Die Arbeiten des Regiekollektivs Rimini-Protokoll zum Begriff "Alltagsexperten" haben zu neuen Sichtweisen hinsichtlich Laiendarstellung auf der Bühne geführt.
Dabei loten eine ausgefeilte Inszenierungspraxis und deren theaterwissenschaftliche Reflexion Spielformen im Spannungsfeld von Laien- und Profitheater aus. In der vorliegenden Arbeit werden Arbeits- und Wirkungsweisen in der Theaterästhetik von Rimini-Protokoll näher beleuchtet und Einblicke in verschiedene Projekte gegeben.
Inhaltsverzeichnis
1 Rimini Protokoll – Anfänge und Einflüsse
2 Spezifische Merkmale der Theaterarbeit von Rimini Protokoll
2.1 Experten des Alltags auf der Bühne
2.2 Stückentwicklung und Textproduktion
3 Das Theater von Rimini Protokoll – Projektbeispiele
3.1 “Sonde Hannover“ (2002)
3.2 “Call Cutta“ (2005)
3.3 “Wallenstein. Eine dokumentarische Inszenierung“ (2005)
3.4 “Uraufführung: Der Besuch der alten Dame“ (2007)
3.5 “Breaking News. Ein Tagesschauspiel“ (2008)
3.6 Hörspiele
4 Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Arbeitsweise des Regiekollektivs Rimini Protokoll, wobei der Fokus insbesondere auf dem Einsatz von sogenannten "Experten des Alltags" als Darsteller liegt, um konventionelle Theaterstrukturen zu hinterfragen und die Grenze zwischen Realität und Fiktion zu verschieben.
- Entstehungsgeschichte und kollektive Arbeitsweise von Rimini Protokoll
- Das Konzept des "Experten aus der Wirklichkeit" im Gegensatz zum Laientheater
- Methodik der Stückentwicklung und Textproduktion durch Recherche
- Analyse ausgewählter Projektbeispiele wie "Sonde Hannover" und "Call Cutta"
- Reflektion über das Spannungsfeld zwischen Dokumentation und Inszenierung
Auszug aus dem Buch
Experten des Alltags auf der Bühne
Den Begriff Experten verwenden Rimini Protokoll für Menschen, die repräsentativ für bestimmte Erfahrungen, Kenntnisse und Fähigkeiten stehen, von denen sie während einer Produktion „berichten“. Dieses Konzept beruht darauf, dass die Protagonisten nicht an ihren darstellerischen Begabungen, sondern schlicht an ihrem persönlichen Expertentum gemessen werden und behauptet somit bewusst das Gegenteil von Laientheater.
„Wir haben das ’Experten-Theater’ genannt, weil wir erst einmal den Begriff des ’Laien’ abwenden wollten. Wenn man nicht mit Schauspielern arbeitet, ist ’Laien-Theater’ immer der erste Begriff, der auftaucht. [...]
’Laien’ sind die, die gerne wollen, aber nicht können und wir arbeiten mit Menschen, die etwas gerade besonders gut können, also Experten sind. Das können Experten für Karl Marx sein, aber auch Experten für eine bestimmte Lebenssituation.“
Rimini Protokoll nutzen das Theater als Medium, um Leute ins Zentrum zu rücken, die sonst höchstens Zuschauer sind und deren Aufgabe es ist, „lediglich“ sich selbst zu vertreten. Dabei lässt sich ihr Sprechen, ihr Handeln verstehen als ein Akt des Erinnerns an Alltägliches, welches durch den Theater- und Bühnenkontext, in dem die Experten agieren, hervorgeholt, erinnert und in einen lebendigen Zusammenhang gestellt wird.
Riminis Arbeiten widmen sich dem Versuch, nicht darstellbare subjektive Erfahrungen zu artikulieren und ihre Darstellung gleichzeitig zu problematisieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Rimini Protokoll – Anfänge und Einflüsse: Dieser Abschnitt beleuchtet den Werdegang der drei Theatermacher am Institut für Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen und ihre frühen künstlerischen Formationen.
2 Spezifische Merkmale der Theaterarbeit von Rimini Protokoll: Hier wird das Kernkonzept der Arbeit mit fachfremden Experten und die besondere Form der kollektiven Stückentwicklung erläutert.
3 Das Theater von Rimini Protokoll – Projektbeispiele: Dieses Kapitel stellt konkrete Produktionen vor, darunter Stadtrundgänge, dokumentarische Inszenierungen und medienkritische Performances, und geht auf die Rolle der Hörspiele ein.
4 Schluss: Das Fazit fasst die philosophische Haltung von Rimini Protokoll zusammen, die das Theater nicht als moralische Instanz, sondern als Museum und Ort der Hinterfragung von Realität begreift.
Schlüsselwörter
Rimini Protokoll, Experten des Alltags, Dokumentarisches Theater, Stückentwicklung, ready-made-Darsteller, Bühneninszenierung, Realität und Fiktion, Theaterwissenschaft, Performance, Medienkritik, Biografisches Theater, Projektbeispiele, Hörspiel, Authentizität, Experimentelles Theater
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die künstlerische Arbeitsweise der Theatergruppe Rimini Protokoll und wie diese durch den Verzicht auf klassische Schauspieler neue Formen der Wirklichkeitsdarstellung auf der Bühne entwickelt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Untersuchung konzentriert sich auf die Begriffe "Experten des Alltags", die Verschmelzung von Dokumentation und Fiktion sowie die spezifische Dramaturgie von Rimini Protokoll.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, das Konzept des Experten-Theaters zu erklären und aufzuzeigen, wie Rimini Protokoll durch die Einbindung von fachfremden Personen die Rollen von Bühne und Publikum neu definiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine Analyse von Fachliteratur, Interviews mit den Regisseuren, Rezensionen sowie die Dokumentation spezifischer Projektbeispiele der Theatergruppe.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen der Arbeitsweise, die Methodik der Stückentwicklung sowie die praktische Anwendung an verschiedenen Fallbeispielen wie "Call Cutta" oder "Wallenstein".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Experten des Alltags, Rimini Protokoll, Dokumentarisches Theater, Realität/Fiktion und Stückentwicklung stehen im Zentrum dieser Untersuchung.
Wie unterscheidet sich Rimini Protokolls Ansatz von klassischem Laientheater?
Rimini Protokoll lehnt den Begriff des "Laien" ab, da ihre Darsteller nicht an darstellerischen Fähigkeiten gemessen werden, sondern als Experten für ihre eigene Lebensrealität fungieren.
Welche Rolle spielt die Technik in den Projekten von Rimini Protokoll?
Technik, wie z.B. Kopfhörer bei Stadtrundgängen oder Live-Konferenzschaltungen bei "Breaking News", dient als Mittel, um die Zuschauer zu steuern und das Verhältnis zwischen Beobachter und Beobachtetem zu problematisieren.
- Quote paper
- Caroline Schließmann (Author), 2009, Das Theater von Rimini-Protokoll, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/130338