Dieser Essay hat seinen Schwerpunkt in der Sprachdidaktik. Um die Differenz zwischen Alltagssprache und verdichteter Sprache zu verdeutlichen, werde ich mich zunächst analytisch der formalen und sprachlichen Gestaltung meines Patengedichts, Rainer Maria Rilkes "Der Panther" (1903), widmen. Dabei orientiere ich mich an der Vorgehensweise des Seminars, in welchem Analyseaspekte aus dem Cornelsen-Schulbuch herangezogen wurden. Daran anschließend werde ich zunächst in das Konzept der Sprachkultiviertheit einführen und anschließend das Modell der kommunikativen Kompetenz, mit spezifischen Fokus auf die kreative Kompetenz, skizzieren. Auf dieser Grundlage möchte ich abschließend einige operativ-kreative Herangehensweisen an mein Patengedicht erörtern, die zur Förderung besagter sprachlicher Kompetenzen in der unterrichtlichen Praxis beitragen können.
Für die meisten Kinder bilden lyrische Texte die frühste sprachästhetische Erfahrung. Indem sie etwa von ihren Eltern als Säuglinge Schlaflieder vorgesungen oder gesprochen bekommen, entwickeln sie ein Gespür für Melodik und Rhythmus, schon lange bevor sie Sprache verstehen können. Lyrik ist dabei, folgt man K. Spinner, „die ästhetische Manifestation von Sprache“.
Neben den sprachlichen und formalen Verschiedenheit der lyrischen Sprache im Vergleich zur Alltagssprache (dazu später mehr) betreibt die Lyrik ein „artistisches Spiel“ mit sprachlichen Möglichkeiten (in Metrik, Reim, Klang sowie Wortwahl, Stilmittel und deren optischen Anordnung). Die Erkundung dieser Möglichkeiten ist Teil der Verstehensarbeit im Unterricht - allerdings birgt sie auch einen enormen Eigenwert: Sie kann maßgeblich zur Förderung des Sprachbewusstseins, der ästhetischen Wahrnehmung sowie des ästhetischen Vergnügens der Lernenden beitragen. Um nicht zuletzt das Potenzial lyrischer Texte für die Identitätsentwicklung verfügbar machen zu können, soll der Unterricht nicht nur auf gelungene Textinterpretationen abzielen, sondern das spielerische, aktivierende Moment in Gedichten entdeckend und kreativ erfahrbar machen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Panther – Rainer Maria Rilke
2.1. Gedichtform Dinggedicht – Definition
2.2. Der Panther als typisches Dinggedicht
2.3. Form und Sprache des Gedichts
2.3.1. Reimschema und Metrik
2.3.2. Syntax, Zeichensetzung und Enjambements
2.3.3. Sprachliche Perspektivierung und Wortwahl
3. Sprachliche Bildung
3.1. Von Sprachkultur und Sprachkultiviertheit
3.2. Das Modell der kommunikativen Kompetenz
4. Transfer in die unterrichtliche Praxis
4.1. Chancen und Herausforderungen des Gedichts
4.2. Exkurs: Charakteristika lyrischer Sprache (Spinner 2000)
4.3. Förderung der Sprachkompetenz
4.3.1. Hinführung und Zugang zum Gedicht
4.3.2. Verfahren zur Förderung der kreativen Kompetenz
5. Fazit
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das identitätsstiftende und sprachdidaktische Potenzial von Rainer Maria Rilkes Gedicht "Der Panther" für den Literaturunterricht, mit einem besonderen Schwerpunkt auf die Förderung der kreativen Sprachkompetenz bei Schülerinnen und Schülern unter Einbeziehung aktueller Lebenswelten.
- Analyse der formalen und sprachlichen Gestaltung von Rilkes "Dinggedicht".
- Einführung in die theoretischen Konzepte der Sprachkultiviertheit und kommunikativen Kompetenz nach Janich.
- Diskussion des Identifikationspotenzials von Lyrik in Krisenzeiten.
- Darstellung operativ-kreativer Methoden für den Literaturunterricht.
Auszug aus dem Buch
2.2. Der Panther als typisches Dinggedicht
Bei meinem Patengedicht Der Panther handelt es sich um eines der prominentesten Dinggedichte Rilkes. Darin beobachtet ein/e Besucher:in der Pariser Gartenanlage einen hinter Gitter gesperrten Panther und interpretiert das Gesehene als innere Erfahrung. Typischerweise steht das Gedicht deshalb „in der Spannung zwischen Objekt- und Subjektbezug, zwischen Gegenstandstreue und imaginativer Sicht, zwischen realistischer und symbolischer Darstellung.“ (Müller 1997: 367, zit. nach Wolf oD.: 97) Der Panther ist ein Spiel „um An- und Abwesenheit“ (Bolterauer 2015: 46), in dem sich im Hin- und Her Switchen der inneren und äußeren Welt Valenzen vertauschen (vgl. ebd.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert die Bedeutung lyrischer Texte für die sprachästhetische Erfahrung und legt den Fokus auf die Sprachdidaktik unter Verwendung des Patengedichts "Der Panther".
2. Der Panther – Rainer Maria Rilke: Dieses Kapitel analysiert das Gedicht als "Dinggedicht" und untersucht detailliert dessen formale und rhetorische Gestaltungsmittel sowie die Perspektivierung.
3. Sprachliche Bildung: Hier werden die theoretischen Grundlagen zur Sprachkultiviertheit und das Modell der kommunikativen Kompetenz nach Janich erläutert.
4. Transfer in die unterrichtliche Praxis: Dieses Kapitel beschreibt methodische Ansätze und Chancen, wie "Der Panther" konkret im Unterricht zur Förderung kreativer Sprachkompetenz eingesetzt werden kann.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass das Gedicht durch seine Thematik und strukturelle Raffinesse ein wertvolles Instrument für Identitätsentwicklung und Sprachförderung im schulischen Kontext ist.
Schlüsselwörter
Der Panther, Rainer Maria Rilke, Dinggedicht, Sprachdidaktik, Sprachkultiviertheit, kommunikative Kompetenz, kreative Kompetenz, Literaturunterricht, Identitätsentwicklung, Lyrikanalyse, Sprachförderung, methodische Verfahren, Symbolik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse von Rainer Maria Rilkes Gedicht "Der Panther" und der Frage, wie dieses literarische Werk didaktisch genutzt werden kann, um Sprachkompetenz und Identitätsausbildung bei Lernenden zu fördern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen sind die Gattung des "Dinggedichts", die Theorie der Sprachkultiviertheit, die Bedeutung lyrischer Sprache sowie handlungs- und produktionsorientierte Verfahren im Literaturunterricht.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch eine gezielte didaktische Auseinandersetzung mit Rilkes modernem Gedicht sowohl formale als auch kreative Sprachkompetenzen gestärkt werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine strukturierte Textanalyse sowie auf die didaktische Einordnung in bestehende Theorien zur Sprach- und Literaturdidaktik, ergänzt durch Beispiele für produktionsorientierte Unterrichtsmethoden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil erfolgen eine detaillierte sprachanalytische Untersuchung des Gedichts, die theoretische Fundierung des Kompetenzbegriffs und die Erörterung konkreter methodischer Transfermöglichkeiten in die Praxis.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Dinggedicht, Sprachkultiviertheit, kreative Kompetenz, Identität, Literaturdidaktik und Produktionsorientierung.
Warum spielt die Pandemie in dieser Analyse eine Rolle?
Die Pandemie dient als aktueller und lebensweltlicher Anknüpfungspunkt, da das Gedicht Themen wie Einsamkeit, Freiheitsentzug und Isolation aufgreift, die für Jugendliche während der Lockdowns besonders identitätsrelevant waren.
Welche operative Methode wird für den Unterricht besonders empfohlen?
Der Autor empfiehlt insbesondere produktionsorientierte Verfahren wie das Schreiben von Parallelgedichten oder die Umwandlung der komplexen Gedichtsprache in Alltagssprache, um ein tieferes Verständnis für die sprachliche Gestaltung zu wecken.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2021, Wie Gedichte die kommunikative Kompetenz fördern. Die sprachliche Gestaltung von Rilkes "Der Panther" (1903) und Überlegungen zur Förderung der Sprachkultiviertheit im Literaturunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1304069