Mediennutzung in Düsseldorfs japanischer Gemeinschaft


Essay, 2008

6 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Die japanische Gemeinschaft in Düsseldorf – Mediennutzung zwischen Integration und Ghettoisierung?

von Christian Undorf

Derzeit ist sie wieder aktueller denn je und dementsprechend nahezu omnipräsent in den Medien und der Berichterstattung: Die kontroverse Diskussion über Jugendkriminalität, Integrationsbestrebungen und Migranten. Dem Kommunikations-wissenschaftler wird hierbei jedoch vor allem deutlich vor Augen geführt, dass seine Disziplin in der gesellschaftlichen Zuwanderungsdebatte nur eine eher marginale – und zudem häufig einseitige – Rolle spielt. Denn wenn sich die Kommunikations-wissenschaft mit diesem Thema befasst, dann untersucht sie in der Regel, wie Ausländer und Migranten in den deutschen Massenmedien dargestellt werden sowie welche Stereotypen und Vorurteile dadurch in den Köpfen der Rezipierenden entstehen oder aber vielleicht auch abgebaut werden können. Es geht also vorwiegend um die Wirkung der kommunizierten Medienbilder über Migranten auf das deutsche Publikum. Deutlich seltener ist jedoch der Untersuchungsansatz, inwiefern die Art der individuellen Mediennutzung – insbesondere auf der Seite der Migranten – Rückschlüsse über den Status der Integration erlaubt. Mit anderen Worten: Können die Medien eine Vermittlungsrolle einnehmen und das Ziel der erfolgreichen Integration unterstützen – oder aber auch erschweren?

Im Folgenden möchte ich nun einige Überlegungen zum Medienangebot und zur Mediennutzung innerhalb der japanischen Gemeinde in Düsseldorf anstellen. Gedankliche Anstöße liefert mir hierfür vor allem ein Interview mit Prof. Dr. Shingo Shimada, welches wir für den im Rahmen dieser Projektarbeit entstandenen Radiobeitrag geführt haben. Dr. Shimada ist seit 2005 Inhaber des Lehrstuhls für Modernes Japan II. (Sozialwissenschaften) an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Zuvor war er Professor am Institut für Ethnologie in Halle.

Eine vollständige Durchdringung der medialen und soziokulturellen Zusammenhänge in der japanischen Community in Düsseldorf werde ich an dieser Stelle allerdings nicht leisten können. Dies soll auch nicht der Anspruch sein, denn dazu entbehrt es bislang leider jeglicher empirischer Grundlage. Denn während mediale Sozialisationsprozesse der in Deutschland lebenden Türken schon länger im wissenschaftlichen Fokus stehen, so wurden asiatische Migranten bisher eher vernachlässigt und kaum eine Studie veröffentlicht. Ich möchte aber versuchen, einige der gängigen Theorien auf unser Beispiel der japanischen Gemeinschaft zu übertragen und auf Grundlage des Gesprächs mit Dr. Shimada kritisch zu hinterfragen.

Der Soziologe Dr. Hartmut Esser spricht der Massenkommunikation zwei integrative Funktionsweisen zu: Zum einen fördere sie den Erwerb sprachlicher Kompetenzen, einer Grundvoraussetzung interethnischer Kommunikation und somit notwendige Bedingung für Integration. Zum anderen könne die mediale Repräsentation von Migranten im besten Falle Vorurteile und soziale Distanzen abbauen (vgl. Esser 2000). Zwar ist diese formale Überlegung sicher richtig, ich wage es jedoch zu bezweifeln, dass es den Medien tatsächlich im Alltag gelingt, dieses Ziel auch nur annähernd zu erreichen und auf diese Weise zur Bildung einer symbolischen Gemeinschaft beizutragen. Doch ist es das überhaupt, was man erreichen möchte: Eine Art massenmediale Homogenität? Sicher nicht. Integration bedeutet schlie1lich auch, dass sich beide Seiten, Mehr- und Minderheit, aufeinander zu bewegen, ohne dass eine Seite die kulturelle Identität aufgeben muss. ‚Pluralismus‘ ist also das Stichwort, womit jedoch wiederum das Risiko der Ghettoisierung verbunden ist. Hinsichtlich der Mediennutzung bezeichnet dies die Abkapselung von den Mehrheitsmedien und eine gänzliche Rückbesinnung auf Medienangebote in der Muttersprache bzw. aus dem Heimatland. Insbesondere neue Technologien, wie zum Beispiel das Satellitenfernsehen, oder aber die fortschreitende weltweite Vernetzung durch das Internet schlagen heute schnell und einfach eine Brücke in die Heimat. Mediennutzung und –aneignung von Migranten bewegt sich also stets im oben skizzierten Spannungsfeld. Es bleibt folglich die Frage: Welchen Einfluss hat die individuelle Nutzung der verschiedenen Angebote auf den Integrationsprozess?

Neben dem breiten Angebot deutschsprachiger Print- und audiovisueller Medien stehen den in Düsseldorf lebenden Japanern auch eine Reihe „eigener“ Medienprodukte zur Verfügung. Nach Aussage von Prof. Shimada werden eine wöchentlich erscheinende Zeitung und das Internet-Portal duesselnet.com dabei besonders häufig rezipiert. Ihre gro1e Beliebtheit lässt sich in erster Linie damit erklären, dass beide Angebote ausschlie1lich in japanischer Sprache verfügbar sind. Wie eine Art „Claim“ ziert die Startseite des Internet-Portals sogar am oberenBildschirmrand der Schriftzug „Nur auf Japanisch – Only in Japanese“, was wie ein Werbemittel zur bewussten Abgrenzung wirkt. Dies ist jedoch nur eine Vermutung.

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Ende der Leseprobe aus 6 Seiten

Details

Titel
Mediennutzung in Düsseldorfs japanischer Gemeinschaft
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Note
2,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
6
Katalognummer
V130339
ISBN (eBook)
9783640387717
Dateigröße
375 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Medien, Mediennutzung, Düsseldorf, japanische Gemeinschaft, Community, Migranten, Medienghetto, Integration, Medienangebot, Sozialisation, Minderheit, Ethnomedien, Assimilation, Familienbild, Medienkultur
Arbeit zitieren
Christian Undorf (Autor), 2008, Mediennutzung in Düsseldorfs japanischer Gemeinschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/130339

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