit beleuchten. Zum Schluss zeige ich die ständig wechselnde Beziehung von Erziehung und Strafe, sowie die Beziehung von Erziehung und Zwang zueinander auf, und vergleiche die verschiedenen Arten im Laufe der Geschichte des JGG.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Entwicklung des JGG
3. Definition Erziehung
4. Der Erziehungsgedanke im JGG
5. Diversion
5.1 Staatsanwaltschaftliche Diversion
5.2 Richterliche Diversion
6. Erziehungsmaßregeln nach § 9-12
6.1 Weisungen nach § 10
6.1.1 Arbeitsweisung
6.1.2 Unterstellung unter Betreuung und Aufsicht einer Person
6.1.3 Sozialer Trainingskurs
6.1.4 Täter–Opfer–Ausgleich
6.2 Hilfe zur Erziehung
7. Zuchtmittel
7.1 Verwarnung
7.2 Auflagen
7.2.1 Schadenswiedergutmachung
7.2.2 Entschuldigung
7.3 Jugendarrest
8. Jugendstrafe
9. Beziehung von Erziehung, Strafe und Zwang
9.1 Erziehung und Strafe
9.2 Erziehung und Zwang
10. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die rechtlichen und pädagogischen Anforderungen sowie die Wirksamkeit der erzieherischen Maßnahmen im Jugendgerichtsgesetz (JGG), wobei insbesondere das Spannungsfeld zwischen Erziehung, Strafe und Zwang analysiert wird.
- Historische Entwicklung des Jugendstrafrechts
- Struktur und Anwendung von Diversionsmaßnahmen
- Pädagogische Zielsetzung von Erziehungsmaßregeln und Zuchtmitteln
- Herausforderungen der Jugendstrafe und des Jugendstrafvollzugs
- Diskurs über die Wirksamkeit pädagogischer Interventionen bei straffälligen Jugendlichen
Auszug aus dem Buch
6.1.1 Arbeitsweisung
Bei der Arbeitsweisung nach § 10 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4 JGG handelt es sich um die Erbringung von Arbeitsleistung und stellt einen punktuellen Eingriff für den Jugendlich dar.
Die zu erbringende Arbeitsleistung muss dem in der Tat erkennbaren erzieherischen Defizit begegnen und versuchen diesen zu beheben. Die Aufgabe dieser Weisung ist es, den Jugendlichen in seinem Verhältnis zur Arbeit erzieherisch zu beeinflussen. Dies soll durch sämtliche Arten von gemeinnützigem Einsatz in sozialen und handwerklichen Hilfsarbeiten durchgeführt werden, so dass ein Entgelt nicht ausgezahlt wird. Der Richter muss die Anzahl der Stunden gemäß dem Verhältnis der Tat festlegen.
Neben dem Anspruch auf ein zukünftiges Legalverhalten kann die Arbeitsweisung noch auf den Entwicklungsprozess des Jugendlichen einwirken. Durch den Arbeitseinsatz kann mitunter das Selbstvertrauen und das Verantwortungsbewusstsein gestärkt werden, eine Förderung der sozialen Einstellung und Wichtigkeit eines rücksichtsvollen Umgangs miteinander sowie eine Bewusstmachung von dem eigenen Fehlverhalten erreicht werden (vgl. Albrecht 1993, S. 171). Dies impliziert, dass die Arbeitsweisung im Zusammenhang mit der Tat steht, so dass der Jugendliche direkten Bezug zu seiner Tat und seinem Verhalten ziehen kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung der Problemstellung, die die rechtlichen und pädagogischen Anforderungen sowie die Wirksamkeit des JGG umfasst.
2. Entwicklung des JGG: Historischer Abriss über den Umgang mit straffälligen Jugendlichen von der Antike bis zum modernen Jugendgerichtsgesetz.
3. Definition Erziehung: Theoretische Auseinandersetzung mit dem abstrakten Begriff der Erziehung und dessen rechtliche Verankerung.
4. Der Erziehungsgedanke im JGG: Erläuterung, warum das JGG primär täterbezogen agiert und Erziehung als Mittel zur Spezialprävention nutzt.
5. Diversion: Analyse von informellen Verfahrenseinstellungen zur Vermeidung einer Stigmatisierung junger Täter.
6. Erziehungsmaßregeln nach § 9-12: Detaillierte Darstellung ambulanter Hilfen und Weisungen, die bei Erziehungsdefiziten greifen.
7. Zuchtmittel: Beschreibung von sanktionierenden Maßnahmen wie Verwarnungen, Auflagen und dem Jugendarrest als pädagogische "Denkzettel".
8. Jugendstrafe: Untersuchung der schwerwiegendsten Sanktion, die nur bei schädlichen Neigungen oder schwerer Schuld in Betracht kommt.
9. Beziehung von Erziehung, Strafe und Zwang: Reflexion über das komplexe Zusammenspiel der zweispurigen Zielsetzung des JGG.
10. Fazit: Kritische Würdigung der praktischen Umsetzung und Wirksamkeit des Erziehungsgedankens im Jugendstrafrecht.
Schlüsselwörter
Jugendgerichtsgesetz, JGG, Erziehungsgedanke, Jugendstrafrecht, Diversion, Erziehungsmaßregeln, Zuchtmittel, Jugendarrest, Jugendstrafe, Resozialisierung, Spezialprävention, straffällige Jugendliche, Täter-Opfer-Ausgleich, Erziehungsdefizit, Sozialer Trainingskurs.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den pädagogischen Maßnahmen innerhalb des Jugendgerichtsgesetzes und untersucht, wie diese auf straffällige Jugendliche einwirken.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Felder sind die historische Entwicklung des Gesetzes, die Diversion, ambulante Erziehungsmaßregeln, Zuchtmittel sowie die Anwendung der Jugendstrafe.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die kritische Analyse der rechtlichen und pädagogischen Wirksamkeit dieser Maßnahmen im Hinblick auf die Resozialisierung des Täters.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Autorin nutzt eine Literaturanalyse sowie eine rechtlich-pädagogische Auswertung gängiger fachwissenschaftlicher Theorien zum JGG.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine systematische Darstellung des Sanktionskatalogs, angefangen bei der Diversion über Weisungen und Auflagen bis hin zum Jugendarrest und der Jugendstrafe.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Erziehungsgedanke, Spezialprävention, Stigmatisierung und die Unterscheidung zwischen täterorientierten und tatbezogenen Sanktionen.
Warum ist laut der Arbeit die Flexibilität des JGG so wichtig?
Da Jugendliche sich in einer dynamischen Entwicklungsphase befinden, müssen Sanktionen individuell angepasst werden, um auf die spezifischen Persönlichkeitsmängel des Täters reagieren zu können.
Welche Kritik übt die Autorin am Vollzug von Zuchtmitteln?
Die Autorin kritisiert insbesondere die langen Wartezeiten zwischen Tat und Vollzug, wodurch der erzieherische Bezug verloren gehen kann und ein Gewöhnungseffekt entsteht.
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- Saskia Höhmann (Author), 2009, Das Jugendgerichtsgesetz und die erzieherischen Maßnahmen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/130307