[...] Bei diesem abgebildeten Ablauf ist es wichtig, Schritt für Schritt vorzugehen und somit nach
und nach jede Phase auszuarbeiten. Zuerst gilt es, das Informationsangebot zu schaffen. Dabei
geht es um die Aufgabe, die wesentlichen Informationen zu sammeln: Worum geht es im
Wesentlichen? Was ist das Besondere (dies ist wichtig für den Rezipienten)? Wie sieht die
Kostenkalkulation aus (danach richtet sich, wer angesprochen wird)? Mit welchen
Nachrichten lässt sich das Ganze beleben (z. B. spezielle Events)? Diese
Informationssammlung ist der Grundstock für die weiteren Schritte, bei der die Rezipienten
die zentrale Rolle spielen - zunächst die Phase der Wahrnehmung. Hier ist zuerst einmal die Zielgruppe zu definieren. Dies kann bei einem Produkt der Kunde sein, bei einem Projekt die
Geldgeber. Dabei ist zu überlegen, wie man diese Zielgruppen erreicht, z. B. durch welche
Multiplikatoren, wie man diese Multiplikatoren anspricht, aber auch mit der Art und Weise
und nicht zuletzt mit welchen zentralen Botschaften [siehe Informationsangebot]. Die
Vorteile sollten hier aufgezeigt werden. Geschieht die und die Wahrnehmung ist erfolgt, geht
es optimaler Weise zum nächsten Schritt über - dem Verständnis. Die Zielgruppe muss nun
die Wichtigkeit der Idee verstehen und im nächsten Schritt dieser zustimmen. Die Idee wurde
also inzwischen vom Sender vorgestellt und vom Empfänger wahrgenommen, verstanden und
zugestimmt. Dies reicht aber nicht aus, denn bisher ist keine aktive Reaktion erfolgt.
Deswegen sollte es nun idealerweise zur Verhaltensanpassung kommen. Der Idee wird nicht
nur zugestimmt, sie wird nun auch aktiv unterstützt. Dies kann z. B. der Kauf eines Produktes
sein oder das in Aussicht stellen einer Finanzierung. Einige Projekte und Produkte erreichen
bei vielen Rezipienten nur diese Phase. Optimiert läuft der Prozess jedoch, wenn es zur
Reaktivierung der Information durch eigenes Engagement kommt. D. h. der Empfänger
engagiert sich aktiv für die Idee. Dies kann durch Finanzierung erfolgen, durch Fanaktivitäten
oder durch andere Förderung für das Produkt/ das Projekt. In dieser letzten Phase agiert der
Rezipient dann u. U. sogar als Multiplikator. Voraussetzung zum Erreichen dieser Stufe ist
allerdings die Image- und Lifestyletauglichkeit der Idee. Ein Auto vermittelt dies sicher mehr
als ein Standardlebensmittel, ebenso vermutlich soziale oder kulturelle Projekte.
Zu erwähnen ist, dass dieser gesamte Ablauf ein investiver Vorgang ist.
Inhaltsverzeichnis
1 Thematische Fragen
1.1 Beschreiben Sie Ablauf und Zielsetzung eines positiven Kommunikationsprozesses!
1.2 Wie steuern bzw. beeinflussen Sie einen negativen Kommunikationsprozess?
1.3 Beschreiben Sie den Unterschied zwischen Zielgruppen und Multiplikatoren?
1.4 Welche Multiplikationsformen gibt es?
1.5 Beschreiben Sie das dialektische Prinzip der Kommunikationssteuerung!
1.6 Wie werden Netzwerke gebildet und genutzt?
1.7 Benennen Sie die Grundformen des „Journalistischen Handwerks“ und beschreiben Sie die wesentlichen Grundstrukturen!
2 Informierende Texte
2.1 Meldung
2.2 Bericht
2.3 Reportage
2.4 Portrait
2.5 Interview
3 Meinungstexte
3.1 Kommentar
3.2 Glosse
3.3 Was ist der literarische Aspekt der Reportage?
3.4 Nennen und beschreiben Sie die verschiedenen Formen einer Talkshow!
3.5 Welche Zielsetzung haben die „Riga Reportagen“?
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht grundlegende Kommunikationsstrukturen, journalistische Handwerkstechniken sowie die strategische Nutzung von Netzwerken und Multiplikatoren im Kontext des Medienmanagements, um erfolgreiche Kommunikationsprozesse zu definieren und anzuwenden.
- Analyse von positiven und negativen Kommunikationsabläufen
- Differenzierung und strategischer Einsatz von Zielgruppen und Multiplikatoren
- Dialektische Kommunikationssteuerung und Netzwerkbildung
- Journalistische Darstellungsformen (informierend vs. meinungsbildend)
- Praktische Fallbeispiele zur Medienarbeit (Riga Reportagen)
Auszug aus dem Buch
1.2 Wie steuern bzw. beeinflussen Sie einen negativen Kommunikationsprozess?
Die Steuerung bzw. Beeinflussung dieses Prozesses ist sicher nicht schwer, wenn es um Ideen/ Produkte/ Projekte anderer geht. Über Multiplikatoren (deren Meinung als Dritter) und öffentliche Meinungsdarstellung sowie alle journalistischen Stilmittel ließe sich die negative Darstellung eines Anderen vermutlich erreichen. Schwierig ist die Beeinflussung jedoch, wenn es um die eigene Sache geht. Eine geänderte Wahrnehmung kann schnell und durch viele Faktoren ausgelöst werden. Probleme, Unsicherheiten, Fehler etc. können diesen negativen Ablauf auslösen, sobald sie vom Rezipienten wahrgenommen werden. Schon dieser Schritt sollte wenn möglich verhindert werden, denn das Wahrgenommene bleibt in Spuren immer in der Erinnerung. Gute PR-Arbeit kann dem entgegen wirken. Denn eine Krise ist kaum zu reparieren, dementsprechend muss das Image mit der Verhaltensanpassung und der Reaktivierung stark sein, um eine Krise im Keim zu ersticken. Ist aber nun die Wahrnehmung öffentlich erfolgt, kommt es beim Empfänger zu Irritationen. Er wird geneigt sein, diese Wahrnehmung auch zu artikulieren, d. h. mit anderen darüber zu sprechen.
Spätestens in dieser zweiten Phase muss erfolgreich gegengesteuert werden. Hier muss es zum Umkehrprozess kommen. Dies ist sicher ein schwieriger Prozess und verlangt, wie bereits erwähnt, einen zuvor sehr gut verlaufenden positiven Kommunikationsprozess. Durch persönliche Darstellung bzw. durch Multiplikatoren muss die Irritation aufgelöst werden und die Wahrnehmung korrigiert. Geschieht es nicht erfolgreich, geht der negative Prozess weiter – es kommen Zweifel auf, die zur Enttäuschung führen und schließlich zur Abwendung. Bestand (z. B. durch Reaktivierung durch eigenes Engagement) eine starke Emotion zur Idee, so kann es sogar zum Gefühl des Hasses kommen. Dieser Prozess zerstört die Ganze Umsetzung/ Absetzung des Projektes oder des Produktes. Ist der Rezipient schon in der Phase des Zweifels, ist eine Reaktion mit Erfolg fast unmöglich. Durch die folgenden Phasen wird er Engagement, Verhaltensanpassung und Zustimmung entziehen. Dieses ist in gleicher Art und Weiser nicht wieder aufbaubar.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Thematische Fragen: Dieses Kapitel erörtert grundlegende Mechanismen des Kommunikationsmanagements, einschließlich der Steuerung von Kommunikationsprozessen, des Aufbaus von Netzwerken und der gezielten Arbeit mit Multiplikatoren.
2 Informierende Texte: Es werden die verschiedenen journalistischen Formen vorgestellt, die objektiv Sachverhalte vermitteln, wie etwa Meldung, Bericht, Reportage, Portrait und Interview.
3 Meinungstexte: Dieses Kapitel behandelt publizistische Darstellungsformen wie Kommentar und Glosse, die der subjektiven Interpretation und Orientierung dienen, sowie spezifische Talkshow-Formate und die Zielsetzung des Projekts „Riga Reportagen“.
Schlüsselwörter
Kommunikationsprozess, Multiplikatoren, Netzwerkmanagement, Öffentlichkeitsarbeit, Journalismus, Meldung, Reportage, Dialektik, Zielgruppenanalyse, Medienmanagement, Interview, Kommentar, Talkshow, Krisenkommunikation, PR-Strategie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit den theoretischen und praktischen Grundlagen des Medien- und Kommunikationsmanagements, insbesondere mit der Strukturierung von Kommunikationsprozessen und der journalistischen Textgestaltung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den Kernbereichen gehören die Steuerung von Kommunikationsprozessen, die Bedeutung von Multiplikatoren, der Aufbau informeller Netzwerke sowie die Unterscheidung zwischen informierenden und meinungsbildenden Textgattungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Methoden aufzuzeigen, wie durch eine gezielte Definition von Zielgruppen und den Einsatz geeigneter Multiplikatoren sowie journalistischer Stilmittel ein erfolgreiches Image und eine wirksame Kommunikation erreicht werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt als theoretische Grundlage das dialektische Prinzip nach Hegel, um Kommunikationsabläufe zu analysieren und Win-Win-Situationen zwischen unterschiedlichen Interessengruppen (Sender und Empfänger) zu entwickeln.
Welche Aspekte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse von Kommunikationsabläufen, die praktische Medienarbeit und eine detaillierte Erläuterung journalistischer Schreibweisen, ergänzt um eine Fallstudie zum Magazin „Rigalogs“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?
Zentrale Begriffe sind Kommunikationsprozess, Multiplikatoren, Netzwerkmanagement, Öffentlichkeitsarbeit, journalistische Darstellungsformen und dialektische Kommunikationssteuerung.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen Zielgruppen und Multiplikatoren?
Multiplikatoren werden als Vermittler (z.B. Journalisten) definiert, die Informationen verstärken, während Zielgruppen die tatsächlichen Adressaten und Empfänger der Botschaften sind.
Was besagt das „dialektische Prinzip“ in der Kommunikation?
Es beschreibt einen Prozess, in dem gegensätzliche Interessen (These und Antithese) durch Austausch und Abstimmung zu einem gemeinsamen Interesse (Synthese) zusammengeführt werden, anstatt einseitigen Druck auszuüben.
- Quote paper
- Katrin Hahn (Author), 2005, Kommunikationsprozess, Multiplikatoren, Netzwerke, Journalistische Grundstrukturen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/130375