Liebe und Sexualität in Arthur Schnitzlers Drama „Liebelei“


Hausarbeit, 2008

11 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Die sozial-historischen Hintergründe von „Liebelei“ und der Typus des „süßen Mädel“
2.1 Die Rolle der Frau im 19. Jahrhundert
2.2 Der Typus des „süßen Mädel“

3. Die Struktur des Dramas

4. Die unterschiedlichen Liebeskonzepte
4.1 Christines innerlicher Zwiespalt
4.2. Fritz, Gefangener zwischen zwei Welten
4.3. Die Hedonisten Mizi und Theodor
4.4 Christines Selbstmord als Folge ihrer realitäts- fernen Liebesidee

5. Zusammenfassung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Wir hassen nämlich die Frauen, die wir lieben – und lieben nur die Frauen, die uns gleichgiltig sind.“[1]

„Daß ich ihm alles gegeben hab, was ich ihm hab geben können, daß ich für ihn gestorben wär […]“[2]

Diese Zitate zeigen wie sehr die Vorstellungen von Liebe und Sexualität in Arthur Schnitzlers Drama „Liebelei“ auseinander gehen.

In der vorliegenden Arbeite widme ich mich diesen unterschiedlichen Liebeskonzepten, in dem ich ihre Bedeutung für den Handlungsverlauf herauskristallisiere und auf die einzelnen Charaktere eingehe.

Meine Arbeit wird von folgenden Fragen geleitet:

Wie sahen die Geschlechterrollen in der damaligen Zeit aus? Wie verhalten sich die Figuren gegenüber den gesellschaftlichen Normen? Was für Auffassungen von „Liebe“ haben sie? Warum muss die Handlung letztendlich ein so tragisches Ende nehmen?

2. Die sozial-historischen Hintergründe von „Liebelei“ und der Typus des „süßen Mädel“

2.1 Die Rolle der Frau im 19. Jahrhundert

Die Geschlechterrollen während der Jahrhundertwende waren geprägt von der Idealvorstellung der „Bürgerlichen Familie“, die das Leitbild des familiären Zusammenlebens darstellte. Diese war ein hierarchisches System, in dem der Vater an der Spitze stand und die Befehlsgewalt über Frau und Kinder hatte.

Die Frauen waren somit im Allgemeinen kaum emanzipiert und stark von ihrem Mann abhängig, was auch den Zwang zur Eheschließung beinhaltete.[3]

Frauen hatten neben der Haushaltsführung und Kindererziehung nur die Aufgabe, ihren Mann von seinen Alltagsproblemen abzulenken und ihm Erholung zu bieten.[4]

Liebesaffären wurden nur auf der Seite des Mannes von der Gesellschaft toleriert, eine junge Frau mit sexueller Vergangenheit war stets der Gefahr ausgesetzt von der Gesellschaft ausgeschlossen zu werden und ihre Aussicht auf eine Heirat zu vernichten, was einer sozialen Selbstzerstörung gleichkam. Dadurch hatten Frauen kaum eine Möglichkeit Eigeninteressen auszuleben und ihr Leben selbst zu bestimmen.[5]

Hochzeiten wurden vor allem aus ökonomisch-sozialen Gesichtspunkten geschlossen und weniger aus Liebe und Leidenschaft. Viele dieser Ehen wurden von den Eltern arrangiert und die Frauen hatten meist nur ein geringes Mitspracherecht, was die Wahl ihres Bräutigams betraf.[6]

2.2 Der Typus des „süßen Mädel“

Der Typus des „süßen Mädel“ ist bei Schnitzler in mehreren Werken zu finden.[7]

Dieser Frauentyp kommt meist aus der Vorstadt und gehört der kleinbürgerlichen Gesellschaftsschicht an. Natürlichkeit, Einfachheit und Bescheidenheit sind charakteristische Eigenschaften, die zeigen, dass das süße Mädel der Erholung des Mannes dienen soll. Sie soll keine übermäßigen Gefühlsäußerungen zeigen und „große Szenen“ (12) vermeiden. Der Mann erwartet von diesen Frauen nur Vergnügen ohne „tragische Verwicklungen“ (13) und ohne Verantwortung auf einer unverbindlichen Basis.

Das süße Mädel selbst lebt nur für den Augenblick. Sie ist sich ihrer Rolle bewusst und versucht sich so auch ein Stück weit zu emanzipieren, da sie in der Lage ist, eigene Entscheidungen zu fällen.

Allerdings ist sie ihren Liebhaber allein wegen ihrer sozialen Stellung dennoch unterlegen. Ihr drohen jederzeit der soziale Fall und ein Ausstoß aus der Gesellschaft. Dadurch kann der Mann ein Stück weit über sie verfügen, ihr das Trugbild einer möglichen Heirat vorspielen und ihre Ängste ausnutzen.

In Schnitzlers „Liebelei“ wird diesem Frauenmodell die Figur der verheirateten Liebhaberin, der „Dämonischen“ (9), entgegen gestellt. Diese ist sozial höher gestellt und bestimmender als das süße Mädel, da sie aufgrund ihrer wirtschaftlichen und sexuellen Unabhängigkeit mehr Macht besitzt.

3. Die Struktur des Dramas

Bei dem Drama handelt es sich um ein „klassisches“ Drama in geschlossener Form. Die Einheit von Zeit, Ort und Raum wird weitestgehend eingehalten. Die Handlung findet in wenigen Tagen statt und es treten nur zwei Räume auf: das Zimmer von Fritz, „Elegant und behaglich“ (7), und das Zimmer von Christine, „Bescheiden und nett.“ (50).

[...]


[1] Arthur Schnitzler: Liebelei. Schauspiel in drei Akten. hg. von Michael Scheffel. Stuttgart: Reclam, 2002, S. 26

[2] Ebd., S.87

[3] Lutz Niethammer u.a.: Bürgerliche Gesellschaft in Deutschland. Frankfurt am Main 1990, S. 91 f.

[4] Ebd. S.93

[5] Barbara Gutt: Emanzipation bei Arthur Schnitzler. Berlin 1987, S.41

[6] Niethammer 1990, S. 95

[7] Vgl. Xiaoqiao Wu: Mesalliancen bei Theodor Fontane und Arthur Schnitzler. Trier 2005, S.167- 169

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Liebe und Sexualität in Arthur Schnitzlers Drama „Liebelei“
Hochschule
Universität Stuttgart
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
11
Katalognummer
V130369
ISBN (eBook)
9783640365340
ISBN (Buch)
9783640365579
Dateigröße
409 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Liebe, Sexualität, Arthur, Schnitzlers, Drama
Arbeit zitieren
Christine Schulz Blank (Autor), 2008, Liebe und Sexualität in Arthur Schnitzlers Drama „Liebelei“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/130369

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