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Zu: Patrick Süskind - "Die Taube"

Titel: Zu: Patrick Süskind - "Die Taube"

Referat (Ausarbeitung) , 2000 , 10 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: M.A. Saskia Dams (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Süskinds Figur ist ein (Anti-)Held, der sich im verwirrenden Gestrüpp seiner Nervenfasern und Seelenfäden verheddert, heillos und ungeheilt. Er streift als vereinsamter, mehr oder minder psychotischer Sonderling durchs Leben.
Psychologen sprechen von ´Beeinträchtigungswahn`, von einer Beeinträchtigung der Wahrnehmung, bei der die Mitwelt als feindlich erlebt wird. Die Reaktion solcher Individuen ist entweder der Totalrückzug auf eine Art ´innere Lebensinsel` oder ein verborgener, verbissen - aggressiver Feldzug gegen die Welt der anderen.
Süskinds zu kurz gekommener Held sucht Halt, Anerkennung und letztlich doch nur dies: die Liebe der anderen. Je mehr sie von der Unmöglichkeit dieser Liebe überzeugt sind, desto unerbittlicher, auch gegen sich selbst, ergeben sie sich ihrem Perfektionsdrang, der sich an ausgesuchte Zustände bindet, wie der penibel ´erarbeitete` Zustand absoluter Ereignislosigkeit im minimalisierten Lebenswinkel.
In diesen Fixierungen verdinglicht sich das existenzielle Defizitgefühl: Lebensuntüchtigkeit, Liebesunfähigkeit und das Ausgestoßensein.
Aber „seine sichere Insel in der unsicheren Welt“ suchen das nicht die meisten, was immer sie dafür halten? Hassen nicht die meisten jene Ereignisse, die das innere Gleichgewicht erschüttern und die äußere Lebensordnung durcheinanderbringen? Unsicherheit und Angst sind aber nicht auf der Ebene der Vernunft zu Hause – sondern im Irrationalen. Wenn man die Erzählung als Gleichnis für die selbstverschuldete oder auferlegte Isoliertheit des Menschen, für die Verlassenheit, die mit hilflosen Kulissen kaschiert wird, empfindet, so wird klar, dass diese schon beim Auftauchen einer Taube umfallen können. Dass aus dem jüdischen Jungen Jonathan Noel ein menschenscheuer Sonderling geworden ist, hat aber auch seine bösen Gründe.
Die Erzählung „Die Taube“ ist zwar ein symbolisch überhöht, nichtsdestotrotz sehr realistisch und kein Märchen. Ihr märchenhafter Ausklang indessen nimmt ihr versöhnlerisch die traurige, harte Schärfe, die das Werk über weite Strecken so auszeichnet.
Süskind selbst hat einmal über sich gesagt: „ Auch ich verbringe den größten Teil meines Lebens in immer kleiner werdenden Zimmern, die mir zu verlassen immer schwerer fällt. Ich hoffe aber, eines Tages ein Zimmerchen zu finden, das so klein ist und mich so eng umschließt, daß es sich beim Verlassen von selbst mitnimmt.“ (1981)

Leseprobe


Gliederung

1. Biographie

2. Aufbau

3. Inhalt

4. Sprache und Stil

5. Psychologische Analyse

5.1 Feste Werte

5.2 Schmerz und Angst

5.3 Verwirrte Psyche

5.4 Die Taube und ihre Auswirkungen

5.5 Selbsthass

5.6 Der Sarg

5.7 Das Gewitter

6. Süskinds Intention

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit bietet eine detaillierte literaturwissenschaftliche Analyse von Patrick Süskinds Erzählung „Die Taube“. Dabei wird untersucht, wie der Autor die psychologische Instabilität seines Protagonisten Jonathan Noel durch das Eindringen eines absurden Ereignisses in dessen streng geordneten Alltag offenlegt und welche tiefenwirksamen Auswirkungen dies auf dessen Identität hat.

  • Biographischer Hintergrund zu Patrick Süskind
  • Strukturelle Analyse der Erzählweise
  • Psychologische Untersuchung der Angst und des Trauma-Verarbeitungsprozesses des Protagonisten
  • Interpretation der Taube als Symbol für Chaos und existenzielle Lebensangst

Auszug aus dem Buch

Die Taube und ihre Auswirkungen

Die Taube gilt zwar traditionell als Symbol für den Frieden. In der Bibel erscheint die Taube, den Ölzweig im Schnabel; für Noah ist dies das Zeichen der Versöhnung und des neuen, endgültigen Friedens mit dem Herrn. Jonathan aber, sieht in ihr Chaos und Anarchie. In der Gestalt der Taube, so fürchtet Jonathan, stellt die Welt ihm nach, gönnt ihm seinen Frieden nicht, mustert ihn ungerührt wie ein Stück Vieh – nachdem sie ihn, nach so vielen Jahren, endlich in seinem Versteck ausfindig gemacht hat . „Die Taube“ ist auch eine Parabel der Lebensangst.

Offenbar ist er ein jüdischer Junge mit einem nie erloschenen Trauma. Die ganze düstere Vergangenheit, an die er am liebsten überhaupt nicht denkt, die menschliche Verschlagenheit, der er sein Leben lang aus dem Weg geht, sie stürzen aus dem verschlagenen kalten Auge der Taube über ihn her und zerrütten ihn. Jonathan wird aus seinem Zimmerchen, Käfig , Bunker, Burg, aber auch Zufluchtsort und seiner „Geliebten“, durch den Todesboten „Taube“ in den Inbegriff von Chaos und Anarchie gestürzt. „Sie hatte den Kopf zur Seite gelegt und glotzte Jonathan mit ihrem linken Auge an. Dieses Auge, eine kleine, kreisrunde Scheibe, braun mit schwarzem Mittelpunkt, war fürchterlich anzusehen. Es saß wie ein aufgenähter Knopf am Kopfgefieder, wimpernlos, brauenlos, ganz nackt, ganz schamlos nach außen gewendet und ungeheuer offen; zugleich aber war da etwas zurückhaltend Verschlagenes in dem Auge... Und es glotzte Jonathan an.“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Biographie: Vorstellung des Lebenswegs von Patrick Süskind, seiner Ausbildung und seiner schriftstellerischen Karriere sowie seiner bewussten Distanz zum Literaturbetrieb.

2. Aufbau: Erläuterung der Erzählstruktur, die keine klassische Kapiteleinteilung aufweist und Jonathan Noels Leben an einem einzigen, dramatischen Tag fokussiert.

3. Inhalt: Darstellung der Lebensgeschichte des Wachmanns Jonathan Noel, dessen strikte Ordnung durch die Begegnung mit einer Taube aus den Fugen gerät.

4. Sprache und Stil: Analyse des Erzählstils, der durch mitleidende Einfühlung, sarkastische Distanz und eine antiquarische Prosa geprägt ist.

5. Psychologische Analyse: Untersuchung der Kindheitstraumata, der Angstzustände, der symbolischen Bedeutung der Taube sowie der Erlösung durch ein Gewitter.

6. Süskinds Intention: Interpretation des Werkes als Gleichnis für menschliche Isolation, Perfektionszwang und die Suche nach existenziellem Halt.

Schlüsselwörter

Patrick Süskind, Die Taube, Jonathan Noel, Isolation, Angststörung, Trauma, Ordnungswahn, Existenzialismus, Psychologische Analyse, Paris, Literaturanalyse, Symbolik, Identitätsverlust, Erlösung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert Patrick Süskinds Erzählung „Die Taube“ und beleuchtet die psychologischen Abgründe des Protagonisten Jonathan Noel.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die Schwerpunkte liegen auf der Isolation, der Angst vor dem Unvorhersehbaren, der kindlichen Traumatisierung und der Symbolik des Alltagslebens.

Was ist das primäre Ziel dieser Untersuchung?

Das Ziel ist es, den inneren Zusammenbruch eines ordnungsliebenden Menschen durch ein absurdes Ereignis nachzuzeichnen und zu deuten.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Textanalyse, die strukturale Aspekte mit psychologischen Deutungsmustern verbindet.

Welche Aspekte werden im Hauptteil behandelt?

Behandelt werden die Biographie des Autors, der narrative Aufbau der Erzählung sowie eine detaillierte psychologische Aufarbeitung der verschiedenen Stadien von Noels Krise.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Begriffe sind Identitätsverlust, Lebensangst, Ordnungswahn und der Prozess der psychischen Erlösung.

Wie deutet die Arbeit die Rolle der Taube?

Die Taube wird nicht als Friedenssymbol, sondern als Verkörperung von Chaos, Anarchie und als Bedrohung für Noels sorgsam gehütetes, geordnetes Leben interpretiert.

Welche Bedeutung kommt dem Gewitter am Ende der Erzählung zu?

Das Gewitter wird als ein reinigendes Element betrachtet, das die traumatische Blockade löst und dem Protagonisten ermöglicht, in die Welt zurückzukehren.

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Details

Titel
Zu: Patrick Süskind - "Die Taube"
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Germanistisches Institut)
Veranstaltung
Novellen nach ´45 und der Moderne
Note
1,0
Autor
M.A. Saskia Dams (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2000
Seiten
10
Katalognummer
V1303
ISBN (eBook)
9783638108157
ISBN (Buch)
9783638956321
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Süskind Taube Novelle Isolation
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
M.A. Saskia Dams (Autor:in), 2000, Zu: Patrick Süskind - "Die Taube", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1303
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Leseprobe aus  10  Seiten
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