Vor allem unter Anbetracht der zunehmenden Heterogenität in den deutschen Klassenzimmern will sich diese Hausarbeit mit den Spezifitäten der deutschen Syntax befassen. Zentrales Ziel ist es, besagte Eigenarten aufzudecken und ein geeignetes didaktisches Werkzeug zu finden, durch welches der Verwirrung Einhalt geboten werden kann. Als wissenschaftliche Grundlage dient das topologische Modell nach Erich Drach (1937). Es wurde als grammatisches Spezialmodell des Deutschen explizit dafür entwickelt, um die Stellungsbesonderheiten des deutschen Satzbaus herauszustellen. Das, sowie die Tatsache, dass sich dieser Ansatz inzwischen über den Fremdsprachenunterricht hinaus auch im Grammatikunterricht hat etablieren können, macht es zum zentralen Untersuchungsgegenstand dieser Seminararbeit.
Im Folgenden sollen die Grundlagen des deskriptiven Grammatikmodells aus fachwissenschaftlicher Perspektive erläutert werden. Dafür werden zunächst sprachtypologische Parameter des Deutschen herangezogen werden und das Verb als zentrales Element des Satzes identifiziert. Es folgt eine Klassifikation der verschiedenen Satzstellungstypen des Deutschen, woraufhin die primären Stellungfelder des Feldermodells erläutert werden, mit welchen auch im Grammatikunterricht gearbeitet wird. Der inhaltlich zweite Teil birgt didaktische Überlegungen zum Gegenstand. Zu Beginn sollen die Vorzüge des Modells hinsichtlich seines Einsatzes in der unterrichtlichen Praxis skizziert werden. Daraufhin wird ein Blick in das verbindliche Kerncurriculum (KC) Aufschluss darüber liefern, welchen Beitrag es im Rahmen der Kompetenzentwicklung von Schüler:innen im Fach Deutsch leisten kann. Es folgt Input über didaktische Reduktion des Gegenstandes bei seiner Implementierung in der Orientierungsstufe. In Rahmen der Schulbuchanalyse werden schließlich zwei ausgewählte Lehrwerke der 5. Jahrgangsstufe unter Referenz auf das Feldermodell untersucht werden. Das Fazit beinhaltet eine Zusammenfassung der Ergebnisse sowie eine abschließende Bewertung des Feldermodells hinsichtlich seines Nutzens für einen nachhaltigen Grammatikunterricht. Die zugrundeliegende Literatur lässt sich im Literaturverzeichnis nachvollziehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlagen der Felderlehre
2.1. Satzstellungstypen des Deutschen
2.1.1. Der Verbzweitsatz (V2)
2.1.2. Der Verberstsatz (V1)
2.1.3. Der Verbletztsatz (VL)
2.2. Das allgemeine Grundmuster des Feldermodells
2.2.1. Die Satzklammer
2.2.2. Das Vorfeld
2.2.3. Das Mittelfeld
2.2.4. Das Nachfeld
3. Eine fachdidaktische Betrachtung des Gegenstandes
3.1. Vorzüge des Feldermodells
3.2. Sprache (im Ansatz) als Ordnung und System verstehen lernen
3.3. Reduktionen in der unterrichtlichen Vermittlung
4. Lehrwerkanalyse
4.1. D. Eins (2017)
4.2. Deutschbuch Gymnasium 5 (2019)
4.3. Resümee der Lehrwerkanalyse
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das Feldermodell nach Erich Drach als didaktisches Werkzeug für den Grammatikunterricht, um Schülern die Besonderheiten der deutschen Syntax, insbesondere die Satzklammer, anschaulich und funktional zu vermitteln. Ziel ist es, die Eignung des Modells für die Orientierungsstufe zu bewerten und durch eine Analyse aktueller Lehrwerke zu prüfen, wie dieses Instrument in der schulischen Praxis implementiert wird.
- Wissenschaftliche Grundlagen der deutschen Syntax und des Feldermodells
- Didaktische Vorzüge des Feldermodells für den Grammatikunterricht
- Vergleichende Analyse der Lehrwerke "D. Eins" und "Deutschbuch Gymnasium 5"
- Methoden zur Vermittlung von Satzstrukturen und Satzgliedern
- Förderung eines funktionalen Sprachverständnisses bei Lernenden
Auszug aus dem Buch
2. Grundlagen der Felderlehre
Wie Eingangs erwähnt stellt das Feldermodell die Besonderheiten des deutschen Satzbaus in den Fokus. Dafür geht es vom Verb als sein zentrales Element aus. Dieses hat die besondere Eigenschaft, jeweils abhängig von seiner Bedeutung, eine festgelegte Mindestanzahl von Satzgliedern (Valenz) zu fordern, ohne die ein Satz mit den entsprechendem Verb semantisch und grammatisch unvollständig ist. Dabei bestimmt es außerdem über die Kasusform (Rektion) der jeweiligen Satzglieder (vgl. grammis 2018b; Imo 2016: 57).
Seine strukturgebenden Eigenschaften für den deutschen Satzbau resultieren daraus, dass es prinzipiell zweiteilig auftreten kann und dafür zwei feste Positionen im deutschen Satz bereitstehen. Die diskontinuierliche Anordnung von Verbbestandteilen bewirkt die charakteristische Klammerstruktur der deutschen Syntax im Aussagesetz, welche das Deutsche von anderen Sprachen unterscheidet. (Vgl. Schöneberg 2011: 12) Dieses „auseinandergerissene“ (Imo 2016: 199) Verb ergibt sich im syntaktischen Regelfall immer dann, wenn es in Form eines analytischen Tempora auftritt, im Passiv, als Modalverb oder aber als Präverb mit trennbaren Verbpartikeln. (Vgl. ebd.: 199f.; Schäfer 2018: 394f.) Einen Nicht-Muttersprachler, wie Twain es war, stellt das vor eine Herausforderung. Denn das Vollverb, welches zentral für die Bedeutung des Satzes ist, steht im typisch deutschen Aussagesatz häufig am Ende und hält so relevante Informationen zum Satzverstehen lange Zeit zurück (vgl. Imo 2016: 200). Zu den häufigsten Einheiten, für die diese Schlussstellung gilt, zählen Präverben von trennbaren Verben, Infinitive und Partizip II-Formen (vgl. Granzow-Emden 2019: 69).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert die Herausforderungen des deutschen Satzbaus, führt das Feldermodell als Untersuchungsgegenstand ein und skizziert das methodische Vorgehen.
2. Grundlagen der Felderlehre: Dieses Kapitel erläutert die linguistischen Grundlagen der Satzstellungstypen (V2, V1, VL) und das Grundmuster des Feldermodells mit der Satzklammer.
3. Eine fachdidaktische Betrachtung des Gegenstandes: Hier werden die didaktischen Vorteile des Modells, sein Potenzial für ein systematisches Sprachverständnis und Möglichkeiten der Reduktion für den Unterricht dargelegt.
4. Lehrwerkanalyse: Dieser Teil untersucht und vergleicht die didaktische Umsetzung des Feldermodells in den Lehrwerken D. Eins und Deutschbuch Gymnasium 5.
5. Fazit: Das Fazit bewertet das Feldermodell als leistungsfähiges Instrument für den Grammatikunterricht, insbesondere zur Vermittlung komplexer Satzstrukturen in der Orientierungsstufe.
Schlüsselwörter
Feldermodell, deutsche Syntax, Grammatikunterricht, Satzklammer, Lehrwerkanalyse, Orientierungsstufe, Sprachdidaktik, Satzstellungstypen, Verbstellung, Funktionsgrammatik, Vermittlungskompetenz, Grammatikmodell, Satzglieder, Verbvalenz, Sprachbewusstsein
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der didaktischen Anwendung des Feldermodells nach Erich Drach, um Schülern die Struktur und die Besonderheiten der deutschen Syntax verständlich näherzubringen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder sind die linguistischen Grundlagen des deutschen Satzbaus, die didaktische Aufbereitung für den Unterricht ab der Orientierungsstufe sowie die vergleichende Analyse von Schulbüchern.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, das didaktische Potenzial des Feldermodells aufzuzeigen und zu prüfen, inwieweit es als Werkzeug geeignet ist, Lernenden ein funktionales Verständnis grammatikalischer Strukturen zu ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Fundierung durch fachwissenschaftliche Literaturdidaktik und führt eine explizite Lehrwerkanalyse der Schulbücher D. Eins und Deutschbuch Gymnasium 5 durch.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der theoretischen Grundlagen der Felderlehre, eine fachdidaktische Diskussion über den Einsatz im Unterricht sowie die Analyse der Umsetzung in den ausgewählten Lehrwerken.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Hauptbegriffe sind Feldermodell, deutsche Syntax, Grammatikunterricht, Satzklammer, Lehrwerkanalyse und Sprachdidaktik.
Worin liegt der spezifische Vorteil des Feldermodells gegenüber traditionellen Methoden?
Das Modell bietet durch die Visualisierung mittels Feldern eine klare, lineare und einprägsame Struktur, die den Aufbau des Satzes in Relation zum Verb setzt, was für Schüler motivierender und nachvollziehbarer ist als rein formale Regelvermittlung.
Wie unterscheidet sich die Vermittlung in den untersuchten Schulbüchern?
Während D. Eins das Feldermodell bzw. den "Klammermann" aktiv als Analyseinstrument einsetzt, verzichtet das Deutschbuch Gymnasium 5 weitgehend auf das explizite Feldermodell und fokussiert eher auf eine traditionellere Satzgliedbestimmung.
Welche Rolle spielt das Verb bei der Analyse im Feldermodell?
Das Verb fungiert als zentrales Element, welches durch seine Valenz und die klammerbildenden Eigenschaften die Struktur und die Stellungsregeln des Satzes maßgeblich bestimmt.
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- Anonym (Author), 2021, Das Feldermodell zur Vermittlung der deutschen Syntax, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1304061